Auf Wiedersehen Papa

Auf Wiedersehen Papa

Ich glaube ich war 13 oder 14 Jahre alt, als es angefangen hat. Auf einmal war sie einfach da. Diese ohnmächtige Angst dich zu verlieren. Offensichtlich gab es keinen Grund dafür und logisch war es auch nicht zu erklären. Ich habe dir nie davon erzählt, aber ich denke, dir ging es genauso. Wenn ich als Kind abends nicht einschlafen könnte, hast du mich in den Arm genommen. Augenblicklich fühlte ich mich geborgen und sicher. Für mich war klar, wenn du da bist, passiert uns nichts. Erinnerst du dich an unsere Urlaube? Das Tauchen und die unbeschwerte Zeit am Meer? Einmal haben wir zum Abendessen Haifisch gegessen und am nächsten Tag habe ich mich nicht mehr ins Wasser getraut, weil ich dachte, die Familie des Haies würde uns genau das übel nehmen. Ich erinnere mich. An so viele Details, an so viele wunderschöne Jahre, die wir zusammen verbringen durften. Aber am meisten erinnere ich mich an dein riesengroßes, gutmütiges Herz, welches die Fähigkeit hatte schnell zu verzeihen und nie lange nachtragend zu sein. Unsere Verbindung war tief und ein Leben lang von Leichtigkeit geprägt. Du hast uns allen so viel geschenkt! Vor allem deine Zuversicht und dein unerschütterlicher Humor, den du uns mit auf den Weg gegeben hast, ist jetzt ein wahrer Segen für uns. Ich kann mich an keinen einzigen Tag erinnern, an dem du einmal schlecht gelaunt warst. Du konntest schwierige Situationen ins Gegenteil verkehren und wenn dir das einmal nicht gelang, dann half dir zumindest deine positive Grundeinstellung, leichter damit umzugehen. Du fehlst wirklich in allen Ecken und an so vielen Stellen. Trotzdem bist du immer noch so präsent und erfüllst den Raum mit deiner einzigartigen Energie. Mit dir ist auch meine Angst gegangen, so als wäre sie nie wirklich da gewesen. Ich hätte dir so gerne noch Lebewohl gesagt, wie viel du mir bedeutest und auch wie groß die Liebe von einem Kind zu seinen Eltern sein kann. An deinem letzten Tag war ich nicht bei dir. Ausgerechnet. Ich haderte damit, bis ich verstand. Vielleicht hätte ich erkannt, dass du dich jetzt wirklich auf den Weg machst? Vielleicht hätte ich dich dann niemals losgelassen, auch wenn ich wusste, dass dich nichts mehr hätte aufhalten können, auch nicht meine Liebe zu dir? Du hast mir, wie seit langer Zeit offiziell vereinbart, Zeichen geschickt. Ich habe keinen Zweifel . Du bist gut angekommen auf deiner letzten Reise und gleichzeitig spüren wir alle, du bist immer noch da. Ich konnte mich in deinem, meinem und unserem Sinne von dir verabschieden. Auch wenn deine Seele deinen Körper schon verlassen hatte, bin ich mir sicher, du weißt davon. Immer wenn ich traurig werde, dann denke ich daran, dass du es dir genauso ausgesucht hättest. Du wolltest nie im Krankenhaus sterben und es sollte nach Möglichkeit schnell gehen. Der Zeitpunkt und Ort war weise gewählt, das wird mir immer klarer. Dennoch vermisse ich dich unendlich. Wir alle. Doch auch hier überwiegt die tiefe Dankbarkeit, dass du 42 Jahre an meiner Seite gewesen bist. Dass du alle unsere Kinder kennengelernt hast. (und sie dich) Dass wir das letzte Stück Seite an Seite gehen durften. Dass du mir der beste Papa, den man sich vorstellen kann gewesen bist. Ich durfte so viel von dir lernen. Deine Ratschläge waren oft goldrichtig. Lieber Papa, danke, danke, danke für alles. Die Liebe hört niemals auf. Unsere Verbindung bleibt für immer. Aber das weißt du ja alles. Jetzt umso mehr.

Bis wir uns wiedersehen,

in unendlicher Liebe und tiefer Dankbarkeit,

bis wir uns wiedersehen, mein geliebter Seelenverwandter,

Mikl

Die Hollerfeen vom Tölzer Land

Die Hollerfeen vom Tölzer Land

Es freut mich ganz besonders, dass ich über die Hollerfeen vom Tölzer Land schreiben darf. Hinter diesen Namen verbergen sich nämlich drei ganz besondere und einzigartige Frauen. Sie kennen sich selbst schon „ewig“ und sind irgendwann in ihren Leben und unabhängig voneinander mit dem energetischen Räuchern in Berührung gekommen. Die Idee doch etwas zusammen entstehen und wachsen zu lassen, entstand aber erst, als alle drei bei Marlies Bader (Buchautorin von Wohnen in guter Energie, Räuchern mit heimischen Kräutern u.a.) eine Ausbildung in ritueller Räucherkunde absolvierten. Was Margot, Christa und Burgi neben ihrer engen Verbundenheit zur Natur und den Wunsch die Welt hinter den Dingen zu erkennen und zu erleben vereint, ist ihre tiefe Liebe dem Menschen gegenüber. „Wir ergänzen uns perfekt,“ bemerken die drei Hollerfeen fast aus einem Munde. „Wenn jemanden z.B. etwas vergessen hat, dann hat der anderen meist dran gedacht. Oft ist es aber auch eine Bestätigung, wenn drei das Gleiche wahrnehmen.“

Das Ahnenritual

Es hat gerade aufgehört zu regnen und die späte Nachmittagssonne blinzelt durch die farbenprächtigen Laubbäume. Heute an diesem wunderschönen Herbsttag haben mich die drei Hollerfeen zu Margot ins wunderschöne Malerhaus am Fuße des Tölzer Kalvarienberges eingeladen. Dort haben sie extra für d’Isarwinkler ein Ritual für mich vorbereitet. Bei diesem Ritual geht es darum, die Ahnen zu würdigen. „Sie wollen gesehen werden und uns in unserem Leben zur Seite stehen,“ da ist sich Margot, die selbst schon seit über fünfzig Jahren räuchert, absolut sicher. „Dadurch entsteht Segen. Durch Verabschiedung entsteht FREIraum, durch Vergebung Wandlung und durch Liebe letztendlich Heilung.“

Das Ahnenritual habe ich persönlich als sehr stärkend und heilsam empfunden. Besonders zu meinen Großeltern, die ich leider nicht alle persönlich kennenlernen durfte, fühlte ich eine innige Verbindung. Was bleibt ist das Gefühl wie wichtig und kraftvoll Familie sein kann und was gleichzeitig für unschätzbare Kraft dahintersteht. Das Ahnenritual hat mir das ziemlich eindrucksvoll gezeigt und ich bin den Hollerfeen sehr dankbar, dass ich das so intensiv spüren durfte.

Du kannst das Ritual gerne selbst durchführen. Sehr schön ist es auch, wenn dir jemand zu jeder Kerze ein paar begleitenden Gedanken dazu vorliest. Gerade die Vorweihnachtszeit (oder die Rauhnächte ab dem 21.12) eigenen sich hierfür bestens. Es ist eine gute Möglichkeit den Blick nach innen zu richten und loszulassen was nicht mehr dienlich ist. 

Sieben – Generationen – Meditation

Was brauche ich:

7 Kerzen, kleines Stöckchen, Räucherschale, Kohle, Räucherkräuter.

Besonders eigenen sich folgende Kräuter:

Wacholder auch als „Ahnenpflanze“ bekannt. Er schützt Körper, Geist und Seele und hilft „alte“ Emotionen loszulassen. Er erbittet den Segen der Ahnen und reinigt die eigene Gefühlswelt.

Die Rose als Symbol der Liebe, bringt Gleichgewicht.

Ysop gilt ebenfalls als Ahnenpflanze und wirkt segnend.

Thuja bekannt als „Mutterkraut“ verstärkt das Selbstvertrauen, animiert zu Tatkraft und fördert die Zufriedenheit.

Wermut „Mut sich zu wehren“- regt den Fluss der Lebensenergie an. Führt aus der Dunkelheit und Verbitterung bis hin zur Sonne und Süße des Lebens.

Styrax herzöffnend, hilft Kummer loszulassen, sorgt für Entspannung

Engelwurz löst Ängste, spendet Geborgenheit und Schutz,

Zuversicht, dass die Urkraft zurückkehrt

Copal Aufmachen vom Geistigen Raum, Geist des Himmels

Weitere bekannte Ahnenkräuter sind: Angelika-Wurzel, Beifuß, Eisenkraut, Holunder

Vorbereitung:

Kerzen, Räucherschale und Kräuter herrichten. Evtl. Ruhige Musik oder Stille, wenn vorhanden Bilder von den Ahnen.

Eröffnung des Heiligen Raumes. Einladung der Ahnen mich hier und heute zu unterstützen. Einladen der stärkenden Kräfte Engel, Gott, Mutter Maria usw…

Dabei die geistigen Gesetze achten:

Aller Geist ins Gottes Geist.

Alles ist miteinander verbunden.

Alles hat Ursachen und Wirkung.

Alles ist Schwingung.

1. Kerze

Diese Kerze steht für dich. Komme an im Hier und Jetzt und lasse los was dir nicht mehr dient. „Ich bin in Liebe und ich bin gut so wie ich bin.“

2. Kerze

Steht für deine Eltern. Die Mutter steht links von dir, der Vater rechts. Welche Gefühle steigen in dir auf? Nimm alles an was war, ohne es zu bewerten. Schicke Liebe und Dankbarkeit an deine Eltern für dein Leben und für alles was sie für dich getan haben. Wenn es etwas zu Verzeihen gibt, dann verzeihe ihnen (wenn möglich) aus ganzem Herzen. Falls du spürst, dass du etwas von den beiden trägst, das dir nicht gehört, lege das kleine Stöckchen neben die Kerze und gebe es hiermit symbolisch zurück.

3. Kerze

Jetzt visualisiere deine Großeltern deiner Mutter (links) und deines Vaters (rechts). Spüre ihre Kraft und wie stärkend es ist, sie hinter dir zu wissen. Wenn es auch hier etwas gibt, was du für sie trägst, so lege wieder stellvertretend das kleine Stöckchen zu der Kerze. Gehe in Dankbarkeit weiter, wenn sich die Energie gut anfühlt.

4. – 7. Kerze

Spüre dich bei jeder Kerze in deine weitere Ahnenfolge ein. (Ururgroßeltern…usw) Jedes Gefühl darf kommen, alles darf sein. Auch hier verweile solange es sich für dich stimmig anfühlt in der Kraft und der Liebe deiner Ahnen, bedanke dich und gehe weiter. Trägst du für jemanden etwas, gib es liebevoll zurück.

Am Ende der Meditation stehen meine Ahnen aus 7 Generationen hinter mir, was gleichzeitig unfassbar stärkend wirkt.

„Ahnen sind für den nur Nullen,

der als Null zu ihnen tritt.

Steh als Zahl zu ihrer Spitze

und die Nullen zählen mit.“

Aus ganzem Herzen im d’Isarwinkler

Aus ganzem Herzen im d’Isarwinkler

Seit der 2. Ausgabe und somit seit über fünf Jahren, schreibe ich für “d’Isarwinkler”. Am meisten beeindruckt haben mich die Menschen, denen ich dort begegnet bin und ihre Geschichten, über die ich dann erzählen durfte. Die Verbindung zum “d’ Isarwinkler” war immer leicht & beschwingt und es freut mich so sehr zu sehen, wie dieses Magazin die letzten Jahren gewachsen ist. In der aktuellen Ausgabe hat meine Kollegin Martina Geisberger so herzerfrischend über meinen Blog berichtet. Das war tatsächlich auch für mich eine äußerst ungewöhnliche Situation auf der “anderen Seite” zu stehen. Doch dadurch ist mir auch einiges klar geworden. Wie sehr ich das Schreiben wirklich liebe und wie (über)glücklich ich bin, dass ich überhaupt schreiben darf und dadurch die Möglichkeit habe, auszudrücken was mir am Herzen liegt. Genau das zu tun, was die Freude zu einem bringt, ist ein riesengroßes Geschenk! Ich bin so froh, unterwegs zu sein… #disarwinkler #ausganzemherzen

http://www.disarwinkler.de

Über die Kraft des Briefeschreibens

Über die Kraft des Briefeschreibens

Heute ist der 30.November.2021 und ich habe meinen letzten Brief weggeschickt. Als die Idee zu “Sweet November” im Spätsommer entstand, hatte ich einfach schlichtweg keine Ahnung. Ich weiß auch nicht genau, was ich mir dabei gedacht habe. Wahrscheinlich so was ähnliches wie: jetzt schreibst du einfach mal 30 Briefe, steckst alle in ein Kuvert und im November suchst du jeden Tag nach einem Menschen, von dem du denkst, dass er sich diesen Brief am “meisten” wünscht. Nein, ich hatte wirklich keine Ahnung! Die Briefe waren anfangs November fertig geschrieben und der Plan war, dass ich jeden Abend einen kleinen Text dazu teile, ja um eben rauszufinden, wohin und vor allem an wen, ich den Brief schicken sollte. Damit hörte ich am zweiten Tag ganz schnell wieder auf, denn ich stellte fest, die 30 Briefe reichen bei Weitem nicht aus. Eure Nachrichten haben mich mitten ins Herz getroffen. Es war klar, ich MUSS euch allen schreiben und das kann ich jetzt nur, wenn ich aufhöre Texte zu posten, sondern sofort weitermache jeden Tag wieder Briefe zu schreiben. Was habe ich mir nur dabei gedacht, dass ich täglich jemand auswählen könnte? Ich glaube, ich habe einfach gar nicht damit gerechnet, dass es gleich am Anfang so viele sind, die sich einen Brief wünschten. Doch ich war gerührt und bewegt und dachte mir, schreib halt einfach mal drauf los. Du darfst nur nicht aufhören zu schreiben. Und so habe ich einfach immer weitergeschrieben. Selbst dann, als meine ganze Familie positiv auf Covid getestet wurde. ( keine Angst, das war schon ganz am Anfang und Corona ist nicht auf dem Postweg übertragbar – plus Briefkuverts und Briefmarken sind selbstklebend) Oder auch wenn ich untertags keine ruhige Minute gefunden habe und abends eigentlich viel zu müde war und selbst dann als ein Freund, die mir so viel bedeutet hatte, unerwartet und völlig aus heiterem Himmel verstorben ist. Ausgerechnet an diesem Tag habe ich drei Briefe über Trauer geschrieben und wusste in diesem Augenblick noch nicht, dass damit auch ich gemeint war. Was mir noch wichtig ist: Ich behalte alles was ihr mir anvertraut habt, für mich. Keiner wird je davon erfahren. Das ist jetzt sozusagen ein Indianerehrenwort. Manche Briefe waren leicht und beschwingt, andere gingen unter die Haut und ich musste selbst manches Mal, den Stift für einen Moment aus der Hand legen, weil es mir so nah ging. Ich habe Kindern geschrieben, die ihren Papa verloren haben. Lebenslustigen, wundervollen Frauen, die sich so sehr nach Familie und einem Partner sehnen. Briefe an die, die einsam sind und keinen einzigen Freund haben, mit dem sich wirklich eng verbunden fühlen. An welche, die gerade eine schlimme Diagnose erhalten haben. An die, die traurig sind, aber unglaublich mutig und sich jeden Tag einen kleinen Schritt mehr, zurück ins Leben kämpfen. “Alten” Schulfreundinnen von mir, die ich schon so lange nicht mehr gesehen habe, aber für die ich jetzt endlich einen Anlass hatte, ihnen zu schreiben. Egal wer oder welches Thema es war… Jeder einzelne Brief lag mir gleichermaßen am Herzen und hat mich tief berührt. Weil ich eine wichtig Erkenntnis mitgenommen habe: wir sind alle gleich. Wir sehnen uns nach Liebe und ein bisschen Glück, lernen unsere Lektionen, um langsam weiterzugehen und um dran zu wachsen. (oft über uns hinaus) Umso mehr Briefe ich schrieb, umso klarer wurde mir, dass wir im Grunde alle versuchen die “beste Version unseres wahren Wesens zu sein/werden”. (ich hätte es gern mit einfacheren Worte ausgedrückt) Im besten Falle ist unser Herz bis zum Rand mit Liebe gefüllt und wir leuchten einfach vor uns her. Um mehr geht es im Wesentlichen nicht. Wir brauchen nicht alles zu verstehen, um zu lieben und glücklich zu sein. Zumindest sollten wir es auf alle Fälle jeden Tag aufs Neue versuchen, weil es das zweifelsohne immer wert ist. Doch es gibt noch eine zweite Erkenntnis, weniger bedeutungsschwer, aber doch so essentiell, dass ich sie unbedingt noch erwähnen sollte. Ich glaube wirklich an die Kraft des Briefes und sagen wir einmal, die des Wortes. Trotzdem bleibe ich demütig genug, dass es nicht um meine Briefe geht, die ich schrieb. Sondern hier um deine Sehnsüchte und deine ganz persönlichen Träume. Glaub mir, sie haben ausnahmelos immer etwas mit dir zu tun. Sie sind dein allerbester Wegweiser! So wie bei mir das jetzt mit dem Briefeschreiben war. Denn ich verrate dir etwas, ich habe am Anfang überhaupt nicht gewusst, wie und wann ich denn jetzt diese vielen Briefe schreiben sollte. Doch ich war mir einfach immer sicher, dass eine Stunde am Tag, (es wurden immer etwas mehr 😉 den Unterschied macht. Eine Stunde nur, die es wert ist, alles andere hinten anzustellen, um dir zu zeigen, wie wichtig du bist und dass du zählst. Du bist kostbar, unendlich wertvoll und wunderbar! Wenn ich in zwei Monaten jetzt 72 Briefe schreiben konnte, was kannst du dann nicht alles schaffen, was wirklich den Unterschied für dich ausmacht? Fang doch einfach an und du wirst sehen, es ist alle die Mühe wert.

Ich danke euch aus ganzem Herzen, dass ich euch schreiben durfte, dass du bis hierher gelesen hast und überhaupt. Das ist ein riesengroßes Geschenk für mich. Genauso sehe ich das.

Danke, danke, danke. ♥

Michaela

P.S. Wer jetzt selbst einen Brief schrieben möchte, kann das gerne tun! Am 9.12. bringe ich eure selbstgeschriebenen Briefe zum Schwaighof an den schönen Tegernsee. Bis dahin könnt ihr jeden Tag Briefe, Karten…als was euch einfällt, an die Bewohner des Schwaighofes, an die Pflegekräfte, Mitarbeiter…usw. schreiben. Die beiden Klinik Clowns Brunhilde Würstl und Erika Hendlmeier, werden dann die Post verteilen. Übrigens kannst du natürlich auch ein den Klinik Clowns schreiben. Ich freue mich so, so über eure Post.

klinikclowns.de

Ein Nachruf für dich – Dr. Ralph Bethke

Ein Nachruf für dich – Dr. Ralph Bethke

Ich habe einen wahren Freund verloren. Von einem Tag auf den anderen, völlig unerwartet und es bricht mir das Herz. Dass es ausgerechnet Covid gewesen ist, kann ich fast nicht glauben. Doch jetzt, wo du nicht mehr hier bist, weiß ich, dass es im Grunde gar keine Rolle spielt. Genauso wenig, ob du nun geimpft, ungeimpft, geboostert oder irgendeine unentdeckte Vorerkrankung hattest. Ich will keine Zeit damit verschwenden, darüber nachzudenken. Was zählt ist dein Leben und deine unermüdliche Energie “gut zu sein.” Zwischen uns ist alles geklärt. Ich habe dir und deiner wunderbaren Frau, bei jeder passenden Gelegenheit gesagt, wie unendlich wertvoll und kostbar eure Freundschaft für mich ist. Du auch. An meinem Geburtstag, vor ein paar Wochen hattest du gemeint, sie ist einer der buntesten Steine in deinem Mosaik des Lebens. Ich hätte es nicht treffender formulieren können. Ich habe die Verbindung zu dir und Angelika sofort gespürt & bin aus ganzem Herzen dankbar für die wunderbare Zeit mit euch und dafür, dass wir uns vor über 15 Jahren über den Weg gelaufen sind. Unsere Gespräche waren immer tief, im besonderen Maß bereichernd und gleichzeitig leicht. Es gibt nicht viele Menschen, mit denen ich so offen reden konnte, wie mit euch. So sehr wir auch ähnlich gefühlt und gedacht hatten, hattest du mich auch immer wieder mit deinen Weisheiten und Erkenntnissen überrascht. Ich konnte so viel von dir (euch) lernen. Wir haben uns manches Mal Monate nicht gesehen, mindestens aber einmal im Jahr. An unserem Karfreitag, der wegen uns, einer meiner absoluten Lieblingstage wurde. Wir hatten uns jedes Mal soviel zu erzählen und deine (eure) Energie blieb noch Tage bei mir. Da war da noch dein Humor. Wir haben oft aus tiefsten Herzen gelacht, bis uns der Bauch weh tat. Du warst einer der spirituellsten Menschen, die ich kenne. Nie hast du vorgegeben, allwissend zu sein. Im Gegenteil, da war diese riesengroße Demut und dieses empathische Verständnis allen Menschen gegenüber, denen du begegnet bist. Manches Mal hatte ich sogar den Eindruck, du bist nicht von dieser Welt…Wir haben oft über das Leben, aber auch über das Danach gesprochen. Unsere Ansicht darüber war immer klar. Deswegen danke ich dir, für all die vielen Zeichen, die du mir seit gestern (und den Tagen zuvor, als ich noch keine Ahnung hatte) unmissverständlich geschickt hast, damit ich weiß, du bist noch hier. Ich werde alles versuchen, um weiterhin achtsam weiterzugehen, um jedes weitere Zeichen von dir zu erkennen. Trotzdem wirst du mir fehlen und ich bin ich unendlich traurig. Mein lieber, guter Freund, ich sage nicht ruhe in Frieden, weil du nicht ruhen wirst. Das steht dir nicht. 😉 Aber geh dorthin wo du zu Hause bist…wir bleiben noch ein bisschen hier und holen dich irgendwann ein. Danke lieber Ralph, danke für alles. ♥

Aus ganzem Herzen und in tiefer Verbindung zu euch, Michaela

Briefe für die Klinik Clowns

Briefe für die Klinik Clowns

Was für ein freudiger Tag! Ich bin den Klinik Clowns das allererste Mal vor über 15 Jahren begegnet. Seitdem verfolge ich ihre unendlich wertvolle Arbeit. Ich werde euch auf alle Fälle in naher Zukunft noch genauer davon berichten. Jetzt erst einmal habe ich tatsächlich einen Aufruf an euch, der mir wirklich sehr am Herzen liegt! Seit Anfang Oktober schreibe ich jeden Tag Briefe. Es ist sozusagen meine “kleine Nachtbeschäftigung” geworden. Ich kann selbst gar nicht fassen, was dieses kleine Projekt ausgelöst und auch bei mir verändert hat. Darum habe ich heute eine große Bitte an euch. Bitte schreibt mir Briefe. Also nicht wirklich mir, sondern lauter bunte, liebevolle Karten und Briefe an die Senioren vom Schwaighof am Tegernsee. Brunhilde Würstl und Erika Hendlmeier werden diese dann ganz höchstpersönlich am 9.Dezember übergeben. (ich berichte euch detailliert und in Kürze) Gerne könnt ihr natürlich auch den Klinikclowns und Pflegekräften schreiben, die diese kleine Aufmerksamkeit wirklich so sehr verdient haben. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel mir das bedeutet, wenn ihr dabei seid’s! Meine Kamera ist derzeit leider kaputt, das Video mit der Ersatzkamera ist also nicht in allerbester Qualität, die Botschaft dafür aber umso mehr.

Bitte, bitte teilt den Beitrag so oft es möglich ist. Ich danke euch aus ganzem Herzen ♥

Bei den Klinik Clowns am Schwaighof/Tegernsee

Sweet November

Sweet November

Ich habe dir einen Brief geschrieben. Genau genommen ist es nicht nur ein Brief, sondern ganze dreißig Briefe. Warum ich dir schreibe fragst du jetzt? Ich bin eine Briefeschreiberin. Immer schon oder zumindest solange ich schreiben kann. Ich mag den Geruch frischer Tinte an meinen Händen, Briefpapier in jeweiligen Lieblingsfarben (welche ist deine?) und den Moment, wenn ein Brief im Briefkasten verschwindet, um auf Reisen zu gehen. Ich weiß von dem magischem Moment, wenn man selbst einen Brief erhält und auch von dem Gefühl der Vorfreude, wenn man auf einen wartet. (Liebes) Briefe machen die Welt zu einem besseren Ort und sie haben die Kraft, etwas in uns zu verändern. Sie schaffen eine Verbindung zwischen unseren Herzen und lassen uns Gedanken aussprechen, die wir sonst wohlmöglich für uns behalten würden. Briefe bewahren Geschichten, die viel zu selten noch erzählt werden und die wir in Wahrheit doch alle so schmerzlich vermissen. Briefe schaffen Nähe, wenn wir nicht zusammen sein können und es gibt Briefe, die so bedeutungsvoll sind, dass sie uns ein Leben lang tragen.

Jeden Tag, eine Stunde, einen ganzen Monat lang, so habe ich es mir vorgenommen. Dann habe ich einfach damit angefangen und immer weiter geschrieben. Meistens mitten in der Nacht, als alles ruhig um mich war. Wenn ich an einen Tag keinen Brief geschrieben habe, dann dafür am nächsten Tag zwei.

Wann hat dich zum letzten Mal jemand gefragt, wie es dir geht? Ob du denn glücklich bist und wonach du dich sehnst? Ich wollte, dass du weißt, dass eine Stunde am Tag einen Unterschied ausmachen kann. Und ich habe dir einen Brief geschrieben, weil du es einfach wert bist.

Denn ist doch November. Der Monat der den Ruf hat, der “dunkelste” von allen zu sein. Doch genauso gut kann er für dich leuchten. Es liegt daran aus welcher Perspektive du ihn betrachtest.

Morgen ist der 1.November und ich werde jeden Tag einen Brief wegschicken. Immer zu einem anderen Thema. Du kannst mir eine Nachricht oder in den Kommentaren schreiben, warum der Brief unbedingt zu dir sollte. Vielleicht kennst du auch jemanden, von dem du überzeugt bist, dass genau er/sie diesen Brief erhalten sollte. Schreib mir einfach.

Ich muss jetzt aufhören, weil ich noch meinen allerletzten Brief für euch schreibe. Ich hoffe er bringt Freude zu dir und ist für dich von Bedeutung.

Aus ganzem Herzen,

Michaela

1.November Freundschaft

2.November Mitgefühl

3.November Wertschätzung

4.November Selbstvertrauen

5.November Träume & Sehnsucht

6.November Dankbarkeit

7.November Selbstbewusstsein

8.November Zuversicht

9.November Mut

10.November Glaube

11.November Heimat & zu Hause sein

12.November Gesundheit

13.November Trauer & Trost

14.November Gelassenheit

15.November Wahrheit

16.November Kreativität

17.November Verletzlichkeit & Sensibilität

18.November Beziehungen

19.November Familie

20.November Optimismus

21.November Wunder

22.November Freiheit

23.November Gerechtigkeit

24.November Glück

25.November Liebe

26.November Allein sein

27.November Verbundenheit

28.November Frieden

29.November Humor

30.November über den Zufall

Fotos: Leni T. Linke

Nur in meinem Kopf

Nur in meinem Kopf

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich darüber berichtet, wie glücklich ich über meinen neues Notebook bin. Ich dachte mir, endlich kann ich abends wieder schreiben. Unser süßes, kleines Baby ist mittlerweile fast 17 Monate alt und schläft nachts immer noch am besten, wenn jemand direkt neben ihm liegt. Doch statt Blogbeiträge zu verfassen, habe ich jede Nacht E-Mails beantwortet, Buchungen geändert und eingetragen oder einfach nur versucht auf alles zu antworten, was sonst halt noch so in unserem Posteingang landet. Das mache ich wirklich gerne, doch es blieb einfach überhaupt keine Zeit mehr für’s Schreiben. (so sehr ich es mir auch gewünscht habe) Doch mit dem Herbst werden nicht nur die Tage kürzer, sondern auch unser Posteingang langsam wieder übersichtlicher. Aber auch wenn ich diesen Sommer so wenig geschrieben habe, wie noch nie auf diesem Blog, sind dennoch viele Ideen für neue Beiträge in meinem Kopf entstanden. Nein eigentlich muss ich sagen im Herz. Dort fängts immer an. Mit einem zartem Gefühl, das langsam wächst und stärker wird, bis ich dann nicht mehr anders kann, als darüber zu schreiben.

Ich werde die ein oder anderen Geschichten bald für euch aufschreiben. Aber derzeit beschäftigt mich ein Projekt, dass ich jetzt erst einmal noch nicht verraten werde. Dafür werde ich schreiben, viel, viel schreiben und deswegen brauche ich jetzt noch ein bisschen Zeit dafür. Genau genommen bis zum 1.November 2021. Das Projekt ist ein Geschenk an euch und bedeutet mir viel. Aber ihr werdet schon sehen.

Bis dahin bleib ich mit euch verbunden,

aus ganzem Herzen,

Michaela

(M)ein Leben ohne Smartphone – Eine Fortsetzung

(M)ein Leben ohne Smartphone –                        Eine Fortsetzung

Mein letzter Blogartikel liegt eine Weile zurück. Was nicht etwa an einer kreativen Schaffenspause lag, sondern hauptsächlich an dem kleinen Baby, welches gerade friedlich neben mir schlummert. Der Plan war, dass ich mich zumindest nachts hin und wieder an den PC ins Büro schleichen kann. Hat doch bei den anderen drei auch meistens geklappt. Doch Baby 4 ist ein Vorzeigetragestillkind mit ausgeprägten Nähe-Bedürfnis und ist einfach am glücklichsten, wenn man es rund um die Uhr umher trägt. (vorzugsweise von Mama, was vermutlich auf die sichere Nahrungsversorgung zurückzuführen ist) Mittlerweile krabbelt unser Wonneproben und vergisst dann schon mal das mit dem ausgeprägten Nähe-Bedürfnis, wenn er gelegentlich von einer mindestens ebenso ausgeprägten Abenteuerlust überwältigt wird. Kurz: Man darf unser heiß und innig geliebtes Baby nicht eine Sekunde aus den Augen lassen. Noch kürzer: ich hab es auch kaum ins Büro zu unserem PC geschafft. Ich war also die letzten 8 Monate praktisch nicht nur ohne Smartphone, sondern auch oft offline. Für ein paar wenige Ausnahmen, (der letzte Blogeintrag war im August!) habe ich die großen Kinder mit fragwürdigen pädagogischen Mitteln (u.a. Eis oder Gummibären) bestochen, damit sie nur mal “schnell” auf den kleine Bruder aufpassen oder mir abends sogar heimlich das Tablet aus dem Kinderzimmer geklaut, um darauf mit einem Finger Facebook Beiträge zu schreiben. Ich habe nämlich nicht nur kein Smartphone, sondern auch keinen Laptop oder ein anderes funktionierendes, mobiles Gerät mit möglichem Internetzugriff. Zumindest hatte, denn seit Weihnachten bin ich nun überglückliche Notebook-Besitzerin. Überglücklich ist nicht übertrieben, denn immer wenn das Baby schläft (so wie jetzt immer noch) , dann kann ich mich DIREKT daneben sitzen (oder liegen) und schreiben. Was ich, wenn ich nicht auch schlafe, liebend gerne tue. Win-Win fürs Kuschel-Baby und mich. Wieder Schreiben (endlich wieder schreiben) ist ein bisschen so wie Fahrradfahren nach dem Winter. Oder Skifahren nach dem Sommer und ich freue mich so. Doch bei aller Freude, war diese lange (fast) offline Zeit auch ein riesengroßes Geschenk für mich und unser Baby. Wir konnten uns ungestört und unendlich intensiv ineinander verlieben. Dicke, feste Bande knüpfen, die uns fest zusammen halten. Weil wir eben ganz da und wirklich dort waren. Unsere Sommerübernachtungen im Freien unterm Sternschnuppenregen, die stundenlangen Spaziergänge, die ersten Glühwürmchen, die ich die letzten Jahre so vermisst habe. Das war alles noch viel, viel schöner mit dir auf dem Arm, mein zuckersüßer Michl. Ich hatte schlichtweg keine Hand frei, für irgendetwas anderes außer dich. (und natürlich für den Rest der happy family)

(M)ein Leben ohne Handy war einer der meistgelesen Beiträge auf den Blog. Ich konnte das selbst fast gar nicht glauben, vor 15 Jahren war es doch für uns alle noch völlig normal kein Smartphone zu besitzen. Warum, so frage ich mich, ist es für die meisten von uns nicht mehr vorstellbar? Warum lässt sich so schwer darauf verzichten? Das es mittlerweile schon Begriffe wie “Digital Detox” (also Handyfasten) gibt, zeigt einmal mehr, dass tatsächlich Bedarf in die Richtung ist.

Mittlerweile ist unsere älteste Tochter zwölf geworden und seit einem Jahr stolze Besitzerin eines nigelnagelneuen Smartphones in schicker Marmorhülle. (die Handyhülle ist für angehenden Teenies beinahe so bedeutend wie ihr Profilbild bei WhatsApp) Ich wollte sie nicht von einem Leben ohne Smartphone überzeugen. Das macht ja auch keinen Sinn. Es ist ja auch nur mein Leben ohne Smartphone. Mein ganz persönliches. Hin und wieder diskutieren wir dann darüber und kommen beide zu dem Entschluss, dass es kein schlechter oder besser gibt. Dass das jeder für sich selber entscheiden muss. “Aber es kann auch ein ganz wundervolles Leben ohne Smartphone sein,” antworte ich dann auf alle ihre guten Argumente. Und dann gibt sie mir ein bisschen Recht und vielleicht denkt sie manches Mal an mich und daran, dass man tatsächlich ohne Smartphone “überleben” kann . Das wünsche ich mir zumindest.

So wie letztes Mal zum Beispiel, als ich mit allen Kindern zusammen auf dem Spielplatz war. Ich setzte mich mit etwas Abstand auf einem Baumstumpf am Klettergerüst. Ab und zu kletterte ich aus reinem Übermut aufs Klettergerüst oder baute mit an der Sandburg, aber ich mag es aufrichtig gerne einfach nur zu sitzen. (wer kennt den alten Loriot Sketch – ich mag einfach nur hier sitzen?) Eben weil ich nur dort saß, sah ich es auch. Als einzige. Denn alle anderen sahen sich nicht, denn bis auf einen lustigen Opa, der mit seiner Enkelin in der überdimensionalen Korbschaukel saß und so wie es schien, dort den Spaß seines Lebens hatte, schaute sie alle in ihr…jetzt rate mal…Smartphone. Gelegentlich machten sie ein Bild von ihren mitgebrachten Kindern oder legten es tatsächlich auch für ein paar Sekunden aus der Hand, um die Inhalte der ebenso mitgebrachten Pauseboxen zu verteilen oder Getränkeflaschen zu öffnen. Ich hatte meine Kamera mal wieder vergessen. (die Snacks für zwischendrin übrigens auch) Was zugegeben schade war, denn die Bilder der stolzen Kinder vor der mittlerweile ziemlich eindrucksvollen Sandburg in der warmen Abendsonne wären sicher gut geworden.

Ein anderes Mal habe ich unsere Tochter zum Schulbus gebracht. Als sie einstieg, winkte ich ihr zum Abschluss. (natürlich die Art von winken, dass es gerade noch cool ist und es außer uns beiden garantiert keiner mitkriegt) Es war noch ein bisschen dämmrig am morgen und so konnte ich die blinkende Handybildschirme viel deutlicher sehen als mir lieb war. “Warum starren denn alle in ihre Telefone? Warum reden sie nicht miteinander? Diese wunderbaren, jungen Menschen, die sich sicher so viel zu sagen hätten.” Ich wollte es eigentlich gar nicht verurteilen, tat es aber doch irgendwie, daher versuchte ich es lieber zu verstehen. “Ja, ja, ich weiß schon, die Zeit ist anders. Früher…ach höre mir jetzt auf mit früher…” Meine Gedanken führten Selbstgespräche. “Es ist halt jetzt so. Das darf man nicht so eng sehen. Das ist ja auch Quatsch, als ob es darauf ankommt, dass man sich im Schulbus unterhält oder eben nicht. Die reden schon genügend miteinander, mach dir da mal keine Sorgen.”

Doch ich gebe zu, ich habe drüber nachgedacht. Es hätte in vielen Punkten auch absolut Sinn gemacht, jetzt auch einfach einmal eins dieser Dinger zu kaufen. Dann müsste ich meinen Mann (mittlerweile auch unsere Tochter) nicht immer nerven, noch einmal kurz die WhatsApp-Gruppen zu checken, bei der alle Eltern (außer mir) wichtige Infos zu Fußballspielen, Judowettkämpfen, Geburtstagsfeiern, Schulzeugs oder was es sonst noch alles so gibt, austauschen. Ich bin nicht gerne die Exotin, die man immer nochmal extra anrufen muss, damit ich es sicher auch mitbekomme. Es ist mir sogar höchst unangenehm. Doch dann habe ich festgestellt, dass es eigentlich gar nicht so oft ist, dass ich eine wirklich wichtige Information versäumt habe (zumindest weiß ich es nicht. hoho). Ich kann auch an einer Hand abzählen, wie oft man mir hinterher telefonieren musste. Und wenn mich jemand wirklich deswegen anruft, dann macht er es ja aus freien Stücken und -davon gehe ich jetzt einfach einmal aus- gerne. Ich habe mich durch sämtliche WhatsApp Gruppen gescrollt, nur um wirklich sicher zu sein. Mein Fazit: wirklich wichtige Infos fand ich nicht. Oder ich hab sie überlesen, vor lauter Dingen die nach meiner Einschätzung letztendlich unwichtig waren oder sind.

Und ohne selbst ein Handy zu haben, hab ich es dann in der zweiten Reihe selbst erlebt. Freundinnen, die nicht mehr miteinander reden, weil sie bei WhatsApp einen Satz falsch interpretiert haben. Eltern, die sich in der Klassengruppe verstritten haben, weil sie sich über das Abschlussgeschenk für die Lehrerin nicht einig werden konnten. Kinder die sich gegenseitig blockieren, obwohl sie einmal Freude waren und sich gar nicht bewusst sind, wie verletzend das sein kann. Ich glaube immer dann, wenn etwas “wichtiges” zu klären ist, eignen sich WhatsApp Nachrichten nicht. Es gehört viel mehr Mut dazu, jemand etwas vermeintlich Unangenehmes direkt ins Gesicht zu sagen. Doch nur so, hat man die Chance es auch in der Tiefe zu klären. Da hilft auch das beste Emoji nichts.

Es ist lange her, dass sich mein Handy vor meinen Augen auf dramatische Weise quasi vor den Zug geworfen hat. Genau genommen sind es über 14 Jahre und ich habe ihm keine einzige Träne nachgeweint. Manches Mal stelle ich mir vor, wie es wäre wenn. Wenn ich mit unserem Sohn klitschnass am Fußballplatz stehe, weil es gerade wolkenbruchartig zu regnen angefangen hat und nicht mitbekommen habe, dass das Training deswegen gerade abgesagt wurde. Wenn ich im Großmarkt stehe und wieder einmal den Einkaufszettel vergessen habe und versuche mich daran zu erinnern, was ich auf gar keinen Fall vergessen darf. Wenn sich der Dienstplan im Arzbacher Hof ändert und jeden persönlich anrufen muss, um das mitzuteilen. Eine Nachricht an alle würde es soviel einfacher machen. Aber auch, wenn unsere Tochter, bei einer Freundin übernachtet und ich ihr kurz noch eine Gute Nacht Nachricht schicken möchte. Ich denke an Tom und unseren Anfang, in der ich noch ein Handy hatte und ich ehrlicherweise für kurze Zeit (und nur wegen uns) selbst fast “handysüchtig” wurde. Oder an all die vielen Menschen, mit denen ich unheimlich gerne Nachrichten hin und her schreiben würde. Es wäre mit Sicherheit ein gutes Gefühl, sie alle abgespeichert in meinem Smartphone zu haben und zu wissen, dass ich sie jederzeit erreichen könnte oder ich ihnen dann öfters als jetzt, einfach sagen würde, was sie mir bedeuten. Oder wie einfach es wäre Fotos zu machen. Ich schleppe ja immer meine ganze Ausrüstung mit mir mit. Und wie oft hatte ich sie ausgerechnet, dann nicht dabei, wenn der Moment dafür perfekt gewesen wäre?

Doch dann denke ich wieder daran, wie erleichtert ich damals war, als ich mein Handy verloren hatte. Dass mich selbst die Smart-Phone-Revolution nicht sonderlich berührte. Ich bin ja auch online. Sogar jetzt im Moment. Doch wenn bei Familienfeiern früher oder später die Smartphones auf den Tisch liegen, nur um “kurz mal zu schauen”, dann versetzt mir das jedes Mal einen kleinen Stich. Ich glaube es passiert zu schnell und viel zu unbewusst. Wie bei Momo und den grauen Herren, ohne es zu merken, verlieren wir nach und nach immer mehr unserer kostbaren Zeit, die doch erst richtig wertvoll ist, wenn wir sie teilen. Unsere Handy sind klein genug und deswegen können wir sie überall hin mit hinnehmen. Wir legen sie nur weg, um kurz den Akku zu laden und trauen es ihnen eigentlich nicht zu, doch sie haben die Macht unser Verhalten zu verändern. Indem wir es gewohnt sind rund um die Uhr erreichbar zu sein, setzen wir das bei uns und bei anderen auch voraus. Alles was wir nicht wissen lässt sich sofort Googlen und immer wenn etwas richtig schön ist, versuchen wir es augenblicklich in einem perfekten Bild festzuhalten. Doch Augenblicke vergehen in Wahrheit langsamer, wenn wir mit allen unseren Sinnen mittendrin und dabei sind. Erst dann gehen sie uns nämlich sprichwörtlich unter die Haut.

Eine Freundin hatte mich einmal gefragt, warum ich denn eigentlich gegen Smartphones bin? Nein, nein. Ich bin nicht gegen Smartphones, das habe ich in meinem ersten Beitrag schon erwähnt und meiner Freundin, dann auch noch einmal erklärt. Im Gegenteil. Ich finde es ist eines der unglaublichsten Erfindungen überhaupt! Überlege mal was ein Smartphone alles kann? Es hat alle Straßen und Orte dieser Erde gespeichert und kann dich hinführen wohin du willst oder für dich jede Sprache übersetzen, so dass du verstehst oder verstanden wirst. Die Auswahl an Apps ist beinahe grenzenlos und wenn es richtig genützt wird, verbindet es Menschen auf der ganzen Welt.

Das Smartphone ist ein machtvolles Werkzeug. Es liegt an uns, was wir daraus machen.

Mein Leben ohne Handy, war keine Entscheidung. Es ist einfach so gekommen. Ich brauche es schlichtweg nicht. Meine Liebe war und ist einfach nicht groß genug. Warum kannst du im ersten Beitrag (M)ein Leben ohne Handy nachlesen, wenn du willst.

Ich möchte euch hier auf gar keinen Fall überzeugen. Aber ich möchte dir zeigen, dass immer wenn für dich etwas nicht stimmig ist, du dich ruhig für einen anderen Weg entscheiden darfst. Dass du dir nie einreden lassen sollst, was du brauchst und was nicht, auch wenn du damit nicht der Norm entsprichst. Das Internet ganz allgemein eröffnet uns ein ganz neues Universum an Möglichkeiten, aber vergiss nicht, dass auch ein ebenso großes Universum in dir verborgen liegt. Und vergiss nicht, dass ein Filter in deinem Kopf und deinem Herzen ausnahmelos immer wichtiger ist, als der bei Instagram. Denn du denkst, du fühlst…und du entscheidest. Egal wie smart dein Smartphone noch werden mag, es ersetzt nie das was uns Menschen ausmacht, nämlich die Fähigkeit zu staunen, Schmerz und Angst zu empfinden, zu lachen, zu weinen… und am allermeisten zu lieben. Entscheide du, was Freiheit für dich ganz persönlich bedeutet. Bei allem was du machst, bei allem was du noch erleben wirst und vor dir liegt, folge bitte unbedingt der Liebe (#followlove ♥) und diese lässt sich im “echten” Leben immer noch am besten teilen. (#sharelove♥)

Wie immer freue ich mich sehr, über eure Gedanken.

Aus ganzem Herzen,
Michaela

Bilder: Leni Linke, Tani Geisreiter, pixabay