Über die Kraft des Briefeschreibens

Über die Kraft des Briefeschreibens

Heute ist der 30.November.2021 und ich habe meinen letzten Brief weggeschickt. Als die Idee zu “Sweet November” im Spätsommer entstand, hatte ich einfach schlichtweg keine Ahnung. Ich weiß auch nicht genau, was ich mir dabei gedacht habe. Wahrscheinlich so was ähnliches wie: jetzt schreibst du einfach mal 30 Briefe, steckst alle in ein Kuvert und im November suchst du jeden Tag nach einem Menschen, von dem du denkst, dass er sich diesen Brief am “meisten” wünscht. Nein, ich hatte wirklich keine Ahnung! Die Briefe waren anfangs November fertig geschrieben und der Plan war, dass ich jeden Abend einen kleinen Text dazu teile, ja um eben rauszufinden, wohin und vor allem an wen, ich den Brief schicken sollte. Damit hörte ich am zweiten Tag ganz schnell wieder auf, denn ich stellte fest, die 30 Briefe reichen bei Weitem nicht aus. Eure Nachrichten haben mich mitten ins Herz getroffen. Es war klar, ich MUSS euch allen schreiben und das kann ich jetzt nur, wenn ich aufhöre Texte zu posten, sondern sofort weitermache jeden Tag wieder Briefe zu schreiben. Was habe ich mir nur dabei gedacht, dass ich täglich jemand auswählen könnte? Ich glaube, ich habe einfach gar nicht damit gerechnet, dass es gleich am Anfang so viele sind, die sich einen Brief wünschten. Doch ich war gerührt und bewegt und dachte mir, schreib halt einfach mal drauf los. Du darfst nur nicht aufhören zu schreiben. Und so habe ich einfach immer weitergeschrieben. Selbst dann, als meine ganze Familie positiv auf Covid getestet wurde. ( keine Angst, das war schon ganz am Anfang und Corona ist nicht auf dem Postweg übertragbar – plus Briefkuverts und Briefmarken sind selbstklebend) Oder auch wenn ich untertags keine ruhige Minute gefunden habe und abends eigentlich viel zu müde war und selbst dann als ein Freund, die mir so viel bedeutet hatte, unerwartet und völlig aus heiterem Himmel verstorben ist. Ausgerechnet an diesem Tag habe ich drei Briefe über Trauer geschrieben und wusste in diesem Augenblick noch nicht, dass damit auch ich gemeint war. Was mir noch wichtig ist: Ich behalte alles was ihr mir anvertraut habt, für mich. Keiner wird je davon erfahren. Das ist jetzt sozusagen ein Indianerehrenwort. Manche Briefe waren leicht und beschwingt, andere gingen unter die Haut und ich musste selbst manches Mal, den Stift für einen Moment aus der Hand legen, weil es mir so nah ging. Ich habe Kindern geschrieben, die ihren Papa verloren haben. Lebenslustigen, wundervollen Frauen, die sich so sehr nach Familie und einem Partner sehnen. Briefe an die, die einsam sind und keinen einzigen Freund haben, mit dem sich wirklich eng verbunden fühlen. An welche, die gerade eine schlimme Diagnose erhalten haben. An die, die traurig sind, aber unglaublich mutig und sich jeden Tag einen kleinen Schritt mehr, zurück ins Leben kämpfen. “Alten” Schulfreundinnen von mir, die ich schon so lange nicht mehr gesehen habe, aber für die ich jetzt endlich einen Anlass hatte, ihnen zu schreiben. Egal wer oder welches Thema es war… Jeder einzelne Brief lang mir gleichermaßen am Herzen und hat mich tief berührt. Weil ich eine wichtig Erkenntnis mitgenommen habe: wir sind alle gleich. Wir sehnen uns nach Liebe und ein bisschen Glück, lernen unsere Lektionen, um langsam weiterzugehen und um dran zu wachsen. (oft über uns hinaus) Umso mehr Briefe ich schrieb, umso klarer wurde mir, dass wir im Grunde alle versuchen die “beste Version unseres wahren Wesens zu sein/werden”. (ich hätte es gern mit einfacheren Worte ausgedrückt) Im besten Falle ist unser Herz bis zum Rand mit Liebe gefüllt und wir leuchten einfach vor uns her. Um mehr geht es im Wesentlichen nicht. Wir brauchen nicht alles zu verstehen, um zu lieben und glücklich zu sein. Zumindest sollten wir es auf alle Fälle jeden Tag aufs Neue versuchen, weil es das zweifelsohne immer wert ist. Doch es gibt noch eine zweite Erkenntnis, weniger bedeutungsschwer, aber doch so essentiell, dass ich sie unbedingt noch erwähnen sollte. Ich glaube wirklich an die Kraft des Briefes und sagen wir einmal, die des Wortes. Trotzdem bleibe ich demütig genug, dass es nicht um meine Briefe geht, die ich schrieb. Sondern hier um deine Sehnsüchte und deine ganz persönlichen Träume. Glaub mir, sie haben ausnahmelos immer etwas mit dir zu tun. Sie sind dein allerbester Wegweiser! So wie bei mir das jetzt mit dem Briefeschreiben war. Denn ich verrate dir etwas, ich habe am Anfang überhaupt nicht gewusst, wie und wann ich denn jetzt diese vielen Briefe schreiben sollte. Doch ich war mir einfach immer sicher, dass eine Stunde am Tag, (es wurden immer etwas mehr 😉 den Unterschied macht. Eine Stunde nur, die es wert ist, alles andere hinten anzustellen, um dir zu zeigen, wie wichtig du bist und dass du zählst. Du bist kostbar, unendlich wertvoll und wunderbar! Wenn ich in zwei Monaten jetzt 72 Briefe schreiben konnte, was kannst du dann nicht alles schaffen, was wirklich den Unterschied für dich ausmacht? Fang doch einfach an und du wirst sehen, es ist alle die Mühe wert.

Ich danke euch aus ganzem Herzen, dass ich euch schreiben durfte, dass du bis hierher gelesen hast und überhaupt. Das ist ein riesengroßes Geschenk für mich. Genauso sehe ich das.

Danke, danke, danke. ♥

Michaela

P.S. Wer jetzt selbst einen Brief schrieben möchte, kann das gerne tun! Am 9.12. bringe ich eure selbstgeschriebenen Briefe zum Schwaighof an den schönen Tegernsee. Bis dahin könnt ihr jeden Tag Briefe, Karten…als was euch einfällt, an die Bewohner des Schwaighofes, an die Pflegekräfte, Mitarbeiter…usw. schreiben. Die beiden Klinik Clowns Brunhilde Würstl und Erika Hendlmeier, werden dann die Post verteilen. Übrigens kannst du natürlich auch ein den Klinik Clowns schreiben. Ich freue mich so, so über eure Post.

klinikclowns.de

Ein Nachruf für dich – Dr. Ralph Bethke

Ein Nachruf für dich – Dr. Ralph Bethke

Ich habe einen wahren Freund verloren. Von einem Tag auf den anderen, völlig unerwartet und es bricht mir das Herz. Dass es ausgerechnet Covid gewesen ist, kann ich fast nicht glauben. Doch jetzt, wo du nicht mehr hier bist, weiß ich, dass es im Grunde gar keine Rolle spielt. Genauso wenig, ob du nun geimpft, ungeimpft, geboostert oder irgendeine unentdeckte Vorerkrankung hattest. Ich will keine Zeit damit verschwenden, darüber nachzudenken. Was zählt ist dein Leben und deine unermüdliche Energie “gut zu sein.” Zwischen uns ist alles geklärt. Ich habe dir und deiner wunderbaren Frau, bei jeder passenden Gelegenheit gesagt, wie unendlich wertvoll und kostbar eure Freundschaft für mich ist. Du auch. An meinem Geburtstag, vor ein paar Wochen hattest du gemeint, sie ist einer der buntesten Steine in deinem Mosaik des Lebens. Ich hätte es nicht treffender formulieren können. Ich habe die Verbindung zu dir und Angelika sofort gespürt & bin aus ganzem Herzen dankbar für die wunderbare Zeit mit euch und dafür, dass wir uns vor über 15 Jahren über den Weg gelaufen sind. Unsere Gespräche waren immer tief, im besonderen Maß bereichernd und gleichzeitig leicht. Es gibt nicht viele Menschen, mit denen ich so offen reden konnte, wie mit euch. So sehr wir auch ähnlich gefühlt und gedacht hatten, hattest du mich auch immer wieder mit deinen Weisheiten und Erkenntnissen überrascht. Ich konnte so viel von dir (euch) lernen. Wir haben uns manches Mal Monate nicht gesehen, mindestens aber einmal im Jahr. An unserem Karfreitag, der wegen uns, einer meiner absoluten Lieblingstage wurde. Wir hatten uns jedes Mal soviel zu erzählen und deine (eure) Energie blieb noch Tage bei mir. Da war da noch dein Humor. Wir haben oft aus tiefsten Herzen gelacht, bis uns der Bauch weh tat. Du warst einer der spirituellsten Menschen, die ich kenne. Nie hast du vorgegeben, allwissend zu sein. Im Gegenteil, da war diese riesengroße Demut und dieses empathische Verständnis allen Menschen gegenüber, denen du begegnet bist. Manches Mal hatte ich sogar den Eindruck, du bist nicht von dieser Welt…Wir haben oft über das Leben, aber auch über das Danach gesprochen. Unsere Ansicht darüber war immer klar. Deswegen danke ich dir, für all die vielen Zeichen, die du mir seit gestern (und den Tagen zuvor, als ich noch keine Ahnung hatte) unmissverständlich geschickt hast, damit ich weiß, du bist noch hier. Ich werde alles versuchen, um weiterhin achtsam weiterzugehen, um jedes weitere Zeichen von dir zu erkennen. Trotzdem wirst du mir fehlen und ich bin ich unendlich traurig. Mein lieber, guter Freund, ich sage nicht ruhe in Frieden, weil du nicht ruhen wirst. Das steht dir nicht. 😉 Aber geh dorthin wo du zu Hause bist…wir bleiben noch ein bisschen hier und holen dich irgendwann ein. Danke lieber Ralph, danke für alles. ♥

Aus ganzem Herzen und in tiefer Verbindung zu euch, Michaela

Briefe für die Klinik Clowns

Briefe für die Klinik Clowns

Was für ein freudiger Tag! Ich bin den Klinik Clowns das allererste Mal vor über 15 Jahren begegnet. Seitdem verfolge ich ihre unendlich wertvolle Arbeit. Ich werde euch auf alle Fälle in naher Zukunft noch genauer davon berichten. Jetzt erst einmal habe ich tatsächlich einen Aufruf an euch, der mir wirklich sehr am Herzen liegt! Seit Anfang Oktober schreibe ich jeden Tag Briefe. Es ist sozusagen meine “kleine Nachtbeschäftigung” geworden. Ich kann selbst gar nicht fassen, was dieses kleine Projekt ausgelöst und auch bei mir verändert hat. Darum habe ich heute eine große Bitte an euch. Bitte schreibt mir Briefe. Also nicht wirklich mir, sondern lauter bunte, liebevolle Karten und Briefe an die Senioren vom Schwaighof am Tegernsee. Brunhilde Würstl und Erika Hendlmeier werden diese dann ganz höchstpersönlich am 9.Dezember übergeben. (ich berichte euch detailliert und in Kürze) Gerne könnt ihr natürlich auch den Klinikclowns und Pflegekräften schreiben, die diese kleine Aufmerksamkeit wirklich so sehr verdient haben. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel mir das bedeutet, wenn ihr dabei seid’s! Meine Kamera ist derzeit leider kaputt, das Video mit der Ersatzkamera ist also nicht in allerbester Qualität, die Botschaft dafür aber umso mehr.

Bitte, bitte teilt den Beitrag so oft es möglich ist. Ich danke euch aus ganzem Herzen ♥

Bei den Klinik Clowns am Schwaighof/Tegernsee

Sweet November

Sweet November

Ich habe dir einen Brief geschrieben. Genau genommen ist es nicht nur ein Brief, sondern ganze dreißig Briefe. Warum ich dir schreibe fragst du jetzt? Ich bin eine Briefeschreiberin. Immer schon oder zumindest solange ich schreiben kann. Ich mag den Geruch frischer Tinte an meinen Händen, Briefpapier in jeweiligen Lieblingsfarben (welche ist deine?) und den Moment, wenn ein Brief im Briefkasten verschwindet, um auf Reisen zu gehen. Ich weiß von dem magischem Moment, wenn man selbst einen Brief erhält und auch von dem Gefühl der Vorfreude, wenn man auf einen wartet. (Liebes) Briefe machen die Welt zu einem besseren Ort und sie haben die Kraft, etwas in uns zu verändern. Sie schaffen eine Verbindung zwischen unseren Herzen und lassen uns Gedanken aussprechen, die wir sonst wohlmöglich für uns behalten würden. Briefe bewahren Geschichten, die viel zu selten noch erzählt werden und die wir in Wahrheit doch alle so schmerzlich vermissen. Briefe schaffen Nähe, wenn wir nicht zusammen sein können und es gibt Briefe, die so bedeutungsvoll sind, dass sie uns ein Leben lang tragen.

Jeden Tag, eine Stunde, einen ganzen Monat lang, so habe ich es mir vorgenommen. Dann habe ich einfach damit angefangen und immer weiter geschrieben. Meistens mitten in der Nacht, als alles ruhig um mich war. Wenn ich an einen Tag keinen Brief geschrieben habe, dann dafür am nächsten Tag zwei.

Wann hat dich zum letzten Mal jemand gefragt, wie es dir geht? Ob du denn glücklich bist und wonach du dich sehnst? Ich wollte, dass du weißt, dass eine Stunde am Tag einen Unterschied ausmachen kann. Und ich habe dir einen Brief geschrieben, weil du es einfach wert bist.

Denn ist doch November. Der Monat der den Ruf hat, der “dunkelste” von allen zu sein. Doch genauso gut kann er für dich leuchten. Es liegt daran aus welcher Perspektive du ihn betrachtest.

Morgen ist der 1.November und ich werde jeden Tag einen Brief wegschicken. Immer zu einem anderen Thema. Du kannst mir eine Nachricht oder in den Kommentaren schreiben, warum der Brief unbedingt zu dir sollte. Vielleicht kennst du auch jemanden, von dem du überzeugt bist, dass genau er/sie diesen Brief erhalten sollte. Schreib mir einfach.

Ich muss jetzt aufhören, weil ich noch meinen allerletzten Brief für euch schreibe. Ich hoffe er bringt Freude zu dir und ist für dich von Bedeutung.

Aus ganzem Herzen,

Michaela

1.November Freundschaft

2.November Mitgefühl

3.November Wertschätzung

4.November Selbstvertrauen

5.November Träume & Sehnsucht

6.November Dankbarkeit

7.November Selbstbewusstsein

8.November Zuversicht

9.November Mut

10.November Glaube

11.November Heimat & zu Hause sein

12.November Gesundheit

13.November Trauer & Trost

14.November Gelassenheit

15.November Wahrheit

16.November Kreativität

17.November Verletzlichkeit & Sensibilität

18.November Beziehungen

19.November Familie

20.November Optimismus

21.November Wunder

22.November Freiheit

23.November Gerechtigkeit

24.November Glück

25.November Liebe

26.November Allein sein

27.November Verbundenheit

28.November Frieden

29.November Humor

30.November über den Zufall

Fotos: Leni T. Linke

Nur in meinem Kopf

Nur in meinem Kopf

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich darüber berichtet, wie glücklich ich über meinen neues Notebook bin. Ich dachte mir, endlich kann ich abends wieder schreiben. Unser süßes, kleines Baby ist mittlerweile fast 17 Monate alt und schläft nachts immer noch am besten, wenn jemand direkt neben ihm liegt. Doch statt Blogbeiträge zu verfassen, habe ich jede Nacht E-Mails beantwortet, Buchungen geändert und eingetragen oder einfach nur versucht auf alles zu antworten, was sonst halt noch so in unserem Posteingang landet. Das mache ich wirklich gerne, doch es blieb einfach überhaupt keine Zeit mehr für’s Schreiben. (so sehr ich es mir auch gewünscht habe) Doch mit dem Herbst werden nicht nur die Tage kürzer, sondern auch unser Posteingang langsam wieder übersichtlicher. Aber auch wenn ich diesen Sommer so wenig geschrieben habe, wie noch nie auf diesem Blog, sind dennoch viele Ideen für neue Beiträge in meinem Kopf entstanden. Nein eigentlich muss ich sagen im Herz. Dort fängts immer an. Mit einem zartem Gefühl, das langsam wächst und stärker wird, bis ich dann nicht mehr anders kann, als darüber zu schreiben.

Ich werde die ein oder anderen Geschichten bald für euch aufschreiben. Aber derzeit beschäftigt mich ein Projekt, dass ich jetzt erst einmal noch nicht verraten werde. Dafür werde ich schreiben, viel, viel schreiben und deswegen brauche ich jetzt noch ein bisschen Zeit dafür. Genau genommen bis zum 1.November 2021. Das Projekt ist ein Geschenk an euch und bedeutet mir viel. Aber ihr werdet schon sehen.

Bis dahin bleib ich mit euch verbunden,

aus ganzem Herzen,

Michaela

(M)ein Leben ohne Smartphone – Eine Fortsetzung

(M)ein Leben ohne Smartphone –                        Eine Fortsetzung

Mein letzter Blogartikel liegt eine Weile zurück. Was nicht etwa an einer kreativen Schaffenspause lag, sondern hauptsächlich an dem kleinen Baby, welches gerade friedlich neben mir schlummert. Der Plan war, dass ich mich zumindest nachts hin und wieder an den PC ins Büro schleichen kann. Hat doch bei den anderen drei auch meistens geklappt. Doch Baby 4 ist ein Vorzeigetragestillkind mit ausgeprägten Nähe-Bedürfnis und ist einfach am glücklichsten, wenn man es rund um die Uhr umher trägt. (vorzugsweise von Mama, was vermutlich auf die sichere Nahrungsversorgung zurückzuführen ist) Mittlerweile krabbelt unser Wonneproben und vergisst dann schon mal das mit dem ausgeprägten Nähe-Bedürfnis, wenn er gelegentlich von einer mindestens ebenso ausgeprägten Abenteuerlust überwältigt wird. Kurz: Man darf unser heiß und innig geliebtes Baby nicht eine Sekunde aus den Augen lassen. Noch kürzer: ich hab es auch kaum ins Büro zu unserem PC geschafft. Ich war also die letzten 8 Monate praktisch nicht nur ohne Smartphone, sondern auch oft offline. Für ein paar wenige Ausnahmen, (der letzte Blogeintrag war im August!) habe ich die großen Kinder mit fragwürdigen pädagogischen Mitteln (u.a. Eis oder Gummibären) bestochen, damit sie nur mal “schnell” auf den kleine Bruder aufpassen oder mir abends sogar heimlich das Tablet aus dem Kinderzimmer geklaut, um darauf mit einem Finger Facebook Beiträge zu schreiben. Ich habe nämlich nicht nur kein Smartphone, sondern auch keinen Laptop oder ein anderes funktionierendes, mobiles Gerät mit möglichem Internetzugriff. Zumindest hatte, denn seit Weihnachten bin ich nun überglückliche Notebook-Besitzerin. Überglücklich ist nicht übertrieben, denn immer wenn das Baby schläft (so wie jetzt immer noch) , dann kann ich mich DIREKT daneben sitzen (oder liegen) und schreiben. Was ich, wenn ich nicht auch schlafe, liebend gerne tue. Win-Win fürs Kuschel-Baby und mich. Wieder Schreiben (endlich wieder schreiben) ist ein bisschen so wie Fahrradfahren nach dem Winter. Oder Skifahren nach dem Sommer und ich freue mich so. Doch bei aller Freude, war diese lange (fast) offline Zeit auch ein riesengroßes Geschenk für mich und unser Baby. Wir konnten uns ungestört und unendlich intensiv ineinander verlieben. Dicke, feste Bande knüpfen, die uns fest zusammen halten. Weil wir eben ganz da und wirklich dort waren. Unsere Sommerübernachtungen im Freien unterm Sternschnuppenregen, die stundenlangen Spaziergänge, die ersten Glühwürmchen, die ich die letzten Jahre so vermisst habe. Das war alles noch viel, viel schöner mit dir auf dem Arm, mein zuckersüßer Michl. Ich hatte schlichtweg keine Hand frei, für irgendetwas anderes außer dich. (und natürlich für den Rest der happy family)

(M)ein Leben ohne Handy war einer der meistgelesen Beiträge auf den Blog. Ich konnte das selbst fast gar nicht glauben, vor 15 Jahren war es doch für uns alle noch völlig normal kein Smartphone zu besitzen. Warum, so frage ich mich, ist es für die meisten von uns nicht mehr vorstellbar? Warum lässt sich so schwer darauf verzichten? Das es mittlerweile schon Begriffe wie “Digital Detox” (also Handyfasten) gibt, zeigt einmal mehr, dass tatsächlich Bedarf in die Richtung ist.

Mittlerweile ist unsere älteste Tochter zwölf geworden und seit einem Jahr stolze Besitzerin eines nigelnagelneuen Smartphones in schicker Marmorhülle. (die Handyhülle ist für angehenden Teenies beinahe so bedeutend wie ihr Profilbild bei WhatsApp) Ich wollte sie nicht von einem Leben ohne Smartphone überzeugen. Das macht ja auch keinen Sinn. Es ist ja auch nur mein Leben ohne Smartphone. Mein ganz persönliches. Hin und wieder diskutieren wir dann darüber und kommen beide zu dem Entschluss, dass es kein schlechter oder besser gibt. Dass das jeder für sich selber entscheiden muss. “Aber es kann auch ein ganz wundervolles Leben ohne Smartphone sein,” antworte ich dann auf alle ihre guten Argumente. Und dann gibt sie mir ein bisschen Recht und vielleicht denkt sie manches Mal an mich und daran, dass man tatsächlich ohne Smartphone “überleben” kann . Das wünsche ich mir zumindest.

So wie letztes Mal zum Beispiel, als ich mit allen Kindern zusammen auf dem Spielplatz war. Ich setzte mich mit etwas Abstand auf einem Baumstumpf am Klettergerüst. Ab und zu kletterte ich aus reinem Übermut aufs Klettergerüst oder baute mit an der Sandburg, aber ich mag es aufrichtig gerne einfach nur zu sitzen. (wer kennt den alten Loriot Sketch – ich mag einfach nur hier sitzen?) Eben weil ich nur dort saß, sah ich es auch. Als einzige. Denn alle anderen sahen sich nicht, denn bis auf einen lustigen Opa, der mit seiner Enkelin in der überdimensionalen Korbschaukel saß und so wie es schien, dort den Spaß seines Lebens hatte, schaute sie alle in ihr…jetzt rate mal…Smartphone. Gelegentlich machten sie ein Bild von ihren mitgebrachten Kindern oder legten es tatsächlich auch für ein paar Sekunden aus der Hand, um die Inhalte der ebenso mitgebrachten Pauseboxen zu verteilen oder Getränkeflaschen zu öffnen. Ich hatte meine Kamera mal wieder vergessen. (die Snacks für zwischendrin übrigens auch) Was zugegeben schade war, denn die Bilder der stolzen Kinder vor der mittlerweile ziemlich eindrucksvollen Sandburg in der warmen Abendsonne wären sicher gut geworden.

Ein anderes Mal habe ich unsere Tochter zum Schulbus gebracht. Als sie einstieg, winkte ich ihr zum Abschluss. (natürlich die Art von winken, dass es gerade noch cool ist und es außer uns beiden garantiert keiner mitkriegt) Es war noch ein bisschen dämmrig am morgen und so konnte ich die blinkende Handybildschirme viel deutlicher sehen als mir lieb war. “Warum starren denn alle in ihre Telefone? Warum reden sie nicht miteinander? Diese wunderbaren, jungen Menschen, die sich sicher so viel zu sagen hätten.” Ich wollte es eigentlich gar nicht verurteilen, tat es aber doch irgendwie, daher versuchte ich es lieber zu verstehen. “Ja, ja, ich weiß schon, die Zeit ist anders. Früher…ach höre mir jetzt auf mit früher…” Meine Gedanken führten Selbstgespräche. “Es ist halt jetzt so. Das darf man nicht so eng sehen. Das ist ja auch Quatsch, als ob es darauf ankommt, dass man sich im Schulbus unterhält oder eben nicht. Die reden schon genügend miteinander, mach dir da mal keine Sorgen.”

Doch ich gebe zu, ich habe drüber nachgedacht. Es hätte in vielen Punkten auch absolut Sinn gemacht, jetzt auch einfach einmal eins dieser Dinger zu kaufen. Dann müsste ich meinen Mann (mittlerweile auch unsere Tochter) nicht immer nerven, noch einmal kurz die WhatsApp-Gruppen zu checken, bei der alle Eltern (außer mir) wichtige Infos zu Fußballspielen, Judowettkämpfen, Geburtstagsfeiern, Schulzeugs oder was es sonst noch alles so gibt, austauschen. Ich bin nicht gerne die Exotin, die man immer nochmal extra anrufen muss, damit ich es sicher auch mitbekomme. Es ist mir sogar höchst unangenehm. Doch dann habe ich festgestellt, dass es eigentlich gar nicht so oft ist, dass ich eine wirklich wichtige Information versäumt habe (zumindest weiß ich es nicht. hoho). Ich kann auch an einer Hand abzählen, wie oft man mir hinterher telefonieren musste. Und wenn mich jemand wirklich deswegen anruft, dann macht er es ja aus freien Stücken und -davon gehe ich jetzt einfach einmal aus- gerne. Ich habe mich durch sämtliche WhatsApp Gruppen gescrollt, nur um wirklich sicher zu sein. Mein Fazit: wirklich wichtige Infos fand ich nicht. Oder ich hab sie überlesen, vor lauter Dingen die nach meiner Einschätzung letztendlich unwichtig waren oder sind.

Und ohne selbst ein Handy zu haben, hab ich es dann in der zweiten Reihe selbst erlebt. Freundinnen, die nicht mehr miteinander reden, weil sie bei WhatsApp einen Satz falsch interpretiert haben. Eltern, die sich in der Klassengruppe verstritten haben, weil sie sich über das Abschlussgeschenk für die Lehrerin nicht einig werden konnten. Kinder die sich gegenseitig blockieren, obwohl sie einmal Freude waren und sich gar nicht bewusst sind, wie verletzend das sein kann. Ich glaube immer dann, wenn etwas “wichtiges” zu klären ist, eignen sich WhatsApp Nachrichten nicht. Es gehört viel mehr Mut dazu, jemand etwas vermeintlich Unangenehmes direkt ins Gesicht zu sagen. Doch nur so, hat man die Chance es auch in der Tiefe zu klären. Da hilft auch das beste Emoji nichts.

Es ist lange her, dass sich mein Handy vor meinen Augen auf dramatische Weise quasi vor den Zug geworfen hat. Genau genommen sind es über 14 Jahre und ich habe ihm keine einzige Träne nachgeweint. Manches Mal stelle ich mir vor, wie es wäre wenn. Wenn ich mit unserem Sohn klitschnass am Fußballplatz stehe, weil es gerade wolkenbruchartig zu regnen angefangen hat und nicht mitbekommen habe, dass das Training deswegen gerade abgesagt wurde. Wenn ich im Großmarkt stehe und wieder einmal den Einkaufszettel vergessen habe und versuche mich daran zu erinnern, was ich auf gar keinen Fall vergessen darf. Wenn sich der Dienstplan im Arzbacher Hof ändert und jeden persönlich anrufen muss, um das mitzuteilen. Eine Nachricht an alle würde es soviel einfacher machen. Aber auch, wenn unsere Tochter, bei einer Freundin übernachtet und ich ihr kurz noch eine Gute Nacht Nachricht schicken möchte. Ich denke an Tom und unseren Anfang, in der ich noch ein Handy hatte und ich ehrlicherweise für kurze Zeit (und nur wegen uns) selbst fast “handysüchtig” wurde. Oder an all die vielen Menschen, mit denen ich unheimlich gerne Nachrichten hin und her schreiben würde. Es wäre mit Sicherheit ein gutes Gefühl, sie alle abgespeichert in meinem Smartphone zu haben und zu wissen, dass ich sie jederzeit erreichen könnte oder ich ihnen dann öfters als jetzt, einfach sagen würde, was sie mir bedeuten. Oder wie einfach es wäre Fotos zu machen. Ich schleppe ja immer meine ganze Ausrüstung mit mir mit. Und wie oft hatte ich sie ausgerechnet, dann nicht dabei, wenn der Moment dafür perfekt gewesen wäre?

Doch dann denke ich wieder daran, wie erleichtert ich damals war, als ich mein Handy verloren hatte. Dass mich selbst die Smart-Phone-Revolution nicht sonderlich berührte. Ich bin ja auch online. Sogar jetzt im Moment. Doch wenn bei Familienfeiern früher oder später die Smartphones auf den Tisch liegen, nur um “kurz mal zu schauen”, dann versetzt mir das jedes Mal einen kleinen Stich. Ich glaube es passiert zu schnell und viel zu unbewusst. Wie bei Momo und den grauen Herren, ohne es zu merken, verlieren wir nach und nach immer mehr unserer kostbaren Zeit, die doch erst richtig wertvoll ist, wenn wir sie teilen. Unsere Handy sind klein genug und deswegen können wir sie überall hin mit hinnehmen. Wir legen sie nur weg, um kurz den Akku zu laden und trauen es ihnen eigentlich nicht zu, doch sie haben die Macht unser Verhalten zu verändern. Indem wir es gewohnt sind rund um die Uhr erreichbar zu sein, setzen wir das bei uns und bei anderen auch voraus. Alles was wir nicht wissen lässt sich sofort Googlen und immer wenn etwas richtig schön ist, versuchen wir es augenblicklich in einem perfekten Bild festzuhalten. Doch Augenblicke vergehen in Wahrheit langsamer, wenn wir mit allen unseren Sinnen mittendrin und dabei sind. Erst dann gehen sie uns nämlich sprichwörtlich unter die Haut.

Eine Freundin hatte mich einmal gefragt, warum ich denn eigentlich gegen Smartphones bin? Nein, nein. Ich bin nicht gegen Smartphones, das habe ich in meinem ersten Beitrag schon erwähnt und meiner Freundin, dann auch noch einmal erklärt. Im Gegenteil. Ich finde es ist eines der unglaublichsten Erfindungen überhaupt! Überlege mal was ein Smartphone alles kann? Es hat alle Straßen und Orte dieser Erde gespeichert und kann dich hinführen wohin du willst oder für dich jede Sprache übersetzen, so dass du verstehst oder verstanden wirst. Die Auswahl an Apps ist beinahe grenzenlos und wenn es richtig genützt wird, verbindet es Menschen auf der ganzen Welt.

Das Smartphone ist ein machtvolles Werkzeug. Es liegt an uns, was wir daraus machen.

Mein Leben ohne Handy, war keine Entscheidung. Es ist einfach so gekommen. Ich brauche es schlichtweg nicht. Meine Liebe war und ist einfach nicht groß genug. Warum kannst du im ersten Beitrag (M)ein Leben ohne Handy nachlesen, wenn du willst.

Ich möchte euch hier auf gar keinen Fall überzeugen. Aber ich möchte dir zeigen, dass immer wenn für dich etwas nicht stimmig ist, du dich ruhig für einen anderen Weg entscheiden darfst. Dass du dir nie einreden lassen sollst, was du brauchst und was nicht, auch wenn du damit nicht der Norm entsprichst. Das Internet ganz allgemein eröffnet uns ein ganz neues Universum an Möglichkeiten, aber vergiss nicht, dass auch ein ebenso großes Universum in dir verborgen liegt. Und vergiss nicht, dass ein Filter in deinem Kopf und deinem Herzen ausnahmelos immer wichtiger ist, als der bei Instagram. Denn du denkst, du fühlst…und du entscheidest. Egal wie smart dein Smartphone noch werden mag, es ersetzt nie das was uns Menschen ausmacht, nämlich die Fähigkeit zu staunen, Schmerz und Angst zu empfinden, zu lachen, zu weinen… und am allermeisten zu lieben. Entscheide du, was Freiheit für dich ganz persönlich bedeutet. Bei allem was du machst, bei allem was du noch erleben wirst und vor dir liegt, folge bitte unbedingt der Liebe (#followlove ♥) und diese lässt sich im “echten” Leben immer noch am besten teilen. (#sharelove♥)

Wie immer freue ich mich sehr, über eure Gedanken.

Aus ganzem Herzen,
Michaela

Bilder: Leni Linke, Tani Geisreiter, pixabay

Die perfekte Welle

Die perfekte Welle
Anfang Juli wurde der Blog fünf Jahre alt. Ganz leise, so wie alles anfing. Das Schreiben jedoch begleitet mich buchstäblich seitdem ich schreiben kann. Weil ich doch Worte so mag. Und weil ich doch so überzeugt bin, dass wir alle unsere Geschichten erzählen müssen. So oft wie möglich. Nur wenn wir sie teilen und nicht nur für uns alleine behalten, gewinnen sie an Kraft.
Ach wie sehr ich doch all die bunten Geschichten selbst liebe! Wie oft konnte ich unseren Kindern gerade durch sie so viel besser erklären, was ich ihnen wirklich sagen wollte. Frau Störtebecker und ihre Zimtschnecken, der Wolkenkehrer Nimson, der Wunderlandzug, die verrückte Familie vom pinken Haus, für die wir immer noch keinen richtigen Namen gefunden haben…sie alle haben wir in unserer Phantasie gesponnen, bis sie fast real für uns wurden und auf einmal irgendwie zu uns dazugehörten. Ich habe ihnen versprochen, eines Tages schreibe ich unsere Geschichten auf. Nur noch mal zur Sicherheit, damit keine davon vergessen werden. Und vielleicht zum nochmal kurz Nachschlagen. Wie war das denn gleich nochmal…?
“Mama, woher kommen denn unsere Geschichten immer? ” fragt ihr mich dann. Ich könnte euch antworten, dass es da ein Bergwerk gibt, das ziemlich versteckt hinter den nebligen Blaubergen liegt. Nur Menschen mit einem reinem Herzen dürfen hin und wieder dort zu Besuch kommen. Massentourismus möchte man tunlichst und ausdrücklichst vermeiden. Deswegen findet man den Weg dorthin eher zufällig, auf alle Fälle nicht wenn man danach sucht. Genau in diesem Bergwerk sitzt ein kleiner, trolliger Zwerg, mit apfelroten Bäckchen und zerzausten, moosgrünem Haar, welches ihm in allen Richtungen zu Berge steht. Man munkelt, dass er entweder sehr alt oder entweder noch sehr jung ist. Wahrscheinlich von beidem ein bisschen. Auf jedem Fall, so sagt man, kennt dieser kleine Zwerg alle Geschichten dieser Erde. Die, die jemals erzählt wurden und ja sogar die, von denen noch keiner je gehört hat, weil es sie eben noch gar nicht gibt. Nur er allein entscheidet, welche Geschichten in die Welt getragen werden. Das ist wirklich eine immens wichtige Aufgabe!
Aber es ist schon auch so, dass mein Herz einfach immer schneller schlägt, wenn ich schreiben darf. Bei jedem Gipfeltreffen, wenn ich einen Menschen begegnen und ihn “sehen” kann. Über die Gedanken, die mich nachts nicht einschlafen lassen, ehe ich sie aufgeschrieben habe. Über die Texte, wenn ich nach Wörtern suche, bis ich sie schließlich unterwegs finde, um das zu beschreiben, was ich fühle. Tatsächlich sind es dann die Wörter selbst, die zu mir kommen, ich schreibe sie nur auf. Das ist schon alles. Es geht gar nicht um mich. Das ist mir wichtig. Ich möchte nur Geschichten erzählen…
So wie die von dem Wellenreiter, der ein Leben lang auf die perfekte Welle gewartet hat. Bis der Tag kommt, an dem alles anders ist. Weil der Wind von einer anderen Richtung weht, weil es sich anders anfühlt und weil er plötzlich mit absoluter Gewissheit weiß, dass es heute soweit ist. Dann wird er Zeit und Raum vergessen und sich auf den Weg machen. Er handelt nur noch nach seinem Instinkt und dann kommt sie ganz langsam aus der Ferne angerollt, gewaltig und sanft zugleich. Bald ist sie hier…die perfekte Welle! Ohne zu Überlegen schnappt sich der Wellenreiter sein Brett und schwimmt los. Seiner Welle entgegen, auf die er doch so lange gewartet hat! Für einen ewigen Augenblick sind sie eins, die Welle und er. Alles ist leise, alles macht Sinn und alle Fragen erschließen sich ihm, bevor er Sekunden später schon wieder auftaucht. Überglücklich. Glückstränenweinend und um am nächsten Tag einfach wieder ganz “normal” Surfen zu gehen.
Das ist mein Gefühl, das mich begleitet. Seitdem ich schreibe warte ich auf meine Welle. Die pefekte Welle. Auf den einen Text, der all das aussagt, was ich jemals sagen wollte. Weil ich weiß, ich habe ihn noch nicht geschrieben und weil ich weiß, dass ich solange warten muss, bis der Wind passt. Bis ich es in meinen Knochen spüren werde, bis mir alles sagt, jetzt. Los. Dann werde ich mein Board nehmen und ihr entgegen paddeln…meiner perfekte Welle. Bis dahin gehe ich noch ein bisschen Surfen.

(Bilder Titelbild M.Linke/ Laguna Beach und L.Linke/ Arzbach)

 

Ein paar Gedanken….

Ein paar Gedanken….

Gestern wurde es also amtlich, was wir eh alle vermutet hatten. Die Ausgangsbeschränkung wird im ganzen Land fortgesetzt. Konkret bedeutet das für uns, dass der Arzbacher Hof bis auf weiteres geschlossen bleibt und unsere Kinder erstmal bis zum 11. Mai.2020 nicht zur Schule oder in den Kindergarten gehen werden. Jeder Bürger ist auf eine ganz spezielle Art betroffen, der eine mehr, der andere vielleicht etwas weniger. Es werden jeden Tag unendlich viel Prognosen über die Medien ausgesprochen. Letztendlich kann jedoch keine genau sagen, wie es sein wird, wenn es denn wieder „normal“ läuft und ob es das je wieder tut. Krisen bringen Veränderungen mit sich. In welche Richtung diese Veränderungen gehen, liegt letztendlich dann immer an den Gedanken der Gesellschaft. Wenn Zusammenhalt und Mitgefühl die vorherrschenden Handlungen der Menschen bestimmen, dann wird das am Ende auch unsere Zukunft gestalten. Wenn aber die Gefühle in Angst oder gar in Egoismus umschlagen, verstärkt sich damit automatisch auch das Negative. Ohne naiv denken zu wollen, bin ich doch davon überzeugt, dass der Mensch grundsätzlich „gut“ ist. Vielleicht hat ihn seine Umgebung zu etwas anderen geformt, aber ich kann mir beim besten Willen einfach nicht vorstellen, dass ein neugeborenes Kind mit Vorurteilen zur Welt kommt oder in der Lage ist, irgendeine Form von Hass in sich zu tragen. Liebe im Überfluss aber sehr wohl…

Im Augenblick überschlagen sie die Informationen. Es ist oft zu viel. So viel, dass jeder für sich herausfiltern muss, was stimmig ist. Gerade lese ich einen Facebook-Beitrag von Mama Nisla rockt und bloggt, der sich an die Kinder richtet und der wirklich ans Herz geht. Oh ja, denke ich, wie wahr es doch ist, was sie schreibt. Und uns trifft das auch…

https://www.facebook.com/MamaNislarockt/posts/1286486624873399

Unsere älteste Tochter die sich so auf ihr „Judo-Jahr“ gefreut hat. Alle wichtigen Turniere fallen aus und wie alles nächstes Jahr sein wird, weiß man nicht. Die Orchester-Tage in der Schule zu denen sie nicht fahren wird, aber die sie schon so lange herbeigesehnt hatte. Die Kommunion unseres Sohnes wurde verschoben, seine ganzen Fußballspiele und die vielen Turniere. Überhaupt jedes Traning. Für unsere Jüngste findet natürlich auch kein Kinderturnen statt und auch sie, wird zwei Monate ohne ihren geliebten Kindergarten und ihren Freunden verbringen müssen. Die Monatstreffen unserer Miniköche und alle geplante Events sind bis auf weiteres abgesagt worden. Ob ihr großes Gala-Dinner, das Highlight nach den zwei Jahren Ausbildung, im Juli wie geplant stattfinden kann ist fraglich.

Aber bei allem sehe ich eines ganz klar: es ist eine Krise und das ist ausnahmeslos immer ein massiver Einschnitt. Dieses Mal betrifft es uns alle. Genau genommen betrifft es die ganze Welt. Doch wieviel persönliche Katastrophen brechen oft über einzelne Familien herein, die keiner vorhersehen konnte? Eine schwere Krankheit, finanzieller Verlust oder gar ein plötzlicher Tod. Es passiert einfach Tag für Tag. Immer schon. Gerade in Ausnahmesituationen ist klar, dass der Alltag nicht wie geplant weitergehen kann. Natürlich leiden dann alle Familenmitglieder massiv. Aber ich glaube, all die Sachen auf die unsere Kinder momentan verzichten müssen, sind im Ganzen gesehen und im Sinne von etwas Größerem wirklich zu verkraften. Ich glaube sogar, wir müssen gerade in solchen Situationen versuchen den nötigen Weitblick unserer Kinder zu schärfen. Dazu gehört zum Beispiel, dass eine ausgefallene Geburtstagsfeier keine Tragödie ist und dass man trotzdem zuversichtlich sein kann, um das beste daraus zu machen. Tatsächlich ist diese besondere Zeit auch eine Chance, bei allem Leid was jetzt passiert und natürlich auch gesehen werden will. Wenn alle äußeren Einflüsse wegfallen, wenn alle Termine momentan an Bedeutung verlieren, bleibt Zeit für uns. Zeit für die Menschen, mit denen wir am engsten zusammenleben. Das mag für die Großfamilie auf dem Land eine andere Herausforderung sein, als für den Single in der Großstadt. Doch eben für jeden ist es eine Gelegenheit in die Tiefe zu gehen. Mal alle wirtschaftlichen Faktoren außer Acht gestellt, (die gesundheitlichen sowieso) für uns war und ist diese Zeit auch ein Geschenk. Bei uns persönlich ist es ja so, dass wir eh jeden Tag die meiste Zeit zusammen sind, aber jetzt noch einmal soviel Zeit als Familie verbringen zu dürfen ohne Termine oder Verpflichtungen ist ein echter Segen. Es fühlt sich an wie Urlaub zu Hause. Diese Situation wäre unter normalen Umständen nie zustande gekommen. In diesen Tagen warten wir auf ein weiteres Kind in unserer Familie und ganz vorsichtig denke ich, ob es sich nicht genau diese Zeit ausgesucht hat, um zu uns zu kommen? Trotz allem liegt so viel Frieden und Liebe in der Luft, dass einem regelrecht das Herz aufgeht. Ich glaube man darf ruhig optimistisch sein. Ich glaube diese Zeit jetzt konstruktiv zu nutzen und trotzdem voller Mitgefühl für alle Betroffenen zu sein ist kein Widerspruch. Im Gegenteil. Ich denke an die Kriegsjahre und die viele Entbehrungen, neben all dem unfassbaren Leid, dass die Menschen damals erfahren haben. Der Vergleich dazu rückt sowieso alles in ein anderes Licht. Aber es ist jetzt an der Zeit die ganz großen Fragen zu stellen. Jeder für sich. Die Antworten werden zu uns kommen, je tiefer wir sie in uns suchen und je ehrlicher wir darauf antworten. Ich glaube gerade jetzt, können wir soviel zusammen schaffen, soviel ändern und am Ende gestärkt aus all dem hervorgehen. Und das Wichtigste zum Schluss, was auch immer sein mag.
Haltet unbedingt an der Liebe fest. Das ist alles was zählt.

Dann lese ich noch einen weiteren Facebook-Beitrag von Nina Betz, der mich tief berührt. Oh, denke ich bei mir, wie wichtig das ist was sie schreibt.

https://www.facebook.com/nina.scheepers/posts/10157271087386375

Wir müssen den Tod unbedingt mehr in unsere Leben integrieren. Gerade jetzt schreit er nach Aufmerksamkeit und gesehen werden. Heute erst habe ich erfahren, dass ein Onkel von mir gestorben ist. Vor ein paar Wochen war es eine liebe Tante. Jeder Abschied ist traurig. Umso mehr je näher man den Menschen stand, umso mehr man geliebt hat. Doch wenn wir den Tod ganz und gar annehmen, verlieren wird die Angst. Viel mehr werden wir so leben, dass wir am Ende nichts bereuen. Wie wertvoll ist es doch sagen zu können, ein Leben, sein Leben, gelebt zu haben. Mit allen Höhen und Tiefen, aber so, dass man sich in all seinen Werten treu geblieben ist und wahrhaft geliebt hat und Liebe erfahren durfte. Deswegen sagen ich nochmal…

Haltet an der Liebe fest. Das ist alle was zählt. Habt keine Angst. Alles wird gut. ♥

Aus aktuellen Anlass

Aus aktuellen Anlass
Ich glaube mir geht’s es ähnlich wie vielen unter euch. Hätte mir vor zwei Wochen jemand gesagt, dass bundesweit alle Schulen und Kitas schließen werden, ich hätte es wahrscheinlich nicht für möglich gehalten. Gestern war es dann auch für uns klar, dass auch wir den Arzbacher Hof für erstmal die nächsten beiden Wochen schließen werden. Trotz der ganzen Krise, die irgendwie jeden in irgendeiner Art und Weise betrifft, haben wir auf einmal ein bisserl extra Zeit für uns. Das Wetter ist traumhaft, wir halten uns so gut es geht den ganzen Tag draußen auf. Kurz: wir machen das Beste aus der ganzen Situation.
Dann etwas was mich nachdenklich stimmt. Als am Freitag feststand, dass jetzt alle Schule etc…schließen und auch sonst sämtliche Veranstaltungen abgesagt wurden, bestand kein Zweifel mehr, dass wir uns jetzt ernsthaft Gedanken machen müssen, wie es im Arzbacher Hof weitergeht. Am Nachmittag erhielten wir dann ein paar Anrufe hintereinander, die ich bis heute schwer verstehen kann. Der erste Anrufer, natürlich anonym, beschimpfte uns als verantwortungslos, weil wir angesichts der Situation immer noch geöffnet haben. Ich konnte ihm fast nicht antworten, so aufgebracht war er. Kurz später der nächste Anruf einer Frau, der ebenso in die Richtung ging und die sich erkundigte, ob wir dann wenigstens sichergestellt haben, dass wir genügend Desinfektionsmittel in allen Räumlichkeiten bereit stellen könnten. Dann höre ich die unterschiedlichsten Geschichten, z.B. von Menschen die in Supermärkten zum Streiten anfangen, weil das Mehl aus ist. Oder die vielen respektlosen Kommentare, die unter die geposteten Bilder geschrieben werden, die irgendwelche Menschen in vollen Cafes vom letzten Wochenende zeigen.
Ich glaube, diese Situation ist für uns alle neu und einfach so ganz plötzlich über uns hereingebrochen. Es hat jetzt einfach ein paar Tage gedauert, bis die Botschaft ankommen konnte. Und ich glaube diese Zeit musste man sich jetzt auch einfach nehmen, damit jeder, für sich in Ruhe eine wirklich fundierte Entscheidung fällen konnte, wie er in Zukunft damit umgeht und handelt. Auf alle Fälle bringt es uns jetzt überhaupt nichts, wenn wir irgendjemand die Schuld zu schieben. Sei es der Politk oder irgendjemand anderen. Ich finde es wirklich erstaunlich, wie schnell das geht.
Bitte handelt weiterhin mit einem wachen Verstand und einem offenen Herzen. Urteilt nicht so schnell über das Verhalten anderer, sondern schaut viel mehr darauf, wie ihr euch selbst bestmöglich verhalten könnt und wie es der Gemeinschaft am besten dient. Und gerade weil es körperlich nicht möglich ist, sollten wir uns jetzt alle erst recht die Hand reichen und zusammen stehen. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sollte doch viel mehr bei denen sein, die es am härtesten traf und immer noch trifft. Da ist überhaupt kein Platz und keine Zeit um anzuklagen. Die wichtigste Botschaft ist, dass wir doch alle Menschen sind und es jetzt an uns liegt, wie wir die Welt sehen.
Fühlt füreinander. Denkt aneinander. Handelt umsichtig.
Vor allem aber, haltet an der Liebe fest.

Wie die Ruhe zu mir kam – 7 Tipps für mehr Gelassenheit

Wie die Ruhe zu mir kam – 7 Tipps für mehr Gelassenheit

Im Arzbacher Hof und auf dem Alpencampingplatz ist Hauptsaison und wie jedes Jahr sind wir mittendrin. Die vielen Menschen, die in unserem Haus ein und ausgehen und denen wir tagtäglich begegnen. Wir haben es uns so gewünscht und möchten es nicht anders haben. Es ist wunderbar. Ohne Zweifel. Manches Mal aber, wird die kleine Stimme in mir überlaut. Sie ruft mir zu, dass es jetzt Zeit ist für einen Augenblick Ruhe. Nicht später oder irgendwann, sondern genau jetzt. Nun bin ich hier aufgewachsen und kenne sie, diese kleinen, versteckten, stillen Orte im Isarwinkel, in denen soviel Kraft liegt. Erst vor ein paar Tagen war ich wieder dort. Unsere großen Kinder waren im Alpenbad nebenan, alle Anreisen waren da, jeder freie Platz auf dem Alpencampingplatz belegt, im Arzbacher Hof werde ich erst abends wieder gebraucht. Natürlich fallen mir tausend Dinge ein, was ich jetzt tun könnte. Wäsche waschen zum Bespiel. Oder aufräumen. (geht immer) Doch stattdessen nehme ich unsere kleine Tochter bei der Hand und mache mich mit ihr auf den Weg zu unserem Wasserfall im Arzbach.Als wir dort ankommen, sind wir ganz allein dort. Wir tauchen unter. Einmal. Zweimal. Immer wieder. Kati quietscht vor Freude.  Erst als unsere Lippen blau sind, legen wir uns auf die heißen Steine am Bachrand und blinzeln in die Sonne. Wir sprechen kaum. Es ist so friedlich und so still, dass ich mein Herz schlagen hören kann. Und Katis als ich meine Hand auf ihre Brust lege. „Fühlst du das auch?“ frage ich sie. Sie ist immer noch vier, aber weise für viele Leben und antwortet verwundert: „Aber das ist doch immer da.“ „Stimmt,“ antworte ich. Wir bleiben schweigend nebeneinander liegen und meine Gedanken fliegen leise durch meinen Kopf, bis mir wieder einfällt wie es war, als die Ruhe zu mir kam.

Lieblingsplatz am Arzbach

Ich glaube ich war von Natur aus immer eher schon ein gelassenes Kind. Ich weiß nicht, ob das angeboren ist oder ob nicht vielleicht alle um 1980 geborenen Kinder im Laufe ihres Lebens eine gewisse Grundgelassenheit erwerben. Es gab kein Handy, drei Programme im Fernsehen und bei Regenwetter und unermüdlicher Langeweile halfen nur die eigenen Ideen. Wir hatten nicht die elementaren Sorgen, wie die Generationen vor uns und der Klimawandel war noch nicht in unser Bewusstsein getreten. Uns gings grundsätzlich gut. Es war die Zeit als man anfing wieder groß zu  träumen und irgendwie alles möglich war. Ich war ein Kind, dass immer schon gerne zur Kirche ging. Was insofern außergewöhnlich war, weil keiner in meiner Familie wirklich regelmäßig, was natürlich auch beruflich bedingt war,  die Zeit dafür hatte. Als ich alt genug war, bin ich einfach alleine zum Gottesdienst gegangen. Ich liebte die Rituale und hörte unglaublich gerne zu, wenn aus der Bibel Geschichten und Evangelien gelesen wurden. Manches Mal, wenn ich Rat brauchte, dann bin ich zur Kirche vorgegangen, habe mich nur ein kleines bisschen dort aufgehalten und im Stillen gebetet. Mir war danach immer leichter ums Herz.

In der Wackersberger Pestkapelle

Meine Mama hatte mir ein paar von den Abendgebeten, welche sie als Kind gelernt hatte, mit auf den Weg gegeben. Bald entwickelte sich draus mein ganz eigener Dialog mit Gott und mit meinen Schutzengeln. So konnte ich alles was schwer und belastend war einfach loslassen. Am allermeisten aber bedankte ich mich für alle die wunderbaren Menschen und guten Dinge, die bei mir waren. Dadurch bekam ich das Bewusstsein, dass das alles nicht selbstverständlich ist. Dieses Ritual habe ich an unsere Kinder weitergeben, weil ich so davon überzeugt bin, dass Dankbarkeit der Schlüssel zu allem ist. Als ich erwachsen wurde, hat mich mein Gefühl in die Welt hinausgezogen. Ich bin ihm einfach gefolgt, überall dorthin, wo mein Herz am stärksten und lautesten vor Freude geschlagen hat. Auf jeder dieser Reisen habe ich eins am meisten gelernt: das ich vertrauen kann und dass ich, wenn ich meiner Intuition folge, am Ende schon alles gut wird.  Mein Glaube hat sich verändert. Er war auf einmal nicht mehr an meine kleine Kirche in Arzbach gebunden, sondern allumfassend. Ich glaube an die Liebe und ihre große Kraft. Dass da irgendwas ist, was uns leitet und führt. Es sind mir wahre Wunder begegnet, die ich bis heute nicht so richtig erklären kann, aber trotzdem waren sie auf einmal da. Wie vom Himmel gefallen. Alles zusammen hat sich das irgendwann als unerschütterliches Urvertrauen in mir manifestiert. Ich habe aber auch gelernt, wie erdrückend und verurteilend, ja sogar gefährlich Glaube sein kann und dass dieser Glaube sehr wenig mit dem gemein hat, wie ich ihn fühle.  Im Grunde ist es ganz egal an was oder wen du glaubst, alles was zählt ist: was sind deine Grundsätze und handelst du tatsächlich auch danach? Ich kenne die mitfühlendsten und ehrlichsten Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind und auf der anderen Seite die, die im Namen des Glaubens menschenverachtenden Dinge tun. Für mich ist Glaube auch das Gefühl mit allem verbunden und nicht alleine zu sein. Ich bin an dem Ort aufgewachsen, an dem ich heute noch lebe. Auch wenn er sich im Laufe der Jahre verändert hat, so ist er doch immer noch mitten in der Natur. Genau dieser Ort und die viele Zeit die ich als Kind draußen am Arzbach verbracht habe, war einer meiner größten Lehrmeister in Geduld, Demut und das was es bedeutet, wirklich in Freiheit zu leben

Ruhe am Walchensee

Die Gelassenheit war immer bei mir. Die Ruhe auch. Nur hatte ich es nie bewusst wahrgenommen. Ich habe mich sehr lange schon mit allen „Übersinnlichen“(wenn man so will) beschäftigt. Ich kann mich erinnern, dass immer, wenn wir nach München zum Einkaufen gefahren sind, ich als erstes zum Hugendubel in die Abteilung „Spiritualität“ ging. Die damals zugegeben noch sehr klein war, jetzt aber merklich gewachsen ist. All diese Dinge zogen mich magisch an und so kam es dann auch, dass ich mit ungefähr siebzehn Jahren das Meditieren gelernt habe. Unsere alte Meditationsgruppe von damals besteht mit einigen Veränderungen immer noch. Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, soviel habe ich gelernt, soviel ist seitdem auch passiert. Ich kann nicht jede Woche dabei sein,  aber wenn ich mir dann einmal Zeit nehme, geniesse ich das sehr. Medieren fiel mir von Anfang an leicht, doch es war auch für mich ein Meilenstein, weil ich endlich ein Werkzeug zur Hand hatte, ganz bewusst wahrzunehmen, was ich vorher nur spürte, aber nie richtig in Worte fassen konnte. Als ich noch so jung war und gerade auf der Suche nach dem wer man selber überhaupt ist, half mir das extrem bei Entscheidungen. Ich lernte meine Gedanken ganz ruhig werden zu lassen und geduldig darauf zu warten bis eine Antwort kam. Das konnte eine Weile dauern, aber sie kam ausnahmelos immer. Ich vertraute mir. Meinem Instinkt. Meiner Intuition.

So ist es heute noch. So seltsam es sich anhören mag, aber ich weiß jetzt um den Reichtum in mir. Wenn im Außen alles laut und wild ist, weiß ich all das ist bei mir. Ich muss nur tiefer spüren. Nur genau hinhören. Ich glaube felsenfest Gelassenheit kann man lernen. Es mag dauern. Geduld zu haben gehört ja auch zur Gelassenheit. Allein schon ein Bewusstsein für den Augenblick zu entwickeln und eine Achtsamkeit für die Menschen und Dinge um einen herum, sind ein erster, großer Schritt in diese Richtung. Ich habe versucht 7 Punkte auf den Weg zur mehr Gelassenheit, Ruhe und vor allem Seelenfrieden mit dir selbst für dich zusammenzufassen. Bedenke, das sind nur die Punkte die ich aus meiner Sichtweise heraus aufschreiben kann. Vielleicht sind es bei dir ganz andere. Vielleicht führt dich dein Weg ganz woanders hin. Es geht auch nicht um einen Königsweg, den man der Reihe nach erfühlen muss, sondern nur um eine weitere Möglichkeit unter den vielen anderen, die alle zum Ziel führen können.

1. Konzentriere dich auf das Postive in deinem Leben  

Egal in welche Situation du dich auch befinden magst, du hast immer die Wahl daran zu zerbrechen oder das Beste daraus zu machen. Achte auf deine Gedanken. Du erschaffst so viel selbst, alleine dadurch wie du die Welt siehst. Übernimm die Verantwortung für dein Leben und lass sie dir durch nichts und niemanden nehmen. Sei selbstbestimmt und versuche das Gute in jedem Menschen und jeder Gelegenheit zu sehen. Das ist keine naive Sichtweise, sondern damit vertraust du dir selbst und dem Leben.

2. Suche nach der Kraft, die dich antreibt

Der Sinn des Lebens nach dem wir alle Streben. Oft ist er in den kleinen Dingen verborgen. Schaue genau auf das was dir Freude bereitet und verbringe möglichst viel Zeit damit. Natürlich gehört auch Unangenehmes zu Leben dazu, das man am liebsten umgehen möchte. Aber wenn du auch darin den Sinn erkennst, dann fällt es dir leichter damit umzugehen. Wenn du in etwas über längere Zeit keinen Sinn findest, überlege dir, ob du es nicht lieber sein lässt. Wenn du ganz genau weißt, wo deine Energiequellen liegen, wirst du sie auch nutzen können.

3. Finde deine Orte, an denen du zur Ruhe kommst

Das mag ein Platz im Wald sein oder am See sein, die Erinnerung an den letzten Urlaub am Meer oder einfach nur zu Hause auf deinem Liegestuhl. Finde heraus, wo du deine Ruhe findest. Das Wissen, dass du diese Orte jederzeit besuchen kannst, wenn auch nur im Geiste, ist wie ein kleiner Zufluchtsort und ein Aus-Schalter, wenn alles einmal viel zu laut um dich wird. Sammele diese Orte ganz bewusst.

Letzten Sommer in Kalifornien, mein ganz persönlicher Sehnsuchtsort, mit dem ich mich tief verbunden fühle

4. Finde heraus an was du glaubst

Das ist sehr persönlich uns sehr individuell. Es mag sein, dass du dabei herausfindest, dass  du    Glaubenssätze und alte Muster verinnerlicht hast, die dir nicht gut tun. Es ist Zeit neue zu kreieren, du wirst sehen, dann werden wahre Wunder geschehen.

5. Gib deinen Träumen Raum

Träume sind der Schlüssel zu dem wer du wirklich bist. Wenn du dich nicht weißt, was deinem tiefsten Wesen am meisten entspricht, dann frag jemanden, der dich als Kind gekannt hast. Mit was konntest du dich stundenlang beschäftigen, bei was hast du die Zeit vergessen? Zu wissen wer du bist, schenkt dir große innere Ruhe.

6. Folge deiner Intuition & vertraue

Dein Gefühl wird dich leiten und dir hin und wieder etwas ganz Verrücktes zuflüstern. So absurd mancher Gedanke erscheinen mag, verwirf ihn nicht gleich. Manches Mal braucht es nur einen kleinen Schritt nach vorne und ein anders Mal einen krassen Schnitt, um dir wieder nah zu sein. Je nach dem wie weit du von deinem ganz persönlichen Kurs entfernt gewesen bist. Vertraue darauf, wenn immer du deinem Gefühl folgst, alles gut wird. Vertraue darauf, dass es das Leben gut mir dir meint.

7. Steht zu dir selbst und bleib bei dir

Bleib offen, aber schau nicht zu sehr nach links und rechts. Steh zu dir. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der ganz genauso ist wie du und der das Gleiche erlebt hat. Deswegen kannst auch nur du deine Entscheidungen treffen und nur du Lösungen finden. Lass dich nicht verunsichern und noch weniger, verändere dich für andere. Ruhe in dir selbst.

Vor ein paar Tagen sind zwei Familien auf dem Alpencampingplatz abgereist. Beide sind exakt zur selben Zeit angekommen. Die erste Familie war enttäuscht darüber, dass das Wetter so durchwachsen war. Die zweite erzählte mir freudestrahlend von ihren gemeinsamen Unternehmungen  und von dem was sie alles noch vorhaben, wenn sie das nächste Mal wiederkommen. “Hoffentlich habt ihr da besseres Wetter,” entgegenete ich ohne viel nachzudenken. “Wieso, dass Wetter war doch wunderbar. Es hat jeden Tag die Sonne gescheint!” Das stimmte und das sogar mehr, als es geregnet hat. Nur wusste es die zweite Familie besser zu nützen und hat so den Regen kaum wahrgenommen. “Außerdem ist es deswegen so schön grün in Bayern,” setzten sie noch eins drauf. Und schon wieder haben sie Recht.

Fotos: M.Linke

Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt, sondern wer sich selbst dafür hält. -Lucius Annaeus Seneca