(M)ein Leben ohne Smartphone – Eine Fortsetzung

(M)ein Leben ohne Smartphone –                        Eine Fortsetzung

Mein letzter Blogartikel liegt eine Weile zurück. Was nicht etwa an einer kreativen Schaffenspause lag, sondern hauptsächlich an dem kleinen Baby, welches gerade friedlich neben mir schlummert. Der Plan war, dass ich mich zumindest nachts hin und wieder an den PC ins Büro schleichen kann. Hat doch bei den anderen drei auch meistens geklappt. Doch Baby 4 ist ein Vorzeigetragestillkind mit ausgeprägten Nähe-Bedürfnis und ist einfach am glücklichsten, wenn man es rund um die Uhr umher trägt. (vorzugsweise von Mama, was vermutlich auf die sichere Nahrungsversorgung zurückzuführen ist) Mittlerweile krabbelt unser Wonneproben und vergisst dann schon mal das mit dem ausgeprägten Nähe-Bedürfnis, wenn er gelegentlich von einer mindestens ebenso ausgeprägten Abenteuerlust überwältigt wird. Kurz: Man darf unser heiß und innig geliebtes Baby nicht eine Sekunde aus den Augen lassen. Noch kürzer: ich hab es auch kaum ins Büro zu unserem PC geschafft. Ich war also die letzten 8 Monate praktisch nicht nur ohne Smartphone, sondern auch oft offline. Für ein paar wenige Ausnahmen, (der letzte Blogeintrag war im August!) habe ich die großen Kinder mit fragwürdigen pädagogischen Mitteln (u.a. Eis oder Gummibären) bestochen, damit sie nur mal “schnell” auf den kleine Bruder aufpassen oder mir abends sogar heimlich das Tablet aus dem Kinderzimmer geklaut, um darauf mit einem Finger Facebook Beiträge zu schreiben. Ich habe nämlich nicht nur kein Smartphone, sondern auch keinen Laptop oder ein anderes funktionierendes, mobiles Gerät mit möglichem Internetzugriff. Zumindest hatte, denn seit Weihnachten bin ich nun überglückliche Notebook-Besitzerin. Überglücklich ist nicht übertrieben, denn immer wenn das Baby schläft (so wie jetzt immer noch) , dann kann ich mich DIREKT daneben sitzen (oder liegen) und schreiben. Was ich, wenn ich nicht auch schlafe, liebend gerne tue. Win-Win fürs Kuschel-Baby und mich. Wieder Schreiben (endlich wieder schreiben) ist ein bisschen so wie Fahrradfahren nach dem Winter. Oder Skifahren nach dem Sommer und ich freue mich so. Doch bei aller Freude, war diese lange (fast) offline Zeit auch ein riesengroßes Geschenk für mich und unser Baby. Wir konnten uns ungestört und unendlich intensiv ineinander verlieben. Dicke, feste Bande knüpfen, die uns fest zusammen halten. Weil wir eben ganz da und wirklich dort waren. Unsere Sommerübernachtungen im Freien unterm Sternschnuppenregen, die stundenlangen Spaziergänge, die ersten Glühwürmchen, die ich die letzten Jahre so vermisst habe. Das war alles noch viel, viel schöner mit dir auf dem Arm, mein zuckersüßer Michl. Ich hatte schlichtweg keine Hand frei, für irgendetwas anderes außer dich. (und natürlich für den Rest der happy family)

(M)ein Leben ohne Handy war einer der meistgelesen Beiträge auf den Blog. Ich konnte das selbst fast gar nicht glauben, vor 15 Jahren war es doch für uns alle noch völlig normal kein Smartphone zu besitzen. Warum, so frage ich mich, ist es für die meisten von uns nicht mehr vorstellbar? Warum lässt sich so schwer darauf verzichten? Das es mittlerweile schon Begriffe wie “Digital Detox” (also Handyfasten) gibt, zeigt einmal mehr, dass tatsächlich Bedarf in die Richtung ist.

Mittlerweile ist unsere älteste Tochter zwölf geworden und seit einem Jahr stolze Besitzerin eines nigelnagelneuen Smartphones in schicker Marmorhülle. (die Handyhülle ist für angehenden Teenies beinahe so bedeutend wie ihr Profilbild bei WhatsApp) Ich wollte sie nicht von einem Leben ohne Smartphone überzeugen. Das macht ja auch keinen Sinn. Es ist ja auch nur mein Leben ohne Smartphone. Mein ganz persönliches. Hin und wieder diskutieren wir dann darüber und kommen beide zu dem Entschluss, dass es kein schlechter oder besser gibt. Dass das jeder für sich selber entscheiden muss. “Aber es kann auch ein ganz wundervolles Leben ohne Smartphone sein,” antworte ich dann auf alle ihre guten Argumente. Und dann gibt sie mir ein bisschen Recht und vielleicht denkt sie manches Mal an mich und daran, dass man tatsächlich ohne Smartphone “überleben” kann . Das wünsche ich mir zumindest.

So wie letztes Mal zum Beispiel, als ich mit allen Kindern zusammen auf dem Spielplatz war. Ich setzte mich mit etwas Abstand auf einem Baumstumpf am Klettergerüst. Ab und zu kletterte ich aus reinem Übermut aufs Klettergerüst oder baute mit an der Sandburg, aber ich mag es aufrichtig gerne einfach nur zu sitzen. (wer kennt den alten Loriot Sketch – ich mag einfach nur hier sitzen?) Eben weil ich nur dort saß, sah ich es auch. Als einzige. Denn alle anderen sahen sich nicht, denn bis auf einen lustigen Opa, der mit seiner Enkelin in der überdimensionalen Korbschaukel saß und so wie es schien, dort den Spaß seines Lebens hatte, schaute sie alle in ihr…jetzt rate mal…Smartphone. Gelegentlich machten sie ein Bild von ihren mitgebrachten Kindern oder legten es tatsächlich auch für ein paar Sekunden aus der Hand, um die Inhalte der ebenso mitgebrachten Pauseboxen zu verteilen oder Getränkeflaschen zu öffnen. Ich hatte meine Kamera mal wieder vergessen. (die Snacks für zwischendrin übrigens auch) Was zugegeben schade war, denn die Bilder der stolzen Kinder vor der mittlerweile ziemlich eindrucksvollen Sandburg in der warmen Abendsonne wären sicher gut geworden.

Ein anderes Mal habe ich unsere Tochter zum Schulbus gebracht. Als sie einstieg, winkte ich ihr zum Abschluss. (natürlich die Art von winken, dass es gerade noch cool ist und es außer uns beiden garantiert keiner mitkriegt) Es war noch ein bisschen dämmrig am morgen und so konnte ich die blinkende Handybildschirme viel deutlicher sehen als mir lieb war. “Warum starren denn alle in ihre Telefone? Warum reden sie nicht miteinander? Diese wunderbaren, jungen Menschen, die sich sicher so viel zu sagen hätten.” Ich wollte es eigentlich gar nicht verurteilen, tat es aber doch irgendwie, daher versuchte ich es lieber zu verstehen. “Ja, ja, ich weiß schon, die Zeit ist anders. Früher…ach höre mir jetzt auf mit früher…” Meine Gedanken führten Selbstgespräche. “Es ist halt jetzt so. Das darf man nicht so eng sehen. Das ist ja auch Quatsch, als ob es darauf ankommt, dass man sich im Schulbus unterhält oder eben nicht. Die reden schon genügend miteinander, mach dir da mal keine Sorgen.”

Doch ich gebe zu, ich habe drüber nachgedacht. Es hätte in vielen Punkten auch absolut Sinn gemacht, jetzt auch einfach einmal eins dieser Dinger zu kaufen. Dann müsste ich meinen Mann (mittlerweile auch unsere Tochter) nicht immer nerven, noch einmal kurz die WhatsApp-Gruppen zu checken, bei der alle Eltern (außer mir) wichtige Infos zu Fußballspielen, Judowettkämpfen, Geburtstagsfeiern, Schulzeugs oder was es sonst noch alles so gibt, austauschen. Ich bin nicht gerne die Exotin, die man immer nochmal extra anrufen muss, damit ich es sicher auch mitbekomme. Es ist mir sogar höchst unangenehm. Doch dann habe ich festgestellt, dass es eigentlich gar nicht so oft ist, dass ich eine wirklich wichtige Information versäumt habe (zumindest weiß ich es nicht. hoho). Ich kann auch an einer Hand abzählen, wie oft man mir hinterher telefonieren musste. Und wenn mich jemand wirklich deswegen anruft, dann macht er es ja aus freien Stücken und -davon gehe ich jetzt einfach einmal aus- gerne. Ich habe mich durch sämtliche WhatsApp Gruppen gescrollt, nur um wirklich sicher zu sein. Mein Fazit: wirklich wichtige Infos fand ich nicht. Oder ich hab sie überlesen, vor lauter Dingen die nach meiner Einschätzung letztendlich unwichtig waren oder sind.

Und ohne selbst ein Handy zu haben, hab ich es dann in der zweiten Reihe selbst erlebt. Freundinnen, die nicht mehr miteinander reden, weil sie bei WhatsApp einen Satz falsch interpretiert haben. Eltern, die sich in der Klassengruppe verstritten haben, weil sie sich über das Abschlussgeschenk für die Lehrerin nicht einig werden konnten. Kinder die sich gegenseitig blockieren, obwohl sie einmal Freude waren und sich gar nicht bewusst sind, wie verletzend das sein kann. Ich glaube immer dann, wenn etwas “wichtiges” zu klären ist, eignen sich WhatsApp Nachrichten nicht. Es gehört viel mehr Mut dazu, jemand etwas vermeintlich Unangenehmes direkt ins Gesicht zu sagen. Doch nur so, hat man die Chance es auch in der Tiefe zu klären. Da hilft auch das beste Emoji nichts.

Es ist lange her, dass sich mein Handy vor meinen Augen auf dramatische Weise quasi vor den Zug geworfen hat. Genau genommen sind es über 14 Jahre und ich habe ihm keine einzige Träne nachgeweint. Manches Mal stelle ich mir vor, wie es wäre wenn. Wenn ich mit unserem Sohn klitschnass am Fußballplatz stehe, weil es gerade wolkenbruchartig zu regnen angefangen hat und nicht mitbekommen habe, dass das Training deswegen gerade abgesagt wurde. Wenn ich im Großmarkt stehe und wieder einmal den Einkaufszettel vergessen habe und versuche mich daran zu erinnern, was ich auf gar keinen Fall vergessen darf. Wenn sich der Dienstplan im Arzbacher Hof ändert und jeden persönlich anrufen muss, um das mitzuteilen. Eine Nachricht an alle würde es soviel einfacher machen. Aber auch, wenn unsere Tochter, bei einer Freundin übernachtet und ich ihr kurz noch eine Gute Nacht Nachricht schicken möchte. Ich denke an Tom und unseren Anfang, in der ich noch ein Handy hatte und ich ehrlicherweise für kurze Zeit (und nur wegen uns) selbst fast “handysüchtig” wurde. Oder an all die vielen Menschen, mit denen ich unheimlich gerne Nachrichten hin und her schreiben würde. Es wäre mit Sicherheit ein gutes Gefühl, sie alle abgespeichert in meinem Smartphone zu haben und zu wissen, dass ich sie jederzeit erreichen könnte oder ich ihnen dann öfters als jetzt, einfach sagen würde, was sie mir bedeuten. Oder wie einfach es wäre Fotos zu machen. Ich schleppe ja immer meine ganze Ausrüstung mit mir mit. Und wie oft hatte ich sie ausgerechnet, dann nicht dabei, wenn der Moment dafür perfekt gewesen wäre?

Doch dann denke ich wieder daran, wie erleichtert ich damals war, als ich mein Handy verloren hatte. Dass mich selbst die Smart-Phone-Revolution nicht sonderlich berührte. Ich bin ja auch online. Sogar jetzt im Moment. Doch wenn bei Familienfeiern früher oder später die Smartphones auf den Tisch liegen, nur um “kurz mal zu schauen”, dann versetzt mir das jedes Mal einen kleinen Stich. Ich glaube es passiert zu schnell und viel zu unbewusst. Wie bei Momo und den grauen Herren, ohne es zu merken, verlieren wir nach und nach immer mehr unserer kostbaren Zeit, die doch erst richtig wertvoll ist, wenn wir sie teilen. Unsere Handy sind klein genug und deswegen können wir sie überall hin mit hinnehmen. Wir legen sie nur weg, um kurz den Akku zu laden und trauen es ihnen eigentlich nicht zu, doch sie haben die Macht unser Verhalten zu verändern. Indem wir es gewohnt sind rund um die Uhr erreichbar zu sein, setzen wir das bei uns und bei anderen auch voraus. Alles was wir nicht wissen lässt sich sofort Googlen und immer wenn etwas richtig schön ist, versuchen wir es augenblicklich in einem perfekten Bild festzuhalten. Doch Augenblicke vergehen in Wahrheit langsamer, wenn wir mit allen unseren Sinnen mittendrin und dabei sind. Erst dann gehen sie uns nämlich sprichwörtlich unter die Haut.

Eine Freundin hatte mich einmal gefragt, warum ich denn eigentlich gegen Smartphones bin? Nein, nein. Ich bin nicht gegen Smartphones, das habe ich in meinem ersten Beitrag schon erwähnt und meiner Freundin, dann auch noch einmal erklärt. Im Gegenteil. Ich finde es ist eines der unglaublichsten Erfindungen überhaupt! Überlege mal was ein Smartphone alles kann? Es hat alle Straßen und Orte dieser Erde gespeichert und kann dich hinführen wohin du willst oder für dich jede Sprache übersetzen, so dass du verstehst oder verstanden wirst. Die Auswahl an Apps ist beinahe grenzenlos und wenn es richtig genützt wird, verbindet es Menschen auf der ganzen Welt.

Das Smartphone ist ein machtvolles Werkzeug. Es liegt an uns, was wir daraus machen.

Mein Leben ohne Handy, war keine Entscheidung. Es ist einfach so gekommen. Ich brauche es schlichtweg nicht. Meine Liebe war und ist einfach nicht groß genug. Warum kannst du im ersten Beitrag (M)ein Leben ohne Handy nachlesen, wenn du willst.

Ich möchte euch hier auf gar keinen Fall überzeugen. Aber ich möchte dir zeigen, dass immer wenn für dich etwas nicht stimmig ist, du dich ruhig für einen anderen Weg entscheiden darfst. Dass du dir nie einreden lassen sollst, was du brauchst und was nicht, auch wenn du damit nicht der Norm entsprichst. Das Internet ganz allgemein eröffnet uns ein ganz neues Universum an Möglichkeiten, aber vergiss nicht, dass auch ein ebenso großes Universum in dir verborgen liegt. Und vergiss nicht, dass ein Filter in deinem Kopf und deinem Herzen ausnahmelos immer wichtiger ist, als der bei Instagram. Denn du denkst, du fühlst…und du entscheidest. Egal wie smart dein Smartphone noch werden mag, es ersetzt nie das was uns Menschen ausmacht, nämlich die Fähigkeit zu staunen, Schmerz und Angst zu empfinden, zu lachen, zu weinen… und am allermeisten zu lieben. Entscheide du, was Freiheit für dich ganz persönlich bedeutet. Bei allem was du machst, bei allem was du noch erleben wirst und vor dir liegt, folge bitte unbedingt der Liebe (#followlove ♥) und diese lässt sich im “echten” Leben immer noch am besten teilen. (#sharelove♥)

Wie immer freue ich mich sehr, über eure Gedanken.

Aus ganzem Herzen,
Michaela

Bilder: Leni Linke, Tani Geisreiter, pixabay

Die perfekte Welle

Die perfekte Welle
Anfang Juli wurde der Blog fünf Jahre alt. Ganz leise, so wie alles anfing. Das Schreiben jedoch begleitet mich buchstäblich seitdem ich schreiben kann. Weil ich doch Worte so mag. Und weil ich doch so überzeugt bin, dass wir alle unsere Geschichten erzählen müssen. So oft wie möglich. Nur wenn wir sie teilen und nicht nur für uns alleine behalten, gewinnen sie an Kraft.
Ach wie sehr ich doch all die bunten Geschichten selbst liebe! Wie oft konnte ich unseren Kindern gerade durch sie so viel besser erklären, was ich ihnen wirklich sagen wollte. Frau Störtebecker und ihre Zimtschnecken, der Wolkenkehrer Nimson, der Wunderlandzug, die verrückte Familie vom pinken Haus, für die wir immer noch keinen richtigen Namen gefunden haben…sie alle haben wir in unserer Phantasie gesponnen, bis sie fast real für uns wurden und auf einmal irgendwie zu uns dazugehörten. Ich habe ihnen versprochen, eines Tages schreibe ich unsere Geschichten auf. Nur noch mal zur Sicherheit, damit keine davon vergessen werden. Und vielleicht zum nochmal kurz Nachschlagen. Wie war das denn gleich nochmal…?
“Mama, woher kommen denn unsere Geschichten immer? ” fragt ihr mich dann. Ich könnte euch antworten, dass es da ein Bergwerk gibt, das ziemlich versteckt hinter den nebligen Blaubergen liegt. Nur Menschen mit einem reinem Herzen dürfen hin und wieder dort zu Besuch kommen. Massentourismus möchte man tunlichst und ausdrücklichst vermeiden. Deswegen findet man den Weg dorthin eher zufällig, auf alle Fälle nicht wenn man danach sucht. Genau in diesem Bergwerk sitzt ein kleiner, trolliger Zwerg, mit apfelroten Bäckchen und zerzausten, moosgrünem Haar, welches ihm in allen Richtungen zu Berge steht. Man munkelt, dass er entweder sehr alt oder entweder noch sehr jung ist. Wahrscheinlich von beidem ein bisschen. Auf jedem Fall, so sagt man, kennt dieser kleine Zwerg alle Geschichten dieser Erde. Die, die jemals erzählt wurden und ja sogar die, von denen noch keiner je gehört hat, weil es sie eben noch gar nicht gibt. Nur er allein entscheidet, welche Geschichten in die Welt getragen werden. Das ist wirklich eine immens wichtige Aufgabe!
Aber es ist schon auch so, dass mein Herz einfach immer schneller schlägt, wenn ich schreiben darf. Bei jedem Gipfeltreffen, wenn ich einen Menschen begegnen und ihn “sehen” kann. Über die Gedanken, die mich nachts nicht einschlafen lassen, ehe ich sie aufgeschrieben habe. Über die Texte, wenn ich nach Wörtern suche, bis ich sie schließlich unterwegs finde, um das zu beschreiben, was ich fühle. Tatsächlich sind es dann die Wörter selbst, die zu mir kommen, ich schreibe sie nur auf. Das ist schon alles. Es geht gar nicht um mich. Das ist mir wichtig. Ich möchte nur Geschichten erzählen…
So wie die von dem Wellenreiter, der ein Leben lang auf die perfekte Welle gewartet hat. Bis der Tag kommt, an dem alles anders ist. Weil der Wind von einer anderen Richtung weht, weil es sich anders anfühlt und weil er plötzlich mit absoluter Gewissheit weiß, dass es heute soweit ist. Dann wird er Zeit und Raum vergessen und sich auf den Weg machen. Er handelt nur noch nach seinem Instinkt und dann kommt sie ganz langsam aus der Ferne angerollt, gewaltig und sanft zugleich. Bald ist sie hier…die perfekte Welle! Ohne zu Überlegen schnappt sich der Wellenreiter sein Brett und schwimmt los. Seiner Welle entgegen, auf die er doch so lange gewartet hat! Für einen ewigen Augenblick sind sie eins, die Welle und er. Alles ist leise, alles macht Sinn und alle Fragen erschließen sich ihm, bevor er Sekunden später schon wieder auftaucht. Überglücklich. Glückstränenweinend und um am nächsten Tag einfach wieder ganz “normal” Surfen zu gehen.
Das ist mein Gefühl, das mich begleitet. Seitdem ich schreibe warte ich auf meine Welle. Die pefekte Welle. Auf den einen Text, der all das aussagt, was ich jemals sagen wollte. Weil ich weiß, ich habe ihn noch nicht geschrieben und weil ich weiß, dass ich solange warten muss, bis der Wind passt. Bis ich es in meinen Knochen spüren werde, bis mir alles sagt, jetzt. Los. Dann werde ich mein Board nehmen und ihr entgegen paddeln…meiner perfekte Welle. Bis dahin gehe ich noch ein bisschen Surfen.

(Bilder Titelbild M.Linke/ Laguna Beach und L.Linke/ Arzbach)

 

Ein paar Gedanken….

Ein paar Gedanken….

Gestern wurde es also amtlich, was wir eh alle vermutet hatten. Die Ausgangsbeschränkung wird im ganzen Land fortgesetzt. Konkret bedeutet das für uns, dass der Arzbacher Hof bis auf weiteres geschlossen bleibt und unsere Kinder erstmal bis zum 11. Mai.2020 nicht zur Schule oder in den Kindergarten gehen werden. Jeder Bürger ist auf eine ganz spezielle Art betroffen, der eine mehr, der andere vielleicht etwas weniger. Es werden jeden Tag unendlich viel Prognosen über die Medien ausgesprochen. Letztendlich kann jedoch keine genau sagen, wie es sein wird, wenn es denn wieder „normal“ läuft und ob es das je wieder tut. Krisen bringen Veränderungen mit sich. In welche Richtung diese Veränderungen gehen, liegt letztendlich dann immer an den Gedanken der Gesellschaft. Wenn Zusammenhalt und Mitgefühl die vorherrschenden Handlungen der Menschen bestimmen, dann wird das am Ende auch unsere Zukunft gestalten. Wenn aber die Gefühle in Angst oder gar in Egoismus umschlagen, verstärkt sich damit automatisch auch das Negative. Ohne naiv denken zu wollen, bin ich doch davon überzeugt, dass der Mensch grundsätzlich „gut“ ist. Vielleicht hat ihn seine Umgebung zu etwas anderen geformt, aber ich kann mir beim besten Willen einfach nicht vorstellen, dass ein neugeborenes Kind mit Vorurteilen zur Welt kommt oder in der Lage ist, irgendeine Form von Hass in sich zu tragen. Liebe im Überfluss aber sehr wohl…

Im Augenblick überschlagen sie die Informationen. Es ist oft zu viel. So viel, dass jeder für sich herausfiltern muss, was stimmig ist. Gerade lese ich einen Facebook-Beitrag von Mama Nisla rockt und bloggt, der sich an die Kinder richtet und der wirklich ans Herz geht. Oh ja, denke ich, wie wahr es doch ist, was sie schreibt. Und uns trifft das auch…

https://www.facebook.com/MamaNislarockt/posts/1286486624873399

Unsere älteste Tochter die sich so auf ihr „Judo-Jahr“ gefreut hat. Alle wichtigen Turniere fallen aus und wie alles nächstes Jahr sein wird, weiß man nicht. Die Orchester-Tage in der Schule zu denen sie nicht fahren wird, aber die sie schon so lange herbeigesehnt hatte. Die Kommunion unseres Sohnes wurde verschoben, seine ganzen Fußballspiele und die vielen Turniere. Überhaupt jedes Traning. Für unsere Jüngste findet natürlich auch kein Kinderturnen statt und auch sie, wird zwei Monate ohne ihren geliebten Kindergarten und ihren Freunden verbringen müssen. Die Monatstreffen unserer Miniköche und alle geplante Events sind bis auf weiteres abgesagt worden. Ob ihr großes Gala-Dinner, das Highlight nach den zwei Jahren Ausbildung, im Juli wie geplant stattfinden kann ist fraglich.

Aber bei allem sehe ich eines ganz klar: es ist eine Krise und das ist ausnahmeslos immer ein massiver Einschnitt. Dieses Mal betrifft es uns alle. Genau genommen betrifft es die ganze Welt. Doch wieviel persönliche Katastrophen brechen oft über einzelne Familien herein, die keiner vorhersehen konnte? Eine schwere Krankheit, finanzieller Verlust oder gar ein plötzlicher Tod. Es passiert einfach Tag für Tag. Immer schon. Gerade in Ausnahmesituationen ist klar, dass der Alltag nicht wie geplant weitergehen kann. Natürlich leiden dann alle Familenmitglieder massiv. Aber ich glaube, all die Sachen auf die unsere Kinder momentan verzichten müssen, sind im Ganzen gesehen und im Sinne von etwas Größerem wirklich zu verkraften. Ich glaube sogar, wir müssen gerade in solchen Situationen versuchen den nötigen Weitblick unserer Kinder zu schärfen. Dazu gehört zum Beispiel, dass eine ausgefallene Geburtstagsfeier keine Tragödie ist und dass man trotzdem zuversichtlich sein kann, um das beste daraus zu machen. Tatsächlich ist diese besondere Zeit auch eine Chance, bei allem Leid was jetzt passiert und natürlich auch gesehen werden will. Wenn alle äußeren Einflüsse wegfallen, wenn alle Termine momentan an Bedeutung verlieren, bleibt Zeit für uns. Zeit für die Menschen, mit denen wir am engsten zusammenleben. Das mag für die Großfamilie auf dem Land eine andere Herausforderung sein, als für den Single in der Großstadt. Doch eben für jeden ist es eine Gelegenheit in die Tiefe zu gehen. Mal alle wirtschaftlichen Faktoren außer Acht gestellt, (die gesundheitlichen sowieso) für uns war und ist diese Zeit auch ein Geschenk. Bei uns persönlich ist es ja so, dass wir eh jeden Tag die meiste Zeit zusammen sind, aber jetzt noch einmal soviel Zeit als Familie verbringen zu dürfen ohne Termine oder Verpflichtungen ist ein echter Segen. Es fühlt sich an wie Urlaub zu Hause. Diese Situation wäre unter normalen Umständen nie zustande gekommen. In diesen Tagen warten wir auf ein weiteres Kind in unserer Familie und ganz vorsichtig denke ich, ob es sich nicht genau diese Zeit ausgesucht hat, um zu uns zu kommen? Trotz allem liegt so viel Frieden und Liebe in der Luft, dass einem regelrecht das Herz aufgeht. Ich glaube man darf ruhig optimistisch sein. Ich glaube diese Zeit jetzt konstruktiv zu nutzen und trotzdem voller Mitgefühl für alle Betroffenen zu sein ist kein Widerspruch. Im Gegenteil. Ich denke an die Kriegsjahre und die viele Entbehrungen, neben all dem unfassbaren Leid, dass die Menschen damals erfahren haben. Der Vergleich dazu rückt sowieso alles in ein anderes Licht. Aber es ist jetzt an der Zeit die ganz großen Fragen zu stellen. Jeder für sich. Die Antworten werden zu uns kommen, je tiefer wir sie in uns suchen und je ehrlicher wir darauf antworten. Ich glaube gerade jetzt, können wir soviel zusammen schaffen, soviel ändern und am Ende gestärkt aus all dem hervorgehen. Und das Wichtigste zum Schluss, was auch immer sein mag.
Haltet unbedingt an der Liebe fest. Das ist alles was zählt.

Dann lese ich noch einen weiteren Facebook-Beitrag von Nina Betz, der mich tief berührt. Oh, denke ich bei mir, wie wichtig das ist was sie schreibt.

https://www.facebook.com/nina.scheepers/posts/10157271087386375

Wir müssen den Tod unbedingt mehr in unsere Leben integrieren. Gerade jetzt schreit er nach Aufmerksamkeit und gesehen werden. Heute erst habe ich erfahren, dass ein Onkel von mir gestorben ist. Vor ein paar Wochen war es eine liebe Tante. Jeder Abschied ist traurig. Umso mehr je näher man den Menschen stand, umso mehr man geliebt hat. Doch wenn wir den Tod ganz und gar annehmen, verlieren wird die Angst. Viel mehr werden wir so leben, dass wir am Ende nichts bereuen. Wie wertvoll ist es doch sagen zu können, ein Leben, sein Leben, gelebt zu haben. Mit allen Höhen und Tiefen, aber so, dass man sich in all seinen Werten treu geblieben ist und wahrhaft geliebt hat und Liebe erfahren durfte. Deswegen sagen ich nochmal…

Haltet an der Liebe fest. Das ist alle was zählt. Habt keine Angst. Alles wird gut. ♥

Aus aktuellen Anlass

Aus aktuellen Anlass
Ich glaube mir geht’s es ähnlich wie vielen unter euch. Hätte mir vor zwei Wochen jemand gesagt, dass bundesweit alle Schulen und Kitas schließen werden, ich hätte es wahrscheinlich nicht für möglich gehalten. Gestern war es dann auch für uns klar, dass auch wir den Arzbacher Hof für erstmal die nächsten beiden Wochen schließen werden. Trotz der ganzen Krise, die irgendwie jeden in irgendeiner Art und Weise betrifft, haben wir auf einmal ein bisserl extra Zeit für uns. Das Wetter ist traumhaft, wir halten uns so gut es geht den ganzen Tag draußen auf. Kurz: wir machen das Beste aus der ganzen Situation.
Dann etwas was mich nachdenklich stimmt. Als am Freitag feststand, dass jetzt alle Schule etc…schließen und auch sonst sämtliche Veranstaltungen abgesagt wurden, bestand kein Zweifel mehr, dass wir uns jetzt ernsthaft Gedanken machen müssen, wie es im Arzbacher Hof weitergeht. Am Nachmittag erhielten wir dann ein paar Anrufe hintereinander, die ich bis heute schwer verstehen kann. Der erste Anrufer, natürlich anonym, beschimpfte uns als verantwortungslos, weil wir angesichts der Situation immer noch geöffnet haben. Ich konnte ihm fast nicht antworten, so aufgebracht war er. Kurz später der nächste Anruf einer Frau, der ebenso in die Richtung ging und die sich erkundigte, ob wir dann wenigstens sichergestellt haben, dass wir genügend Desinfektionsmittel in allen Räumlichkeiten bereit stellen könnten. Dann höre ich die unterschiedlichsten Geschichten, z.B. von Menschen die in Supermärkten zum Streiten anfangen, weil das Mehl aus ist. Oder die vielen respektlosen Kommentare, die unter die geposteten Bilder geschrieben werden, die irgendwelche Menschen in vollen Cafes vom letzten Wochenende zeigen.
Ich glaube, diese Situation ist für uns alle neu und einfach so ganz plötzlich über uns hereingebrochen. Es hat jetzt einfach ein paar Tage gedauert, bis die Botschaft ankommen konnte. Und ich glaube diese Zeit musste man sich jetzt auch einfach nehmen, damit jeder, für sich in Ruhe eine wirklich fundierte Entscheidung fällen konnte, wie er in Zukunft damit umgeht und handelt. Auf alle Fälle bringt es uns jetzt überhaupt nichts, wenn wir irgendjemand die Schuld zu schieben. Sei es der Politk oder irgendjemand anderen. Ich finde es wirklich erstaunlich, wie schnell das geht.
Bitte handelt weiterhin mit einem wachen Verstand und einem offenen Herzen. Urteilt nicht so schnell über das Verhalten anderer, sondern schaut viel mehr darauf, wie ihr euch selbst bestmöglich verhalten könnt und wie es der Gemeinschaft am besten dient. Und gerade weil es körperlich nicht möglich ist, sollten wir uns jetzt alle erst recht die Hand reichen und zusammen stehen. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sollte doch viel mehr bei denen sein, die es am härtesten traf und immer noch trifft. Da ist überhaupt kein Platz und keine Zeit um anzuklagen. Die wichtigste Botschaft ist, dass wir doch alle Menschen sind und es jetzt an uns liegt, wie wir die Welt sehen.
Fühlt füreinander. Denkt aneinander. Handelt umsichtig.
Vor allem aber, haltet an der Liebe fest.

Wie die Ruhe zu mir kam – 7 Tipps für mehr Gelassenheit

Wie die Ruhe zu mir kam – 7 Tipps für mehr Gelassenheit

Im Arzbacher Hof und auf dem Alpencampingplatz ist Hauptsaison und wie jedes Jahr sind wir mittendrin. Die vielen Menschen, die in unserem Haus ein und ausgehen und denen wir tagtäglich begegnen. Wir haben es uns so gewünscht und möchten es nicht anders haben. Es ist wunderbar. Ohne Zweifel. Manches Mal aber, wird die kleine Stimme in mir überlaut. Sie ruft mir zu, dass es jetzt Zeit ist für einen Augenblick Ruhe. Nicht später oder irgendwann, sondern genau jetzt. Nun bin ich hier aufgewachsen und kenne sie, diese kleinen, versteckten, stillen Orte im Isarwinkel, in denen soviel Kraft liegt. Erst vor ein paar Tagen war ich wieder dort. Unsere großen Kinder waren im Alpenbad nebenan, alle Anreisen waren da, jeder freie Platz auf dem Alpencampingplatz belegt, im Arzbacher Hof werde ich erst abends wieder gebraucht. Natürlich fallen mir tausend Dinge ein, was ich jetzt tun könnte. Wäsche waschen zum Bespiel. Oder aufräumen. (geht immer) Doch stattdessen nehme ich unsere kleine Tochter bei der Hand und mache mich mit ihr auf den Weg zu unserem Wasserfall im Arzbach.Als wir dort ankommen, sind wir ganz allein dort. Wir tauchen unter. Einmal. Zweimal. Immer wieder. Kati quietscht vor Freude.  Erst als unsere Lippen blau sind, legen wir uns auf die heißen Steine am Bachrand und blinzeln in die Sonne. Wir sprechen kaum. Es ist so friedlich und so still, dass ich mein Herz schlagen hören kann. Und Katis als ich meine Hand auf ihre Brust lege. „Fühlst du das auch?“ frage ich sie. Sie ist immer noch vier, aber weise für viele Leben und antwortet verwundert: „Aber das ist doch immer da.“ „Stimmt,“ antworte ich. Wir bleiben schweigend nebeneinander liegen und meine Gedanken fliegen leise durch meinen Kopf, bis mir wieder einfällt wie es war, als die Ruhe zu mir kam.

Lieblingsplatz am Arzbach

Ich glaube ich war von Natur aus immer eher schon ein gelassenes Kind. Ich weiß nicht, ob das angeboren ist oder ob nicht vielleicht alle um 1980 geborenen Kinder im Laufe ihres Lebens eine gewisse Grundgelassenheit erwerben. Es gab kein Handy, drei Programme im Fernsehen und bei Regenwetter und unermüdlicher Langeweile halfen nur die eigenen Ideen. Wir hatten nicht die elementaren Sorgen, wie die Generationen vor uns und der Klimawandel war noch nicht in unser Bewusstsein getreten. Uns gings grundsätzlich gut. Es war die Zeit als man anfing wieder groß zu  träumen und irgendwie alles möglich war. Ich war ein Kind, dass immer schon gerne zur Kirche ging. Was insofern außergewöhnlich war, weil keiner in meiner Familie wirklich regelmäßig, was natürlich auch beruflich bedingt war,  die Zeit dafür hatte. Als ich alt genug war, bin ich einfach alleine zum Gottesdienst gegangen. Ich liebte die Rituale und hörte unglaublich gerne zu, wenn aus der Bibel Geschichten und Evangelien gelesen wurden. Manches Mal, wenn ich Rat brauchte, dann bin ich zur Kirche vorgegangen, habe mich nur ein kleines bisschen dort aufgehalten und im Stillen gebetet. Mir war danach immer leichter ums Herz.

In der Wackersberger Pestkapelle

Meine Mama hatte mir ein paar von den Abendgebeten, welche sie als Kind gelernt hatte, mit auf den Weg gegeben. Bald entwickelte sich draus mein ganz eigener Dialog mit Gott und mit meinen Schutzengeln. So konnte ich alles was schwer und belastend war einfach loslassen. Am allermeisten aber bedankte ich mich für alle die wunderbaren Menschen und guten Dinge, die bei mir waren. Dadurch bekam ich das Bewusstsein, dass das alles nicht selbstverständlich ist. Dieses Ritual habe ich an unsere Kinder weitergeben, weil ich so davon überzeugt bin, dass Dankbarkeit der Schlüssel zu allem ist. Als ich erwachsen wurde, hat mich mein Gefühl in die Welt hinausgezogen. Ich bin ihm einfach gefolgt, überall dorthin, wo mein Herz am stärksten und lautesten vor Freude geschlagen hat. Auf jeder dieser Reisen habe ich eins am meisten gelernt: das ich vertrauen kann und dass ich, wenn ich meiner Intuition folge, am Ende schon alles gut wird.  Mein Glaube hat sich verändert. Er war auf einmal nicht mehr an meine kleine Kirche in Arzbach gebunden, sondern allumfassend. Ich glaube an die Liebe und ihre große Kraft. Dass da irgendwas ist, was uns leitet und führt. Es sind mir wahre Wunder begegnet, die ich bis heute nicht so richtig erklären kann, aber trotzdem waren sie auf einmal da. Wie vom Himmel gefallen. Alles zusammen hat sich das irgendwann als unerschütterliches Urvertrauen in mir manifestiert. Ich habe aber auch gelernt, wie erdrückend und verurteilend, ja sogar gefährlich Glaube sein kann und dass dieser Glaube sehr wenig mit dem gemein hat, wie ich ihn fühle.  Im Grunde ist es ganz egal an was oder wen du glaubst, alles was zählt ist: was sind deine Grundsätze und handelst du tatsächlich auch danach? Ich kenne die mitfühlendsten und ehrlichsten Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind und auf der anderen Seite die, die im Namen des Glaubens menschenverachtenden Dinge tun. Für mich ist Glaube auch das Gefühl mit allem verbunden und nicht alleine zu sein. Ich bin an dem Ort aufgewachsen, an dem ich heute noch lebe. Auch wenn er sich im Laufe der Jahre verändert hat, so ist er doch immer noch mitten in der Natur. Genau dieser Ort und die viele Zeit die ich als Kind draußen am Arzbach verbracht habe, war einer meiner größten Lehrmeister in Geduld, Demut und das was es bedeutet, wirklich in Freiheit zu leben

Ruhe am Walchensee

Die Gelassenheit war immer bei mir. Die Ruhe auch. Nur hatte ich es nie bewusst wahrgenommen. Ich habe mich sehr lange schon mit allen „Übersinnlichen“(wenn man so will) beschäftigt. Ich kann mich erinnern, dass immer, wenn wir nach München zum Einkaufen gefahren sind, ich als erstes zum Hugendubel in die Abteilung „Spiritualität“ ging. Die damals zugegeben noch sehr klein war, jetzt aber merklich gewachsen ist. All diese Dinge zogen mich magisch an und so kam es dann auch, dass ich mit ungefähr siebzehn Jahren das Meditieren gelernt habe. Unsere alte Meditationsgruppe von damals besteht mit einigen Veränderungen immer noch. Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, soviel habe ich gelernt, soviel ist seitdem auch passiert. Ich kann nicht jede Woche dabei sein,  aber wenn ich mir dann einmal Zeit nehme, geniesse ich das sehr. Medieren fiel mir von Anfang an leicht, doch es war auch für mich ein Meilenstein, weil ich endlich ein Werkzeug zur Hand hatte, ganz bewusst wahrzunehmen, was ich vorher nur spürte, aber nie richtig in Worte fassen konnte. Als ich noch so jung war und gerade auf der Suche nach dem wer man selber überhaupt ist, half mir das extrem bei Entscheidungen. Ich lernte meine Gedanken ganz ruhig werden zu lassen und geduldig darauf zu warten bis eine Antwort kam. Das konnte eine Weile dauern, aber sie kam ausnahmelos immer. Ich vertraute mir. Meinem Instinkt. Meiner Intuition.

So ist es heute noch. So seltsam es sich anhören mag, aber ich weiß jetzt um den Reichtum in mir. Wenn im Außen alles laut und wild ist, weiß ich all das ist bei mir. Ich muss nur tiefer spüren. Nur genau hinhören. Ich glaube felsenfest Gelassenheit kann man lernen. Es mag dauern. Geduld zu haben gehört ja auch zur Gelassenheit. Allein schon ein Bewusstsein für den Augenblick zu entwickeln und eine Achtsamkeit für die Menschen und Dinge um einen herum, sind ein erster, großer Schritt in diese Richtung. Ich habe versucht 7 Punkte auf den Weg zur mehr Gelassenheit, Ruhe und vor allem Seelenfrieden mit dir selbst für dich zusammenzufassen. Bedenke, das sind nur die Punkte die ich aus meiner Sichtweise heraus aufschreiben kann. Vielleicht sind es bei dir ganz andere. Vielleicht führt dich dein Weg ganz woanders hin. Es geht auch nicht um einen Königsweg, den man der Reihe nach erfühlen muss, sondern nur um eine weitere Möglichkeit unter den vielen anderen, die alle zum Ziel führen können.

1. Konzentriere dich auf das Postive in deinem Leben  

Egal in welche Situation du dich auch befinden magst, du hast immer die Wahl daran zu zerbrechen oder das Beste daraus zu machen. Achte auf deine Gedanken. Du erschaffst so viel selbst, alleine dadurch wie du die Welt siehst. Übernimm die Verantwortung für dein Leben und lass sie dir durch nichts und niemanden nehmen. Sei selbstbestimmt und versuche das Gute in jedem Menschen und jeder Gelegenheit zu sehen. Das ist keine naive Sichtweise, sondern damit vertraust du dir selbst und dem Leben.

2. Suche nach der Kraft, die dich antreibt

Der Sinn des Lebens nach dem wir alle Streben. Oft ist er in den kleinen Dingen verborgen. Schaue genau auf das was dir Freude bereitet und verbringe möglichst viel Zeit damit. Natürlich gehört auch Unangenehmes zu Leben dazu, das man am liebsten umgehen möchte. Aber wenn du auch darin den Sinn erkennst, dann fällt es dir leichter damit umzugehen. Wenn du in etwas über längere Zeit keinen Sinn findest, überlege dir, ob du es nicht lieber sein lässt. Wenn du ganz genau weißt, wo deine Energiequellen liegen, wirst du sie auch nutzen können.

3. Finde deine Orte, an denen du zur Ruhe kommst

Das mag ein Platz im Wald sein oder am See sein, die Erinnerung an den letzten Urlaub am Meer oder einfach nur zu Hause auf deinem Liegestuhl. Finde heraus, wo du deine Ruhe findest. Das Wissen, dass du diese Orte jederzeit besuchen kannst, wenn auch nur im Geiste, ist wie ein kleiner Zufluchtsort und ein Aus-Schalter, wenn alles einmal viel zu laut um dich wird. Sammele diese Orte ganz bewusst.

Letzten Sommer in Kalifornien, mein ganz persönlicher Sehnsuchtsort, mit dem ich mich tief verbunden fühle

4. Finde heraus an was du glaubst

Das ist sehr persönlich uns sehr individuell. Es mag sein, dass du dabei herausfindest, dass  du    Glaubenssätze und alte Muster verinnerlicht hast, die dir nicht gut tun. Es ist Zeit neue zu kreieren, du wirst sehen, dann werden wahre Wunder geschehen.

5. Gib deinen Träumen Raum

Träume sind der Schlüssel zu dem wer du wirklich bist. Wenn du dich nicht weißt, was deinem tiefsten Wesen am meisten entspricht, dann frag jemanden, der dich als Kind gekannt hast. Mit was konntest du dich stundenlang beschäftigen, bei was hast du die Zeit vergessen? Zu wissen wer du bist, schenkt dir große innere Ruhe.

6. Folge deiner Intuition & vertraue

Dein Gefühl wird dich leiten und dir hin und wieder etwas ganz Verrücktes zuflüstern. So absurd mancher Gedanke erscheinen mag, verwirf ihn nicht gleich. Manches Mal braucht es nur einen kleinen Schritt nach vorne und ein anders Mal einen krassen Schnitt, um dir wieder nah zu sein. Je nach dem wie weit du von deinem ganz persönlichen Kurs entfernt gewesen bist. Vertraue darauf, wenn immer du deinem Gefühl folgst, alles gut wird. Vertraue darauf, dass es das Leben gut mir dir meint.

7. Steht zu dir selbst und bleib bei dir

Bleib offen, aber schau nicht zu sehr nach links und rechts. Steh zu dir. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der ganz genauso ist wie du und der das Gleiche erlebt hat. Deswegen kannst auch nur du deine Entscheidungen treffen und nur du Lösungen finden. Lass dich nicht verunsichern und noch weniger, verändere dich für andere. Ruhe in dir selbst.

Vor ein paar Tagen sind zwei Familien auf dem Alpencampingplatz abgereist. Beide sind exakt zur selben Zeit angekommen. Die erste Familie war enttäuscht darüber, dass das Wetter so durchwachsen war. Die zweite erzählte mir freudestrahlend von ihren gemeinsamen Unternehmungen  und von dem was sie alles noch vorhaben, wenn sie das nächste Mal wiederkommen. “Hoffentlich habt ihr da besseres Wetter,” entgegenete ich ohne viel nachzudenken. “Wieso, dass Wetter war doch wunderbar. Es hat jeden Tag die Sonne gescheint!” Das stimmte und das sogar mehr, als es geregnet hat. Nur wusste es die zweite Familie besser zu nützen und hat so den Regen kaum wahrgenommen. “Außerdem ist es deswegen so schön grün in Bayern,” setzten sie noch eins drauf. Und schon wieder haben sie Recht.

Fotos: M.Linke

Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt, sondern wer sich selbst dafür hält. -Lucius Annaeus Seneca

Mein letzter Wunsch

Mein letzter Wunsch

Wenn ich es mir aussuchen darf, dann möchte ich mit dem Sommer gehen. Wenn die Sonne langsam ihre Kraft verliert, die ersten bunten Blätter unbemerkt von den Bäumen fallen und kurz bevor sich die Regale der Supermärkte wieder mit Lebkuchen füllen. Ich gebe es zu, ich würde auch gerne erst dann sterben, wenn ich wirklich, wirklich alt bin. Natürlich unter der Bedingung, dass mein Verstand wach und mein Körper noch einigermaßen intakt ist. Das ein oder andere Zipperlein halt ich dann schon aus! Und das auch nur aus einem Grund:  ich hänge zu sehr am Leben und am allermeisten an euch. Deswegen und unabhängig davon, ob das mit dem Sommer und dem uraltwerden eintrifft, bitte ich an dieser Stelle unsere Kinder auf alle Fälle länger als ich zu bleiben. Ich würde es als einzigen Befehl an euch, den ich jemals ernsthaft erteilt habe, einfach mal so stehen lassen. Bleibt. Länger. Als. Ich. (als wir)  Bitte!

Oh Mann! Wo soll ich denn anfangen, wenn’s um uns geht. Was kann ich denn schon aufschreiben, was wir nicht selbst schon alle wissen. Weil wir dabei waren, weil wir es längst zusammen erlebt haben und gerade jetzt immer noch tun. Meine Lieblingsmomente mit euch, habe ich in Dauerschleife an jede Gute-Nacht-Geschichte angehängt. „Weißt du noch…? Als du noch ganz klein warst…?“ Das habe ich auch deswegen gemacht, damit sich unsere Erinnerungen wie Ornamente in euere kleinen, wunderbaren Herzen einmeißeln und sich in einem einzigartigen Muster damit unvergesslich machen.

Ich schreibe selten Listen. Diese hier ist auch nur für den Fall. Kann sein, dass ich sie hin und wieder ändere. Falls ich tatsächlich alt und weise werden würde. Ich glaube ihr braucht sie nicht wirklich und ich habe euch alles was ich für wichtig empfinde bereits zu Lebzeiten gesagt. Das was am meisten zählt, ist was wir uns vorleben und dabei fühlen. Deswegen ist meine Liste für euch, auch nur das was ich erlebt habe und das wovon ich überzeugt bin. Vielleicht hilft sie euch in manchen Lebenslagen. Auch wenn wir vielleicht nicht immer einer Meinung sein können. Doch vielleicht denkt ihr hin und da an mich. Ganz sicher tut ihr das.

1.Bleibt mit den Menschen die ihr liebt in Verbindung!

Das ist überhaupt einer der wichtigsten Punkte. Die meisten Missverständnisse und Streitigkeiten entstehen daraus, weil wir gerade nicht in Verbindung sind. Fühlt euch in den anderen ein, so oft es geht. Versucht die andere Sichtweise zu verstehen. Es gibt immer eine Lösung. Wichtig hierbei allerdings ist, dass die Liebe zwischen euch hin und her fließt. Wenn jemand die Verbindung nicht mehr aufrechterhalten möchte, aus welchem Grund auch immer, dann lasst ihn in Liebe gehen. Manches Mal ist die Verbindung auch nur vorrübergehend unterbrochen und manche Menschen sind es wert, so lange zu warten, bis sie wieder funktionert. Das ist wie beim Telefonieren, die Verbindung besteht nur, wenn beide am anderen Ende der Leitung auch dranbleiben und wirklich zuhören. In Verbindung zu sein, bedeutet auch dem anderen nah zu sein. Dadurch wirst du verletzlich, aber glaubt mir, das ist der einzige Weg, der sich am Ende immer lohnen wird.

2.Glaube und habe Vertrauen

Es gibt so viele Dinge die wir nicht verstehen. So vieles das wir nicht erklären können. Daher finde ich es am Ende nur logisch, dass es irgendetwas geben muss, dass wir nicht erfassen können. Ich erkläre es mir immer so, dass es nur ist wie ein weiterer Sinn, der uns fehlt. Wie beschreibt man jemanden, der blind ist, das Sehen?  Jemanden der taub ist, wie es ist zu hören? Wir können uns Begriffe wie Anfang und Ende nicht erklären. In unserem Denken, muss es immer irgendwann aufhören und gleichzeitig irgendwie weitergehen. Ich für meinem Teil bin überzeugt, dass es etwas gibt, was uns beschützt und führt. Etwas an das wir glauben dürfen und dem wir vertrauen können. Ich wünsche mir so sehr, dass ihr glauben könnt und dass sich dieser Glaube als unerschütterliches Urvertrauen in euch festgesetzt hat. Das war immer eine meiner größte Kräfte und ich bin mir sicher, sie lässt auch euch leicht durchs Leben tanzen.

3. Folge der Wahrheit

Ich weiß, wir sind alle Menschen und hin und wieder fällt es uns schwer, die Wahrheit zu sagen. Versucht es aber unbedingt immer wieder! Am besten mit großer Hartnäckigkeit! Die Wahrheit zu sagen, heißt ja auch, sich selbst treu zu sein. Umso näher du bei dir bist, umso ehrlicher wirst du auch mit anderen umgehen. Die Wahrheit mag manches Mal nicht immer schön sein, doch sie zu verschweigen, macht keinen Sinn. Denn erst wenn sie ans Licht kommt, kann sie sich in etwas Neues verwandeln. Verteidige deine Wahrheit, doch nicht ohne die des anderen wertzuschätzen. Denn in Wirklichkeit ist die Wahrheit oft eine Essenz aus vielen verschiedenen Wahrheiten.

4. Sei dankbar

Ich bestehe seit Jahren auf ein kurzes Gebet vor jedem zu Bett gehen. Wir beten es seit ich denken kann. „Lieber Gott, danke für alles. Amen.“ Es ist mir deswegen so wichtig, weil ich glaube, Dankbarkeit ist der Schlüssel zu allem. Wenn ich nicht dankbar bin, dann wertschätze ich nicht was ich habe. Dankbarkeit ist schwierig zu erlernen. Es muss ganz tief in einem verwurzelt sein. Ich hoffe wir konnten euch das Bewusstsein dafür mitgeben. Dankbar sein, bedeutet glücklich zu sein.

5. Lernt eure Lektionen

Das Leben schickt uns Aufgaben. Stürze dich in jede neue Situation mit Haut und Haar! Lass dich ganz ein! Es mag den Anschein haben, dass du manche dieser Aufgaben umgehen kannst. Sei dir sicher, dann tauchen sie zu einem anderen Zeitpunkt wieder auf. Schau viel mehr darauf, was kann ich daraus lernen? Was ist meine Lektion? Es mag sein, dass dir das wie ein riesengroßer und unüberwindbarer Berg vorkommen kann. Du kannst ausschließlich immer davon ausgehen, dass nur zu dir kommt, was du auch schaffen kannst! Wenn du dir unsicher bist bei Entscheidungen dann frage immer, was würde die Liebe tun?

6. Seid mutig

Das Leben ist ein großer Abenteuerspielplatz. Du musst aber nicht von einem aufregenden Event zum nächsten hüpfen, es geht viel mehr um die Tiefe der Dinge und die liegt nicht selten mehr in der Stille verborgen. Wenn dir das Leben eine Gelegenheit wie ein Geschenk vor die Füße legt, dann hebe es behutsam und dankbar auf. Sei achtsam, sonst stolperst du noch darüber oder übersiehst es sogar. Trau dir etwas zu! Glaube an dich!

7. Seid freundlich

Begegne jedem Menschen mit Respekt. Versuche immer das Gute im anderen zu sehen. Das heißt nicht, dass du die andere Seite nicht siehst. Vielmehr ist es so, dass du das Gute somit verstärkst. Rede grundsätzlich nie schlecht von jemanden. Wenn du jemanden etwas sagen willst, was du an seinem Verhalten nicht für gutheißt, dann sage ihm das immer, wenn du ihm dabei in die Augen schauen kannst. Wenn du das nicht kannst, dann schweige, solange bis du den Mut dazu findest.

8. Lebt euer Potential

Das was du gerne tust, fällt dir für gewöhnlich auch leicht. Beschäftige dich hauptsächlich mit etwas, das dir große Freude bereitet! Es kann sein, dass du viel ausprobieren musst, bevor du herausfindest, was du wirklich willst. Es kann sein, dass es sehr schnell zu dir kommt. Das Leben ist zu kurz, um sich mit etwas lange auseinanderzusetzten, was du nicht wirklich willst. Glaube an dich. Wenn du deine Richtung gefunden hast, dann wirst du dir jeden Tag ein bisschen mehr entgegen gehen und ein glückliches und erfülltes Leben führen.

9. Finde deine Freunde, finde deine Familie

Wir sind bei euch. Von Anfang an und mit Sicherheit euer ganzes Leben lang. (Ich hoffe mal ihr seht das genauso) Doch da draußen gibt es jede Menge Menschen, die euch nahe sein werden. Sucht euch Menschen, die ihr liebt und die euch lieben. Dafür gibt es kein Rezept. Das passiert einfach. Wenn ihr sie dann gefunden habt, dann passt gut darauf auf. Freunde und Familie sind der größte Schatz auf Erden! Ihr werdet zusammen wachsen, lachen, lieben und weinen. Das ist alles was zählt

10. Das gute Ende

Manches Mal begegnen uns Menschen und Situationen nur für eine gewisse Zeit. Ich bin mir sicher, dass sie uns etwas zeigen wollen. Wenn wir unsere Lektionen dann gelernt haben, ist es an uns sie wieder loszulassen und weiterzuziehen. Egal wo ihr auch seid, macht aus jedem Abschied einen guten Abschied. Geht nie im Groll oder in der Wut. Sonst nehmt ihr dieses Gefühl mit euch mit und seid nicht wirklich frei, weil ihr immer noch an die Situationen oder den Menschen gebunden seid. Empfindet Dankbarkeit für das was war! Genau die Erfahrungen die sich für euch am schwersten anfüllten, sind die, bei denen ihr am allermeisten lernen konntet.

11. Verzeiht leicht und urteilt nicht

Es ist wichtig zu wissen, dass verzeihen nicht heißt, dass etwas automatisch  in Ordnung geht. Im Gegenteil. All zu schnelles Verzeihen nur um des Friedenwillens ist ohne Kraft. Du kannst nur dann Verzeihen, wenn du es aus ganzem Herzen auch fühlst. Verzeihen bedeutet etwas gut sein und es gehen zu lassen, um nicht mehr damit verhaftet zu bleiben. Es mag nicht immer einfach sein, besonders dann, wenn dich jemand verletzt und gar nicht ernsthaft um Verzeihen gebeten hat. Es kann sein, dass dein Gegenüber gar nicht erst sehen kann, wie es sich für dich anfühlt. Versuche dann aus dieser Sichtweise heraus zu verzeihen. Denn erst wenn du verzeihst, bist du wieder wirklich frei. Verzeihe dir auch selbst. Du wusstest es nicht besser. Versuche aber aus jeder Situation zu lernen. Erst wenn du einen Fehler nicht ein weiteres Mal machst, dann hast du deine Lektion gelernt. Habe aber keine Scheu davor Fehler zu machen. Es gehört dazu und ist immer noch der schnellste und beste Weg zu wachsen. Vorausgesetzt du lernst daraus.

12. Lebt aus dem Herzen heraus

Auch wenn ich diese Liste noch um viele, viele Punkte ergänzen könnte, möchte ich ihn mit diesem hier abschließen. Geht mit einem offenen und großzügigen Herz durch das Leben. Gebt immer gerne und ohne etwas dafür zu erwarten oder zu fordern. Seid im positiven Sinne naiv. Lebt das Leben in seiner Fülle und fühlt so tief ihr nur könnt. Seid mitfühlend und macht trotzdem euer Ding. Ihr seit großartig! Glaubt niemanden, der etwas anderes behauptet. Wisst ihr, so wie in der Geschichte von dem kleinen Fisch, der erst bis zum Meeresgrund schwimmen musste, um zum ersten Mal zu erkennen, dass es dort Fische gibt, die sind wie er. Der kleine Fisch hat nie aufgehört an sich zu glauben und das Leben wird euch immer wieder Menschen schicken, die euch verstehen und unterstützen. Sie sehen euer Ganzes und haben euren Kern “eure Seele” erkannt und wertschätzen euch genau dafür. Das ist die reinste Art von Liebe. Passt gut darauf auf und versucht in eurem Leben so oft es geht auf diese Art und Weise zu lieben und Menschen zu begegnen!

Und ich habs euch tausend Mal gesagt. Aber nur für den Fall…ich liebe euch aus ganzem, ganzem Herzen. Genauso wie ihr seid. Da könnt ihr machen was ihr wollt.

Hab ich euch schon Mal erzählt, dass die Giraffe das Tier mit den größten Herzen ist! Es kann mehr als 13 kg wiegen! Lebt mit einem großen und offenen Herzen. Es wird euch in jeder Lage führen und leiten, ihr müsst nur ganz genau hinhören.

Erinnert ihr euch noch an die Geschichte mit der alten Elefantenoma? Sie wusste, ihre Zeit war gekommen und schweren Herzens verabschiedete sie sich von ihren Kindern, ihrer so vertrauten Herde, um sich anschließend zurückzuziehen und in Ruhe zu sterben. Die Elefantenkinder trauerten sehr um sie. Bis sie nach einer Weile erkennen konnten, wieviel Gutes sie doch zusammen erlebt haben und da wurde es ihnen augenblicklich ganz warm ums Herz. Die Elefantenoma hatte ihnen versprochen sie von jetzt an in ihren Träumen zu besuchen und sie so weiterhin ganz eng in ihrem Leben zu begleiten.

Seid euch sicher, ich werde bei euch sein. Dann wenn ihr mich am meisten braucht, werde ich euch lauter kleine Wunder vom Himmel herunter schicken und schmunzeln, wenn ihr sie nicht erklären könnt. Ich werde euch abholen, wenn ihr zu mir zurückkehrt und irgendwann sind wir wieder alle zusammen. Das glaube ich wirklich felsenfest. Auch wenn ich keine Ahnung habe was uns genau erwarten wird, bin ich doch voller Zuversicht.

Doch jetzt sind wir hier und gehen immer noch barfuß den nächsten Sommer entgegen. Wir haben nur genau dieses eine Leben, von dem wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können, dass es nie mehr genauso sein wird wie jetzt. Machen wir das Beste daraus und feiern ein großes Fest uns zu Ehren! Und dir mein lieber Mann, bin ich auf ewig dankbar. Das wir uns gefunden haben war der Anfang von allen und ich trag dich bei mir, bis in alle Ewigkeit. Die Liebe war immer bei uns und wird uns auch noch bis zum Ende tragen, solange bis wir keine Angst mehr haben vor dem was kommen mag.

Ich möchte gerne mit dem Sommer gehen … und mit einem leichten und bis zum Rand hin mit Leben und Liebe erfüllten Herzen.

Danke, danke, danke für alles.

 

Mein Leben hier mit euch war (und ist) ist das Beste, dass ich mir vorstellen kann!

 

Aus ganzem Herzen, Mama

Mein Gipfeltreffen mit dem Münchner Power-Kleeblatt Carolin, Svenja und Claire

Mein Gipfeltreffen mit dem Münchner Power-Kleeblatt Carolin, Svenja und Claire

Unser Gipfeltreffen liegt ein halbes Jahr zurück und erst jetzt schreibe ich es für euch auf. Der Winter hat uns hier im Isarwinkel eingeschneit und der Zeitpunkt über eine Bergtour im Frühsommer zu schreiben könnte zugegeben passender sein. Der Grund für meinen verspäteten Bericht liegt nicht unbedingt an zu wenig Zeit. Die Wahrheit ist viel mehr eine andere: es hat mich wieder einmal ganz und gar erfasst! Das Gipfeltreffen-Syndrom. Sobald ich zu Hause vor dem Rechner sitze und meine tausend Gedanken und Erinnerungen von diesen Tag aufschreiben möchte, ergreift mich dann urplötzlich eine solche Demut und Ehrfurcht von der Person über die ich schreiben möchte. Ich leite mir das psychologisch so her, dass die Gespräche während des Wanderns, noch dazu in der herrlichen Umgebung unserer Isarwinkler Berge, automatisch sehr schnell sehr tief gehen. Oft merke ich das erst so richtig hinterher. Ich würde es dann so erklären, dass über diesen Austausch, für mich irgendwann der Mensch dahinter sichtbar wird. Mei, ja und dann sitzt ich Tage, Wochen oder gar Monate daheim und habe solchen Respekt. Wie eben jetzt vor den drei Frauen, die ich euch gleich vorstellen möchte. Ich wünsche mir sie unbedingt bestmöglich sichtbar zu machen. So wie ein Maler, der ein Portrait zeichnet und sein Model so detailliert und unverfälscht wie möglich darstellen möchte. Jetzt haben wir es hier aber mit nicht nur einer, sondern gleich drei unglaublich facettenreichen und interessanten Damen zu tun, die an diesen wunderschönen Junimorgen zu mir in den Isarwinkel reisen, um gemeinsam mit mir zum Hirschhörnlkopf in der Jachenau zu steigen.

Und ich freue mich unendlich, dass sie endlich alle hier bei mir sind.

 

 

 

Wir starten morgens um 9 Uhr und fahren gut bepackt mit Brotzeit, Getränken und jeder Menge Gesprächsstoff Richtung Jachenau zum Hirschhörnlkopf Parkplatz, der direkt hinterm Schützenhaus liegt. Der Hirschhörnlkopf misst 1515 m, d.h. wir werden die nächsten beiden Stunden gut über 700 Höhenmeter zurücklegen. Gemütlich wandern wir erst einmal auf den breiten Forstweg los. Neben mir läuft Svenja und deswegen beginnt mein Gipfelgespräch gleich mit ihr. Svenja und ich hatten uns vor einiger Zeit ein paar Mal hin und her geschrieben.  An ihrem Blog „meine Svenja“ kommt man irgendwie nicht vorbei und das ist wirklich absolut positiv gemeint. Svenja ist einer der alten Hasen was die Blogger-Community angeht und bloggt seit 2008, also einem ganzen Jahrzehnt, was in dem Business wirklich schon eine ganze Ewigkeit ist. Als ich ihren Blog für mich entdeckt habe, war ich erstmals fasziniert. Über was sie alles gebloggt hat, wie umfangreich und gleichzeitig wohl gewählt ihre Themen waren. Es war klar, da ist jemand der sein Handwerk absolut versteht. Was mir gleich auffiel und mit am besten gefallen hat, war, dass sie mit ihrem angeeigneten Bloggerwissen nicht hinter dem Berg hält, sondern genau erklärt, wie sie z.B. ihren Blog aufgebaut hat. Das Lustige ist wirklich, dass ich Svenja und ihren Mann Uwe „in echt“ tatsächlich das erste Mal bei einem Workshop in ihrem Wohnzimmer bei ihnen Hause begegnet bin. Normalerweise ist das ja oft anders herum. Der Arzbacher Hof ist ja praktisch für uns unser überdimensionales Wohnzimmer, bei dem ich nicht selten Menschen kennenlernen darf oder mich jemand besucht, den ich vorher oft nur flüchtig kenne. Mein Communityroom sozusagen und ich bin so froh, dass es den gibt.

Svenja, wie hat das bei dir mit dem Bloggen angefangen? Damals gab es ja noch nicht so viele Blogs und mich würde wirklich interessieren wie du auf die Idee gekommen bist den Blog zu starten.

“Gestartet habe ich den Blog damals unter lilukids.de und anfangs sogar noch in Englisch gebloggt. Der Name setzt sich aus den beiden Anfangssilben unserer Kinder zusammen Lissy und Ludwig.  Damals war ich in der „Babypause“ und ich fand alles rund ums Internet unglaublich spannend. Ich glaube es war auch eine super Zeit um einzusteigen, wenn ich denke wie sehr sich das Bloggen in letzter Zeit verändert hat. Das ganze Social Media war damals noch kein großes Thema, so bin ich auch selbst nach und nach mit dem Blog gewachsen.”

Heute hält Svenja Vorträge, gibt Seminare übers Bloggen, schreibt Bücher, kreiert Rezepte und berät mittlerweile große Firmen mit ihrem Knowhow, das wirklich gewaltig ist. Wer Svenja kennt, wenn sie auf der Bühne steht, wie offen und locker sie dort oben Keynotes hält, der würde niemals vermuten welche Introvertierte und auf der anderen Seite auch sensible Persönlichkeit dahintersteckt.  Über die Jahre hat sie gelernt, gut auf sich aufzupassen und ganz genau auf sich zu hören. Auf ihr Herz allerdings hatte Svenja schon immer gehört. So auch bei ihrer allerwichtigsten Entscheidung, die nach wie vor die besten ihres Lebens war.  Nämlich den Mann ihrer Träume zu heiraten.

“Als ich Uwe zum ersten Mal sah, dachte ich mir gleich, was ist das nur für ein interessanter Mann. Ziemlich schnell wusste ich dann auch, das ist er jetzt, der gehört zu dir. Zu meinen vorherigen Beziehungen war das mit Uwe etwas ganz anderes, auch etwas Großes, das habe ich sofort gespürt. Nach zwei Wochen Beziehung machte mir Uwe einen Heiratsantrag und bereits nach 1 ½ Monaten war ich schwanger und nach 4 Monaten verheiratet. Ich war mir noch nie so sicher bei einer Entscheidung und habe sie komplett aus dem Bauch heraus getroffen. Gut, dass ich das mal gemacht habe.”

Die beiden sind immer noch glücklich verheiratet. Wenn man Svenja und Uwe im Doppelpack erlebt, dann ist schnell klar, die zwei können Berge zusammen versetzen. Uwe kommt klassisch aus der Regie (Studium an der HFF München) und hat sich dann auf die Suche gemacht: er wollte lernen, wie man die perfekte Geschichte erzählt. Auf dieser Reise hat er immer wieder Menschen getroffen, denen er auf ihrem Weg helfen konnte. Als Storytelling-Coach für Redaktionen und Unternehmen, in der Reichweitenförderung, als Dramaturgie-Berater, Mediencoach und Keynote Speaker. Svenja wollte nie etwas anderes als Schreiben. Als Svenja und Uwe damals heiraten wollten, meinte Svenjas Papa: „Egal was ist, lass Svenja schreiben.“  Svenja hat erstmals Germanistik studiert, was sie heute nicht wieder tun würde, weil ihr ganz einfach die Zeit zu schade ist. Lieber schreibt sie, um Menschen mit Worten zu berühren – denn nur wenn Sprache Emotionen auslöst, trauen sich Menschen, ihr Leben neu anzusehen. Und lassen Überflüssiges weg, damit Neues Platz hat. Das lernt man auf keiner Uni der Welt.

Über Svenja könnte ich euch so viel erzählen, aber lest am besten selbst auf ihren wundervollen Blog, den ich euch nur wärmstens ans Herz legen kann. Ihre Texte und Gedanken bewegen mich zutiefst. Weil sie so oft ausspricht, was wahr ist. Weil sie es immer genau auf den Punkt bringt und weil sie eben ist wie sie ist.

Svenjas Blog Meine Svenja

 

Liebe Svenja,

du bist ein Phänomen. Für mich ist es immer noch unerklärlich wie du das was du so machst alles unter einen Hut bekommst. Klar ist nur, du tust das unfassbar gut. Du bezeichnest dich selbst als ziemlich „nerdy“ und ich stimme dir zu und staune trotzdem weiter.  Du spürst die aktuellen Trends auf, fast schon bevor sie entstehen. Du liebst deinen Mann und deine Kinder und genau daraus entsteht die größte Kraft fürs Schreiben. Du bist unglaublich offen (hattest du nicht mal dafür plädiert, Kontoauszüge offen zu legen) und deine Motivation ist es andere auf ihren Weg zu begleiten und sie zu unterstützen, damit sie leuchten können. Light up your life! Du bist völlig frei von Konkurrenzdenken und Vorurteilen, schaust dir die Dinge immer ganz genau und von allen Seiten an, ehe du dir deine Meinung dazu bildest, ohne jemals über jemanden zu urteilen. Wenn du jemanden in dein riesengroßes Herz geschlossen hast, dann für immer. Du würdest mit hoher Wahrscheinlichkeit genau vorher spüren, für wenn du darin Platz hast, da bin ich mir sicher. Ich bin so dankbar, dass wir uns kennengelernt haben und ich wünsche mir, das ist erst der Anfang unserer Gipfelgespräche. Weil ich dir so viel zu sagen habe und dir noch viel lieber zuhöre.

Aus ganzem Herzen, deine Michaela

Bald schon beginnt der Steig des Hirschhörnlkopf-Aufstieges. Wir reden und reden, eben weil es doch so viel auszutauschen gibt. Aber hin und wieder bleibt und ein kleines bisschen die Luft weg. Nur nicht stehen bleiben, nach Vorneschauen und weitergehen. Das ist irgendwie auch unser Motto, nicht nur hier auf dem Berg. Claire springt wie eine Berggazelle leicht und beschwingt den Berg nach oben. Sagenhaft! Wir vermuten alle, das muss daran liegen, dass sie mehrmals die Woche Ballett macht. Auch heute nach unserem Treffen wird sie noch zum Training gehen. Sie erinnert sich, dass sie damals als sie ihren Mann kennen gelernt hatte, auf einem ihrer ersten gemeinsamen Dates auf dem Jochberg, als der Nachbarberg vom Hirschhörnlkopf, unterwegs war. Da sie zu dieser Zeit das letzte Mal als Kind (vor rund 15 Jahren) vorher Bergsteigen war, hatte ihr Mann vorgeschlagen es erst einmal ruhiger angehen zu wollen. Denkste! Claire kam nicht mal richtig aus der Puste. Neben den großen Werten wie Familie und Freundschaft hat ihr Sport für sie eine immense Bedeutung. Der Tanz, schwärmt Claire, ist meine Leidenschaft und macht mich aus – meine Ruheoase, eine Form von Ausdruck und der Raum, wo ich meine Power herbekomme.

Die Cappu Mum ist mittlerweile eine feste Intuition in der Münchner Bloggerszene. Die AZ hatte vor über fünf Jahren den trendigen Live-Style-Blog für sich entdeckt und über Claire einen Artikel geschrieben. Das hat den Blog zu dieser Zeit ziemlich gepuscht, erinnert sich Claire. Wer ist die Cappu Mum? In ihrem Blog schreibt Claire kaum über Privates. Hauptsächlich handelt es sich um Ausflugsziele und Tipps alles rund um München, und ums Mami-sein. Das Claire nicht nur das ist, sondern viel mehr, kannst du über sie in „Über Cappu Mum“ auf ihrem Blog nachlesen.  Was mir bei dir (und übrigens auch Svenja) total auffällt, ist, dass du deine Leser ganz genau kennst und wie wichtig es dir ist, genau auf sie einzugehen.

“Ja, das stimmt. Ich überlege mir vorher immer genau, passt das zu meinen Leserinnen (meistens sind sie ja eher weiblich). Wenn ich zum Beispiel ein Kleid bewerben soll, das zwar schön, aber eindeutig nicht die Preisklasse oder den Geschmack der Cappu Mum Leserinnen trifft, dann mach ich das auch nicht. Das ist für mich von großer Bedeutung, dass ich der Cappu Mum treu bleibe und ich glaube, es würde auf die Dauer auch meine Leserinnen irritieren, wenn ich darauf nicht so viel Wert legen würde.”

Claire arbeitet in Teilzeit im digitalen Marketing und hat sich über die Jahre nebenher ihren Blog aufgebaut. Mittlerweile gibt es die Cappu Mum, was auch die Frage nach Claires Lieblingsheißgetränk erübrigt, schon sage und schreibe 6 Jahre lang. Claire was ist dein persönliches Resümee nach dieser Zeit über das Bloggen ?

“Ich merke immer mehr, dass ich genauso bloggen möchte, wie eben vor sechs Jahren. Mal abgesehen von einer besseren Technik und mehr Knowhow, man lernt ja ständig dazu. Ich möchte Geschichten erzählen, die Leute inspirieren und unterhalten, frei von Trenderscheinungen, nach meinem ganz eigenen Stil. Wichtig ist, nicht so viel um sich zu schauen, sondern bei sich zu bleiben und gleichzeitig darüber Bescheid zu wissen, was auf dem Markt so passiert. Ich schreibe quasi aus ganzem Herzen und einfach drauf los.”

Zwischen Claire, Svenja und Carolin befinden sich immer mehrere Jahre Altersunterschied. Das bereichert diese Freundschaft auch total, weil jeder seinen ganz eigenen Blickwinkel miteinbringt. Als ich Claire frage, wo sie sich in 10 oder 20 Jahren sieht, weiß sie auf diese Frage keine Antwort. Dafür lebt sie viel zu sehr in dem Moment.

Zwischen Svenja und Carolin sehe ich gar keinen Unterschied – außer der Lebenserfahrung natürlich. Wenn wir zusammen sind, fühlt es sich für mich Null so an, als sei da ein großer Altersunterschied – weder privat, noch in der Zusammenarbeit. Wir haben überschneidende Themen, den gleichen Spirit bei der Arbeit, ähnliche Interessen und leben für unsere kleine Familien. Was uns eint ist vielleicht auch, dass wir auf unseren Bauch hören, aufrichtig unserem Herzen folgen, Durchhaltevermögen, der nötige Ehrgeiz  und dass Familie für uns immer an erster Stelle kommt. Family first – no matter what. Unsere Werte sind identisch, wir denken in die gleiche Richtung und sind einfach alle glücklich und dankbar, dass wir uns über den Weg gelaufen sind.

Liebe Claire,

das erste Mal gesehen habe ich dich im Kinderkunsthaus beim alljährlichen Bloggerevent. Ich erinnere mich genau an dich, die Jeanslatzhose und daran, wie gut sie dir stand. Aber ich glaube, dir steht eh so ziemlich alles. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendwas an dir nicht irgendwie trendy aussieht. Du und dein Life-Style Blog Cappu-Mum passt perfekt zu dir. Alles was du schreibst ist mit Bedacht gewählt und wird von dir grandios liebevoll in Szene gesetzt. Die vielen tollen Reisen und Orte, die du besucht hast. Deine besonderen und ach so speziellen Ausflugtipps, ich liebe sie alle! (and you!)

Dann war da noch der Sommertag an dem die Cappu Mum mit Mann und Kind (und Zelt) zu uns nach Arzbach kam. Von vornherein meintest du, du bist ja eigentlich nicht so der Campingtyp. Aber was du eben auch bist, ist immer alles erst auszuprobieren. Erst dann kann man mitreden. Klar. Dein Beitrag auf deinen Blog über uns und den Alpencampingplatz und den Arzbacher Hof rührt mich total. Camping mit Kids Und du hast Recht, hach es war so schön, dass ihr bei uns gewesen seid!

Bis ganz bald wieder, aus ganzem Herzen Michaela

Claire’s Blog Cappu Mum findet ihr unter Cappu Mum

Auf ungefähr halber Höhe gönnen wir uns ein kleines Päuschen und eine kleine Stärkung zwischendurch. Blutzuckerspiegel und so. Der Aufstieg hat’s in sich und es ist mittlerweile auch sehr warm geworden. Wir reden über Gott und die Welt und ich merke schon ein (!) Gipfeltreffen wird hier nicht ausreichen. Kurz vor Erreichen des Gipfels verfallen wir noch einen nicht enden wollenden Lachkrampf. Carolin trinkt die letzten Meter auf dem Weg zum Gipfel aus ihrem Trinkschlauch, der unauffällig hinten am Rücken befestigt ist und Claire fragt etwas verwundert, aber todernst, ob das etwa Sauerstoff sei! Diese Vorstellung ist einfach nur zu komisch und wir bekommen uns gar nicht mehr ein vor lauter Lachen. Lauthals brüllend erreichen wir wenig später und nach gut zwei Stunden Aufstieg das Gipfelkreuz. Herrlich ist es hier oben! Die Landschaft wirkt erstmal auf uns. So geht es mir jedes Mal, egal wie oft ich schon auf einen Berg war und dieser hier ist jedes Mal ganz besonders. Deswegen habe ich ihn ja für uns ausgesucht. Der freie Blick auf das Karwendel und den Walchensee – es ist immer ein Genuss und ein unglaublich gutes Gefühl hier oben zu stehen. Gipfelglück pur. Wir reden darüber, wie wertvoll dieser Tag für uns alle ist und wir sehr wie diese kurze Auszeit schätzen. Wiederholungstat erwünscht. Definitiv. Jetzt lassen wir uns erstmal die Brotzeit schmecken und das selbstgemachte Gipfel-Likörchen. Hach, ich könnte ewig mit euch hier oben sitzen. Das fühlt sich ziemlich perfekt an.

 

Doch irgendwann ist es Zeit sich an den Abstieg zu machen. Carolin hat heute noch eine Einladung beim Sommerfest der SZ. Vor Carolin habe ich einen Riesenrespekt. Als Quereinsteigerin und Berufsanfängerin hatte sie bereits mit 25 Jahren das CEO Office einer weltweiten Werbeagentur gemanagt.  Unter anderem war sie Gründungsmitglied und Mitarbeiterin Nummer 8 beim FOCUS Magazin. Die bunten Geschichten die sie aus dieser Zeit auf Lager hat finde ich sagenhaft! Als z.B. der erste Focus rauskam und in kürzester Zeit überall vergriffen war. Ihre Zusammenarbeit mit Helmut Markwort etwa und dass er zu damaligen Zeiten schon verstanden hat, dass man gute Mitarbeiterinnen nur langfristig halten kann, wenn eine interne und sehr gute Kinderbetreuung gewährleistet ist. Die betriebsnahe Elterninitiative BURDA-Bande hat Carolin damals 5 Jahre als Vorstand mit 12 Mitarbeitern geleitet. “Damit war es mir möglich das pädagogische Konzept der Kita unseres Sohnes mitzugestalten und gleichzeitig unternehmerisch zu agieren.” Carolin schwärmt von dieser Zeit, die Beruf und Familie so unkompliziert miteinander verbunden hat. Sie war zu dieser Zeit Leiterin der Focus Markenkommunikation, die erfolgreichste Medien-Markteinführung der letzten Jahrzehnte verantwortet. 2011 wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit mit einem Neustart ihrer eigenen Kommunikations-Agentur. Gestalten statt verwalten, immer Neues dazulernen und wachsen ist ihre Motivation. Dabei geht es Carolin immer darum, ihre Kunden mit ihren jeweiligen Themen sichtbar zu machen.

Carolin, wie war das nochmal, wie habt ihr drei euch eigentlich kennengelernt?

“Das war wirklich eine wundersame Fügung und ich bin zutiefst dankbar für diese Verbindung. Svenja habe ich tatsächlich über die Kinder kennen gelernt. Unser Sohn Oskar und Lissy gingen zusammen in die 5.Klasse in das Gymnasium. Oskar hat hinterher auf die Realschule gewechselt, aber unsere Freundschaft bestand fort und ist sogar noch gewachsen. Claire habe ich im Kinderkunst beim Flik Flak Event kennengelernt. Claire war dort als Bloggerin eingeladen worden.”

Carolin du bist in meinen Augen eine der besten Networkerinnen die ich kenne. Also ehrlich gesagt kenne ich überhaupt keine, die das so auf ihre ganz spezielle Art betreibt, so wie du eben.  Am meisten mag ich, dass dein „die richtigen Menschen zusammen zu führen“ aus einer tiefen Liebe für die Menschen basiert. Dass du im Grunde gar nicht darüber nachdenkst was es dir bringen könnte, die ein oder anderen Personen zusammenzubringen, sondern das es viel mehr an deiner reinen Freude liegt, etwas Gutes zu tun.

“Ich liebe es, die passenden Menschen zusammen zu bringen – privat wie beruflich. Das war schon immer so und so kann es auch kein Zufall sein, dass ich jetzt davon lebe.
Dabei hilft mir sicher mein einzigartiges Netzwerk aus 30 Jahren in der Kommunikationsbranche und meine prinzipielle Menschenliebe, das stimmt schon. Ich glaube fest daran, dass alles Gute zurückkommt. (so zitiert sich Carolin auf der Homepage der denkst selbst und ich finde, dass es das so ziemlich genau auf den Punkt bringt.) Mich begeistert außerdem, wie die Digitalisierung sehr vielen Menschen dabei helfen kann, mit ihrem Geschäft sichtbarer zu werden.
Heute kann ja jeder sein eigener Chefredakteur werden und ist nicht länger auf die Gunst der traditionellen Medien angewiesen.
Außerdem treibt mich um, die soziale Ungerechtigkeit im Bildungswesen. Ich werde mich immer dafür einsetzen, dass Bildung gerechter verteilt wird. Dafür engagiere ich mich ehrenamtlich bei Dein München und Kinderkunsthaus.”

Ein weiteres Netzwerk, das Carolin sehr am Herzen liegt, ist die Initiative der Münchner Messe   Frauen verbinden. Die Grundidee dahinter ist es lauter tolle Frauen aus Führungspositionen, Wirtschaft, Politik und Medien auf Augenhöhe miteinander zu verbinden. Voneinander lernen und einander stärken, zu inspirieren, über den eigenen Tellerrand der jeweiligen Branche zu schauen und sich gegenseitig und themenübergreifend zu vernetzen sind die Kernthemen dieses Netzwerks. Da dürfen Claire, Svenja und Carolin natürlich nicht fehlen. Sehr gerne lese ich hier im Isarwinkel von ihren Events und Projekten und finde das Ganze unglaublich spannend und für mich auch inspirierend.

 

Liebe Carolin,

wir haben uns über die wunderbare Dominika von “From Munich with love” kennengelernt  ( siehe auch Gipfeltreffen mit Dominika) und natürlich auch übers Kinderkunsthaus. Irgendwann hast du und Patrick dann einfach einmal mit eurem VW Bus bei uns vorbeigeschaut und ich im Kinderkunsthaus zur Alexandra Helmig Buchvorstellung von Kosmo und Klax. Falls ich es dir noch nicht gesagt habe, ich fand dich von Anfang an megasympathisch. Ohne Übertreibung. Weil du sofort sagst was du denkst und weil man sich in deiner Nähe automatisch wohl fühlt. Weil du offen, mutig und optimistisch bist und eine der allerbesten Networkerinnen überhaupt. Wieder ohne Übertreibung. Du hast die seltene Gabe Menschen aus allen Richtungen zusammenzuführen. Deine Werte sind dir dabei heilig und stehen im Zweifelsfall ausnahmelos und immer über allem. Und du lässt nicht locker dafür einzustehen, nichts ist dir dann wirklich zu viel. Wenn es um deine Arbeit geht, dann machst du alle die extra Hausaufgaben, schaust genau hin, hörst genau zu und trotz deines umfangreichen Wissens und all deinem Background hörst du nie wirklich auf, zu wachsen und zu lernen. Du weißt ganz genau, was und wer dir guttut. Kompromisse im zwischenmenschlichen Bereich gehst du ungern ein, dafür ist dir deine Zeit zu kostbar. Sie zu nutzen verstehst du dafür umso mehr. Wenn du mir von deiner Arbeit und diesen anderen vielen, vielen hochspannenden Geschichten erzählst, könnte ich dir ewig zuhören. Aber das könnte ich so oder so, egal was du erzählst. Du liebst die Berge so wie ich. Ich bin wirklich richtig, richtig froh, dass wir uns über den Weg gelaufen sind und wir zusammen hoffentlich noch einige Gipfel erklimmen werden! Aus ganzem Herzen, Michaela

Carolin’s Profi Linkedin

Ohne es richtig zu merken, sind wir bald schon wieder am Ausgangspunkt unserer Wanderung angelangt. Was war das nur für ein schöner Tag mit euch! Ihr drei zusammen  seit für mich das perfekte Kleeblatt. Jedes Blatt ist für sich, auch wenn es sich sehr ähnlich sieht. In der Mitte und im Kern miteinander verbunden und genau in dieser Kraft ist das gemeinsame Wachsen erst richtig möglich! Hin und wieder gesellt sich ein viertes Blatt zu euch dazu, weil ihr immer genügend Raum für das Glück und die Wunder übrig lässt! So wie heute bei unserem Gipfeltreffen zum Bespiel oder zu all den tausend anderen Ereignissen, an denen ihr zusammen mit eurer Kleeblatt-Power auftritt! Ich bedanke mich so sehr und aus ganzem Herzen für den wundervollen Tag mit euch und spüre irgendwie, das war nicht der letzte.

Bis sicherlich bald, eure Michaela

Die komplette Tour zum Nachwandern findet ihr unter Hirschhörnlkopf-Tourbeschreibung auf Höhenrausch

Happy New Year 2019

Happy New Year 2019

Vor ein paar Tagen feierte unsere älteste Tochter zusammen mit ihren Freunden ihren 10. Geburtstag. Eines der wichtigsten „Programmpunkte“ war für sie der Schokobrunnen, den sie sich so sehr gewünscht hatte. Ganz wichtig dafür waren natürlich auch die Früchte. Ananas und Erdbeeren mussten unbedingt sein. Genau die hatte ich aber vergessen bei unserem Obst- und Gemüselieferanten zu bestellen und bin deswegen kurz vorher nochmal los um welche zu kaufen. Dezember ist ja bekanntlich keine Erdbeersaison und erst im dritten Supermarkt wurde ich endlich fündig. Die Erdbeeren war zweifach in der Plastikschale verpackt und die Ananas auch nicht wie gewohnt im Stück erhältlich. Dafür aufgeschnitten in Scheiben, ebenfalls und mehrfach in Plastik gehüllt. Ich ignorierte das in mir aufsteigende ungute Gefühl, welches mir unmissverständlich zuflüsterte, dass man im Winter eben keine Erdbeeren aus Marokko kauft. Grundsätzlich. Ananas aufgeschnitten und nochmal extra in Plastik verpackt noch viel weniger und doch saß ich zwei Minuten später im Auto. Mit den Erdbeeren. Mit der Ananas. Als ich nach Hause kam, wunderte sich mein Mann über mich. Und er hatte Recht. Einen Tag vorher haben wir erst darüber diskutiert und ich war der Meinung, dass jeder Einzelnen sehr wohl einen Unterschied machen kann. Auch wenn ich noch mehr denke, dass z.B. Umweltschutz ein Thema ist, das im Großen geregelt werden muss. Das ewige Thema mit den Konzernen dahinter und von Klimapolitik. Unserer Tochter hätte ich das schon erklären können. Mit den Erdbeeren und der Ananas und warum es die halt heute jetzt nicht gibt. Aber stattdessen wurde mir eine Lektion erteilt und weil ich das jetzt wirklich, wirklich wichtig finde, will ich sie mit euch teilen.

Wir alle haben Werte. Diese Werte sind das was uns in gewisser Weise ausmacht und unter keinen Umständen dürfen wir diese Werte missachten. Umso höher wir die eigene Messlatte legen, umso schwieriger wird es manches Mal danach zu leben. Wenn einer dieser Werte ist, die Wahrheit zu sagen, dann muss ich das auch immer leben. Keine kleinen Notlügen. Erst dann macht es auch wirklich einen Unterschied. Was unsere Kinder betrifft, liegt mir das mit am meisten am Herzen. Dass sie ehrlich sind. Zu anderen und auch zu sich selber. Ich bin überzeugt, dass in seiner ganzen Wahrheit zu leben in Wahrheit eine riesengroße Kraft ist. Es bedeutet ja, so nah wie möglich bei sich selbst zu sein. Und ich wünsche mir, dass sie mitfühlend sind, dankbar und großzügig. Wie das aber so ist mit den großen Werten, sie werden dich immer wieder auf die Probe stellen. Damit du für sie einstehen kannst und dich für sie stark machst. Besonders, wenn du Kinder hast, werden sie dir ganz genau auf die Finger schauen. Es sind oft die kleinen Dinge, die wir gar nicht richtig bemerken. Wenn sie dich fragen, ob noch Gummibären im Haus sind und du mit Nein antwortest, obwohl du genau weißt, dass es nicht stimmt. Weil es leichter ist, als zu sagen heute essen wir einfach keine Gummibären mehr. Aber wenn wir es ganz ehrlich sagen, was soll schon passieren? Außer genau das, dass aus deiner Ehrlichkeit Vertrauen entsteht, weil man nämlich weiß und spürt, dass dein Wort von Bedeutung ist. Versprich nichts, nur wenn du dir ganz, ganz sicher bist und wenn, dann sei dir im Klaren, dass du es unbedingt einhalten musst.

Darum werde ich mir auch dieses Jahr wieder vornehmen, bestmöglich ich selbst zu sein. Meine Werte unbedingt einzuhalten. Es wird immer wieder einmal Situationen geben, wie die im Supermarkt, (Erdbeeren und Ananas) aber dann möchte ich unbedingt meine Wahrheit sagen und laut aussprechen. Auch dann, wenn mein Gegenüber ganz anderer Meinung ist. Ich werde Fehler machen, sicher, aber bestehe darauf aus jedem Fehler zu lernen. Es geht nämlich gar nicht darum perfekt zu sein. Wir sind alle Menschen und Leben soll ja leicht sein. Aber unsere Werte sollten uns jederzeit heilig sein.
Wie Mel Gibson als William Wallace in der Schlussszene von Braveheart. Als er kurz vor seiner Hinrichtung das Angebot des Scharfrichters die Bitte um Gnade verweigert und stattdessen aus voller Kehle „Freiheit“ in die Menge schreit und somit seiner Überzeugung bis in den Tod folgt. Hollywood sicher. Doch im Grunde ist es genauso. Menschen die im Holocaust ihr eigenes Leben riskierten, nur um anderen zu helfen. Ihre Antwort warum sie das getan haben, fällt oft so simpel aus, obgleich ihr Handeln heute so groß erscheint: „Ich konnte einfach nicht anders!“ Die gute Nachricht ist, es gibt sie immer noch. Die Menschen die anderen bedingungslos helfen und ihre Stimme für jemanden erheben. Einfach weil sie nicht anders können.

Ich glaube so sehr müssen wir unsere Werte verinnerlichen. Immer und immer wieder. Bis sie uns in Fleisch und Blut übergegangen sind und wir gar nicht anders können als nach ihnen zu handeln. Darum frage ich dich heute, wenn du dir drei Werte aussuchen könntest, die für dich von Bedeutung wären, welche wären es und warum?
Ich würde sagen, die Liebe, die Wahrheit (und Gerechtigkeit!) und die Freiheit.

In diesem Sinne, wünsche ich euch allen ein wundervolles, lustiges und glückliches Neues Jahr 2019,
aus ganzem Herzen
Michaela

Unser kostbares Leben

Unser kostbares Leben

Es ist war im Frühling vor 2,5 Jahren, als sich unser Leben von einer Sekunde auf die andere beinahe auf den Kopf gestellt hätte. Dieser Tag ist bis heute immer noch der Grund, warum ich dich nachts vor dem Einschlafen sicherheitshalber ein bisschen fester halte. Nur um zu spüren, dass du tatsächlich noch da bist. Heute bist du, kleine Prinzessin, vier und ich kann dir selbst erzählen was damals passiert ist.

Deine Geschwister spielten in ihrem Zimmer, du alleine für dich nebenan. Der Hase, fiel mir ein. Keiner hatte ihn heute schon gefüttert. Ich schloss die Balkontüre, so meinte ich und gab Leni und Tommy Bescheid bevor ich den Raum verließ. Nicht ohne mich noch einmal nach dir umzudrehen. Doch du warst viel zu vertieft, um mich zu bemerken. Ich nahm die Wasserkanne, klemmte die Karotten und den Salat für den Hasen unter den Arm. Als ich dann vor dem Hasenstall stand, überkam mich urplötzlich ein ungutes Gefühl. Bis heute kann ich mir nicht erklären woher es kam. Statt den Stall zu öffnen und unseren Hasen zu füttern ging ich die 10 Meter zurück, von wo aus ich auf unseren Balkon sehen konnte. Mein Herz blieb augenblicklich stehen! Da standest du, mit wackeligen Beinen und gleichzeitig seelenruhig auf dem Balkonsims. „Kati!“ entfuhr mir reflexartig ein schriller Schrei, den du Gott sei Dank nicht gehört hattest. Der Balken ist gerade mal 15cm breit und mir war sofort klar, dass nur eine kleine Bewegung reichte und du wurdest das Gleichgewicht verlieren und 7 Meter auf den Betonboden unter dir in die Tiefe stürzen.  Ich hörte augenblicklich auf zu denken, schleuderte alles was ich in der Hand hatte vor mir auf den Boden und lief so schnell ich konnte. Für den Weg den ich vorher in einer Minuten gegangen bin, brauchte ich jetzt schätzungsweise nur ein paar Sekunden. Ich lief nicht nur sprichwörtlich um dein Leben. Als ich endlich bei dir war, warst du immer noch da am selben Fleck. Ich habe dich mit beiden Armen umschlungen und mich mit dir auf den Boden geworfen. Beide weinten wir. Du, weil du durcheinander warst und ich aus reiner Erleichterung. Deine Geschwister spielten noch im Zimmer und hatten dich gar nicht bemerkt, auch nicht die beiden Männer der Ferienwohnung direkt gegenüber. Was im Nachhinein das Beste war, was hätten sie schon machen können. Schreien, um Hilfe rufen? Ich bin mir bis heute noch sicher, es hätte nur eine kleine Bewegung gereicht.

Es war einfach nachzukonstruieren. Die Balkontüre war nicht richtig geschlossen und ist von alleine wieder aufgegangen. Du hast den Stuhl von deinem Zimmer auf den Balkon geschoben und bist über die Lehne auf den Balkon gestiegen. (Wie hast du das mit deinen 1,5 Jahren nur gemacht?) Noch heute träume ich davon.  Es ist nicht so, dass uns das nicht schon in irgendeiner Form mit allen unseren Kindern passiert ist. Als ich einen Moment nicht aufgepasst hatte und Leni den ein Kilometer langen Weg mit dem Laufrad alleine zum Kindergarten gefahren ist. Sie ist irgendwie angekommen. Das Hauptstraße überqueren und in der Kurve rechts fahren, haben wir nur ansatzweise geübt. Tommy, der sich an der Ostsee minutenlang in der prahlen Sonne unter der Strandmuschel versteckt hatte. Er hatte nur kurz die Schwimmflügel ausgezogen und wir konnten ihn nirgendswo mehr finden.  Ich glaube fast jede Familie hat diese Geschichten auf Lager und in der Regel gehen sie gut aus. Auch uns sind sie mehrmals passiert. Aber keine Situation war so wie die mit Kati. In der ich so konkret solche Angst um unser Kind hatte und nicht wusste, ob sie noch oben auf dem Balkon steht, wenn ich endlich bei ihr bin. Doch wir hatten Glück und Kati einen sehr guten Schutzengel.

 

Und dann denke ich:  Kinder zu haben ist immer tiefes Glück und ein Segen. Wir sollten jeden Augenblick zusammen auskosten. Wir sollten ihnen so viel Liebe und Wertschätzung mitgeben wie nur irgendwie möglich. Kinder sind ein Geschenk. Eine Familie zu haben ist ein Geschenk. Freunde zu haben ist ein Geschenk. Wir leben dieses Leben nur einmal. Selbst wenn wir wiedergeboren werden und noch tausend Leben vor uns haben, wir sind nur einmal Mama oder Papa genau dieser wunderbaren Kinder. Wie besonders jedes Kind doch ist. Wie einzigartig.

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Wir können sie einmal nur so nah begleiten. Irgendwann, so sehr wir uns auch lieben, werden wir alle wieder unseren eigenen Weg gehen. Das letzte Stück auf der Reise müssen wir ganz alleine antreten, auch wenn wir bis zum Schluss von unseren Lieben begleitet werden. Doch ich bin überzeugt davon, dass die Liebe die wir hinter uns lassen, die Welt verändert. Generationen nach uns. Je reiner und tiefer sie war, desto mehr. Und ich glaube auch, dass wir genau diese Liebe mit dahin nehmen, wohin wir einmal gehen werden. Ich glaube auch, dass wir uns wiedersehen. Ihr werdet es schon sehen. Aber bis dahin, halte ich euch fest, wenn ihr Halt braucht. Lass euch ziehen, wenn euch euer Leben ruft und bin da, wenn ihr davon hin und wieder eine Pause braucht. Ich bestehe im Gegenzug weiterhin auf warme Umarmungen und tiefe Gespräche.  Aber jetzt…lass uns unser Leben leben. Ich bin so froh, dass wir uns gefunden haben.

Aus ganzem Herzen, M. ♥

 

 

Über unser Dorf Arzbach – ein Interview mit meinem Papa

Über unser Dorf Arzbach – ein Interview mit meinem Papa

Das ursprüngliche Haus in den 50ger Jarhen wurde aus “Bachkugel” gebaucht

 Für das Magazin “d’Isarwinkler” durfte ich über mein heißgeliebtes Dorf Arzbach-Wackersberg schreiben. Mein Papa lebt seit 76 Jahren in Arzbach und wer wäre da ein besserer Interview-Partner für mich als er. Ich war so überrascht, weil es da so viele Dinge von früher gibt, von denen ich tatsächlich überhaupt keine Ahnung hatte. Deswegen wollte ich euch das Interview auf dem Blog nicht vorenthalten. Während des Schreiben’s durfte ich so viel lernen und ich habe mein Dorf (und meinen Papa) wirklich von einer ganz anderen Seite sehen dürfen und alleine dafür bin ich schon total dankbar. Vielen Dank für die interessanten Einblick Papa und am allermeisten dafür, dass ich auch hier leben darf.  Aus ganzem Herzen, deine Michi

 

Aus der Sicht von anno dazu mal und heute

Es ist über 36 Jahre her, seit ich meine ersten Schritte im Arzbach gemacht habe.  Ein paar Jahre später dann die ersten mutigen Schwimmzüge im Alpenbad. Ich sammelte stundenlang die Bälle der Tennisspieler zusammen und konnte mich herzlich über das anschließend spendierte Eis freuen. Ich verbrachte meine Kindheit im Arzbacher Hof und auf dem Alpencampingplatz und besonders darüber hätte ich nicht glücklicher sein können.  Heute darf ich für euch im „d’Isarwinkler“ ein kleines bisserl aus dem Arzbacher Nähkästchen plaudern. Die Menschen, seine Geschichten und die tausend Winkel, die es so unverkennbar und einzigartig werden lassen und der Grund, warum mein Dorf für mich nach all den Jahren immer noch der Ort geblieben ist, an dem ich mich am allermeisten zu Hause fühle. Wer könnte mir da besser von meinem Heimatdorf erzählen als mein Papa Gottfried Willibald. Schließlich lebt er schon über 76 Jahre in Arzbach. Er ist der Senior-Wirt vom Arzbacher Hof und besser bekannt als der „Gottä.“

Der Arzbacher Hof und der Alpencampingplatz von oben

Ich habe letztes Mal gelesen, dass es das Alpenbad bereits seit 1934 gibt. Du bist 1942 geboren, was hat sich denn alles verändert seit damals?

Das Alpenbad gibt es tatsächlich schon so lange. Dein Opa (Michl Willibald) erzählte mir immer von der legendären Eröffnung. Das ganze Dorf war auf den Beinen, um dabei zu sein. Ein Schwimmbad war damals eine echte Sensation. Beim Eröffnungswettschwimmen wären „beinahe“ Schwimmer ertrunken, weil man aus der Gaudi heraus ein paar ihrer Rucksäcke, die sie währende des Wettbewerbs tragen sollten, mit Steinen befüllt hatte. Zum Glück ist das noch einmal gut ausgegangen.

Schwimmbaderöffnung in Arzbach

Die Dorfgrenze war früher die heutige „Kirchengrenze“. So gehörte ein Teil von Schlegldorf noch zu Arzbach und somit zur Gemeinde Wackersberg. Heute gilt das eben nur noch für die Kirche. Jemand der auf der anderen Seite vom Arzbach wohnt, gehört offiziell zu Lenggries, bei den kirchlichen Festen aber zu Arzbach-Wackersberg. Ja und im Grunde, wird er dann ja auch hier beerdigt. Also gehört er letztendlich dann doch zu uns.

Aus der Chronik der Gemeinde Wackersberg geht hervor, dass die Fialkirche Arzbach zu den jüngsten Gotteshäusern des Isarwinkels zählt. Sie wurde im September 1950 dem Unbeflecktem Herzen Marä geweiht. Der Bau der Kirche, geht auf ein Gelöbnis zurück, dass der damalige Wackersberger Pfarrer Johannes Schwertfirm und einige Arzbacher Bauern in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges abgelegt haben sollen. Der Wunsch nach einer eigenen Kirch allerdings bestand schon lange. Zu einen, weil die Maria-Hilf-Kapelle längst zu klein war. Auch der Wackersberger Friedhof der Pfarrgemeinde reichte bei weitem nicht mehr. Eine Grundstücksstiftung der Moarbäuerin Anna Bauer schuf die Voraussetzung für die von Pfarrer Schwertfirm vorangetriebenen Neubau-Pläne. Der gestiftete Grund wurden gegen eine Fläche oberhalb der Kapelle getauscht, wo dann die Fialkirche errichtet wurde. Schon 1948 war mit dem Bau des Friedhofes begonnen worden. Insbesondere dem Einsatz des damaligen Kirchenpflegers Balthasar Kohlauf (Wenibauer) war es zu verdanken, dass am Kirchweihmontag 1949 die Grundsteinlegung für die neue Kirche erfolgen konnte. Nach nur einjähriger Bauzeit nach den Plänen des Architekten Oskar Haßlauer konnte mit viel Eigenleistung und großzügigen Holzspenden die neue Kirche in einem feierlichen Festakt durch Bischof Anton Scharnagel eröffnet werden. Die Innenausstattung war in den kargen Nachkriegszeiten noch sehr bescheiden. Die Bestuhlung fehlte gänzlich. Erst nach und nach wurden die von den Gläubigen selbst bezahlten Kirchenbänke eingebaut. Die mächtig, geschnitzte Kreuzigungsgruppe über dem Hauptaltar entstand erst in den 1950er Jahren. Das markante Ensemble mit dem gekreuzigten Christus, sowie Maria Magdalena und Johannes stammt aus der Werkstatt des Wegscheider Holzschnitzers Kasper Gerg (Draxl) und wurde nachträglich anstelle eines Notaltars aufgestellt. Bemerkenswert ist ein über dem linken Seitenaltar angebrachtes Gemälde der Heiligen Familie aus der Maria-Hilf-Kapelle.  An beiden Kirchenwänden hängt ein Kreuzweg aus der Zeit um 1730, der das Leiden uns Sterben Jesus in nur vier Gemälden zusammenfasst. Seit Pfingsten 1991 hat Arzbach auch eine Orgel. Das einmanualige Instrument mit sieben Registern löste ein altersschwaches Harmonium ab, dass über 40 Jahre lange gute Dienste geleistet hat. Die Arzbacher Kirche wurde vor zwei Jahren renoviert und erhielt einen neuen Altar. Im Januar 2017 wurde dieser in einer feierlichen Altarweihe durch Kardinal Marx und von Pfarrer Leo Sobik gesegnet.

Wie es oft in oberbayerischen Gemeinden der Fall ist, war der Platz an dem die Kirche steht, auch früher schon der Dorfplatz. Neben der Kapelle befand sich einst die Gastwirtschaft „beim Auer“ und in unmittelbarer Nachbarschaft der kleine Kramerladen „zum Koia“. Dort gab es im Grunde alles was man brauchte. Ich erinnere mich noch sehr gut an den kleinen Laden und an die Zeit als ich als Kind dort ziemlich oft meine Butterbrezen und das obligatorische Sunkis für die Pause gekauft habe. Aber hast du mir nicht immer erzählt es hätte noch mehr Läden in Arzbach gegeben?

In Arzbach bekam man wirklich alles was man brauchte. Beim Auer gab es nicht nur eine Gaststätte, sondern auch einen Lebensmittelladen. Den Kramerladen „zum Koia“ gaben es ja damals auch schon. Dann gab es noch „den Bäck“, am Ortsausgang. Dort gab es neben frischen Backwaren, ebenfalls Lebensmittel. In Wackerberg gab es ebenfalls einen Lebensmittelladen, den der damalige Bürgermeister Kellner betrieb. Wie du siehst, hat es uns an nichts gefehlt.

Ich bemerke, dass es heute gar keinen Kramerladen mehr gibt, weder in Arzbach noch in Wackersberg.

Wir hatten früher sogar noch eine Metzgerei, die sich im heutigen Kramerwirt befand, der zu dieser Zeit auch schon eine Gastwirtschaft war. Sogar eine Tankstelle hatten wir.

Sagenhaft. Das habe ich alles gar nicht gewusst. Deine ersten Lehre hast du ja als Hufschmied beim Schaflitzl in Arzbach absolviert. Ich kann mir vorstellen, dass auch da vieles anders war, als wir es heute kennen.

Mit Sicherheit. Du musst dir vorstellen es gab in dieser Zeit allein in Arzbach schon über 100 Pferde, die alle bei uns beschlagen wurden. Oft hatten wir 6-8 Pferde pro Tag. In Wackersberg gab es noch einmal einen eigenen Hufschmied. Jeder Bauer war im Besitz von mehren Pferden, die in der täglichen Arbeit im Hof und besonders auf dem Berg nicht weg zu denken waren. Die Pferdekraft wurde später von PS in Form von Traktoren ersetzt. Ich erinnere mich daran, dass in den Jahren 1963-1965 die meisten Pferde in der Gemeinde aus diesem Grund verkauft wurden. Der Betrieb der die offizielle Bezeichnung „Huf- und Wagenschmiederei“ trug, musste sich nun auf die Mechanik von Landmaschinen spezialisieren.

Das finde ich wirklich sehr interessant. Was habt ihr denn damals zum Bespiel gemacht, wenn ihr einen Doktor gebraucht hattet?

Das war wirklich nicht sehr oft. Meistens hat man alten Hausmittel vertraut oder ist irgendwie von alleine wieder gesund geworden. Wenn es aber wirklich mal was Ernstes war, dann hat man uns Buben zum Dr. Scholz in Steinbach geschickt. Das nächste Krankenhaus war dann in Lenggries oder das Versorgungskrankenhaus in Bad Tölz.

Heute wurden ja die letzten Jahre immer wieder Geburtsstationen geschlossen. Ich frage mich gerade wo die Frauen früher ihre Kinder zur Welt gebracht haben?

Zu meiner Zeit war das Lenggries. Aber viele Kinder sind auch einfach zu Hause geboren worden. So genau weiß ich das gar nicht mehr. Ich kann mich nur sehr gut an eine Geschichte erinnern, als unser Bruder Lois geboren wurde. „D’Mam“( Kathi Willibald) hat mich um Mitternacht aufgeweckt und zum „Bab“ (Michl Willibald) geschickt, der damals am Stammtisch beim Schweizer Wirt gesessen ist. Sie meinte, ich sollte ihm mitteilen, dass sie wegen ihres Blinddarms ganz dringend ins Krankenhaus musste. Man hatte noch schnell ein Auto organisiert (die meisten hatten ja gar keins) oder ist sogar noch mit dem Radl losgefahren. Das war damals halt so.

Meine Oma Kathi Willibald

Woher habt ihr denn eigentlich eure Kleidung bekommen? Früher ging man ja nicht einfach zum Shoppen?

Na, ganz gewiss nicht. (lacht) Wir haben unsere Sachen einfach aufgetragen und sie wurden solange geflickt, bis man sie wirklich gar nicht mehr anziehen konnte. Wir hatten aber auch Schneidereien im Dorf. (Bsp. beim Dosch) Weil man nicht viel hatte, war es einfach wichtig, alles zu verwerten und nichts wegzuschmeißen. Das war bei Lebensmitteln so wie beim Essen. Zu den Bauernhöfen kamen regelmäßig Schneider/innen, die oft nur für Kost und Logis im Haus blieben und die Kleidung nähten und flickten. Im Dorf gab es noch einen Schuster, der heutige Schusterpeter. Daran erinnere ich mich noch so gut und an seinen Ausstellungskasten aus Glas, den er vor seiner Werkstatt aufgestellt hatte.

von rechts Oma Kathi, Rudi, Lois, meine Opa Michl, mein Papa, oben links Michä und oben rechts Sepp

Das heutige Arzbach ist aus zwei Siedlungen zusammengewachsen, einer älteren bäuerlichen Siedlung auf der Hochterasse und einer am Isargies gelegenen Flößersiedlung. Die Flößerei war in Arzbach wie in vielen Isarwinkler Nachbargemeinde, seit jeher eine wichtige Einnahme-Quelle. Die Arzbacher Flößer sollen sogar dafür verantwortlich sein, dass es früher schon Kaffee im Isarwinkel gab. Aus Passau wurden die ersten Kaffeebohnen mitgebracht und damit die Bauern nicht merkten, dass ihnen die Flößer einen Genuss voraushatten, legten sie beim Kaffeekochen Weideruten auf den Herd, damit der Gestank den Kaffeeduft nicht überdeckte. Die Flöße dienten zum Transport von Waren aus dem Isarwinkel bis weit die Donau hinab. Schließlich waren die Flöße selbst Holzlieferanten. Das Floß wurde dann z.B. in München komplett auseinander gebaut und verwertet. Überhaupt war die Lieferung von Bau- und Brennholz, wie auch von Kalk, insgesamt gesehen der bedeutendste Gewerbezweig innerhalb der Flößerei. In Arzbach gab es im gleichnamigen Kalkofenweg auch einen Kalkofen. An der Ganterstatt brannte der „Kager“ bis 1946 in seinem Kalkofen Kalk. Mein Papa weiß noch wie voll der Platz im Frühjahr mit Holzstämmen und Scheitholz war, das er zum Anschüren benötigte. Es war im Winter mit Gespannen aus den Bergen gefahren worden. Nebenan brannte der „Kohler“ Burchholz und Meilern zur Kohle.

Der Opa Michl Willibald war ja auch ein Flößer, wie war, dass denn mit der Flößerei zu dieser Zeit?

Die Flößer haben hauptsächlich Holz nach München transportiert. Das Floß wurde dann komplett abgebaut, verwertet und die Flößer sind dann wieder heimgefahren. (Kutsche, Zug) Ich weiß sogar noch, dass die Riß vom Abholzen, weil die Nachfrage nach Holz so groß war, ganz kahl war. Es wurden dann eine „Abholz-Verbot“ ausgesprochen und die Stellen wurden neu angepflanzt. In der Flösserhochzeit (um 1950) fuhren rund 11 000 Flosse aus dem Isarwinkel nach München. Sechs Stunden dauerte die Fahrt in der Regel. In drei Tagen war man beispielsweise in Wien. Der Dachstuhl des Stephansdoms bestehe zum Teil aus Isarwinkler Holz. Der Seil Glas, hat seinen Floßbetrieb an die Familie Angermaier verkauft, die ihn ja heute noch betreibt. Nach und nach gab es auch andere Weg, um Güter nach München zu transportieren. Der Floßbetrieb wandelte sich von einem reinen Transport-Betrieb zum Passagier-Floß. Der Angermaier Wastl, alias Überführer, der war ein Unikum. Für ein paar Pfennig transportierte er die Arzbacher über die Isar nach Gaißach und umgekehrt.

Der Überführer “Sebastian Angermeier”

1980 wurde die Fähre vom Überführer eingestellt. Die Bügermeister beiderseits der Isar, Kaspar Wohlmuth und Josef Bauer bemühten sich um eine Brücke als Ersatz. Sie verbindet bis heute Gaißach und Wackersberg und eröffnet den Arzbachern den Bahnanschluss nach Obergries.

Die Schule vom Dorf war ja immer schon in Höfen. Wie hast du denn damals die Schulzeit dort erlebt?

Das war auf jeden Fall ganz anders wie heute. Wir wurden nicht mit dem Bus gefahren, sondern mussten alle zu Fuß gehen. Das waren besonders im Winter manches Mal ganz schöne Strecken. Aber uns hat das nie etwas ausgemacht. Es gab noch richtige „Dadzn“(Schläge) früher, heute Gott sei Dank nicht mehr vorstellbar.

Ich erinnere mich immer an den Lehrer Breit, an die Lehrerin Ibelher. Da hast du mir schon oft so manchen Geschichten erzählt. Der Lehrer Dörfler war noch ein Jahr an der Schule, als ich 1987 eingeschult wurde. Heute gehen unsere Kinder auf die gleiche Schule, es ist schon wirklich lustig wie sich jetzt alles wiederholt.

Bis 1969 konnten die Wackersberger Schulkinder ihre gesamte Schullaufbahn bis zum Hauptschulabschluss absolvieren. In diesem Jahr wurde im Rahmen einer Schulreform die Haupt- auf eine Teilhauptschule reduziert. 1973 kam dann das endgültige Aus für die Hauptschule, die Schule wurde aus reine Grundschule weitergeführt, welche sie bis heute noch ist. Bei einer Christbaumversteigerung im Arzbacher Hof hatte mein Papa einmal den Meßstab von Herrn Dörfler ersteigert, der unter anderem auch als „Dadzstab“ verwendet wurde. Das Schulhaus war damals gleichzeitig das Rathaus vom Dorf. Es gab ein kleines Zimmer, bei dem auch die standesamtlichen Trauugen abgehalten wurden. Meine Eltern haben 1965 dort geheiratet. Heute ist das Rathaus in Oberfischbach.  Wackersberg und Oberfischbach waren eigene Gemeinden, bis sie bei der Gemeindegebietsreform 1978 zu einer Gemeinde zusammengefasst wurden.

Wackersberg wurde urkundlich erstmals 1195 als Berg „Waccerberch“ erwähnt, wie es aus der Dorfchronik hervorgeht. Der Freisinger Bischof Otto der II. bestätigte so die unter Otto I. zwischen 1150 und 1158 getätigte Schenkung an das von ihm gegründete Kloster Schäftlarn. Das Kloster ließ daraufhin den Wackersberg roden und besiedeln. Um 1255/56 griff Gebhard von Tölz, ein Enkel Gebhards von Hohenburg, in die Rechte des Klosters ein, indem er Wackersberg besetzte. Auf die Vermittlung seines Bruders, des Freisinger Bischofs Konrad I., verpflichtete sich Gebhard in einer Urkunde, alles von ihm gewaltsam Besetzte am Wackersberg an Schäftlarn zurück zu geben. Besonders die Kriegszeit und das Ende des zweiten Weltkrieges brachte viele gefährliche Situationen in die Gemeinde. In den Ortschaften verschanzten sich Angehörige der SS und andere halbaufgelöste Truppen, um Widerstand gegen die herannahenden Amerikaner zu leisten.

Du warst ja zum Ende des Krieges noch ein kleiner Bub, kannst du dich überhaupt noch daran erinnern?
Sehr gut sogar. Ich glaube das sind einfach prägende Erinnerungen, die bleiben. Ich weiß noch, dass den ganzen Arzbach entlang die Munition der SS lag. Wir Buben haben gedacht das wäre irgendwie so ähnlich wie Platzpatronen und haben sie ins Feuer geworfen. Es hat gekracht und geknallt. Gerade noch konnten wir in Deckung gehen. Als die Amys einmarschierten, haben sich überall bei uns einquartiert. Auch bei uns haben welche im Haus gewohnt. An den Häusern brachten die Bewohner, weiße Bettücher oder Laken an, als Zeichen damit man sicher ergeben hatte und keine SS-Leute im Haus anwesend waren. Die Amys waren immer human zu uns. Sicher gab es auch da Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen denke ich in erster Linie an die ersten Kaugummis erinnern, die freundliche und lachende Soldaten aus Amerika an uns verteilten. 

Sehenswert ist die spätgotische katholische Pfarrkirche St. Nikolaus im Wackersberger Dorfkern, die im 15. Jahrhundert errichtet und ab 1688 umgestaltet wurde und weitgehend ihr heutiges Aussehen erhielt. 1759 erhielt sie den neuen Hochaltar, 1768 wurde das Chorgewölbe ausgemalt und 1829 wurde das Langhaus ausgebaut und die Chormauern erhöht. Der Satteldachturm entstand im 1872 neu, ebenso wie ein neuer Hochaltar. Die Ausstattung der Kirche stammt zum Großteil aus dem späten 17. Jahrhundert. Am nördlichen Rand des Dorfes findet man zudem die Auferstehungskapelle, die 1706 erbaut und 1712 erweitert wurde. Reizvoll sind im Dorf die, vor allem in der Dorfstraße und in der Kirchstraße, liegenden alten Bauernhäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert und das Pfarrhaus von 1904. Am Fuße der Kirche liegt außerdem das Denkmal an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Die nicht weitentfernte Pestkapelle im Ortsteil Lehen, wurde 1634 von den nur sieben Überlebenden der Epidemie erbaut.

die Sennerein Berta und Hirtabua Gottä (2 von links) auf der Alm

 

Mir fällt noch so viel ein, was ich über Wackersberg erzählen könnte. Die Gebirgsschützen, die Wackerberger Musikanten, ihre Traditionen und Bräuche. Über den Sportverein, über den Tourismus, über die Einheimischen oder ihre prominenten Bürger.  Über die Berge im Wackersberger Voralpenland. Über die Zeit als mein Papa noch Hirtabua im Lägental war und dass man damals einen ganzen Sommer auf die Alm ging und ein paar Woche länger schulfrei hatte, als die die anderen Kinder. Es gäbe noch so viel was ich euch von Wackersberg und von Arzbach erzählen könnte.  Ich denke mir was es doch für ein Glück ist, in so einem Ort leben zu dürfen. Die Zeit steht manches Mal ein bisserl länger still. Die Luft ist manches Mal ein bisserl klarer, die Vögel pfeifen ein bisserl lauter am Morgen und die Sonne scheint oft ein bisserl heller für mich. Mein Herz jedenfalls schlägt jedes Mal schneller, wenn ich einmal länger von daheim weg war und wieder ich nach Hause komme.  Und das nicht bloß a bisserl. Ich gebe es gerne offen zu: ich bin aufrichtig verliebt in mein kleines Dorf, seine griabigen Bewohner, seine wunderschönen Fleckerl und hoffe du allerspätestens jetzt auch. Ein bisserl zumindest.

Papa dir geht’s doch da genauso?

Ganz genauso. Für mich ist Arzbach der Himmel auf Erden. Anders konn ich’s ned sagen.

Ja, dann is ja guad.