Die Isarwinkler und ihr Wiesnspirit

Die Isarwinkler und ihr Wiesnspirit

Der direkte Weg zur Wiesn fängt für den Arzbacher an der Haustüre an. Zu Fuß geht’s über den Isarweg nach Gaißach zur nächsten BOB-Station. Wie jedes Jahr stellt der BOB Fahrkartenautomat eine mittelschwere bis sehr schwere Herausforderung dar. Wieviel dürfen jetzt noch einmal mit dem Bayernticket mitfahren? ( Die Antwort: Fünf) Da die Wiesn nur einmal im Jahr ist, muss ein Großteil der Oktoberfest-Passagiere den Touchscreen nur um diese Jahreszeit bedienen. Geldscheine werden nicht angenommen, darauf hin noch einmal gedreht,  glatt gestrichen und erneut eingesteckt. Kleingeld fällt durch, wird wieder einzeln  eingesammelt und an Trachtenjankern gerieben (warum auch immer) und ein erneuter Versuch verzögert die Abfahrt und verlängert die Schlange hintern BOB Automat. Seltsamer Weise ist genau in dieser Schlange aber immer jemand dabei, der kulanterweise die Sache in die Hand nimmt und in relativ kurzer Zeit so viele Bayerntickets ausdrucken kann, dass beim Eintreffen der BOB alle doch noch rechtzeitig einsteigen können. In der BOB steigt dann die Vorfreude. Die ersten Wiesnbesucher sind schon in Lenggries eingestiegen, weitere folgen in Gaißach ( Gaißach hat gleich 2 Haltestellen!), Bad Tölz, Reichersbeuern…man erkennt sich. Jeder Isarwinkler trägt Tracht. Grüngestickte Lederhosen, grüngesamter Hut, handgestrickte Strümpfe und Hosenträger mit dem jeweiligen Gemeindewappen, manchmal auch den Initialen des stolzen Besitzers. Die Damen tragen wunderschöne und maßgefertigete Dirndl. Meistens eins zweiter Wahl, das für d’Wiesn scho langt, aber trotzdem immer noch seeehr gut weg kommt im Vergleich mit dem klassischen C&A Dirndl und anderen diversen Flatline-Anbietern. In Punkto Tracht ist der Isarwinkler überhaupt empfindlich. Harry G spricht uns allen aus der Seele! Hüte mit Pfauenfedern, Plastikdirndl oder rosa Kniestrümpfen gelten als persönliche Beleidigung. Der Isarwinkel verbindet Tracht als Ausdruck seiner Persönlichkeit. So schauts aus. Der klassische Isarwinkler fährt mit der BOB auch bis zur Donnersbergerbruck’n,  nicht bis zum Hauptbahnhof und fährt eine Station S-Bahn und geht von der Hackerbücken aus die paar Meter zu Fuß zur Wiesn. Des macht ma einfach so.  Dort angekommen, versetzt ihn das bunte Treiben immer wieder auf’s Neue in Erstaunen. So viele Leid, so an Haufn Fahrgeschäfte, so viele Zelte! Das größte Volksfest der Welt! Es wird ein bisserl herumgebummelt, vielleicht einmal Looping, Ketten- oder Weißbierkarussell gefahren, bevor es zu den reservierten Tischen ins Bierzelt geht. Nur zum Schaun fährt der Isarwinkler nämlich ned in die Wiesn, mit den Kindern eventuell, aber sonst nicht. Er hält sich meistens im Hacker, Schottenhammel, Bräurosl, Augustiner, in der Ochsenbraterei oder irgendeinem Paulanerzelt auf. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber im Marstall (ehemals Hippodrom) oder Käfer findet man ihn grundsätzlich und eigentlich nie. Auch nicht im Hofbräuhauszelt. Too international, da ist der Isarwinkler konservativ. Unter Umständen triffst du ihn noch in der alten Wiesn oder in einem der kleinen Zelte. Der Isarwinkler muss sich heimisch fühlen, sonst wird er grantig. Hat er aber dann sei Platzerl g’fundn, sitzt er und  steht außer zum Bieseln nimma auf. Warum auch. Als Allererstes wird  gegessen, bevorzugt traditionell ein Wiesenhendl und somit eine gscheide Unterlage geschaffen. Es dauert ein paar Maß, aber spätestens nach “Fürstenfeld” von STS oder Hubert von Goiserns “Brenna duat’s guat” steht der sonst so gemächliche Isarwinkler auf der Bierbank und ist mittendrin im Wiesenfeeling. Und wisst’s ihr wer des eigentlich olles macht? Wisst’s ihr eigentlich wer genau für dieses Wiesenfeeling verantwortlich ist? Na? Ja dann passt’s moi auf, i erzähl eich jetzt a Gschicht.

Er wohnt ganz oben tief im Herzen der Bavaria und nur weil wir ihn nicht sehen können ist er trotzdem da. Wo er sich das ganze Jahr über aufhält weiß keiner so genau, aber spätestens wenn die ersten Schausteller ihre Fahrgeschäfte aufbauen und die Zelte langsam wieder die gewohnte Form annehmen, spürt man, dass er irgendwo da draußen sein muss. Er ist spricht alle Sprache die es auf dieser schönen Welt gibt, ist verständnisvoll, sanftmütig. urlustig und herzensgut. Seine Anwesenheit wird immer präsenter und ist spätestens bis zum Wiesnauftakt mit dem Einzug der Wirte nicht mehr zu leugnen. Er ist der heilige Geist des Münchner Oktoberfestes, die Rede ist vom Wiesnspirit. Wenn am Morgen die ersten rotgelben Strahlen der aufgehenden Sonne auf die Bavaria runter strahlen, dann schleicht er sich langsam unter die Leute. Er zaubert den Standlbetreibern, den Musikern, den Bedienungen, den Straßen- und Heimkehrern…ein Lächeln ins Gesicht. So dass sie tatkräftig und gutgelaunt wieder an die Arbeit gehen. Die noch übrigen Wiesnbesucher begleitet er sicher bis zur nächsten U-Bahnstation oder er ruft ihnen ein Taxi, wenn sie es selber nicht mehr können. Wenn du dich zum Beispiel fragst, wie du gestern Abend von der Wiesn heimgekommen bist, dann kann ich dir sagen, da war ganz sicher der Wiesnspirit am Werk. Mittag sitzt er am liebsten in einer gemütlichen Münchner Runde. Adrette Rentner die ausschauen wie James Dean es jetzt tun würde und  während der Mittagswiesn Schafkopfn, entspannte Damenrunden, die sich zum Ratschen dieses Mal ausnahmsweise im Bierzelt anstatt im Cafe Kugelhupf treffen oder auch der strahlende Japaner, der gerade genüsslich seine Weißwurst aussaugt und grinsend eine Brezen hinter herschiebt.

Der Wiesenspirt is einfach gern da, wo es zünftig ist. Wenn die Kinder nach der Schule oder dem Kindergarten vorbeikommen, dann freut er sich ganz besonders. Er fährt wilde Maus und Riesenrad, isst babige, rosa Zuckerwatte oder hilft ihnen, dass man beim Losestandl nicht nur Nieten hat oder auch dabei dass der Papa in der Schießbude besser trifft. Kinder sind für ihn sowieso das Höchste und wenn ihre Augen leuchten, dann geht ihm im wahrsten Sinne des Wortes das Herz auf. Er versucht, so gut es geht auf zu passen und wenn dann wirklich einmal ein Kind verloren geht, dann schaut er, dass es ganz schnell wieder zu seinen Eltern kommt. Aber trotzdem mahnt er, passt’s gut auf eure Kinder auf. Die Wiesn ist so groß und für ein Kind ist es eine mittlere Katastrophe, wenn es dort im Gewimmel verloren geht.

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Am späten Nachmittag füllen sich die Zelte mit Leuten aus nah und fern, ja aus der ganzen Welt. Der Wiesenspirit wartet geduldig am Eingang eines jeden Zeltes und passt auch da wieder auf, dass alle Gäste entspannt zu ihrem Sitzplatz kommen und ihre erste Maß in angenehmener Gesellschaft einnehmen können.

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Wenn die Musik zum Spielen anfängt, die Menschen singen und lachen, dann wartet der Wiesenspirit auf seinen großen Moment. Darauf das sich alle Herzen ganz weit für ihn öffnen!

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Genau in diesem Augenblick transformiert der Wiesnspirt dieses Gefühl der Einheit und der Heiterkeit in ein ganz universal, verbindendes Urgefühl, das seinem eigenen Wesen am allermeisten entspricht. Dem einzig und wahren Wiesnspirit! Fremde Menschen liegen sich in den Armen, jeglicher Groll den man vielleicht gerade noch gegen seinen Sitznachbaren hegte, hebt sich auf, man schwebt regelrecht auf der Woge der Glückseligkeit, vergisst Zeit und Raum und lässt sich einfach mit diesem Gefühl treiben. Jeder der es schon einmal erlebt hat, weiß, dass es eigentlich nicht zu beschreiben ist. Wenn das Gefühl sich über die ganze Theresienwiese ausgebreitet hat, dann hockt er ganz oben in seiner Bavaria und schaut runter. Überglücklich, dass er es wieder einmal geschafft hat Grenzen zu überwinden, Menschen zu verbinden, Herzen zu öffnen.  Manches Mal hat jemand gemeint, er hat ihn gesehen, den Wiesenspirt. War es auch nur ein flüchtiger Moment, ein glückliches Pärchen, dass sie gerade gefunden hat, ein lächelndes Kind, das einen Luftballon an der Hand hält, eine selige Oma, die ein Herzl mit “bester Oma” umhängen hat. Schau genau hin, dann siehst du ihn den Wiesnspirt. Er ist da, überall und auch in dir, wenn du das möchtest.

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Spätestens wenn um 23 Uhr die letzten Gäste das Zelt verlassen, dann geht er auch langsam heim. Sorgt hier und da noch dafür, dass manche Raufereien gut ausgehen, dass Streitigkeiten doch noch ein gutes Wort am Ende finden und weil er weiß, dass er nicht alles ändern kann, kann er sich auch für ein paar kostbare Stunden zur Ruhe legen.

Auch der Isarwinkler geht langsam heim, vielleicht bleibt der ein oder andere noch im Weinzelt hängen. Im Grunde aber meidet der Isarwinkler die Wiesn nach Mitternacht, wie der New Yorker den Central Park um diese Zeit. Er ist froh, wenn er die letzte BOB schafft und wieder auf den Weg nach Hause ist. Schnell noch eine Fischsemmel oder einen Steckerlfisch gekauft oder gebrannte Mandeln und Magenbrot für die Daheimgebliebenen. Ein konserviertes Stückerl vom Wiesnspirit. Müde, aber erfüllt vom Selbigen und von dem Gefühl, dass er genau weiß, wo er hingehört. Und weil sich in der letzten BOB wieder alle treffen, vereint und glückselig, gibt es ihn ganz sicher auch, den Isarwinkler Spirit, da bin ich mir ganz sicher. Kleiner, nationaler, aber trotzdem allumfassend.

Ich wünsche dir, dass du bereit bist für den Wiesnspirit und das seine Kraft auch dieses Jahr wieder ausreicht für eine friedliche Wiesn. Ich wünsche dir, dass es dich berührt und so erfüllt, dass du dieses Gefühl das ganze Jahr über bei dir trägst und von ihm zerrst. Bis zur nächsten Wiesn. Aber noch sind wir mittendrin…

aus ganzem Herzen M.

 

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Der Ernst des Lebens ist in Wahrheit lustig

Der Ernst des Lebens ist in Wahrheit lustig

Als im August der letzte Tag im Kindergarten nahte, hatte es angefangen. Dieses Gefühl, das besonders alle Eltern und auch sonst die meisten von uns irgendwann einmal kennenlernen.  Das Lebensabschnittsgefühl. Ich sah Leni vor mir, erinnerte mich genau an den allerersten Kindergartentag in der Biberbande. An die Tränen, ohne die es nie ganz geht. An diese Aufregung und die Neugier auf das Unbekannte die auch immer mit dabei ist, wenn etwas Altes geht und etwas Neues kommt. Die Erinnerungen stiegen ganz langsam vor mir auf, so wie Seifenblasen, die sich kurz in den schillernsten Farben vor meinen Augen präsentieren, bevor sie langsam Richtung Himmel fliegen, um erst dann leise zu zerplatzen, wenn ich es nicht mehr sehen kann.  Leni beim Kinder-Yoga, das Kuh Zeichen an der Garderobe, das jetzt zu Leonhard gehört und meine Hand die sie bei unseren ersten Malen auf dem Weg zum Kindergarten so fest gehalten hatte, dass ich sie am liebsten gar nicht mehr los gelassen hätte. Und nicht zu vergessen der Tag an dem Leni sechs wurde,  sich für einen Tag plötzlich in Elsa verwandelte und drauf bestanden hatte im Eiskönigin Kleid zum Kindergarten zu gehen schreiten.

Doch auf einmal war er dann da, der letzte Kindergartentag. Mein Herz war bis zum Rand gefüllt mit Wehmut und tiefer Dankbarkeit für diese wunderbaren Jahre. Wäre meiner Tochter auch nur ein Wort der Rührung über die Lippen gekommen, dann wäre dieses Herz definitiv übergelaufen. Doch Leni verabschiedet sich, souverän. Ist traurig und ist froh, aber eigentlich schon nicht mehr da. Zitternd hielt ich die Kamera in der Hand, aber keiner bemerkt es. So schickte ich in Gedanken nur noch einen stillen Gruß zu den heiligen Räumen in dieses kleine, behütete Nest der Isarbiber und zu unseren Erzieherinnen, weil sie so sind wie sie sind.

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Die Sommerferien vergehen. Wie erwartet unsagbar schnell und wir schweben weiterhin in diesem Vakuum des Lebensabschnittsgefühls, solange bis die Vorfreude alles übersteigt und der erste Schultag näher rückt.

15.September.2015/ 9 Uhr Wir stehen in der Aula der Wackersberger Grundschule und die Erinnerung an meinen ersten Schultag vor ungefähr 28 Jahren sind so klar und präsent, als wäre es gerade erst passiert. Ich sehe mich mit meinem pinken Pferdeschulranzen und damals noch selbstgekaufter Schultüte, genau an diesem Ort stehend. Deja vu. Als wir nach oben in die Klassenzimmer geführt werden, stehen die älteren Kinder der Schule den ganzen Weg von der Aula bis dorthin Spalier und die Schulhymne singend “I moag mei Wackersberg, i moag mei Fischbach, i moag die hohen Berg…” Herzschluchz. Gänsehaut. Der Schulchor hallt noch lange durch das ganze Schulhaus, als wir schon lange in den Klassenzimmern angekommen sind. Meine Blicke wandern durch die Räume die so anders sind als damals und doch erkenne ich alles wieder. Meine Gedanken fliegen zu dir…

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Meine allerliebste große Tochter,

jetzt bist du also ein Schulkind. Es ist an der Zeit, das spüre ich, aber trotzdem kann ich es fast nicht glauben. Du hast mich schon so oft überrascht, dass ich eigentlich gar nicht mehr überrascht sein müßte, wenn du das tust, aber heute hast du es wieder geschafft. Wie selbstverständlich und stolz du doch deinen Schulranzen trägst, so als hättest du genau das schon immer getan. Irgendwann bald, wirst du diese Zeilen selbst lesen können. Wie sehr ich mich doch für dich freue und auf alles was vor dir liegt. Ich wünsche dir, dass du eine ganz wundervolle Schulzeit hast! Dass du viele gute Freunde findest, tolle Lehrer und dort einfach eine gute Zeit hast. Ich  wünsche dir all die großen, wichtigen Dinge: dass du gesund, glücklich, mutig und stark bleibst.  Und wenn ich mir jetzt Fächer aussuchen könnte in denen du lauter Einser schreiben sollst, dann wären das keine Fächer wie du sie aus der Schule kennst:  Ich möchte, dass du träumen kannst. So gut, dass du manches Mal nicht mehr in der Lage bist zu unterscheiden, ob es nur ein Traum oder ob es die Wirklichkeit ist, die du siehst und glaube mir, genau das ist der beste Weg, damit deine Träume tatsächlich wahr werden können. Träume ausschließlich groß  und verteidige deine Träume wie eine Löwin, denn es wird dir sicher jemand begegnen der dir sagen wird, es wäre nur Zeitverschwendung. Sei geduldig und lerne zu warten und es wird zu dir kommen, das verspreche ich dir. Alles fängt mit einem klitzekleinen Gedanken an, einem Wunsch, einem Gefühl…warte bis es stark genug ist und dann gehe los, dahin wo dich dein Herz trägt. Und ich wünsche dir du bist gut im Verzeihen. Fehler machen gehört einfach dazu. So mache viele Fehler, aber lerne daraus. Es ist der schnellste und beste Weg um zu wachsen. Halte an nichts fest. Nicht an den Dingen und nicht an dem was gehen will. Es ist immer ein Zeichen, dass etwas Besseres nach kommt. Vertraue. Glaube – an dich und daran, dass es eine Kraft gibt die uns führt und zusammen hält. Es wird Zeiten geben in denen du diesen Anker in dir brauchen wirst. Und zu guter letzt, wünsche ich dir, dass du immer so lieben kannst, wie du es jetzt tust. Bedingungslos, so ehrlich, so rein, so dass es mich jedes Mal wieder in Mark und Bein erschüttert, wie es das jetzt tut, wenn ich in dein großes, gutes Herz sehen darf.  Alles andere sind nur Nebenfächer, Rechnen sowieso;-). Ich wünsche dir, dass du immer offen dafür bist zu lernen. Das du in Menschen lesen kannst wie in einem Buch, weil sie erzählen die großartigsten Geschichten. Ich wünsche dir und mir, (und uns) dass wir ein Leben lang in Verbindung bleiben. Weißt du noch, als du mir die Frage gestellt hast, was ich glaube, was mit uns passiert, wenn wir sterben? Ich habe dir gesagt, dass ich glaube, dass wir alle einmal wieder in den Himmel zurückgehen und uns überlegen, welche Rollen wir beim nächsten Mal auf dieser Erde spielen möchten. Da hast du gefragt: ” Aber Mama wie erkennst du mich dann?” Dann hast du lange überlegt und meintest: “Jetzt weiß ich’s, ich bin die mit dem Erdbeer-Bikini.” Ja, Leni das bist du. Die mit dem Erdbeer-Bikini und der Delfinschultüte. Und ja kein rosa. Ich werde dich immer wieder erkennen, da kannst du dir sicher sein…

In unendlicher Liebe deine Mama

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P.S. Der Ernst des Lebens ist in Wahrheit und das was du daraus machst und ich bin mir sicher, er ist so ziemlich lustig in deinem Fall!

Und was wünsche ich dir? Ich wünsche dir, dass du wachsam bist. Dass du bereit bist ein Leben lang zu lernen. Das du neugierig bleibst wie ein Kind und hungrig auf das Leben, weil das Alter keine Rolle spielt, sondern nur ein “Nebenfach” ist. Und das du nie aufhörst zu träumen. Träume groß und bunt! Aus ganzem Herzen M.

Im Fluß sein und der ganz besondere Sonntagsausflug

Im Fluß sein und der ganz besondere Sonntagsausflug

Warst du heute schon beim Canyoning oder kommst du gerade vom Gleitschirmfliegen? Vielleicht geht’s ja später noch zum Surfen in den Walchensee oder du paddelst gemütlich auf dem Sup (für alle die’s noch nicht gehört haben: Stand Up Paddeling, also wenn man stehend auf dem Surfbrett paddelt) die Isar runter? Es gibt so viele “Funsportarten” im Isarwinkel und der Alpencampingplatz wimmelt gerade zu von bewegungssüchtigen Abenteurern, kreativen Freigeistern und lebenshungrigen Sportlern aus aller Welt. Einer davon ist Ted Gertin aus Chile. In regelmäßigen Abständen taucht Ted immer einmal wieder bei uns auf. Er baut sein kleines Zelt am liebsten bei dem Bergerl auf der Wiese irgendwo zwischen den Dauercampern auf und ist uns jedes Mal ein äußerst gern gesehener Gast. Am Wochenende erzählte er mir und Tom an der Alpencampingrezeption, daß er morgen mit seinen Kindern eine Rafting Tour von Lenggries nach Bad Tölz macht und fragt uns, ob wir mit wollen. Wir lachen. “Ja, ja und dann fällt noch einer rein…Nein, im Ernst? Echt? Ja, klar wir kommen sofort mit!” Und am Sonntag war es dann soweit. Wir treffen uns um 10.30 Uhr bei Montevia, der Eventagentur in Lenggries bei der Ted arbeitet. Eine Gruppe wird gerade in Neoprenanzüge mit gelben Helmen verpackt, eine andere bekommt zeitgleich auf bequemen, in kreisform angeordneten Liegestühlen eine Einweisung über den anschließenden Raftingverlauf. Ted stellt uns seine bezaubernde Frau Timcsi und seine ebenso zuckersüßen Kinder Marisol und Eliel vor. Marisol ist 6 und bald ein Schulkind, so wie Leni. Und Eliel ist 5, Kindergartenkind, so wie Tommy. Paßt doppelt und perfekt. So wie das Wetter heute. Warm, aber nicht heiß. Wolken und Sonne. Ted verteilt Schwimmwesten und Paddel für alle und wir tragen das Boot einmal quer über die Straße zur Isar, wo es Ted und Timcsi noch einmal aufpumpen und wir alle „wichtigen“ Sachen in wasserdichte Riesensäcke verteilen.

IMG_8258Wir sehen uns um. Was hier alles los ist am Sonntag. Der alljährliche Isarlauf, Floßerfest in Lenggries, Seifenkistenrennen und Tölzer Tollhausfestival…wir für unseren Teil sind das nicht gewohnt. Sonntagsausflüge sind selten und wenn dann meistens in zwei Gruppen aufgeteilt so wie heute. Papa ist in Gruppe 1, den haben wir nämlich zu Hause am Herd gelassen. Gruppe 2 ist startklar.

Wir heben das Boot langsam in die Isar und wenig später sind wir auch schon mittendrin und treiben gemächlich vor uns hin. Ted gibt kurze, kindgerechte Paddelinstruktionen und erklärt wie wir uns beim Durchqueren der gleich folgenden „Isarburg-Stromschnellen“ verhalten sollen. Bei „alle ins Boot“ müssen alle in die Mitte des Bootes (dacht ich’s mir) und ein paar Tricks beachten z.B. wie man das Paddel richtig hält. Ein paar Mal geübt, alles verstanden. Die Kinder sind hellauf begeistert und wir alle fühlen uns wie echte Piraten auf hoher See! Was irgendwie noch authentischer wirkt, wenn Marisol und Eliel mit Mama und Papa spanisch reden. Für mich reden Piraten sowieso immer schon spanisch. Vamous pirata! Da Timcsi zur Hälfte aus Ungarn kommt, sind unsere Piraten dreisprachig unterwegs. Sagenhaft!

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Was mich immer wieder fasziniert ist, das sich die Isar nach jedem Hochwasser wieder komplett verändert. Das Ufer ist auf einmal auf der entgegengesetzten Seite, die Isar fließt links statt ursprünglich rechts und umgekehrt. Der Tag fließt überhaupt so herrlich dahin. Ich kenne ihn ja in und auswendig den Isarweg von Lenggries nach Bad Tölz. Ich frage mich wie viele Kilometer ich auf dieser Strecke schon geradelt und gelaufen bin? Jetzt ist auf einmal alles neu, eine ganz andere Perspektive. Irgendwie ruhiger, entschleunigter, so entspannt.

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Fast wie wenn man in einem Freiluft-Zug (ohne Dach) sitzt und die Landschaft an einem ganz laaangsam vorbei zieht. Immer wieder entdecke ich Dinge die ich so noch nie gesehen habe. Als wir in Arzbach angekommen sind meinen unsere Kinder, daß es hier ausschaut wie daheim, ja wir sind ja auch daheim. Sie erkennen ihren Kindergartenradlweg und sind erstaunt. Also er funktioniert auch hier, der Perspektivenwechsel.

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Wenig später machen wir eine kurze, herzhafte Brotzeitpause in Klein-Kairo. Ich frage Ted was aus Karl Heinz Fett geworden ist. Eine äußert interessanten Geschichte die ich vielleicht ein andermal hier erzählen darf. Karl Heinz Fett war ein ehemaliger Obdachloser, der einfach nur so angefangen hat an diesem Teil der Isar aus Steinen meterhohe Pyramiden zu bauen. Er hat sich selbst auch ein kleines Haus aus Steinen gebaut und dort in Arzbach in Klein-Kario wie er die kleine fiktive Stadt benannt hat, gelebt.

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Später wurde daraus eine Sehenswürdigkeit und die Stadt  Tölz hat Karl Heinz eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Derzeit lebt er in der Lebenshilfe in Bad Tölz. Er ist zu alt geworden, um die schweren Steine zu heben und von Klein-Kario stehen nur noch die vom Hochwasser verschonten Ausmauern. Eine von vielen unglaublichen Geschichten die uns die Isar erzählt.

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Die Ruinen der ehemaligen Wohnung des Pyramidenbauers

 

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Während wir essen, versteckt Ted den Piratenschatz für die Kinder. Fazit: Durch Stromschnellen fahren und Schatzsuchen macht Kinder glücklich.

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Und weil das so ist, geht’s auch schon bald weiter nach Bad Tölz. Ted macht Piratenmusik auf dem Handy an, wir spielen lustige Spiele bei dem sich das Boot dreht, wackelt und schauckelt.

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Um 14 Uhr sind wir am Moraltpark angekommen. Muy felix.

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Die Zeit verging so schnell, unglaublich. Unsere Kinder tauschen Telefonnummer aus, ob’s das bei den Piraten damals auch schon gab? Lieber Ted, liebe Timcsi, liebe Marisol und lieber Eliel, danke aus ganzem Herzen, daß ihr uns auf diese ganz wundervolle, kleine Reise mitgenommen habt. Besser hätte ein Sonntagsausflug nicht sein können.

Ich wünsche dir, daß du immer einmal wieder die Gelegenheit bekommst die Perspektive zu wechseln und die Dinge anders sehen kannst. Und daß das Gefühl “im Fluß zu sein” dich begleitet. Du musst nur los lassen und vertrauen. Am Ende kommst du immer an. Ganz von selbst.  Aus ganzem Herzen M.

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Die Flüchtlinge, du und ich

Die Flüchtlinge, du und ich

Wie paradox es sich doch anfühlt, wenn man in unseren „heilen Welt“ lebt und ich hier in diesem Blog über die Sonnenseiten im Leben schreiben darf, aber doch genau weiß, dass es da draußen genügend Menschen gibt, denen es momentan alles anders als gut geht. Die täglich neuen Bilder über die Flüchtlingswelle nach Europa machen sprachlos und erschüttern uns zutiefst. Wir haben genügend zu Trinken und genug Nahrung, sogar in solchen Mengen, dass wir uns Gedanken darüber machen nicht zu viel zu Essen, um nicht zu zunehmen. Die wenigsten von uns wissen was es bedeutet richtig Hunger zu haben. Die Wasserqualität ist so gut, dass wir qualitativ hochwertiges Trinkwasser aus der Leitung trinken und es sogar zum Waschen oder einfach für die Toilettenspülung verwenden können. Wir haben die Möglichkeit zu werden wer wir sind oder einfach so bleiben, wie wir es für richtig halten. Wir können jederzeit in jedes x-beliebige Land reisen, wann und wohin wir wollen. Wir können unsere Meinung sagen oder auch nicht, ja wir dürfen uns sogar aussuchen, wen wir heiraten oder in welcher Lebensform wir gerne leben möchten. Wir dürfen uns weiterbilden, lesen, jede Art von Medien nützen, um informiert zu bleiben und wenn wir einmal krank sind, haben wir auch noch ein ziemlich rundum versorgendes Gesundheitssystem, dass uns wieder auf die Beine hilft. Vorausgesetzt wir sind nicht ernsthaft krank. Alles andere haben wir in der Hand. Doch wenn es um die Gesundheit geht, werden wir demütig. Wir bewundern todkranke Menschen, wie sie ihr Schicksal meistern, wie offen und ehrlich sie oft mit dem Sterben umgehen, wir selber hätten nicht den Mut dazu. Vielleicht ist es genau dieses Kraft, die dann entsteht, wenn man weiß, das Leben ist endlich. Wenn man weiß, meine Träume muss ich schon selbst erfüllen, sonst tut das keiner. Zumindest kann ich schon mal einen erheblichen Schritt dazu beitragen, wenn ich darauf zu gehe. Wie gerne würde man die „großen Träume“ oft noch zur Seite legen und für später aufheben. Aber Träume wollen gelebt werden und manche Träume sind so hartnäckig, dass sie ein Leben lang an einem kleben bleiben und einen regelrecht verfolgen. Ein nicht gelebter Traum ist wie eine leere Hülle. Wie die ein Heißluftballon in dem keiner mitfliegt, weil es zu mühsam ist ihn auf steigen zu lassen. Doch es wäre jede Mühe wert, aber das wissen wir ja nicht, wenn wir am Boden bleiben.  Ist uns denn nicht allen klar, dass auch für uns irgendwann unsere Zeit gekommen ist und wir in dieser Form endlich sind. Das wir nie wissen, wie viel Zeit uns noch bleibt und das wir damit alle in einem Boot sitzen. Das tun wir sprichwörtlich wirklich. Mittlerweile ist die Flüchtlingswelle überall angekommen. Sogar bei uns in Lenggries, Bad Tölz… zwar noch nicht so ausgeprägt wie in den Großstädten, aber sie ist da. Im Grunde sind wir doch alle Menschen die hier auf dieser Erde leben. Alles ist geliehen und so sehr wir auch an unseren wunderbaren Leben hängen, irgendwann müssen wir es wieder abgeben, wie einen geliehenen Mantel an der Garderobe. Deswegen kann (vielleicht genau darum) das Leben ein riesengroßes, unglaubliches Geschenk sein. Eine großartige Chance. Das Leben ist endlich, aber auch unendlich kostbar.

Ich bin in Oberbayern geboren. Bin ich dann Bayerin, Deutsche oder eher Europäerin, alles zusammen oder einfach nur eine von geschätzten 7.3 Milliarden Menschen der Weltbevölkerung. Habe ich denn ein Recht darüber zu bestimmen, wer in meinem Land leben darf und wer nicht, nur weil ich zufällig da geboren bin und ist es genau genommen überhaupt „mein Land“? Wie kann ich denn über die Situation von den Flüchtlingen überhaupt urteilen, sie werden sicher ihr Leben nicht ohne triftigen Grund riskieren. Würden wir in ihrer Situation nicht genauso handeln? Die Menschen kommen in unser Land, weil sie schlichtweg Todesangst haben und einen Traum vom guten Leben an einem sicheren, friedlichen Ort. Man liest so viel, man sieht und hört soviel. Bilder von toten, vom Meer angespülten Kindern, verzweifelten Menschen, Reportagen über die Zustände vor Ort bis hin zu rassistischen Parolen die in Neonfarben über die Eingangstüre von Flüchtlingsunterkünften geschmiert wurden. Und doch wissen wir viel zu wenig darüber, um sich ein aussagekräftiges Urteil bilden zu können. Was kann man tun? Wie kann man am besten mit dieser Flüchtlingswelle mit schwimmen ohne unter zu gehen, wenn man doch hin und her gerissen ist, zwischen Bedenken ob nicht alles doch irgendwann einmal kollabiert, reiner Menschlichkeit und Mitgefühl für die Flüchtlinge. Ich habe keine Ahnung und die eine richtige Lösung gibt es wohl nicht. Die Welt ist global geworden. Jede Handlung sei sie auch noch so klein, betrifft uns alle. Konkret: Wenn ein Baum im Regenwald abgeholzt wird, mag das noch kein Vergehen sein, in der Menge aber schon und das hat dann wiederum Auswirkungen auf die ganze Erde. Ob ich nun in China oder Norwegen lebe. Wenn irgendwo auf der Welt Krieg ist, hat das auch Konsequenzen für alle von uns. Wir sind alle eins. Das ist Fakt. Nun kann man das Ganze auch umdrehen. Je mehr jeder für dieses große Ganze einsteht, es liebt und verteidigt, um so mehr kommt zu uns allen zurück. Wir sollten die Flüchtlinge in „unserem Land“ willkommen heißen. Jenseits der Frage, ob es nicht andere, vielleicht sogar bessere Lösungen gibt, als die zwangsweise mit erheblichen Gefahren verbundene Flucht nach Europa, welche auf Dauer keine nachhaltige Lösung sein kann. Und trotzdem: habe keine Angst vor dem Unbekannten! Habe keine Angst vor Veränderung! Das hat uns in der Vergangenheit immer mehr gelähmt, als weiter gebracht. Es gibt überall „gute“ und „schlechte“ Menschen, das hat nichts mit Herkunft und Hautfarbe zu tun. Wenn es mittlerweile auch nicht mehr allzu viele Zeitzeugen gibt, dann gab es in Deutschland dennoch auch einmal eine Zeit, in der wir dringend Hilfe gebraucht haben. In der unser Land auch Opfer eines kalten Krieges gewesen ist. Immer schon gab es selbstlose Menschen, die geholfen haben. Die sogar ihr Leben riskierten, um zum Beispiel jüdischen Menschen Unterschlupf zu gewähren. Heute sind das genau die Leute, die Flüchtlingen entgegen manch abschätzigem Blick der Nachbarn bei sich zu Hause aufnehmen. Zwar nicht mehr unter Lebensgefahr, aber aus Überzeugung und unabhängig der Meinung anderer.

Ich wünsche dir, dass du mit den Herzen handelst, in jeder Situation. Das du an das Gute glaubst und keine Angst hast, daran fest zu halten. Wenn wir uns darauf ganz einlassen, besteht immer Hoffnung und denk dran: Wunder geschehen dann, wenn es an der Zeit ist.
P.S. Ich wollte diesen Blogeintrag ohne Titelbild schreiben, denn was könnte ich denn auch einstellen was einigermaßen passend ist? Doch dann ist mir beim Ausräumen unseres Wohnzimmers zufällig dieses Bild vor die Füße gefallen. Sofort war er wieder präsent. Dieser Tag im Schwimmbad. Diese Zeit in Peru. Mein Herz klopft laut und die Erinnerungen sind für mich abrufbar, wie der Refrain eines Lieblingsliedes, welchen man nie vergisst, weil er sich für immer unwiderruflich eingeprägt hat. Damals war ich gerade zwei Monate in Hogar de San Louis, einem Heim für Straßenkinder in Arequipa, Peru. Ich weiß heute gar nicht mehr so sehr, warum ich damals dort hin gereist bin, ich weiß nur, dass ich es irgendwie musste. An diesem Tag sind wir mit den Kindern in ein kleines, öffentliches Schwimmbad gegangen. Der Tag war so ausgelassen, so leicht, so wunderschön. Ich weiß nicht genau was da passiert ist, es war wie ein perfekter Tag im Paradies. Obgleich es das ja offensichtlich nicht war, weil alle äußeren Umstände dagegen sprachen. Aber er war es doch und wir alle haben es damals gefühlt, da bin ich mir ganz sicher. Als ich mich am Ende meiner Zeit vom Hogar und den Jungs (es war ein Heim für Jungen) verabschiedete, liefen wir tagelang die Tränen wie Sturzbäche über die Wangen. Vor Glück, Verbundenheit und Dankbarkeit. Ich war so ergriffen von diesen Kindern, von ihren Talenten, von ihren ganz unglaublichen Potentialen, wobei sie selber doch so wenig an sich glaubten. Ich denke, sie haben damals gespürt, dass ich sie ganz sehen kann. Mit all ihrer Schönheit & Stärke und all den wunderbaren Schätzen die in ihnen lagen. Was hat das mit der Flüchtlingswelle gemeinsam? Wenn wir offen sind, keine Angst haben uns zu begegnen, dann kann dieses Wunder geschehen. Wir müssen nur richtig hinschauen und das Beste in jeden Menschen erkennen. Komm lass uns Freunde auf Zeit werden, komm lass uns leben. Zusammen. Egal wie kompliziert das Problem ist, lass es uns annehmen. Lass uns auf einander zu und vielleicht ein Stück gemeinsam gehen. Hinter jeden Menschen steckt eine einzigartige Persönlichkeit, eine Geschichte, die erzählt werden möchte, du musst nur zu hören. Statt Enge und Angst, wünsche ich dir Vertrauen und Freunde auf der ganzen Welt. Auch wenn’s gerade schwierig ist und genau deswegen. Und weil es am Ende wieder die Liebe ist, die uns alle trägt. Love, no war. Aus ganzem Herzen M.

Titelbild/ Irgendwer aus Arequipa, zu einer Zeit in der es noch Filme zum Entwickeln gab Anmerkung: Wir haben versucht auf diesem Bild nicht zu lachen. Anders als bei den „Cheese-Bildern“ haben wir vor uns her gebrummt. Bedingt gelungen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-04/fluechtlinge-fluechtlingspolitik-eu-mittelmeer-frontex

http://www.welt.de/politik/deutschland/article144535152/Warum-die-Fluechtlingswelle-nicht-zu-stoppen-ist.html

Der Arzbach – eine Liebeserklärung

Der Arzbach – eine Liebeserklärung

Mein liebster Arzbach,
jetzt kennen wir uns schon 34 Jahre und noch nie habe ich dir gesagt, was du mir tatsächlich bedeutest. Wie verliebt ich doch von Anfang an in dich war, damals als ich einen meiner ersten Schritte in dir gemacht habe. Was für ein Segen dich zu haben und neben dir aufwachsen zu dürfen! Über alle die Jahre bist du wie ein fester Anker für mich geworden. Weißt du noch die Indianerspiele und die Baumhäuser die wir immer in deiner Nähe gebaut haben? Ich fühlte mich grenzenlos frei neben dir und unendlich stark. Ich habe immer gedacht der Arzbach ist das Tor zur Welt und wenn wir unser Floß nur groß genug bauen würden, dann würden wir es eines Tages bis in Schwarze Meer schaffen.

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Weißt du noch, diesen wunderbaren Sommer, als wir unser Strandcafe eröffnet haben? Wir haben Sonnenschirme, Liegen und alles was wir sonst noch finden konnten nach hinten zu dir geschleppt und Sandkuchen aus Brombeeren und Grashalmen gebacken. Und Staudämme haben wir gebaut, meterhoch! Denn so kam es uns wirklich vor und wenn nach einem Gewitter alles wieder weggeschwemmt wurde, haben wir alles wieder aufgebaut, so als wäre es die normalste Sache der Welt. Unser Strandcafe war dann aber doch zu versteckt, als das daraus wirklich etwas werden hätte können. Damals waren deine Wege wild, verwachsen und verschlungen, wie die Arme eines Riesenkraken und dennoch fühlte ich mich in dir geborgen und gut aufgehoben. Denn das hast du immer getan: gut auf mich aufgepasst. Mein Platz war in deiner Nähe, dass wußte ich ganz genau. Einmal im Sommer 1990, ich war 9 Jahre alt, da konnte ich deine ganze Kraft sehen und spüren. Das erste und hoffentlich letzte Hochwasser, das ich mit dir erlebt habe. Für uns Kinder war das alles ein großes Abenteuer, weil wir die Tragweite noch nicht fassen konnten. Aber Gott sei Dank ist außer den Dingen niemanden etwas passiert. Die Geschichten von deinem großen Ausbruch, hallen bis heute in meinen Ohren nach. Man versuchte dich zu bändigen und aus den verwunschenen Riesenkrakenarmen ist heute tatsächlich ein ganz zahmes, großes Bächlein geworden. Aber wenn man genau hinschaut und das tue ich immer noch, dann kann man dein raues, leidenschaftlich und wildes Naturell immer noch erkennen.

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Was ich alles mit dir erlebt habe: meine ersten Schwimmversuche im Alpenbad, unsere stundenlangen Wanderungen und sogar meinen ersten Kuß. Wie könnte ich das alles vergessen? Jetzt habe ich auch noch das große Glück, dass auch unsere Kinder mit dir aufwachsen. Ich wünsche mir so sehr, dass sie ihre eigenen Geschichten mit dir erleben dürfen. Geschichten, die sich in ihr Herz einbrennen und zentimetertiefe Furchen hinterlassen, so wie in meinem. Vielleicht eröffnen sie irgendwann einmal ihr Strandcafe zudem echte Gäste kommen und nach Brombeergras-Sandkuchen fragen.

Die Wahrheit ist, ich habe dich immer geliebt, vom ersten Augenblick an und wahrscheinlich noch mein ganzes Leben lang. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es je anders gewesen sein konnte. Ich kenne so viele Stellen in dir, die nur ich sehen kann, so viele versteckte Orte und Winkel, die nur uns gehören. Und manches Mal, wenn uns die Luft zum Einatmen fehlt, weil gerade ganz viel um uns herum los ist, dann nehme ich meinen Mann und unsere Kinder an die Hand. Es sind nur ein paar Minuten dann sind wir da, bei dir, mittendrin und dann atmen wir tief ein und ganz langsam aus. Weil es hat schon John Lennon gesagt, don’t forget to breath in, unless you breath out.

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Abendspaziergang

Seitdem ich denken kann, trinken wir unser Wasser aus deiner Quelle, die so rein und klar ist, wie du für mich. Du warst meine erste große Liebe und sind dir auch noch viele große Lieben nachgefolgt, so kann ich dir gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass du immer noch an meiner Seite verweilst. Du bist meine Sicherheit, meine Heimat,  mein Urvertrauen und ein Stück von meinem Herz wird dir auf ewig gehören. Weil ich dich aus ganzem Herzen liebe. In tiefer Verbundenheit, deine M.

Und dir wünsche ich, daß du einen Ort (oder mehrere Orte) findest, der dich mit Liebe überschüttet. Einen geschützten Raum nur für dich, an dem du immer zurückkehren kannst, wenn auch nur in Gedanken und egal wie laut es auf dieser Welt gerade ist. Einen Ort an dem du zu Hause bist.

Das wünsche ich dir aus ganzem Herzen. M.

Wenn du willst lies gerne auch meinen post 7 Geheimtipps für den Isarwinkel

 

Alpenbad/Arzbacher Wasserfall;-)

Titelbild und Bilder M.Linke

Der magischer Moment und warum Berge der beste Ort dafür sind

Der magischer Moment und warum Berge der beste Ort dafür sind

Seit Langem schaue ich schon von hier unten rauf. Sehnsuchtsvoll. Verliebt. Besonders abends wenn die Sonne rotgolden hinter den Bergen versinkt und nur die Sunntratenspitze noch in hellem, lodernden Licht leuchtet, dann würde ich am liebsten da ob auf den kleinen Bankerl sitzen. Jetzt am Donnerstag war es endlich soweit: Ruhetag, Feierabend in der Alpencampingrezeption und ein Jetzt-oder-nie-Gedanke. Wer weiß wie lange der Sommer noch bei uns bleibt und die Sonntraten an einem lauen Sommerabend ist im wahrsten Sinne …einfach wundervoll! Die großen Kinder waren mit meinem Mann bei meinen Schwiegereltern und somit bestens versorgt, Baby Kati konnte bei Oma Betty unterschlupfen und somit habe ich in Windeseile meine Bergschuhe und unseren französischen Ferienjobbler Jaques eingepackt und bin los. Ich fühlte mich leicht, fast beschwingt und jeder Schritt nach oben fühlte sich an wie die ersten eiskalten Schlücke Wasser die man nach einer langen Zeit Durst aus einer glasklaren Quelle trinkt. Irgendwie fast lebenswichtig. Wir kraxelten querfeldein, sollte man nicht tun, ich weiß, aber der Weg ist so einfach noch schöner, als er ohnehin schon ist. Entlang dichtbewachsenen Brombeersträuchern, durch Zäune und Geäst hindurch, vorbei an graskauenden Geißböcken und glücklichen Kühen.

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Die Sonne war beinahe untergegangen und wir versuchten euphorisch noch schneller nach oben zu laufen, um pünktlich zum Sonnenuntergang noch auf dem Bankerl zu sitzen. Doch auf einmal war er da, der magische Moment. Wir haben es zwar nicht mehr bis zum Gipfel geschafft, aber das war ja dann auch egal. Vor uns färbte sich der Himmel in den allerschönsten Farben. Lila, Blau, Orange, Rot…Wir hielten an und staunten. Ein paar Minuten standen wir einfach nur so da. Man kann manches Mal so schwer beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn so ein Augenblick wie dieser daher kommt. Es ist ein Gefühl in dem sich ganz plötzlich ein unendlich tiefer Frieden überall um und in einem ausbreitet und sich wie ein sanfter Schleier über alles und jeden legt. Ich glaube, jeder der öfter und gerne auf die Berge geht, kennt es. Das Gipfelglück. Man ist dem Himmel so nah, körperlich und geistig.

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Kurze Zeit später sind wir dann tatsächlich oben angekommen. Das Bankerl is frei, Brotzeit und Getränke werden ausgepackt. Wir reden über all die Dinge in der die letzten drei Wochen wenig oder noch keine Zeit war. Dann schleicht sich kurz der Gedanke ein, was für ein idealer Rahmen das für diesen Blog wäre. So wie das Gipfeltreffen von Werner Schmidbauer, nur halt ohne Promis. Ich werde mir für’s nächste Mal, ein paar Fragen überlegen und für euch jemanden auswählen von dem ich finde, daß er wirklich Interessantes zu erzählen hat. Das hätte Jaques auch, da bin ich mir ganz sicher. Es kommt mir irgendwie so vor, daß man sich leichter öffnet während so einer Bergwanderung. Die Gespräche kommen aus der Tiefe, vielleicht weil man alleine schon optisch einen anderen Abstand und Blickwinkel zu den Dingen bekommt. Da sitzen wir nun schweigend auf unserem Bankerl, aber nicht weil es nichts zu sagen gibt, sondern weil gerade alles gesagt ist. Es ist alles gut.

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Als wir wieder ins Tal wandern leuchtet der Mond (fast Vollmond) und die Sterne für uns. Schon wieder ein magischer Moment. Heute läuft’s aber auch! Ich wünsche mir Jaques kann diese spontane Bergtour und seine Zeit bei uns im Arzbacher Hof mit nach Frankreich nehmen. Wenn es auch nicht einmal ein Monat war in der er bei uns war. Für uns war er eine Bereicherung in jeder Hinsicht und wir sind sehr dankbar, daß wir ihn und seine Familie ein bisserl kennen lernen durften.
Ich wünsche dir, Begegnungen die dein Herz berühren und Berge (und magische Orte) die das auch tun. Und wenn er dann kommt DER magische Moment, dann halt kurz inne und öffne dein Herz soweit es geht, bevor er wieder weg ist. Magische Momente ziehen schnell vorüber, das liegt in ihrer Natur. Wenn ich an dieser Stelle passend zu Frankreich den kleinen Prinzen sprechen lassen könnte, dann würde er sicher sagen, man sieht nur mit den Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Ich wünsche dir, dass du sehen kannst aus ganzem Herzen M.

Lese über die Suntraten (auch Sonntraten geschrieben) im Post “7 Geheimtipps für den Sommer im Isarwinkel”

www.auf-den-berg.de/wandern/bayern/wanderung-auf-die-sonntraten-bei-lenggries

www.hoehenrausch.de/berge/sonntraten/index.php

Spatzl as’ Böfflamott is ma verbrennt

Spatzl as’ Böfflamott is ma verbrennt

Einmal kurz nicht aufgepaßt und schon ist es passiert, das ganze Böfflamott für den Sonntag verbrannt! Mein Mann hat es gestern vergessen, als er sich nach Feierabend noch ein bisserl ausgiebiger mit unseren Gästen unterhalten hat. Er hat’s erst gemerkt, als es schon zu spät war und das Böfflamott sich bereits unverschämt hartnäckig in allen Winkeln des Topfes verkrustet hat. Das ganze Haus roch nach angebranntem Böfflamott! Ein undefinierbarer, einzigartiger Geruch, der mit nichts zu vergleichen ist. Sollte ich jemals wieder in den Genuss kommen, verbranntes Böfflamott zu riechen, ich würde es sofort wieder erkennen. Mein Mann jammerte, wie andere über tagelangen Stromausfall im Hauptverteilerkasten oder zumindest bei einem Wasserrohrbruch. Ich empfinde echtes Mitleid aus mehreren Gründen. Erstens: für einen weiteren sinnlosen Tod eines Tieres. (für die Squaw in mir ist das doppelt bitter) Zweitens: für den, den es letztendlich zum Reinigen des Topfes erwischt ( ich nehme an unseren fleissigen Ferienjobbler aus Frankreich Jaques oder unseren Azubi Kili) Drittens: für unsere Gäste, die sich schon so auf ihr Sonntags-Böfflamott gefreut haben. So ist das nämlich, wenn man sich auf ein Gericht eingeschossen hat, dann wirkt jede Alternative auf einer noch so umfangreichen Speisekarte so, als würde man einem Weinkenner Traubensaft anbieten, weil gerade der Rotwein ausgegangen ist. Und viertens und zu guter letzt für meinen Mann. Jeder der ihn einmal beim liebevollen Würzen der Schweinshaxen erlebt hat, der kann garnicht anders als automatisch mit Empathie zu reagieren was das Böfflamottdrama betrifft. Das es Menschen gibt, die mit Pflanzen und Autos sprechen ist mittlerweile allgemein bekannt. Mein Mann aber spricht mit Tieren. Genauer gesagt mit Schweinefilets, Bierbratel, Rinderrouladen…Keine Ahnung, ob das der Geist der Tiere noch mitbekommt, aber es ist so, dass das Fleisch wenn mein es Mann kocht, einfach immer sooo gut schmeckt und ich bin eigentlich ganz klar auf der Veggie-Seite. Genau richtig gewürzt, immer auf den Punkt…Wie macht er das nur? Und wieder meldet sich die Squaw in mir zu Wort und vermutet eine Art Pow-Wow-Segnung die bei dem guten Zureden während des Kochens geschieht. Mein Mann ehrt die Tiere, die ja wirklich für uns ihr Leben lassen. Ich finde es ganz schrecklich, wenn man sich in den Medien diese Reportagen über Massentierhaltung anschaut! Wenn nur die Hälfte davon wahr ist, dann ist es immer noch schlimm genug. Fleisch hat einfach keinen Wert mehr, genauso wenig wie andere Tierprodukte wie zum Beispiel Milch und Eier. Muß ich wirklich jeden Tag Fleisch essen? Wir sollten bereit sein für Fleisch mehr zu zahlen, damit es wieder eine andere Wertigkeit bekommt. (vorrausgesetzt das “mehr-Geld” fließt in die Tierhaltung ein und wird zuvor nicht irgendwo im Konsumstrudel verschluckt) Ich glaube letztendlich würde jeder von uns sein Steak lieber von einer glücklichen Almkuh essen, als von mageren, kranken Rindern aus tierunwürdiger Haltung. Dafür muß man nicht unbedingt die Radikalvariante einschlagen und Veganer werden, aber vielleicht geht es um die Achtsamkeit und ruhig auch um große Werte wie Dankbarkeit und Respekt vor den Tieren – vor dem Leben allgemein. Vielleicht schaut man ganz genau hin woher man sein Fleisch bezieht. (auch bei Fischen ist auf die Nachhaltigkeit zu achten) Und weil nicht jeder gleich einen Selbstversorgerbauernhof gründen kann, obwohl das sicher eine gute Möglichkeit wäre, reicht es für den Anfang wenn wir einfach bewußter leben. Vielleicht denken wir alle ein bisserl um und passen auf uns auf. Auf uns Menschen, auf die Tiere und darauf das jedes Lebewesen auf dieser Welt ein “gutes Leben” verdient hat. Ich wünsche dir, daß du trotz der ganzen Verunsicherungen und der unsagbar vielen Informationen was unsere Ernährung angeht, immer noch auf deinen Bauch hören kannst. Das du essen kannst, wenn du Hunger hast, daß du spürst wann du satt bist, daß du weißt, was dir gut tut. Denn darum geht es doch letztendlich. Unsere Nahrung sollte uns stärken und uns Energie geben. Iß nicht mit dem Verstand oder das was jemand anderes meint, was für dich gesund ist. Und wenn du kochst, dann vergiß die Liebe nicht, dann schmeckt auch das Essen. Einen Guten Appetit wünscht dir aus ganzem Herzen M.

Böfflamott ist ein urbayrisches Gericht, das aus der Zeit stammt, als Napoleon Bayern besetzt hatte. Eigentlich heißt Böfflamott nämlich nichts anderes als “Boeuf al la mode”. Übersetzt bedeutet das Rindfleisch nach Art der Mode, also so, wie es damals modern war. Zunächst war Böfflamott eine Fleischspeise, die dem Adel vorbehalten war, hat sich aber dann zu einem gutbürgerlichen Fleischgericht entwickelt.

Böfflamott ist Rinderschmorbraten, dessen Hauptaugenmerk auf dem Marinieren liegt. Die Zubereitungsart des Marinierens von Rindfleisch hat in Frankreich einen logischen geschichtlichen Hintergrund: Zunächst wurden Rinder nur als Zug- und Arbeitstiere gehalten. Ihr Fleisch kam erst in den Kochtopf, wenn das Tier bereits alt war. Deswegen war Rindfleisch immer zähes Fleisch.

Um das fast schon lederartige Fleisch weich zu bekommen, wurde es in eine kräftige Marinade eingelegt und anschließend lange geschmort. Der mit Rotwein marinierte Rinderschmorbraten heißt deswegen Boeuf a la mode, weil die Mode des Rindfleischessens zur damaligen Zeit (Anfang 1800) erst aufkam.

Beim Marinieren muss Folgendes beachtet werden: Das Fleisch sollte nicht in einer Plastikschüssel mariniert werden. Besser geeignet ist die Schüssel aus Porzellan oder Ton mit dicht abschließendem Deckel. Außerdem muss das Fleisch während der ganzen Zeit, die es in der Beize verbleibt, rundum mit Flüssigkeit bedeckt sein.

Die Marinade dringt bei Rindfleisch circa einen Zentimeter tief pro Tag ins Fleisch ein. Die Beizzeit richtet sich also nach der Größe des Fleischstücks. Während des Marinierens dringen die Aromen der Gewürze ins Fleisch ein, während gleichzeitig die Säure der Beize das Bindegewebe der Muskelfasern zersetzt und so das Gewebe auflockert. Das Fleisch wird weich.

Nach dem Marinieren muss das Fleisch, bevor es weiterverwendet wird, abgewaschen werden, dass keine Gewürzteilchen hängen bleiben. Anschließend wird es mit einem Küchenpapier trocken getupft, gesalzen und weiterverarbeitet. Die Marinade wird nicht weggegossen, sondern ebenfalls als Basis für die Soße weiterverwendet.

Böfflamott

Rezept Böfflamott – bayerischer Rinderschmorbraten:

  • Zubereitungszeit: ca. 3 Stunden
  • Marinierzeit: 4 Tage
  • Zutaten reichen für 4 Personen

Rezept: Böfflamott Zutaten

  • 1 kg Ochsenfleisch (aus der Schulter)
  • 1 Bund Suppengrün
  • 1 Zwiebel
  • 1/8 L Rotweinessig
  • 2 Nelken
  • 1 Lorbeerblatt
  • 4 Pfefferkörner
  • 4 Wacholderbeeren
  • 2 EL Sonnenblumenöl
  • 0,25 L Fleischfond
  • 1 Schuss Rotwein
  • 1 Prise Zucker
  • Salz

Böfflamott: Zubereitung

  1. Das Suppengrün putzen und grob zerkleinern.
  2. Die Zwiebel schälen und in große Würfel schneiden.
  3. Das Gemüse mit dem Essig, mit 500 Millilitern Wasser und den Gewürzen in einen Topf geben und kurz aufkochen lassen.
  4. Den Rotwein hinzufügen und die Marinade abkühlen lassen.
  5. Die Beize in ein gut schließendes Tongefäß gießen, das Fleisch hineinlegen, sodass es vollständig von der Flüssigkeit bedeckt ist, und den Deckel schließen. Das Tongefäß wird für vier Tage in den Kühlschrank gestellt.
  6. Nach vier Tagen wird das Fleisch aus der Beize genommen, abgewaschen, trockengetupft und gesalzen.
  7. Das Gemüse wird ebenfalls aus der Marinade gefischt, von Gewürzen befreit und auf einen separaten Teller gelegt.
  8. Anschließend wird die Marinade durch ein Sieb gegossen. Die Flüssigkeit wird aufgefangen. Die Gewürze, die im Sieb hängenbleiben, werden nicht mehr benötigt.
  9. Das Öl wird in einen Bräter gegeben und das Fleisch bei starker Hitze rundum schön braun angebraten.
  10. Das gebeizte Gemüse wird nun neben das Fleisch drapiert und es wird mit der kalten Fleischbrühe und der durchgeseihten Beize abgelöscht.
  11. Die Hitze wird reduziert und das Böfflamott darf bei geringer Hitze zwei Stunden schmoren.
  12. Anschließend wird das Fleisch aus dem Bräter genommen und in einem separaten Topf zugedeckt zur Seite gestellt, damit es warm bleibt.
  13. Die Bratenflüssigkeit wird durch einen Sieb in einen großen Topf gegossen und auf großer Hitze eingekocht. Eventuell muss mit etwa Salz nachgewürzt werden und ein Schuss Rotwein kann ebenfalls nicht schaden.

Zum Böfflamott gibt es Kartoffelknödel und Blaukraut oder Semmelknödel und Bayrisch Kraut. Böfflamott ist ein Gericht, das etwas arbeitsaufwendig ist und auch Zeit muss ausreichend für die Zubereitung veranschlagt werden. Aber jeder, der es einmal gegessen hat, weiß, dass sich die Mühe lohnt!

(Rezept unter www.bayerische-spezialitaeten.net)

Das Alpamare – eine Ära geht zu Ende

Das Alpamare – eine Ära geht zu Ende

Nach und nach ist es ruhig geworden im einst so belebten Tölzer Kurviertel. Zahlreiche namenhafte Häuser, wie das Haus Otto, die Villa Fiori und seit Dezember letzten Jahres auch der Jodquellenhof, mußten ihre Pforten für immer schließen. Das Heilwasser aus den Quellen der 1860 gegründeten Jodquellen AG (kurz Jod AG) war Voraussetzung für den Aufstieg von Bad Tölz zu einem international bekannten Kurort. 1930 wurde vom damaligen Jodquellen-Chef Anton Hoefter in Bad Tölz die größte Wandelhalle Europas mit 120m Länge errichtet. Wandelhalle BTAm 1. Januar 1965 übernahm Max Hoefter die Leitung der Jod AG. Die Kur florierte – ein regelrechter Boom überrollte die Stadt Bad Tölz. Hoefter jedoch war zunehmend unzufrieden mit dem vom klassischen Kurgast dominierten Bild von Bad Tölz und suchte nach neuen Konzepten für junge Touristen und gründete als Folge daraus 1970 das Alpamare. 1977 wurde in Pfäffikon in der Schweiz ein gleichnamiges Bad eröffnet, welches 1999 an eine spanische Unternehmensgruppe verkauft wurde. Seit 2004 ist Anton Hoefter, der Enkel des Gründers, Vorstandsvorsitzender der Jodquellen AG. Das Alpamare war in den 80ger Jahren eins der Aushängeschilder von Bad Tölz. Es war das einzige “Spaßbad” in der nächsten Münchner Umgebung und deswegen ein äußerst gutbesuchtes und beliebtes Ausflugziel für alle Altersklassen, besonders für Familien und Kurgäste. (es wurden dort auch Anwendungen, Massagen etc…angeboten) Das Alpamare war ein sehr gepflegtes Bad, obwohl die letzten Jahre nichts mehr renoviert wurde, was sich dann auch negativ auf die Besucherzahlen auswirkte. Zeitgleich eröffnete 1999 die Therme in Erding, andere Schwimmbäder rüsteten auf und das Alpamare verlor langsam aber sicher an Attraktivität. 2009 gab es einen letzten Rettungsversuch, um mehr Publikum anzuziehen: Ein Konzept der “Tölzer Quellen” die größere Umbauten vorsahen, welches aber letztendlich nie umgesetzt wurde. Eine erhoffte finanzielle Unterstützung des Projekts durch die Stadt wurde Ende 2009 abgelehnt. Mitte 2013 beschloß der Stadtrat die Möglichkeiten einer Finanzierung und ein neues Konzept, das den Umbau zum reinen Wellnessbad (ohne Rutschen) vorsah, erneut zu prüfen. Während der Verhandlungen zwischen Stadt und Jod AG gab es Gerüchte über eine mögliche Schließung des Bads. Die Verhandlungen scheiterten, woraufhin im März 2014 ein Bürgerbegehren initiiert wurde, mit dem Ziel die Stadt zu Investitionen in das Alpamare zu bewegen. Das nötige Quorum für einen Bürgerentscheid wurde zwar erreicht, ein solcher wurde aber vom Stadtrat aus rechtlichen Gründen nicht zugelassen

Alpamare Abschied

Wir waren gestern ein letztes Mal da um Abschied zu nehmen. Wir sind mit unseren Kindern oft Donnerstag abends für ein paar Stunden ins Alpamare gefahren. Meistens waren wir und ein paar wenige anderen Badegäste die einzigen Besucher dort. Wenn es auch für das Alpamare wenig lukrativ war, für uns war es jedes Mal wie eine Auszeit, ein im wahrsten Sinne des Wortes Abtauchen in eine andere Welt. Wir sind stundenlang gerutscht und hatten einen unglaublichen Spaß im Wellenbad, in den Thermalbecken oder im Hallenbad, wo im Viertelstunden-Takt ein angenehmer Sprühregen von der Decke nieselt. Gestern rutschten wir die Rutschen immer wieder und beim letzen Mal mit der Thriller schreien unsere Kinder aus einem spontanen Gefühlsausbruch heraus ganz laut durch den blinkend-schwarzen Tunnel, “Danke Alpamare für die scheene Zeit mit dir! Mach’s guad!” Sie berühren mit ihren kleinen Händen die funkelnden Wände beim Vorbeirutschen und da war ich doch tatsächlich ein bisserl gerührt. Sie haben einfach eine echte Verbindung zum Alpamare! So wie man das immer zu Orten hat, an denen man einfach eine gute Zeit hatte. Zum Abschluß rutschte Tommy zum ersten Mal den Corba Tunnel alleine und Leni die Alpa-Canyon! Die rote Rutsche, die ja eigentlich erst für Große ist! Kurze Überlegung, kleine Einweisung und weg war sie. Was man nicht alles macht, wenn man weiß, es ist die letzte Chance es zu tun. Beim Ausgang kauften wir hamstermässig Souvenirs. Baseballcapi’s, Pinn’s, Trinkbecher… als könnten wir so das Alpamare noch etwas länger am Leben halten. Wie bei einer künstlichen Beatmung, die keinen Sinn mehr ergibt, aber man einfach noch Zeit braucht die Geräte abzuschalten. (Weit her geholt? Keineswegs!) Und ich schließe mich unseren Kindern an: Pfiardi Alpamare, mach’s guad und danke für die schöne Zeit mit dir. Ein Stückerl Alpamare wird immer in unserem Herzen bleiben…was wünsche ich dir heute? Ich wünsche dir viel Platz für viele schöne Orte und Erinnerungen in deinem Herzen und das wünsche ich dir aus ganzem Herzen M.
P.S. Das Alpamare schließt am 30.August.2015. Über die weitere Nutzung des Areals sind sich die Stadt Bad Tölz und der Eigentümer noch nicht einig. Im Jodquellenhof sind derzeit politische Flüchtlinge untergebracht.

 

Was ist Tradition und was bedeutet Glaube für dich?

Was ist Tradition und was bedeutet Glaube für dich?

An Maria Himmelfahrt (15.08) gibt es in Oberbayern eine alte Tradition. Die Mädchen (die Buben sind an Ostern dran mit Palmbüscherl und Osterfeuer) sammeln Kräuter und Blumen, um daraus die Frauenbüscherl zu binden, welche anschließend an Freunde und Familie verteilt werden. An Maria Himmelfahrt werden die Kräuterbüscherl geweiht und laut einer alten Tradition werden sie getrocknet und im Haus aufbewahrt. Im Herbst werden sie dann mit dem ersten Kaminfeuer verbrannt.(früher auch zum Schutz bei einem starken Gewitter) Sie sollen das Haus segnen und reinigen.

Ich habe als Kind auch schon immer mit meiner Mama die Frauenbüscherl gesammelt und gebunden. Idealerweise aus 16 verschiedene Kräuter, wie Brombeer- und Haselnußsträucher, Sonnenblumen, Königskerzen, Schafgarbe, Kamille, Pfefferminze, Vogelbeere, Wohlmuth, Johanneskraut, Sonnenhut, eine Rose, Melisse, Enzian, Getreide und ein Mooskolben. Aber ganz so eng muß man es dann nicht sehen, zumal es auch immer schwieriger wird tatsächlich alle Kräuter zu finden. Es ist wie beim Schwammerlsuchen von Vorteil, wenn man die richtigen Plätze kennt. Man kann die Büscherl dann auch mit Geranien und anderen Wiesenblumen aufhübschen, Hauptsache schön bunt. Trotz des saisonbedingten Zeitmangels wollte ich dieses Jahr unbedingt mit Leni die Frauenbüscherl austragen. Binden, Sammeln und zur Kirche gehen hat die Oma übernommen, aber irgendwann schaffe ich hoffentlich mal das ganze Programm. Zumindest habe ich beim Sammeln mitgeholfen und das Austragen alleine hat bei uns dieses Jahr gleich zwei Tage in Anspruch genommen.

Was ist Tradition? In Oberbayern gibt es ja immer noch zahlreiche Traditionen & Rituale und ich frage mich, was sie in der immer schneller werdenden Zeit für eine Bedeutung für uns haben. Für mich war es als Kind immer unwahrscheinlich wichtig am Abend vor dem Einschlafen zu beten. Das Beten war und ist für mich die Bestandsaufnahme des Tages, was ist gut gelaufen, was weniger und für was bin ich dankbar, was wünsche ich mir? Über diesen kindlichen, naiven Glauben, habe ich eine – das traue ich mich hier einfach einmal zu behaupten – intensive und tiefe Beziehung zu Gott aufgebaut. Ich glaube an eine Kraft, eine höhere, universale Energie die alles zusammen hält, die uns führt und aus der wir alle kommen. Alles ist eins. Ich glaube an Bestimmung, das alles seinen Grund hat, aber das wir es letztendlich selbst in der Hand haben uns für eine Richtung zu entscheiden. So ist es auch mit der Tradition. Sie kann gut oder schlecht sein, je nach dem auf welchen Weg sie dich führt. Nur weil etwas schon sehr lange auf eine bestimmte Art und Weise gemacht wird, heißt das noch lange nicht, daß es richtig ist. Schau doch auf die vielen Traditionen hin, die Menschen nicht vereinen, sondern sie trennen. Wie zum Beispiel die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Es ist Zeit all die auferlegten Dogmas loszulassen und zu hinterfragen. Dürfen dann Frauenbüscherl nicht nur Mädchen austragen und müßten sie dann korrekterweise Kräuterbüscherl heißen? Ich finde, es jedenfalls schön mit meinen Töchtern ein Ritual zu haben, das uns gehört. Frauensachen eben. Und weil ich weiß, daß wir alle Menschen sind, die sich nach Gemeinschaft und Nähe sehnen. Wie wertvoll doch jede Tradition ist die uns aufeinander zu gehen und ein Stückerl enger zusammen rücken läßt! Und wie war das noch mit dem Glauben? Es gibt so viele Dinge die können wir uns nicht erklären. Soviel das wir nicht einmal sehen können, wie die Luft die du gerade einatmest und doch ist sie da. Ich wünsche dir, daß du glauben und vertrauen kannst. Das das Leben für dich ein großes Wunder ist und du darüber staunen und dich freuen kannst, wie ein kleines Kind. Aus ganzem Herzen M.

Bild M.Linke 2015

Warum das Leben so kostbar ist

Warum das Leben so kostbar ist

Am Montag war wieder Kindertag im Arzbacher Hof. Der dritte in Folge und dieses Mal auch einer den wir nicht so schnell wieder vergessen werden. Ein zweijähriger Junge, der mit seiner kubanischen Familie auf dem Alpencampingplatz war wurde ganz plötzlich bewusstlos. Schocksekunden. Drama. Eine schreiende Mama mit ihrem Kind im Arm. Keiner wusste, atmet er noch? Ich bin direkt daneben gestanden und fühlte mich so hilflos wie selten zuvor. Alles was ich tun konnte war nach drinnen zu laufen und den Rettungswagen zu holen. Der Biergarten war voll und es fand sich Gott sei Dank gleich jemand der den Jungen helfen konnte. Atmung überprüfen, Puls fühlen, stabile Seitenlage…der Rettungswagen mit vier Mann kam innerhalb endlos erscheinenden zehn Minuten und in kürzester Zeit wurde alles durch gecheckt. Der Rettungshubschrauber flog den Jungen kurze Zeit später in die Haunersche Kinderklinik nach München. Diagnose und Zustand zu dem Zeitpunkt unklar. Wir haben in der ganzen Zeit die restlichen Kinder nach unten in den Weinkeller verfrachtet, damit sie erst einmal “weg” waren. Kasperltheater, Kinderdisco…alles war plötzlich nicht mehr von Bedeutung. Noch lange wurde an dem Abend im Arzbacher Hof darüber diskutiert und jeder hoffte, daß es dem kleinen Jermal gut geht. Mich hat das Thema wie viele Eltern auch total berührt. Eltern haben untereinander eine Verbindung. Ist ein Kind so offensichtlich in Gefahr, dann fühlt man automatisch mit. Das geht gar nicht anders. Am nächsten Tag kam glücklicher Weise die gute Nachricht, daß alles den Umständen entsprechend gut ist. Der Kleine ist am Spielplatz gestolpert und so unglücklich gefallen, daß er sich dabei eine Gehirnerschütterung zugezogen hat und davon unmächtig geworden ist. Erleichterung. Aufatmen. Für mich war es wirklich der Anstoß mich definitiv und sofort zu einem Erste-Hilfe-Kurs für Kinder anzumelden. Am Montag waren glücklicherweise genügend Menschen anwesend die wußten was sie in dieser Situation zu tun haben. Ich weiß nicht, ob ich das hätte, wäre ich alleine gewesen. Man kennt die Notfallgriffe ja eigentlich nur noch lückenhaft aus der Führerscheinprüfung. Ich finde, daß man so einen Kurs immer auffrischen sollte bis man es so verinnerlicht hat und die Angst etwas falsch zu machen kleiner ist, als zu helfen. Es heißt ja immer, besser du tust irgend etwas, als nichts. Bei einem Kind ist das noch einmal ganz was anders und in echt sowieso, als in der Theorie. Warum wissen die Meisten von uns so wenig über Erste Hilfe im Allgemeinen und besonders bei Kindern Bescheid? Es wären nur ein paar wenige Handgriffe, die dafür aber Leben retten könnten. Alle Kursangebote in Bad Tölz (und sicher auch in deinem Ort) findest du unter:
www.brk-toel-wor.de/angebote/erste-hilfe-unser-kursangebot/alle-kurse.html
Ich hoffe du meldest dich heute noch an, weil es einfach einmal ganz schnell gehen kann, daß du in eine Situation geraten kannst, in der es um Leben und Tod geht. Dann wird es uns wieder bewußt, wie kostbar doch das Leben ist. Auch wenn es ein Leben nach dem Tod gibt (wovon ich mittlerweile übrigens überzeugt bin, aber davon schreibe ich bestimmt hier an einer anderen Stelle einmal mehr), so haben wir doch nur dieses eine Leben. Dieses eine Mal in der Konstellation, mit all den Menschen um uns herum die wir lieben, die uns lieben. Nie wieder wird es genauso sein wie jetzt. Darum passe gut auf dieses Leben auf und hüte es wie den größten und kostbarsten Schatz überhaupt. Den meisten von uns bleibt es sowieso erspart, aber solltest du einmal ein Leben retten können, dann warte nicht. Nicht eine Sekunde. Denke immer, wie würde es dir gehen, wenn du jetzt die Person wärst die Hilfe benötigt. Es gibt keinen vertretbaren Grund um zu zögern.
Ich wünsche dir, daß du mit deinen eigenen Augen siehst, wie schön das Leben wirklich ist.
aus ganzem Herzen, M.

Titelbild H.Demmel