Auf Wiedersehen Papa

Ich glaube ich war 13 oder 14 Jahre alt, als es angefangen hat. Auf einmal war sie einfach da. Diese ohnmächtige Angst dich zu verlieren. Offensichtlich gab es keinen Grund dafür und logisch war es auch nicht zu erklären. Ich habe dir nie davon erzählt, aber ich denke, dir ging es genauso. Wenn ich als Kind abends nicht einschlafen könnte, hast du mich in den Arm genommen. Augenblicklich fühlte ich mich geborgen und sicher. Für mich war klar, wenn du da bist, passiert uns nichts. Erinnerst du dich an unsere Urlaube? Das Tauchen und die unbeschwerte Zeit am Meer? Einmal haben wir zum Abendessen Haifisch gegessen und am nächsten Tag habe ich mich nicht mehr ins Wasser getraut, weil ich dachte, die Familie des Haies würde uns genau das übel nehmen. Ich erinnere mich. An so viele Details, an so viele wunderschöne Jahre, die wir zusammen verbringen durften. Aber am meisten erinnere ich mich an dein riesengroßes, gutmütiges Herz, welches die Fähigkeit hatte schnell zu verzeihen und nie lange nachtragend zu sein. Unsere Verbindung war tief und ein Leben lang von Leichtigkeit geprägt. Du hast uns allen so viel geschenkt! Vor allem deine Zuversicht und dein unerschütterlicher Humor, den du uns mit auf den Weg gegeben hast, ist jetzt ein wahrer Segen für uns. Ich kann mich an keinen einzigen Tag erinnern, an dem du einmal schlecht gelaunt warst. Du konntest schwierige Situationen ins Gegenteil verkehren und wenn dir das einmal nicht gelang, dann half dir zumindest deine positive Grundeinstellung, leichter damit umzugehen. Du fehlst wirklich in allen Ecken und an so vielen Stellen. Trotzdem bist du immer noch so präsent und erfüllst den Raum mit deiner einzigartigen Energie. Mit dir ist auch meine Angst gegangen, so als wäre sie nie wirklich da gewesen. Ich hätte dir so gerne noch Lebewohl gesagt, wie viel du mir bedeutest und auch wie groß die Liebe von einem Kind zu seinen Eltern sein kann. An deinem letzten Tag war ich nicht bei dir. Ausgerechnet. Ich haderte damit, bis ich verstand. Vielleicht hätte ich erkannt, dass du dich jetzt wirklich auf den Weg machst? Vielleicht hätte ich dich dann niemals losgelassen, auch wenn ich wusste, dass dich nichts mehr hätte aufhalten können, auch nicht meine Liebe zu dir? Du hast mir, wie seit langer Zeit offiziell vereinbart, Zeichen geschickt. Ich habe keinen Zweifel . Du bist gut angekommen auf deiner letzten Reise und gleichzeitig spüren wir alle, du bist immer noch da. Ich konnte mich in deinem, meinem und unserem Sinne von dir verabschieden. Auch wenn deine Seele deinen Körper schon verlassen hatte, bin ich mir sicher, du weißt davon. Immer wenn ich traurig werde, dann denke ich daran, dass du es dir genauso ausgesucht hättest. Du wolltest nie im Krankenhaus sterben und es sollte nach Möglichkeit schnell gehen. Der Zeitpunkt und Ort war weise gewählt, das wird mir immer klarer. Dennoch vermisse ich dich unendlich. Wir alle. Doch auch hier überwiegt die tiefe Dankbarkeit, dass du 42 Jahre an meiner Seite gewesen bist. Dass du alle unsere Kinder kennengelernt hast. (und sie dich) Dass wir das letzte Stück Seite an Seite gehen durften. Dass du mir der beste Papa, den man sich vorstellen kann gewesen bist. Ich durfte so viel von dir lernen. Deine Ratschläge waren oft goldrichtig. Lieber Papa, danke, danke, danke für alles. Die Liebe hört niemals auf. Unsere Verbindung bleibt für immer. Aber das weißt du ja alles. Jetzt umso mehr.

Bis wir uns wiedersehen,

in unendlicher Liebe und tiefer Dankbarkeit,

bis wir uns wiedersehen, mein geliebter Seelenverwandter,

Mikl


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