Die Isarwinkler und ihr Wiesnspirit

Die Isarwinkler und ihr Wiesnspirit

Der direkte Weg zur Wiesn fängt für den Arzbacher an der Haustüre an. Zu Fuß geht’s über den Isarweg nach Gaißach zur nächsten BOB-Station. Wie jedes Jahr stellt der BOB Fahrkartenautomat eine mittelschwere bis sehr schwere Herausforderung dar. Wieviel dürfen jetzt noch einmal mit dem Bayernticket mitfahren? ( Die Antwort: Fünf) Da die Wiesn nur einmal im Jahr ist, muss ein Großteil der Oktoberfest-Passagiere den Touchscreen nur um diese Jahreszeit bedienen. Geldscheine werden nicht angenommen, darauf hin noch einmal gedreht,  glatt gestrichen und erneut eingesteckt. Kleingeld fällt durch, wird wieder einzeln  eingesammelt und an Trachtenjankern gerieben (warum auch immer) und ein erneuter Versuch verzögert die Abfahrt und verlängert die Schlange hintern BOB Automat. Seltsamer Weise ist genau in dieser Schlange aber immer jemand dabei, der kulanterweise die Sache in die Hand nimmt und in relativ kurzer Zeit so viele Bayerntickets ausdrucken kann, dass beim Eintreffen der BOB alle doch noch rechtzeitig einsteigen können. In der BOB steigt dann die Vorfreude. Die ersten Wiesnbesucher sind schon in Lenggries eingestiegen, weitere folgen in Gaißach ( Gaißach hat gleich 2 Haltestellen!), Bad Tölz, Reichersbeuern…man erkennt sich. Jeder Isarwinkler trägt Tracht. Grüngestickte Lederhosen, grüngesamter Hut, handgestrickte Strümpfe und Hosenträger mit dem jeweiligen Gemeindewappen, manchmal auch den Initialen des stolzen Besitzers. Die Damen tragen wunderschöne und maßgefertigete Dirndl. Meistens eins zweiter Wahl, das für d’Wiesn scho langt, aber trotzdem immer noch seeehr gut weg kommt im Vergleich mit dem klassischen C&A Dirndl und anderen diversen Flatline-Anbietern. In Punkto Tracht ist der Isarwinkler überhaupt empfindlich. Harry G spricht uns allen aus der Seele! Hüte mit Pfauenfedern, Plastikdirndl oder rosa Kniestrümpfen gelten als persönliche Beleidigung. Der Isarwinkel verbindet Tracht als Ausdruck seiner Persönlichkeit. So schauts aus. Der klassische Isarwinkler fährt mit der BOB auch bis zur Donnersbergerbruck’n,  nicht bis zum Hauptbahnhof und fährt eine Station S-Bahn und geht von der Hackerbücken aus die paar Meter zu Fuß zur Wiesn. Des macht ma einfach so.  Dort angekommen, versetzt ihn das bunte Treiben immer wieder auf’s Neue in Erstaunen. So viele Leid, so an Haufn Fahrgeschäfte, so viele Zelte! Das größte Volksfest der Welt! Es wird ein bisserl herumgebummelt, vielleicht einmal Looping, Ketten- oder Weißbierkarussell gefahren, bevor es zu den reservierten Tischen ins Bierzelt geht. Nur zum Schaun fährt der Isarwinkler nämlich ned in die Wiesn, mit den Kindern eventuell, aber sonst nicht. Er hält sich meistens im Hacker, Schottenhammel, Bräurosl, Augustiner, in der Ochsenbraterei oder irgendeinem Paulanerzelt auf. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber im Marstall (ehemals Hippodrom) oder Käfer findet man ihn grundsätzlich und eigentlich nie. Auch nicht im Hofbräuhauszelt. Too international, da ist der Isarwinkler konservativ. Unter Umständen triffst du ihn noch in der alten Wiesn oder in einem der kleinen Zelte. Der Isarwinkler muss sich heimisch fühlen, sonst wird er grantig. Hat er aber dann sei Platzerl g’fundn, sitzt er und  steht außer zum Bieseln nimma auf. Warum auch. Als Allererstes wird  gegessen, bevorzugt traditionell ein Wiesenhendl und somit eine gscheide Unterlage geschaffen. Es dauert ein paar Maß, aber spätestens nach „Fürstenfeld“ von STS oder Hubert von Goiserns „Brenna duat’s guat“ steht der sonst so gemächliche Isarwinkler auf der Bierbank und ist mittendrin im Wiesenfeeling. Und wisst’s ihr wer des eigentlich olles macht? Wisst’s ihr eigentlich wer genau für dieses Wiesenfeeling verantwortlich ist? Na? Ja dann passt’s moi auf, i erzähl eich jetzt a Gschicht.

Er wohnt ganz oben tief im Herzen der Bavaria und nur weil wir ihn nicht sehen können ist er trotzdem da. Wo er sich das ganze Jahr über aufhält weiß keiner so genau, aber spätestens wenn die ersten Schausteller ihre Fahrgeschäfte aufbauen und die Zelte langsam wieder die gewohnte Form annehmen, spürt man, dass er irgendwo da draußen sein muss. Er ist spricht alle Sprache die es auf dieser schönen Welt gibt, ist verständnisvoll, sanftmütig. urlustig und herzensgut. Seine Anwesenheit wird immer präsenter und ist spätestens bis zum Wiesnauftakt mit dem Einzug der Wirte nicht mehr zu leugnen. Er ist der heilige Geist des Münchner Oktoberfestes, die Rede ist vom Wiesnspirit. Wenn am Morgen die ersten rotgelben Strahlen der aufgehenden Sonne auf die Bavaria runter strahlen, dann schleicht er sich langsam unter die Leute. Er zaubert den Standlbetreibern, den Musikern, den Bedienungen, den Straßen- und Heimkehrern…ein Lächeln ins Gesicht. So dass sie tatkräftig und gutgelaunt wieder an die Arbeit gehen. Die noch übrigen Wiesnbesucher begleitet er sicher bis zur nächsten U-Bahnstation oder er ruft ihnen ein Taxi, wenn sie es selber nicht mehr können. Wenn du dich zum Beispiel fragst, wie du gestern Abend von der Wiesn heimgekommen bist, dann kann ich dir sagen, da war ganz sicher der Wiesnspirit am Werk. Mittag sitzt er am liebsten in einer gemütlichen Münchner Runde. Adrette Rentner die ausschauen wie James Dean es jetzt tun würde und  während der Mittagswiesn Schafkopfn, entspannte Damenrunden, die sich zum Ratschen dieses Mal ausnahmsweise im Bierzelt anstatt im Cafe Kugelhupf treffen oder auch der strahlende Japaner, der gerade genüsslich seine Weißwurst aussaugt und grinsend eine Brezen hinter herschiebt.

Der Wiesenspirt is einfach gern da, wo es zünftig ist. Wenn die Kinder nach der Schule oder dem Kindergarten vorbeikommen, dann freut er sich ganz besonders. Er fährt wilde Maus und Riesenrad, isst babige, rosa Zuckerwatte oder hilft ihnen, dass man beim Losestandl nicht nur Nieten hat oder auch dabei dass der Papa in der Schießbude besser trifft. Kinder sind für ihn sowieso das Höchste und wenn ihre Augen leuchten, dann geht ihm im wahrsten Sinne des Wortes das Herz auf. Er versucht, so gut es geht auf zu passen und wenn dann wirklich einmal ein Kind verloren geht, dann schaut er, dass es ganz schnell wieder zu seinen Eltern kommt. Aber trotzdem mahnt er, passt’s gut auf eure Kinder auf. Die Wiesn ist so groß und für ein Kind ist es eine mittlere Katastrophe, wenn es dort im Gewimmel verloren geht.

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Am späten Nachmittag füllen sich die Zelte mit Leuten aus nah und fern, ja aus der ganzen Welt. Der Wiesenspirit wartet geduldig am Eingang eines jeden Zeltes und passt auch da wieder auf, dass alle Gäste entspannt zu ihrem Sitzplatz kommen und ihre erste Maß in angenehmener Gesellschaft einnehmen können.

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Wenn die Musik zum Spielen anfängt, die Menschen singen und lachen, dann wartet der Wiesenspirit auf seinen großen Moment. Darauf das sich alle Herzen ganz weit für ihn öffnen!

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Genau in diesem Augenblick transformiert der Wiesnspirt dieses Gefühl der Einheit und der Heiterkeit in ein ganz universal, verbindendes Urgefühl, das seinem eigenen Wesen am allermeisten entspricht. Dem einzig und wahren Wiesnspirit! Fremde Menschen liegen sich in den Armen, jeglicher Groll den man vielleicht gerade noch gegen seinen Sitznachbaren hegte, hebt sich auf, man schwebt regelrecht auf der Woge der Glückseligkeit, vergisst Zeit und Raum und lässt sich einfach mit diesem Gefühl treiben. Jeder der es schon einmal erlebt hat, weiß, dass es eigentlich nicht zu beschreiben ist. Wenn das Gefühl sich über die ganze Theresienwiese ausgebreitet hat, dann hockt er ganz oben in seiner Bavaria und schaut runter. Überglücklich, dass er es wieder einmal geschafft hat Grenzen zu überwinden, Menschen zu verbinden, Herzen zu öffnen.  Manches Mal hat jemand gemeint, er hat ihn gesehen, den Wiesenspirt. War es auch nur ein flüchtiger Moment, ein glückliches Pärchen, dass sie gerade gefunden hat, ein lächelndes Kind, das einen Luftballon an der Hand hält, eine selige Oma, die ein Herzl mit „bester Oma“ umhängen hat. Schau genau hin, dann siehst du ihn den Wiesnspirt. Er ist da, überall und auch in dir, wenn du das möchtest.

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Spätestens wenn um 23 Uhr die letzten Gäste das Zelt verlassen, dann geht er auch langsam heim. Sorgt hier und da noch dafür, dass manche Raufereien gut ausgehen, dass Streitigkeiten doch noch ein gutes Wort am Ende finden und weil er weiß, dass er nicht alles ändern kann, kann er sich auch für ein paar kostbare Stunden zur Ruhe legen.

Auch der Isarwinkler geht langsam heim, vielleicht bleibt der ein oder andere noch im Weinzelt hängen. Im Grunde aber meidet der Isarwinkler die Wiesn nach Mitternacht, wie der New Yorker den Central Park um diese Zeit. Er ist froh, wenn er die letzte BOB schafft und wieder auf den Weg nach Hause ist. Schnell noch eine Fischsemmel oder einen Steckerlfisch gekauft oder gebrannte Mandeln und Magenbrot für die Daheimgebliebenen. Ein konserviertes Stückerl vom Wiesnspirit. Müde, aber erfüllt vom Selbigen und von dem Gefühl, dass er genau weiß, wo er hingehört. Und weil sich in der letzten BOB wieder alle treffen, vereint und glückselig, gibt es ihn ganz sicher auch, den Isarwinkler Spirit, da bin ich mir ganz sicher. Kleiner, nationaler, aber trotzdem allumfassend.

Ich wünsche dir, dass du bereit bist für den Wiesnspirit und das seine Kraft auch dieses Jahr wieder ausreicht für eine friedliche Wiesn. Ich wünsche dir, dass es dich berührt und so erfüllt, dass du dieses Gefühl das ganze Jahr über bei dir trägst und von ihm zerrst. Bis zur nächsten Wiesn. Aber noch sind wir mittendrin…

aus ganzem Herzen M.

 

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Im Fluß sein und der ganz besondere Sonntagsausflug

Im Fluß sein und der ganz besondere Sonntagsausflug

Warst du heute schon beim Canyoning oder kommst du gerade vom Gleitschirmfliegen? Vielleicht geht’s ja später noch zum Surfen in den Walchensee oder du paddelst gemütlich auf dem Sup (für alle die’s noch nicht gehört haben: Stand Up Paddeling, also wenn man stehend auf dem Surfbrett paddelt) die Isar runter? Es gibt so viele „Funsportarten“ im Isarwinkel und der Alpencampingplatz wimmelt gerade zu von bewegungssüchtigen Abenteurern, kreativen Freigeistern und lebenshungrigen Sportlern aus aller Welt. Einer davon ist Ted Gertin aus Chile. In regelmäßigen Abständen taucht Ted immer einmal wieder bei uns auf. Er baut sein kleines Zelt am liebsten bei dem Bergerl auf der Wiese irgendwo zwischen den Dauercampern auf und ist uns jedes Mal ein äußerst gern gesehener Gast. Am Wochenende erzählte er mir und Tom an der Alpencampingrezeption, daß er morgen mit seinen Kindern eine Rafting Tour von Lenggries nach Bad Tölz macht und fragt uns, ob wir mit wollen. Wir lachen. „Ja, ja und dann fällt noch einer rein…Nein, im Ernst? Echt? Ja, klar wir kommen sofort mit!“ Und am Sonntag war es dann soweit. Wir treffen uns um 10.30 Uhr bei Montevia, der Eventagentur in Lenggries bei der Ted arbeitet. Eine Gruppe wird gerade in Neoprenanzüge mit gelben Helmen verpackt, eine andere bekommt zeitgleich auf bequemen, in kreisform angeordneten Liegestühlen eine Einweisung über den anschließenden Raftingverlauf. Ted stellt uns seine bezaubernde Frau Timcsi und seine ebenso zuckersüßen Kinder Marisol und Eliel vor. Marisol ist 6 und bald ein Schulkind, so wie Leni. Und Eliel ist 5, Kindergartenkind, so wie Tommy. Paßt doppelt und perfekt. So wie das Wetter heute. Warm, aber nicht heiß. Wolken und Sonne. Ted verteilt Schwimmwesten und Paddel für alle und wir tragen das Boot einmal quer über die Straße zur Isar, wo es Ted und Timcsi noch einmal aufpumpen und wir alle „wichtigen“ Sachen in wasserdichte Riesensäcke verteilen.

IMG_8258Wir sehen uns um. Was hier alles los ist am Sonntag. Der alljährliche Isarlauf, Floßerfest in Lenggries, Seifenkistenrennen und Tölzer Tollhausfestival…wir für unseren Teil sind das nicht gewohnt. Sonntagsausflüge sind selten und wenn dann meistens in zwei Gruppen aufgeteilt so wie heute. Papa ist in Gruppe 1, den haben wir nämlich zu Hause am Herd gelassen. Gruppe 2 ist startklar.

Wir heben das Boot langsam in die Isar und wenig später sind wir auch schon mittendrin und treiben gemächlich vor uns hin. Ted gibt kurze, kindgerechte Paddelinstruktionen und erklärt wie wir uns beim Durchqueren der gleich folgenden „Isarburg-Stromschnellen“ verhalten sollen. Bei „alle ins Boot“ müssen alle in die Mitte des Bootes (dacht ich’s mir) und ein paar Tricks beachten z.B. wie man das Paddel richtig hält. Ein paar Mal geübt, alles verstanden. Die Kinder sind hellauf begeistert und wir alle fühlen uns wie echte Piraten auf hoher See! Was irgendwie noch authentischer wirkt, wenn Marisol und Eliel mit Mama und Papa spanisch reden. Für mich reden Piraten sowieso immer schon spanisch. Vamous pirata! Da Timcsi zur Hälfte aus Ungarn kommt, sind unsere Piraten dreisprachig unterwegs. Sagenhaft!

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Was mich immer wieder fasziniert ist, das sich die Isar nach jedem Hochwasser wieder komplett verändert. Das Ufer ist auf einmal auf der entgegengesetzten Seite, die Isar fließt links statt ursprünglich rechts und umgekehrt. Der Tag fließt überhaupt so herrlich dahin. Ich kenne ihn ja in und auswendig den Isarweg von Lenggries nach Bad Tölz. Ich frage mich wie viele Kilometer ich auf dieser Strecke schon geradelt und gelaufen bin? Jetzt ist auf einmal alles neu, eine ganz andere Perspektive. Irgendwie ruhiger, entschleunigter, so entspannt.

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Fast wie wenn man in einem Freiluft-Zug (ohne Dach) sitzt und die Landschaft an einem ganz laaangsam vorbei zieht. Immer wieder entdecke ich Dinge die ich so noch nie gesehen habe. Als wir in Arzbach angekommen sind meinen unsere Kinder, daß es hier ausschaut wie daheim, ja wir sind ja auch daheim. Sie erkennen ihren Kindergartenradlweg und sind erstaunt. Also er funktioniert auch hier, der Perspektivenwechsel.

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Wenig später machen wir eine kurze, herzhafte Brotzeitpause in Klein-Kairo. Ich frage Ted was aus Karl Heinz Fett geworden ist. Eine äußert interessanten Geschichte die ich vielleicht ein andermal hier erzählen darf. Karl Heinz Fett war ein ehemaliger Obdachloser, der einfach nur so angefangen hat an diesem Teil der Isar aus Steinen meterhohe Pyramiden zu bauen. Er hat sich selbst auch ein kleines Haus aus Steinen gebaut und dort in Arzbach in Klein-Kario wie er die kleine fiktive Stadt benannt hat, gelebt.

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Später wurde daraus eine Sehenswürdigkeit und die Stadt  Tölz hat Karl Heinz eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Derzeit lebt er in der Lebenshilfe in Bad Tölz. Er ist zu alt geworden, um die schweren Steine zu heben und von Klein-Kario stehen nur noch die vom Hochwasser verschonten Ausmauern. Eine von vielen unglaublichen Geschichten die uns die Isar erzählt.

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Die Ruinen der ehemaligen Wohnung des Pyramidenbauers

 

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Während wir essen, versteckt Ted den Piratenschatz für die Kinder. Fazit: Durch Stromschnellen fahren und Schatzsuchen macht Kinder glücklich.

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Und weil das so ist, geht’s auch schon bald weiter nach Bad Tölz. Ted macht Piratenmusik auf dem Handy an, wir spielen lustige Spiele bei dem sich das Boot dreht, wackelt und schauckelt.

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Um 14 Uhr sind wir am Moraltpark angekommen. Muy felix.

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Die Zeit verging so schnell, unglaublich. Unsere Kinder tauschen Telefonnummer aus, ob’s das bei den Piraten damals auch schon gab? Lieber Ted, liebe Timcsi, liebe Marisol und lieber Eliel, danke aus ganzem Herzen, daß ihr uns auf diese ganz wundervolle, kleine Reise mitgenommen habt. Besser hätte ein Sonntagsausflug nicht sein können.

Ich wünsche dir, daß du immer einmal wieder die Gelegenheit bekommst die Perspektive zu wechseln und die Dinge anders sehen kannst. Und daß das Gefühl „im Fluß zu sein“ dich begleitet. Du musst nur los lassen und vertrauen. Am Ende kommst du immer an. Ganz von selbst.  Aus ganzem Herzen M.

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Der Arzbach – eine Liebeserklärung

Der Arzbach – eine Liebeserklärung

Mein liebster Arzbach,
jetzt kennen wir uns schon 34 Jahre und noch nie habe ich dir gesagt, was du mir tatsächlich bedeutest. Wie verliebt ich doch von Anfang an in dich war, damals als ich einen meiner ersten Schritte in dir gemacht habe. Was für ein Segen dich zu haben und neben dir aufwachsen zu dürfen! Über alle die Jahre bist du wie ein fester Anker für mich geworden. Weißt du noch die Indianerspiele und die Baumhäuser die wir immer in deiner Nähe gebaut haben? Ich fühlte mich grenzenlos frei neben dir und unendlich stark. Ich habe immer gedacht der Arzbach ist das Tor zur Welt und wenn wir unser Floß nur groß genug bauen würden, dann würden wir es eines Tages bis in Schwarze Meer schaffen.

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Weißt du noch, diesen wunderbaren Sommer, als wir unser Strandcafe eröffnet haben? Wir haben Sonnenschirme, Liegen und alles was wir sonst noch finden konnten nach hinten zu dir geschleppt und Sandkuchen aus Brombeeren und Grashalmen gebacken. Und Staudämme haben wir gebaut, meterhoch! Denn so kam es uns wirklich vor und wenn nach einem Gewitter alles wegschwemmt wurde, haben wir alles wieder aufgebaut, so als wäre es die normalste Sache der Welt. Unser Strandcafe war dann aber doch zu versteckt, als das daraus wirklich etwas werden hätte können. Damals waren deine Wege wild, verwachsen und verschlungen, wie die Arme eines Riesenkraken und dennoch fühlte ich mich in dir geborgen und gut aufgehoben. Denn das hast du immer getan: gut auf mich aufgepaßt. Mein Platz war in deiner Nähe, daß wußte ich ganz genau. Einmal im Sommer 1990, ich war 9 Jahre alt, da konnte ich deine ganze Kraft sehen und spüren. Das erste und hoffentlich letzte Hochwasser, das ich mit dir erlebt habe. Für uns Kinder war das alles ein großes Abenteuer, weil wir die Tragweite noch nicht fassen konnten. Aber Gott sei Dank ist außer den Dingen Niemanden etwas passiert. Die Geschichten von deinem großen Ausbruch, hallen bis heute in meinen Ohren nach. Man versuchte dich zu bändigen und aus den verwunschenen Riesenkrakenarmen ist heute tatsächlich ein ganz zahmes, großes Bächlein geworden. Aber wenn man genau hinschaut und das tue ich immer noch, dann kann man dein raues, leidenschaftlich und wildes Naturell immer noch erkennen.

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Was ich alles mit dir erlebt habe: meine ersten Schwimmversuche im Alpenbad, unsere stundenlangen Wanderungen und sogar meinen ersten Kuß. Wie könnte ich das alles vergessen? Jetzt habe ich auch noch das große Glück, daß auch unsere Kinder mit dir aufwachsen. Ich wünsche mir so sehr, daß sie ihre eigenen Geschichten mit dir erleben dürfen. Geschichten, die sich in ihr Herz einbrennen und zentimetertiefe Furchen hinterlassen, so wie in meinem. Vielleicht eröffnen sie irgendwann einmal ihr Strandcafe zudem echte Gäste kommen und nach Brombeergras-Sandkuchen fragen.

Die Wahrheit ist, ich habe dich immer geliebt, vom ersten Augenblick an und wahrscheinlich noch mein ganzes Leben lang. Ich kann mir gar nicht vorstellen, daß es je anders gewesen sein konnte. Ich kenne so viele Stellen in dir, die nur ich sehen kann, so viele versteckte Orte und Winkel, die nur uns gehören. Und manches Mal, wenn uns die Luft zum Einatmen fehlt, weil gerade ganz viel um uns herum los ist, dann nehme ich meinen Mann und unsere Kinder an die Hand. Es sind nur ein paar Minuten dann sind wir da, bei dir, mittendrin und dann atmen wir tief ein und ganz langsam aus. Weil es hat schon John Lennon gesagt, don’t forget to breath in, unless you breath out.

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Abendspaziergang

Seitdem ich denken kann, trinken wir unser Wasser aus deiner Quelle, die so rein und klar ist, wie du für mich. Du warst meine erste große Liebe und sind dir auch noch viele große Lieben nachgefolgt, so kann ich dir gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, daß du immer noch an meiner Seite verweilst. Du bist meine Sicherheit, meine Heimat,  mein Urvertrauen und ein Stück von meinem Herz wird dir auf ewig gehören. Weil ich dich aus ganzem Herzen liebe. In tiefer Verbundenheit, deine M.

Und dir wünsche ich, daß du einen Ort (oder mehrere Orte) findest, der dich mit Liebe überschüttet. Einen geschützten Raum nur für dich, an dem du immer zurückkehren kannst, wenn auch nur in Gedanken und egal wie laut es auf dieser Welt gerade ist. Einen Ort an dem du zu Hause bist.

Das wünsche ich dir aus ganzem Herzen. M.

Wenn du willst lies gerne auch meinen post 7 Geheimtipps für den Isarwinkel

 

Alpenbad/Arzbacher Wasserfall;-)

Titelbild und Bilder M.Linke

Der magischer Moment und warum Berge der beste Ort dafür sind

Der magischer Moment und warum Berge der beste Ort dafür sind

Seit Langem schaue ich schon von hier unten rauf. Sehnsuchtsvoll. Verliebt. Besonders abends wenn die Sonne rotgolden hinter den Bergen versinkt und nur die Sunntratenspitze noch in hellem, lodernden Licht leuchtet, dann würde ich am liebsten da ob auf den kleinen Bankerl sitzen. Jetzt am Donnerstag war es endlich soweit: Ruhetag, Feierabend in der Alpencampingrezeption und ein Jetzt-oder-nie-Gedanke. Wer weiß wie lange der Sommer noch bei uns bleibt und die Sonntraten an einem lauen Sommerabend ist im wahrsten Sinne …einfach wundervoll! Die großen Kinder waren mit meinem Mann bei meinen Schwiegereltern und somit bestens versorgt, Baby Kati konnte bei Oma Betty unterschlupfen und somit habe ich in Windeseile meine Bergschuhe und unseren französischen Ferienjobbler Jaques eingepackt und bin los. Ich fühlte mich leicht, fast beschwingt und jeder Schritt nach oben fühlte sich an wie die ersten eiskalten Schlücke Wasser die man nach einer langen Zeit Durst aus einer glasklaren Quelle trinkt. Irgendwie fast lebenswichtig. Wir kraxelten querfeldein, sollte man nicht tun, ich weiß, aber der Weg ist so einfach noch schöner, als er ohnehin schon ist. Entlang dichtbewachsenen Brombeersträuchern, durch Zäune und Geäst hindurch, vorbei an graskauenden Geißböcken und glücklichen Kühen.

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Die Sonne war beinahe untergegangen und wir versuchten euphorisch noch schneller nach oben zu laufen, um pünktlich zum Sonnenuntergang noch auf dem Bankerl zu sitzen. Doch auf einmal war er da, der magische Moment. Wir haben es zwar nicht mehr bis zum Gipfel geschafft, aber das war ja dann auch egal. Vor uns färbte sich der Himmel in den allerschönsten Farben. Lila, Blau, Orange, Rot…Wir hielten an und staunten. Ein paar Minuten standen wir einfach nur so da. Man kann manches Mal so schwer beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn so ein Augenblick wie dieser daher kommt. Es ist ein Gefühl in dem sich ganz plötzlich ein unendlich tiefer Frieden überall um und in einem ausbreitet und sich wie ein sanfter Schleier über alles und jeden legt. Ich glaube, jeder der öfter und gerne auf die Berge geht, kennt es. Das Gipfelglück. Man ist dem Himmel so nah, körperlich und geistig.

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Kurze Zeit später sind wir dann tatsächlich oben angekommen. Das Bankerl is frei, Brotzeit und Getränke werden ausgepackt. Wir reden über all die Dinge in der die letzten drei Wochen wenig oder noch keine Zeit war. Dann schleicht sich kurz der Gedanke ein, was für ein idealer Rahmen das für diesen Blog wäre. So wie das Gipfeltreffen von Werner Schmidbauer, nur halt ohne Promis. Ich werde mir für’s nächste Mal, ein paar Fragen überlegen und für euch jemanden auswählen von dem ich finde, daß er wirklich Interessantes zu erzählen hat. Das hätte Jaques auch, da bin ich mir ganz sicher. Es kommt mir irgendwie so vor, daß man sich leichter öffnet während so einer Bergwanderung. Die Gespräche kommen aus der Tiefe, vielleicht weil man alleine schon optisch einen anderen Abstand und Blickwinkel zu den Dingen bekommt. Da sitzen wir nun schweigend auf unserem Bankerl, aber nicht weil es nichts zu sagen gibt, sondern weil gerade alles gesagt ist. Es ist alles gut.

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Als wir wieder ins Tal wandern leuchtet der Mond (fast Vollmond) und die Sterne für uns. Schon wieder ein magischer Moment. Heute läuft’s aber auch! Ich wünsche mir Jaques kann diese spontane Bergtour und seine Zeit bei uns im Arzbacher Hof mit nach Frankreich nehmen. Wenn es auch nicht einmal ein Monat war in der er bei uns war. Für uns war er eine Bereicherung in jeder Hinsicht und wir sind sehr dankbar, daß wir ihn und seine Familie ein bisserl kennen lernen durften.
Ich wünsche dir, Begegnungen die dein Herz berühren und Berge (und magische Orte) die das auch tun. Und wenn er dann kommt DER magische Moment, dann halt kurz inne und öffne dein Herz soweit es geht, bevor er wieder weg ist. Magische Momente ziehen schnell vorüber, das liegt in ihrer Natur. Wenn ich an dieser Stelle passend zu Frankreich den kleinen Prinzen sprechen lassen könnte, dann würde er sicher sagen, man sieht nur mit den Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Ich wünsche dir, dass du sehen kannst aus ganzem Herzen M.

Lese über die Suntraten (auch Sonntraten geschrieben) im Post „7 Geheimtipps für den Sommer im Isarwinkel“

www.auf-den-berg.de/wandern/bayern/wanderung-auf-die-sonntraten-bei-lenggries

www.hoehenrausch.de/berge/sonntraten/index.php

7 Geheimtipps für den Sommer im Isarwinkel

7 Geheimtipps für den Sommer im Isarwinkel
Der Sommer bleibt und verwandelt Bayern und den Isarwinkel in ein Paradies. Gibt es ihn den perfekten Tag und das was man unbedingt einmal diesen Sommer getan haben soll? Unbedingt finde ich…hier sind sie meine 7 besonderen Momente für den Sommer 2015! Ausgangspunkt Arzbacher Hof.
1.Eine Bergtour über das Längental auf die Benediktenwand!Das Schönste im Sommer ist, wenn man ganz früh aufsteht und noch im Dunkeln unterm Sternenhimmel um 4 Uhr morgens los geht. Am besten fährt man bis zur Seiboldshütte
mit dem Radl (wegen der entspannenden Talfahrt hinterher ;-)und stellt dann das Radl dahinter im Hölzl ab. Bis zum Gipfel sind es ca. 3 Stunden und man genießt eine wunderschöne Aussicht bei Sonnenaufgang und ist bis auf ein paar Übernachtungsgäste in der Schutzhütte meistens ganz alleine am Gipfel. Steinböcke inklusive.
Der besondere Moment: Die Ruhe am Gipfel und die gewaltige Bergkulisse der Voralpen bei SonnenaufgangÜber die Tour zur Benediktenwand durfte ich für euch auf dem Münchner Kindl schreiben unter  Münchner Hausberge Teil 1

Aufstieg zur Benediktenwand über den Probstkessel
Aufstieg zur Benediktenwand über den Probstkessel

2.SonntratenEin zauberhafter, kleiner Berg für eine leichte Wanderung am Abend. Damit’s schneller geht über den Isarsteig nach Gaißach radln. Am Sonntratn-Parkplatz Radl abstellen von dort aus führt ein kleiner Steig in einer halben bis dreiviertel Stunde zum Gipfel. Am allerschönsten ist diese Wanderung mit abschließender Brotzeit bei Sonnenuntergang am Gipfel:-)! Erdbeeren, Johannesbeeren und Blaubeeren sind in großen Mengen am Wegesrand zu pflücken.
Der besondere Moment: Wenn die Sonne im Tal längst schon untergegangen ist und sie auf dem Sonntratn-Bankerl noch auf einen runter scheint und die Aussicht auf den Isarwinkel von oben und in der Dämmerung.

Sundraten bei Nebelstimmung
Sundraten bei Nebelstimmung

3. Schlauchbootfahren an der IsarEinstieg am Sylvenstein. Ausstieg in Arzbach an der Brücke. Wer dann noch Lust hat, kann weiter nach Bad Tölz fahren…gerne bieten wir euch einen Shuttleservice an, um die Autos und euch wieder abzuholen.
Der besondere Moment: Sich auf der Isar mit seinem Boot treiben zu lassen und sich zu fühlen als wäre man irgendwo in Kanada.

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Am Isarufer in Bad Tölz

4. Schwimmbadtag im AlpenbadEinen Tag zum Ausspannen im wunderschönen Alpenbad Arzbach und abends noch eine Runde Tennisspielen! (Ausrüstung kann man ausleihen)
Der besondere Moment: die Abkühlung im Arzbach und der Blick zur Benediktenwandhttp://www.alpenbad.net/

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Die „Schleiss’n“ im Alpenbad

5.Wasserfall und ArzbachwanderungMit dem Radl bis zum hinteren Kirchsteinhüttenparkplatz fahren. Dann an der Brücke links durch den Arzbach gehen, nach ca. 15 Minuten kommt ein zauberhafter Wasserfall und ein paar Gumpen zum Baden. A ganz a scheens Fleckerl.
Der besondere Moment: Die quirligen, glücklichen Fische im klaren Gebirgswasser zu beobachten und zu erkennen: mehr braucht es zum Leben nicht!

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6.Gumpen am Schrombach und Sylvenstein, VorderissMit dem Radl kann man bequem auf dem Radlweg bis zum Sylvenstein fahren. Am Damm links Richtung Fall. Dort findet man überall um den See ein gemütliches Platzerl, um einen Seetag zu geniessen. An der Wasserwacht sogar ein öffentliche Grillstelle. Kurz nach dem Sylvenstein kommt die mit ihren Felsformationen fast mystisch anmutende Landschaft: die Vorderriss. Für alle die gerne allein sind! Bademöglichkeit an der Isar.
Bei der Rückfahrt kurz vorm Damm links die Abfahrt Richtung Isar abbiegen. Nach ein paar hundert Meter Richtung Schrombachtal noch einmal links abbiegen. Dort sind viele kleine Gumpen- einfach reinspringen! Ein verstecktes, kleines Paradies!
Der besondere Moment: Wenn man sich in Vorderriss wie der einzige Mensch auf der Welt fühlt und der Augenblick wenn man im Schrombach vom Felsen runterspringt und ein paar Meter später in das erfrischende Gebirgswasser eintaucht!

Der Sylvensteinsee
Der Sylvensteinspeicher

7. WalchenseeVon Arzbach aus, sind es ca. 30km. Wunderschöner See, gut mit dem Radl erreichbar. Besonders zu empfehlen ist die Radltour um den Walchensee (ca.25 km) vorbei am Wikidorf und an zahlreichen Badeufern. Boote für eine Paddeltour über den Walchensee können gemietet werden und nicht verpassen sollte man den Eiswagen, der den Walchensee im Sommer umrundet und umwerfendes Eis verkauft. Beim Nachhauseweg unbedingt im Cafe Landermühle im Leger einkehren. Himmlische gute Kuchen und eine riesengroße Auswahl.
Der besondere Moment: wenn das türkisfarbene Wasser des Walchensees in der Sonne spiegelt und es einen glauben lässt man ist mitten in der Karibik und der erste Schluck Eiskaffee vom Gelati-Mann!

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Der Walchensee, die Karibik der Alpen

Geniesst euer Leben und diesen Sommer in vollen Zügen, aus ganzem Herzen M.

Bilder Benediktenwand T.Linke/Alpenbad S.Ehricht/Walchensee N.Luedemann                                    Isar, Sundraten M.Linke Titelbild Sven Ehricht

Der Tag am See

Der Tag am See

Das Wetter in Bayern ist sensationell schön. Obendrein sind die Prognosen auch noch sensationell gut. Blauer Himmel und Sonne überall. Es ist erst dann richtig Sommer, wenn wieder über die Hitze gejammert wird. Das traut man sich nämlich nicht, wenn das Wetter zuvor wochenlang grottenschlecht war. Als könnte man durch „nur übers mieses Wetter reden“ die Regenwolken wieder zurück locken. Schönes Wetter und Sommer bedeutet bei uns viele Menschen im Biergarten und auf dem Alpencampingplatz. Könnt ihr denn den Sommer auch genießen? Ihr bekommt ja gar nichts mit. Findet ihr denn auch ein bißchen Zeit für einander? So oder so ähnliche Fragen werden uns manchmal gestellt. Die Antwort ist immer leicht. Wir genießen den Sommer. Und wenn viele Gäste auch viel Arbeit bedeuten, wir lieben das. Frag doch mal Mick Jagger, wie ihm das so im Sommer geht, wenn er mit seinen Jungs auf Tour ist. Die sagen ja auch nicht, Mist, das Stadion voll, Sommer und heiß, wir würden dann jetzt mal lieber am See beim Grillen sitzen. So geht’s uns auch, wir wollen bei euch sein und ein verdammt „gutes Konzert“ spielen, damit ihr am Ende alle gut gelaunt wieder nach Hause geht. Auf die Frage, ob wir denn Zeit für uns finden ist die Antwort nicht ganz so leicht. Vor 10 Jahren hätte ich mir das nur schwer vorstellen können, daß es jemanden gibt mit dem ich freiwillig beinahe immer zusammen bin. Ohne jeglichen Fluchtgedanken. Jetzt ist es genauso gekommen und wir sind sogar noch mehr geworden. Unsere Familie. Manchmal passiert dann etwas Seltsames. Obwohl wir uns ständig sehen, haben wir eine solche Sehnsucht nach uns. Ich weiß, schwer zu erklären. Heute war dieses Gefühl wieder besonders ausgeprägt vorhanden und wir haben dann spontan unser Boot auf unseren Bus gepackt, haben unsere Köchin und die Kellnerin angerufen, ob sie vielleicht eher kommen könnten und sind für ein paar Stunden verschwunden. Ich glaube wenn man seinem Gefühl folgt, besonders wenn es einheitlich stark ist, wird man belohnt. In unserem Fall mit einem magischem Tag an einem unbeschreiblich schönen See, gerade mal 30 Km von uns. Baby Kati ist im Wasser auf meinem Arm eingeschlafen, Tommy und Leni sind mit Papa Tom Bootgefahren, easy living für ein paar Stunden und das Bewußtsein, daß es so ein großes Glück ist, daß wir uns gefunden haben! Das größte Geschenk überhaupt – auf die Gefahr hin das sich das jetzt so kitschig wie eine Blumentapete aus den 70gern anhört. Ich wünsche dir, daß du immer deinem Herzen folgst, die Gefühle sind die Sprache in der es zu dir spricht. Du wirst sehen, du wirst belohnt werden. Ausnahmelos. Das wünsche ich dir aus ganzem Herzen und eine Gute Nacht, M.
www.walchensee.de
Bild M.Linke / Juli 2015

Über das Losgehen und das Ankommen

Über das Losgehen und das Ankommen

Wenn jemand mit vollbepackten Rucksack je nach Wetterlage durchnäßt oder verschwitzt bei uns an der Campingrezeption steht, sich nach einen Zeltstellplatz für eine Nacht und dem besten Weg zur Tutzinger Hütte erkundigt, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, daß es sich um einen „Venedigwanderer“ handelt. Vom Arzbacher Hof aus ist die Tutzinger Hütte in ungefähr 4 Stunden zu erreichen und so ist der Alpencampingplatz besonders die letzten Jahre zu einer beliebten letzten Übernachtungsmöglichkeit vor dem Einstieg in das Voralpengebirge geworden. Mich hat die Strecke auch seit jeher fasziniert. Die magische Landschaft der Alpen bis übers Karwendel, den Dolomiten und am Ende der bestimmt mühsame, lange Weg der Piave Ebene entlang und die große Freude, wenn man endlich das Meer sehen kann. Ich stelle mir vor, wie es sich anfühlt nach 4-5 Wochen (wenn man keine größeren Pausen oder längere Aufenthalte plant) bei einem herzhaften Teller Pasta und gutem Wein auf dem Markusplatz in der Sonne zu sitzen und zu wissen man ist angekommen. Die Eindrücke und die Erlebnisse die man auf dem Weg haben durfte und die man im besten Fall in angenehmer Gesellschaft teilen darf. Definitiv ein gutes Gefühl.

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Mit Leni und Tommy in Venedig / Juni 2012

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Heute erst sind wieder ein paar der Wanderer aufgebrochen. Eine junge Frau, die alleine unterwegs war und ein flottes Ehepaar anfangs sechzig. Wir kamen kurz ins Gespräch und sie schwärmten von ihrer geplanten Reise von München nach Venedig und davon, daß sie sich einen langersehnten Traum erfüllen. Sie wollten solange warten bis sie beide in Rente sind, um sich dann soviel Zeit nehmen zu können wie sie eben brauchen. Bis Mitte September möchten sie unterwegs sein. Ich gebe noch ein paar Tipps für den Aufstieg und mache mir Gedanken, da sie erst um circa 9 Uhr aufbrechen und es um diese Zeit bereits 30 Grad Außentemperatur bei uns hat. Nur zu gut weiß ich wie heiß es auf dem Weg zur Benediktenwand im Sommer werden kann. Beinahe unerträglich heiß. In der Probstwand gibt es auch keinen Baum unter dem man sich einmal kurz stellen könnte. Ich frage mich, ob sie gut angekommen sind und nur zu gerne würde ich ihre Geschichten hören, die sie unterwegs noch erleben werden. Ich denke an früher, wie oft ich die Benediktenwand raufgekraxelt bin und das es jedes Mal anders war. Der Sonnenaufgang am Gipfelkreuz. Die Steinböcke die sich unbeeindruckt mitten auf den Weg ausruhen. Ein plötzlicher Regenschauer. Hitze. Schnee. Blumenwiesen. Die letzten Jahre bin ich nie wieder dort gewesen, auch wenn ich es mir so oft vorgenommen habe. Irgendwann werde ich einfach einmal wieder losgehen. Das hier ist mein allererster Eintrag in meinen eigenen Blog und es ist auch ein bißchen so, wie endlich losgehen. Weil darum geht es doch. Wenn es an der Zeit ist, einfach JETZT los zu gehen. Ich schließe meine Augen und kann ein Ziel vor mir sehen. Ich weiß noch nicht genau wie es aussieht, weil ich ja noch nie da gewesen bin. Aber ich weiß, wie es sich anfühlt auf dem Weg zu sein und anzukommen. Definitiv (noch) ein gutes Gefühl. Ich wünsche dir, daß du los gehen kannst und ich wünsche dir das Gefühl zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist…aus ganzem Herzen M.

www.muenchenvenedig.de

Bild T.Linke