Die Münchner Hausberge im Münchner Kindl Teil 2 „Der Seufzer Weg“

Die Münchner Hausberge im Münchner Kindl                                   Teil 2 „Der Seufzer Weg“

Ein neuer Beitrag im Münchner Kindl über die Serie Münchner Hausberge. Dieses Mal geht es über Schneeschuhwandern und über eine wahre Traum-Tour: den „Seufzer Weg“ zum Brauneck direkt zur Anderl Alm. Der Regen und die aktuell anhaltenden Wärme haben den Schnee im Isarwinkel stark schmelzen lassen, so dass keine Schneeschuhe mehr nötig sind. Der Weg bleibt in Frühling (und Sommer und Herbst) trotzdem ein Traumpfad und wer ihn nicht mit Bergschuhen, sondern mit Schneeschuhen oder Tourenski gehen will, sollte sich den Seufzer Weg auf alle Fälle für den nächsten Winter vormerken.

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Münchner Hausberge Teil 2

Dein Winterwunder und ein Winter-Vlog

Dein Winterwunder und ein Winter-Vlog

Kennst du das? Das man etwas vermisst, von dem man gar nicht gewusst hatte wie sehr. Einfach deswegen, weil die Erinnerung daran zu lange her ist und man vergessen hatte, wie es sich wirklich anfühlte.

So wie mit diesem Winter. Hätte mich im Herbst jemand nach ihm gefragt, dann hätte ich mit den Achseln gezuckt und ziemlich wahrscheinlich geantwortet, er würde mir nicht so sehr fehlen und ich sei ja eher ein Sommertyp. Von wegen, stelle ich fest, als auf einmal so ein Winter wie dieser um die Ecke schleicht! Und er geht uns allen unter die Haut! Und das nicht nur wegen seiner klirrenden Kälte, sondern viel mehr wegen seiner schlichten, stillen Schönheit, die uns alle einhüllt und glücklich vereint, wie in einer bunten Märchenwelt einer überdimensionalen Schneekugel.

Ein Tag ist schöner wie der andere. Die Sonnenstrahlen reflektieren sich in kilometerlangen Schneefeldern, glitzernden Eiszapfen an den Baumwipfeln oder in zugefrorenen Seen, auf denen man endlich wieder Schlittschuhlaufen kann. Die Menschen so scheint es, haben sich beinahe ausnahmslos und kollektiv in diesen Winter verliebt! Kein Jammern über die Kälte, die besonders nachts in den zweistelligen Minutenbereich sinkt, Schneeräumen oder Scheibenfreikratzen am frühen Morgen. Es ist eben so, wenn man aufrichtig liebt, irgendwie gehört dann alles zusammen. Man möchte nichts mehr davon missen.

Da gibt es noch etwas, so scheint es, was dieses Winterwunder für uns so besonders macht und wenn man ganz genau hin schaut, erkennt man was seine Essenz dieses Jahr ausmacht.

WIR HABEN ZEIT. Zeit für uns, Zeit für einander. Zeit zum Skifahren, Langlaufen, Rodeln, Schneeschuhwandern…weil wenn nicht jetzt, wann dann? Wir lassen alles liegen und stehen für Schneeballschlachten oder um einen Schneemann zu bauen oder einfach nur um raus zu gehen und zu staunen, wie schön es doch auf dieser wunderbaren Welt ist.

Unsere Kinder haben rote Backen von der vielen frischen Luft und leuchtenden Augen vor Freude! Wir sind uns nah und halten uns an den Händen, wenn wir abends durchgefroren nach Hause gehen und uns mit den Gedanken an heißen Kakao wärmen.  Der Schnee knirscht unter unseren Stiefeln und wir fühlen uns so…unsagbar lebendig.

Nimm dir Zeit für diesen Winter! Er ist einzigartig.

Aus ganzem Herzen,

Eure M.

Die herzensgute Hollerfee vom Isartal Burgi Heufelder und das Geheimniss unseres Uropas

Die herzensgute Hollerfee vom Isartal Burgi Heufelder und das Geheimniss unseres Uropas

Auf diese Treffen habe ich mich schon seit langer, langer Zeit gefreut. Ein paar Mal hatten wir schon einen Tag für unser Gipfeltreffen festgelegt und immer wieder ist ganz kurz vorher dann doch noch etwas dazwischen gekommen. Aber obwohl der Terminkalender bei uns beiden bis zum Rand gefüllt ist, habe ich einfach nicht locker gelassen, weil man eben nur ganz selten auf solche herzerwärmenden Menschen wie die Burgi trifft. Wenn Burgi den Raum betritt, erfüllt sie ihn sofort mühelos mit Leichtigkeit und einer dermaßen ansteckenden Fröhlichkeit, dass man sie am liebsten gleich in den Arm nehmen möchte, auch wenn man sie gerade erst kennen gelernt hat. Ich habe das große Glück, dass Burgi als meine Cousine schon mein ganzes Leben lang bei mir ist. Bei meiner Taufe hat sie die Kerze für mich getragen und auch sonst eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt. Sie hat mir auf meinem Weg sozusagen ein  Licht vorweg geschickt. Und das einfach nur weil sie da ist. So wie mit meiner Taufkerzen damals. Auch wenn wir uns manches Mal Monate lang nicht sehen, habe ich trotzdem immer das Gefühl, dass wir uns sehr nahe stehen. Wenn wir reden, reden wir lange und die Gesprächsthemen gehen uns sicher nicht aus. Und Burgi‘s Leben, das finde ich einfach so unfassbar spannend, dass ich es euch nicht vorenthalten kann.

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Wir treffen uns an diesem allerersten Herbstfreitag zu unserem langersehnten Gipfeltreffen am Wanderparkplatz der Waldherralm. Ich freue mich so Burgi wieder zu sehen, um gerade heute an diesem herrlichen Septembertag ein paar ganz besondere, geschenkte Stunden mit ihr verbringen zu dürfen. Das gleiche Anfangsstück wie bei meinem Gipfeltreffen mit Carola, Jochen und Emma denke ich, als wir geradeaus loswandern.img_9941 Wie nah doch immer alles zusammen liegt. Vor dem kleinen Brückerl biegen wir dann allerdings nicht rechts, sondern links Richtung Zwiesel ab. Der Morgentau hält sich in großen, dicken Tropfen hartnäckig an den Grashalmen und Sträuchern fest, während die Sonne vorsichtig durch den frühen Herbstnebel blinzelt. Wir bleiben kurz stehen und lassen diesen Moment auf uns wirken. Wie schön es doch hier ist!

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Burgis Mama und meine Mama sind Schwestern. Beide wuchsen zusammen mit insgesamt zehn Geschwistern in dem idyllischen Ort Leger zwischen Wegscheid und der Jachenau auf. Ihre Kindheit war frei, aber auch sehr geprägt von Strenge und Disziplin. Mein Opa hat seine erste Frau Elisabeth im Kindsbett verloren. Meine Oma war die Schwester von Elisabeth, jung verliebt und wollte bald heiraten. Wegen der ganzen Arbeit am Hof und auf dem Sägewerk, aber hauptsächlich wegen der fünf Kinder hat meine Oma schweren Herzen die Verlobung gelöst und den Mann ihrer Schwester geheiratet.(das muss man sich erst einmal vorstellen!)  Sie bekam noch sechs weitere Kinder mit meinem Opa, zwei davon waren meine Tante und meine Mama. Insgesamt waren es tatsächlich einmal vierzehn Kinder. Drei Kinder- zwei davon Zwillinge-  sind an heute vergleichsweise harmlosen Krankheiten als Säungling verstorben und ein Kind ist auf dramatische Weise im Sägbach ertrunken.  Das ist nur eine von vielen bemerkenswerten, manchmal auch tragischen Geschichten, die um unsere Familienclan den „Soagschneidern“ kreist. Jede einzelne davon wäre es wert sie zu erzählen und am Ende könnte man ein ganzes Buch darüber schreiben. Aber das hier ist Burgi’s Geschichte und ich bin dankbar, dass ich es sein darf, die sie für euch aufschreibt.

Burgi, ich war ja das jüngstes Enkelkind von unseren Großeltern. Unser Opa ist gestorben, als ich gerade einmal ein paar Monate alt war. Aber die Oma die habe ich immer noch in so guter und lebendiger Erinnerung. Einmal sind wir mit ihr über die Grenze nach Österreich gefahren, um einen kleinen Ausflug mit ihr zu unternehmen. Als der Grenzpolizist feststellte, das der Ausweis der Leger-Oma bereits seit 10 Jahren abgelaufen war und fragte warum sie den denn nicht neu beantragt hatte, meinte sie: „ Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich einmal so alt werden würde.“ Weil du ein paar Jahre älter bist als ich, hattest du von der Oma ja noch viel mehr mitbekommen. So oft hast du mir von den abenteuerlichen Ferienwochen im Leger mit meinen anderen Cousinen (und Cousins) vorgeschwärmt. Das Leger das war ganz ein besonderer Ort für dich?

Ja, und diese Zeit werde ich wirklich nie vergessen. Das Leger bedeutet für mich seit jeher schon grenzenlos Freiheit. Alleine das Haus der Oma mit dem großen Wald dahinter, nachdem wirklich nichts mehr kam, außer der Fluß Jachen und die Berge. Das ist glaube ich für alle Kinder ein großer Traum. Die Oma ist mit uns und dem Fahrrad zum Beerenpflücken gefahren, wir haben viel gesungen und gelacht. Überhaupt habe ich die Oma als herzensgute und lebenslustige Frau in Erinnerung.

Wir reden noch ein Weilchen, über unsere Erinnerungen an Leger. Über Oma und Opa, Omas Katzen, das Birkenwasser mit dem Oma ihren Enkelinnen immer die Haare geflochten hatte, die vorher im Kachelofen aufgeheizten Ziegelsteine, die sie uns Kindern zum Wärmen der Füße ins ohnehin schon wuchtige Federbett legte und an den Geruch von frischem Kaffee am frühen Morgen. Alleine durch ihren Namen, den  Burgi (Notburga) mit meiner Tante und Oma teilt, sind die drei sehr verbunden und es scheint, dass oft alleine durch diesen Namen, sich ein besonderes enges, unsichtbares Band um die drei legte.

Der Weg führt uns vorbei an prächtigen Wäldern, herbstlichen grün-gelben Wiesen und Brombeersträuchern. Die Blätter beginnen sich langsam zu färben. Wir sind mittendrin in diesem Übergang vom Sommer auf den Herbst.

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Burgi bleibt stehen und wir bewundern ein paar Pflanzen und Blumen am Wegrand. Burgi fällt ein Schwamm an einem Baum auf, an dem silbrige Wasserperlen langsam nach unten tropfen. Beinahe wäre ich einfach vorüber gegangen. Offene Augen für die kleinen Wunder um uns herum hatte Burgi schon seit jeher, aber auch die Liebe zur Natur, zu den Pflanzen, Kräutern…img_9956

Burgi, war eigentlich schon immer klar, dass du Floristin werden wolltest?

Ja, das war von Anfang an sonnenklar. Und das zieht sich auch wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben. Ich bin mir auch sicher, auf eine gewisse Weise werden die „Pflanzen und Blumen“ mein ständiger Begleiter sein. Nur habe ich festgestellt, dass sich etwa alle sieben Jahre  mein Leben auf wundersame Weise jedes Mal neuorientiert.

Wirklich alle 7 Jahre?

Seltsam. Ja. Aber es waren tatsächlich immer ziemlich genau 7 Jahre.

Wo befindest du dich denn dann gerade, am Ende der 7 Jahre, mittendrin oder am Anfang?

Ich würde sagen am Ende. Vor 7 Jahren habe ich mich mit der Sonnenkunst selbstständig gemacht. Das war damals die perfekte Zeit und hat sich alles auch richtig angefühlt. Ich arbeite nebenbei ja noch in der Gärtnerei Epp in Lenggries.  Selbstständig zu sein bedeutet Freiheit und die Dinge so zu gestalten wie man es selber möchte. Aber eben auch die vielen Extrastunden, die man gar nicht sieht, die sich aber am Ende dann doch summieren. Die  Gärtnerei zieht bald um und vergrößerst sich und da ich dort auch diese Freiheit auf meine Art zu arbeiten ganz und gar ausleben darf und auch das Arbeitsklima so perfekt passt, überlege ich gerade mehr dort zu arbeiten. Somit würden dann die Zusatzstunden der Selbstständigkeit wegfallen und ich könnte mich wieder mehr der Kunst widmen, zu der die letzten Jahre und oft  auch aufgrund der Selbstständigkeit einfach Zeit und Muße gefehlt hatten. Aber mal schauen, wo mich der Weg letztendlich hin führt…

Ich weiß, dass du genau so wie ich, auch davon überzeugt bist, dass alles zu seiner Zeit passiert. Und da muss ich jetzt an unsere Oma denken, die immer sagte, wer weiß für was es gut ist.

Davon bin ich überzeugt. Oft passiert im Leben etwas, dessen Sinn man erst gar nicht greifen kann. Manchmal hadert man und ärgert sich, aber wenn man ganz ruhig wird und auf auf sein Herz hört, dann weiß man es ganz genau. Am Ende wird alles gut sein. Und darum geht es für mich im Leben auch, darauf zu vertrauen, dass alles nur so sein kann, wie es im Augenblick ist und alles zu deinem Wohle geschieht. Mit einem offenen Herzen durchs Leben zu gehen, mag manches Mal weh tun, weil du so auch verwundbar bist, aber es wird sich immer lohnen. Alles was du aus ganzem Herzen gibst, kommt tausend Fach zu dir zurück.

Ach liebe Burgi, du sprichst mit so aus der Seele, aus ganzem Herzen eben und glaubst du wirklich wir sind in diesem Leben zufällig Cousinen geworden? Wobei ich bei meiner nächsten Fragen bin und unserer nächsten Gemeinsamkeit, die uns so verbindet.. Wie auch ich beschäftigt sich Burgi schon ihr ganzes Leben lang mit allem was weitgehend mit Heilen und Spiritualität zu tun hat. Auch hier schließt sich der Kreis im Ursprung unserer Familie. Unser Uropa hatte eine Gabe, die viele Menschen aus Nah und Fern zu ihm ins Leger pilgern  lies: Er konnte Menschen mit Kräutern und uraltem Heilwissen heilen. Als mein Uropa verstarb, hat er dieses niedergeschriebene Wissen meiner Oma in Form eines Gelübdes weiter gegeben. So wie auch er es erhalten hatte. Meine Oma hat es angeblich meiner Tante vermacht, der “ zufälligerweise“ auch ein großes Interesse für Kräuter und deren Wirkungsweisen mit in die Wiege gelegt wurde . Burgi und ich finden das unglaublich spannend und hochinteressant. Das Gelübde besagt unter anderem auch, dass derjenige der die alte Tradition fort führt, es als Geheimnis für sich behalten muss und mit keinem anderen Menschen  über den Inhalt und die Vorgehensweise dieser alten Heilkunst reden darf. Was die Sache für uns natürlich noch geheimnisvoller macht.

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Meine Cousine hat sich über Jahre hinweg das Handwerk des Räucherns angeeignet. Zusammen mit Christa und Margot sind sie die „Hollerfeen aus dem Isartal“.  Wer die drei jemals zusammen auf einen ihrer Vorträge oder beim Räuchern erlebt hat, sieht wie sehr sie dieses Thema dann auch leben und weitergeben möchten. Faszinierend ist es allemal.

Wie bist du denn überhaupt zum Räuchern gekommen Burgi?

Das hat sich immer alles ergeben. Durch meine Arbeit als Floristin hatte ich ja eh schon immer einen Zugang zu Kräutern  usw… Eine Freundin gab mir die Adresse von Marlies Bader, die über das Räuchern mit heimischen Kräutern oder das Wohnen mit guter Energie Bücher geschrieben hat und ihr Wissen in einer einjährigen Ausbildung an andere weiter gibt. Die Ausbildung hat mich persönlich sehr bewegt und auch vieles bei mir ausgelöst.

Du hattest ja auch einmal eine Ausbildung zur Persönlichkeitstrainerin absolviert?

Ja, genau. Das ist schon etwas länger her. Damals bei der Positiv Factory. Ich hatte so unglaublich ineressante Menschen während dieser Zeit kennen lernen dürfen und auch so wirksame Methoden, wie man zum Beispiel an neue Projekte heran geht oder mit schwierigen Lebenssituationen umgehen kann. Eine unfassbar wertvolle Zeit für mich, die ich jeden nur uneingeschränkt empfehlen kann.

Wir erreichen die Lichtung kurz vor der Gassenhofer Alm. Beide haben wir dort als Teenager lustige Hüttenabende verbracht. Unabhängig voneinander. Irgendwie müssen wir jetzt darüber lachen und können gar nicht glauben, wie lange das in Wirklichkeit schon her ist.

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Bald schon können wir den Gipfel sehen und der Weg führt uns steil nach oben. Ab und zu müssen wir einfach innehalten und uns umdrehen, zu schön ist diese zauberhafte Bergkulisse des Voralpengebirges. Und was für einen Stimmung! Wir genießen jeden einzelnen Augenblick so sehr, vor allem weil wir ja wissen wie selten das ist, dass wir es tatsächlich einmal gemeinsam auf den Berg schaffen.

Als wir oben am Bankerl ankommen stellt sich bei uns wirklich wahres Gipfelglück ein. Es ist einfach so besonders, dass wir hier zusammen auf dem Zwiesel sitzen und auf den Isarwinkel und auf unsere Heimat herab schauen dürfen. Alkoholfreies Weißbier, Butterbrezen, Käsestangen, Quarktaschen…ein verspätetes Frühstück auf dem Berg schmeckt einfach immer außergewöhnlich gut!

Und Burgi erzählt, wie oft es ihr im Alltag so ergeht, dass sie Menschen einfach spontan in den Arm nimmt, wenn ihr das Gefühl das sagt. Einmal so sagt sie, hatte sie eine Kirche für eine Hochzeit dekoriert und eine fremde Frau hat ihr von ihrem verstorbenen Mann erzählt. Burgi hat ihr einfach nur zugehört und sie dann rein aus dem Instinkt heraus umarmt. Die Frau ist in Tränen ausgebrochen und war so sehr berührt von dieser Geste, dass sie Burgi einen Segenswunsch für ihr ganzes Leben aussprach. Richtig förmlich mit Handauflegen und so. Burgi wiederum war von diesem spontanen Dankbarkeitsritual  dann auch wieder so bewegt, dass sie dieses Erlebnis mit der freundlichen Dame in der Kirche sicherlich auch so schnell nicht wieder vergessen wird. „Aber so ist das, wenn man seinem Gefühl folgt. Manches Mal geschehen dann die wundersamsten Dinge.“ stellt Burgi fest. „Und überhaupt, “ so fährt sie fort, „ein Leben ohne es aus dem Herzen heraus zu leben, könne sie sich nur schwer vorstellen.“ Herz über Kopf. Ganz klar.

Bei Burgi hat es immer den Anschein, wie wenn sie durchs Leben tanzt. Es ist diese Leichtigkeit die sie umhüllt, wie ein zarter Schleier gewebt aus Mut, Fröhlichkeit und der unendlich tiefen Freude am Leben. Gibt es irgendetwas was du dir noch wünscht Burgi?

Alles in allem hatte ich schon sehr viel Glück im Leben und mir wirklich ganz tolle Menschen ausgesucht, die ich begleiten darf und die mich begleiten. Ich würde nichts daran ändern, denn im Grunde hat mich alles genau dahin geführt wo ich jetzt stehe.  Auch zu meinem größten Geschenk: Mein Sohn Basti. Der ja mittlerweile auch schon erwachsen ist und seinen eigenen Weg geht. Wir sind sehr eng miteinander verbunden und ich bin so unfassbar gerne seine Mama und einfach überglücklich, dass wir uns gefunden haben.

Gefunden haben. Glaubst du ihr habt euch ausgesucht?

Ja auf alle Fälle. Ich glaube wir ziehen immer die „richtigen“ Menschen in unser Leben. Das sind ganz oft die Menschen die wir über alles lieben, aber auch die von denen wir am allermeisten lernen können.

Du und Markus (Bastis Papa) ihr seit ja beide noch sehr jung gewesen, als Basti zur Welt kam und habt euch getrennt, als er noch sehr klein war. Was mir bis heute imponiert ist, dass euch so eine tiefe Freundschaft miteinander verbindet. Ich glaube das ist echt selten.

Das stimmt. Wir schätzen uns beiden einfach total und freuen uns immer noch sehr, wenn wir uns sehen. Auch wenn das „nur“ freundschaftlich ist. Aber Freundschaft ist doch auch so unsagbar wertvoll.

Da hast du Recht. Glaubst du denn an die eine große Liebe?

Ja, unbedingt. Alle Menschen mit denen ich bisher zusammen war, haben immer noch einen Platz in meinem Herzen und auf übergeordnete Weise liebe ich sie immer noch. Auch wenn ich an diese eine große Liebe glaube, tue ich mir tatsächlich schwer, etwas zu versprechen, zu schwören…so wie es ja an Hochzeiten oft der Fall ist. Lieber möchte ich daran glauben, dafür leben und mein Herz dafür öffnen.

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Der Abstieg führt uns über die bewirtschaftete „Schnoada Alm“  über einen sehr schönen Steig mitten durch den Wald, alten Baumbeständen, an Wasserfällen vorbei und  Burgi erzählt mir von einem weiteren Geschenk, welches  ihr das Leben gemacht hatte: Das Haus in dem sie und Basti jetzt leben und das sie sich immer genau so gewünscht hatte. Manchmal so sagt sie, kann sie es immer noch nicht glauben, dass das genau so passiert ist. Denn sein Traumhaus in der heutigen schwierigen Imobilienlage zu finden, obendrein  erschwinglich, ist wirklich wie ein 6er im Lotto, wie Burgi es immer wieder betont. Ich erinnere mich so gut an jede einzelne von Burgis Wohnungen. Angefangen bei dem riesengroßem Zimmer bei meiner Tante und meinem Onkel im Dachgeschoss, die Wohnung beim Schloss in Reichersbeuern, die ohne Heizung am Kalvarienberg, die in der Marktstrasse in Bad Tölz, die bald unser Lieblingstreffpunkt an Leonhardi war, das kleine, uralte Haus mit dem verwunschenen Garten… Alle Wohnungen hatten ihre ganz besondere Ausstrahlung und Energie. Über die letzte Wohnung bekam Burgi dann auch das Angebot ihr Traumhaus direkt gegenüber zu kaufen. Das ist auch wieder was das Burgi lebt. Einfach einmal dem Leben zu vertrauen, alles wird gut und zur rechten Zeit kommt es zu dir…so wie dein Traumhaus zum Beispiel.

Burgi erzählt mir noch von den vielen Zufällen, wenn sie auf Reisen war. Einmal zum Besipiel wollte sie und Basti nach Mexiko fliegen. In den Osterferien im karibischem Meer baden, einmal die Maja-Tempel in echt sehen und mit dem Rucksack durch das Land reisen. Am Flughafen dann die Ernüchterung. Basti durfte mit seinem deutschen Pass nicht über die USA einreisen, weil er nicht den US Bestimmungen entsprach. Ziemlich traurig sind sie damals mit ihren Rucksack in dem sie nur Flossen, Taucherbrillen und ein paar Sommerklamotten gepackt hatten, mit dem Zug wieder nach Hause getingelt. Kurz entschlossen sind sie dann einfach nach Wien weiter gefahren, haben dort unsere gemeinsame Tante besucht und wie es der Zufall will in einer Pension übernachtet in der alles, wirklich alles im Mexikostyle eingerichtet war. Mit den Vermietern haben sie sich so gut verstanden, dass sie sich auch nach der Reise wieder getroffen haben. Das ist ja gerade das faszinierende am Reisen, die Menschen die einem überall auf dieser wunderschönen Erde begegnen. Denn am besten führt uns doch alle immer noch der Zufall zusammen. Zufall im Sinne von zu fallen.

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Waldherr Alm

Am Ende unserer Tour gehen wir am Bacherl Richtung Waldherr Alm entlang. Ein super Einkehrtipp übrigens, den ich nur empfehlen kann. Waldherr Alm

Liebe Burgi, ich könnte ewig mit dir weiter wandern. Auch bis ans Ende der Welt oder zumindest ein gutes Stück bis dahin,  das darfst du mir ruhig glauben. Du bist mit Abstand einer der warmherzigsten, gutmütigsten, offensten und ehrlichsten Menschen die ich kenne. Danke für die Zeit mit dir. Danke für unser Gipfeltreffen.

Danke aus ganzem Herzen, deine Cousine Michi

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Regenspaziergang am östlichen Höhenweg in Lenggries

In Zukunft gibt’s alle Videos aus dem Isarwinkel und aus ganzem Herzen nicht nur auf Facebook, sondern auch auf You-Tube und dem Blog. Sie sind bei Weitem nicht pefekt, aber ich arbeite daran. 🙂 Was mir wichtig ist… dass ich euch durch die Videos zu uns in den Isarwinkel mitnehmen darf und euch so all die magischen Orte und Plätze zeigen kann. Vielleicht besuchst du uns ja einmal und schaust sie dir in echt an? Und wenn du dort lebst, dann wünsche ich dir, dass dein Herz vielleicht noch ein bisschen schneller schlägt und deine Liebe zu unserer wunderschöne Heimat, den Alpen und alles drum herum mit jedem Mal noch größer wird. WEIL der Isarwinkel ist es definitiv wert! Bis bald und weiterhin ein langes, glückliches und lustiges Leben, aus ganzem Herzen M.

 

Das Tor zur Welt und der Isarrad- und wanderweg

Das Tor zur Welt und der Isarrad- und wanderweg

 

Wenn man so wie ich nach 35 Jahren immer noch in demselben Dorf lebt, in dem man aufgewachsen ist, dann kennt man dort jeden noch so versteckten Winkel in und auswendig. Hinter jedem Baum, hinter jeder Wiese und sogar unter jedem klitzekleinen Kieselstein so scheinst es, verbirgt sich eine Erinnerung. Irgendwann ist es beinahe so als ob man mit den vertrauten Orten und geheimen Fleckerl seiner Heimat verschmilzt und eine Einheit bildet. Gerade so wie Mehl und Wasser beim Einbrennen einer Brennsuppe und was am Ende auf der Zunge haften bleibt ist der typische Geschmack von Ur-Bayern. Als Kind hat man uns immer erzählt das der Arzbach in die Isar fließt, die Isar in die Donau und die irgendwann in das Schwarze Meer. Das hat mich damals schwer beeindruckt. Und so dachte ich, wenn ich mit meinem BMX-Rad nur einfach immer weiter am Isarradweg entlang fahren würde, dann käme ich irgendwann genau da an. Für mich war es klar, daß jeder der diese Welt bereist zwangsläufig auch den Isarradweg streift. Selbst dann wenn man nach Taka Tuka möchte. Am Isarradweg kommt keiner vorbei! Als ich die Wahrheit übers Taka Tuka Land und darüber das der Isarweg in Wirklichkeit nur 300 km lang ist erfahren habe, ist für mich trotzdem was vom Mythos des allumfassenden, allesverbindenden Pfad an der Isar übrig geblieben. Denn im Grunde ist es ja so, man muss nur auf einen weiterführenden Weg wechseln und immer weiter radeln…Heute sind es unsere Kinder die im Isarweg das Tor zur Welt sehen. Und ich hoffe du siehst es auch ein bisschen so und kannst die kleinen und großen Wunder links und rechts von dir auf diesem einzigartigen, ganz besonderen Radlweg erkennen. Denn wenn du willst, dann nimmt er dich überall hin mit. Bis an das Schwarze Meer und darüber hinaus. Du musst nur gelegentlich einen anderen Weg einschlagen um weiter zu kommen…

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Der Isarradweg fängt an der Isarquelle in Scharnitz an, führt an Mittenwald vorbei, einmal ums Karwendelgebirge herum, direkt bis zum wunderschönen Sylvensteinspeichersee. Er verlässt die Alpen in Lenggries, Arzbach, Bad Tölz… und schlängelt sich immer weiter durch das romantische Voralpengebirge bis zum Naturschutzgebiet Pupplinger Au, wo er schließlich die Landeshauptstadt München erreicht. Gemächlich und ruhig setzt sich der Pfad auf den Auwegen fort. Mitten durch herrliche Wälder in Niederalteich bis er sich letztendlich mit dem Donauradweg verbindet. Der Isarradweg verläuft südlich von Wolfratshausen auf verkehrsarmen Straßen in hügeligem Gelände, sonst überwiegend flussnah und abseits von Straßen auf in der Regel gut befahrbaren Wegen. Ein weitgehend familienfreundliches Raderlebnis mit dem Kontrast zwischen ruhiger Natur und lebhaften historischen Isarstädten. (Infos www.Isarradweg.de) Der Isarweg ist auch für Wanderer wunderbar geeignet. Die Bayerische Oberlandbahn hält an mehreren Stationen die unmittelbar am Isarweg liegen. (Gaißach, Obergries, Lenggries)

Und wenn du dann wirklich einmal auf dem Isarradweg unterwegs bist, dann schau doch bitte bei uns im Arzbacher Hof vorbei. ( BOB -Station Obergries) Wir freuen uns unfassbar über deinen Besuch!

Weitere Infos unter

Fahrradtouren am Isarradweg  

Der Isarradweg

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Isarflimmern/ Ein Video aus dem Isarwinkel

und das Lied vom Isarflimmern, weil ’s so gut passt…

Osterwochenende in Bildern

Osterwochenende in Bildern

Susanne von Geborgen Wachsen hat vor ein paar Tagen ihr drittes Kind, einen kleinen Sohn zur Welt gebracht. Ihr Blog ist so besonders und einzigartig und ich teile ihre Meinung bis in jedes kleinste Detail darüber was es bedeutet, wenn Kinder genau so ins Leben starten können und eben genau das dürfen: geborgen wachsen. Und weil es bei uns ja auch gerade Mal 1,5 Jahre her ist, daß unser Baby Nummer 3 zur Welt kam, kann ich alles so nachfühlen. Unsere ersten, zarten Augenblicke, das unfassbare Glück und auch der Moment als sie endlich da war und wir sie so fest in unseren Armen hielten, daß sie ganz sicher spürte: Wir lassen sie nie wieder los. Susanne hat in ihrem Blog dazu aufgerufen, unser Wochenende in Bilder zu schildern. Was natürlich mit ihren Bildern aus dem Wochenbett, die dermassen mit Liebe und Frieden durchflutet sind, in keinster Weise zu toppen ist 😉 Aber trotzdem hier ist es, unser Osterwochenende in Bildern und Farbe und … natürlich aus ganzem Herzen.

Das ist meine Geburts- und Heimtstadt Bad Tölz. Ich lebe so unglaublich gerne im Isarwinkel.  Hier der Blick für euch vom Tölzer Kalvarienberg.

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Das ist sie noch einmal die Kalvarienbergkirche von der Isarbrücke aus.

Am Karfreitag ist sie besonders schön geschmückt. Kati und ich zünden ein Kerze an, weil ich nie an Kirchen vorbei gehen kann ohne Kerzen anzuzünden. Für uns ist es irgendwie ein Ritual geworden, um unsere Gebete in den Himmel zu schicken.

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Es gibt so viele Osterrituale im Isarwinkel, dass ich dem Ganzen eigentlich einen ganzen Blogartikel widmen sollte. (nächstes Jahr zu Ostern dann;-) Eines davon ist die „Heilge Stiege“, die sich in der Tölzer Kalvarienkirche befindet. Nach einer alten Tradition beten bis heute noch die Menschen kniend am Karwochenende jede Einzelne der insgesamt 28 Stufen bis nach oben. ( z.B. das Vater unser)

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Am Kalvarienberg.

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Noch ein paar Kleinigkeiten in der Tölzer Marktstraße abholen, damit der Osterhase am Sonntag nicht mit leeren Händen da steht.

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                                                                 Entenfüttern an der Isar.

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Die Verlosung des Frühlingsostergewinnspiels auf dem aus ganzem Herzen Blog.

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Am Abend haben wir mit meiner Nichte Lisa alle zusammen noch ihren 17.Geburtstag gefeiert! 17, unglaublich, ich kann es immer noch nicht fassen…kleine, große Lisa.

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Im Arzbacher Hof gab’s Ostern natürlich auch jede Menge zu tun. Und weil wir beim Arbeiten keine Zeit zum fotografieren haben, sondern schauen müssen, daß unsere Gäste glücklich und satt sind – ist klar…nur ein paar wenige Bilder eines turbulenten Osterwochenendes.

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Alle Jahre wieder kommt der Arzbacher Hof Osterhase und beschenkt unsere lieben Gäste.

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Vor allem auch die Kinder…

Jahrtag der Freiwilligen Feuerwehr Wackersberg-Arzbach am Ostermontag im Arzbacher Hof. Auch der kommt alle Jahre wieder…

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Ostern bei uns in den Alpen ist geprägt von Traditionen und Brauchtum. Aber davon erzähle ich euch dann ein anderes Mal. Heute lasse ich die Bilder für euch sprechen…ich hoffe ihr hattet alle ein durchweg wundervolles Osterfest in angenehmer Gesellschaft. Was bedeutet Ostern für euch? Wie durftet ihr eure Feiertage verbringen?

Wir lesen, sehen und hören uns bald wieder,

alles Liebe aus ganzem Herzen, M.

Fotos M.Linke/ Foto Kirche Wackersberg Hans Demmel

Dein Weihnachtsort

Dein Weihnachtsort

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, die ja für uns eigentlich die „staade Zeit“ sein sollte, ist uns manchmal alles zu viel. Mir kommt es so vor, als hätte ich in den letzten Tagen auffallend viele Gespräche darüber geführt wie anstrengend Weihnachten doch eigentlich ist. Der Arzbacher Hof hat seit gestern wieder geöffnet. Betriebsurlaub vorbei. Seit Wochen wird schon wieder alles vorbereitet und dekoriert. Ich weiß auch nicht, aber irgendwie gehört das für uns so zu Weihnachten dazu, daß man ohne dieses ganze Drumherum gar nicht in die richtige Stimmung kommen würde. (Denke ich mal) Wenn alles zu viel, zu hektisch und zu laut wird, dann packen wir unsere Kinder ein und fahren nicht wie vielleicht angenommen auf den Christkindlmarkt, sondern an einen unserer magischen Orte. Dort wo es ganz leise ist und wir meistens die einzigen Menschen sind, die wir auf weiter Ebene sehen können.

Am Sonntag waren wir an einem dieser „unserer Lieblingsplätze“ an der Isar, die Vorderriss. (hinterem Sylvenstein für alle die es nicht kennen, Sylvenstein hinter Lenggries, für alle die den Sylvenstein nicht kennen;-) Dieses ganz besondere Platzl strahlt soviel Anmut und Kraft aus, daß man automatisch ganz davon eingenommen und verzaubert wird. Ehrlich wahr! Unsere Kinder können stundenlang dort spielen. So frei, so grenzenlos.  Abends sind sie dann vor allem müde, aber auch erfüllt, glücklich mit rotglühenden Backen und dampfenden Köpfen unter den dicken Wintermützen. Und so denke ich mir, daß was da alles um uns herum passiert an Weihnachten, das was uns allen manchmal zu viel wird, weil es sich oft so sehr von dem eigentlichen Weihnachtsgedanken entfernt, das ist gar nicht wirklich Weihnachten. Weihnachten ist mehr ein Gefühl von Wärme, Familie, Zusammenkommen, Ruhe, am Kamin Geschichten erzählen oder Bratäpfelpunsch trinken. Ich wünsche dir, daß du ganz viele Orte kennst an denen du dieses Gefühl für dich findest. Das kann durchaus auch ein Weihnachtsmarkt sein. Was zählt ist was du fühlst. Weihnachten ist das Fest der Liebe, es wäre so schade, wenn es vorrüber zieht, nur weil man es nicht gehört oder gesehen hat. Atme tief ein und aus, schau in die Welt mit neugierigen Kinderaugen…und finde dein Weihnachten. Es ist überall, wo du es sehen kannst.

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Vom ersten und dem zweiten Augenblick kleine Wunder zu sehen

Vom ersten und dem zweiten Augenblick kleine Wunder zu sehen

Gestern bin ich nach Lenggries gefahren, um noch eine kleine Brotzeit für uns zu holen. (Betriebsurlaub, da geht uns schon mal das Essen aus) Der Himmel war dunkelblau, der Mond leuchtete (fast) in seiner ganzen Größe über der Isarwinkler Bergkette und  sein magisches Licht spiegelte sich in Schneefeldern und  weißbestäubten Baumspitzen wieder. Ich habe schnell noch einen kleinen Umweg gemacht und mir ein freies Platzerl unterm Geierstein gesucht. Dort war der Mond noch hinter den Bergen versteckt, um genau in diesem Augenblick  hinter dem Geierstein aufzugehen.  So ein zauberhafter Moment. Meine Kamera ist zu Hause, zu gerne hätte ich ein Bild für euch aufgenommen. Der Kirchturm schlägt exakt fünf Uhr. Morgen bin ich wieder da, das verspreche ich euch. Selber Ort, selbe Stelle. Kurz vor fünf, ich schnappe mir meinen Mann, meine Kamera und wir machen uns auf den Weg. Als wir in Arzbach wegfahren  sehe ich, daß der Mond heute ganz rund  ist. Der Himmel ist wieder so blau wie gestern. Mei, ist das schön!

Ich schwärme meinen Mann von dem wundervollen Mondaufgang von gestern vor. Als wir da sind ist es immer noch kurz vor fünf. Wir warten. Und warten. 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten…und irgendwann kommt dann der goldschimmernde Vollmond stark und kraftvoll wie gestern hinter den Bergen hervor. Der Himmel ist heute nicht mehr blau, sondern nachtschwarz. Der Augenblick ist anders, aber genauso magisch. Und jetzt frage ich mich, wie kann es sein, daß zwischen den selben Mondaufgängen von gestern und heute ein Unterschied von über 15 Minuten liegt. Zudem der Mond heute ein gutes Stück weiter vorne aufging als gestern. Ich habe mich nicht verschaut oder in der Uhrzeit vertan, ich schwöre! Ich finde es raus warum das so ist! Und über noch was muß ich nachdenken. Das es manches Mal Situationen gibt, von denen man annimmt sie wären morgen noch genauso wie sie das heute sind. Zumindest in ähnlicher Form. In Wirklichkeit ist das aber dann gar nicht so. Das macht auch nichts, wenn sie so wie heute sind. Wunderschön, nur eben anders. Erklären kann ich das nicht. Genauso wenig wie die bunten Lichter die überall auf meinen Bildern herumfliegen. Vielleicht kann das ein Fotograf, aber die Vorstellung, daß sie vielleicht nicht zu erklären sind gefällt mir. Faszinierend sind sie alle mal.

Ich wünsche dir, ein Leben das gefüllt ist mit kleinen und großen Wundern und das kein Augenblick dem anderen gleicht, weil das erst macht ihn einzigartig. Eine wunderschöne Vollmondnacht, wünscht aus ganzem Herzen M.

Foto M.Linke

Die Isarwinkler und ihr Wiesnspirit

Die Isarwinkler und ihr Wiesnspirit

Der direkte Weg zur Wiesn fängt für den Arzbacher an der Haustüre an. Zu Fuß geht’s über den Isarweg nach Gaißach zur nächsten BOB-Station. Wie jedes Jahr stellt der BOB Fahrkartenautomat eine mittelschwere bis sehr schwere Herausforderung dar. Wieviel dürfen jetzt noch einmal mit dem Bayernticket mitfahren? ( Die Antwort: Fünf) Da die Wiesn nur einmal im Jahr ist, muss ein Großteil der Oktoberfest-Passagiere den Touchscreen nur um diese Jahreszeit bedienen. Geldscheine werden nicht angenommen, darauf hin noch einmal gedreht,  glatt gestrichen und erneut eingesteckt. Kleingeld fällt durch, wird wieder einzeln  eingesammelt und an Trachtenjankern gerieben (warum auch immer) und ein erneuter Versuch verzögert die Abfahrt und verlängert die Schlange hintern BOB Automat. Seltsamer Weise ist genau in dieser Schlange aber immer jemand dabei, der kulanterweise die Sache in die Hand nimmt und in relativ kurzer Zeit so viele Bayerntickets ausdrucken kann, dass beim Eintreffen der BOB alle doch noch rechtzeitig einsteigen können. In der BOB steigt dann die Vorfreude. Die ersten Wiesnbesucher sind schon in Lenggries eingestiegen, weitere folgen in Gaißach ( Gaißach hat gleich 2 Haltestellen!), Bad Tölz, Reichersbeuern…man erkennt sich. Jeder Isarwinkler trägt Tracht. Grüngestickte Lederhosen, grüngesamter Hut, handgestrickte Strümpfe und Hosenträger mit dem jeweiligen Gemeindewappen, manchmal auch den Initialen des stolzen Besitzers. Die Damen tragen wunderschöne und maßgefertigete Dirndl. Meistens eins zweiter Wahl, das für d’Wiesn scho langt, aber trotzdem immer noch seeehr gut weg kommt im Vergleich mit dem klassischen C&A Dirndl und anderen diversen Flatline-Anbietern. In Punkto Tracht ist der Isarwinkler überhaupt empfindlich. Harry G spricht uns allen aus der Seele! Hüte mit Pfauenfedern, Plastikdirndl oder rosa Kniestrümpfen gelten als persönliche Beleidigung. Der Isarwinkel verbindet Tracht als Ausdruck seiner Persönlichkeit. So schauts aus. Der klassische Isarwinkler fährt mit der BOB auch bis zur Donnersbergerbruck’n,  nicht bis zum Hauptbahnhof und fährt eine Station S-Bahn und geht von der Hackerbücken aus die paar Meter zu Fuß zur Wiesn. Des macht ma einfach so.  Dort angekommen, versetzt ihn das bunte Treiben immer wieder auf’s Neue in Erstaunen. So viele Leid, so an Haufn Fahrgeschäfte, so viele Zelte! Das größte Volksfest der Welt! Es wird ein bisserl herumgebummelt, vielleicht einmal Looping, Ketten- oder Weißbierkarussell gefahren, bevor es zu den reservierten Tischen ins Bierzelt geht. Nur zum Schaun fährt der Isarwinkler nämlich ned in die Wiesn, mit den Kindern eventuell, aber sonst nicht. Er hält sich meistens im Hacker, Schottenhammel, Bräurosl, Augustiner, in der Ochsenbraterei oder irgendeinem Paulanerzelt auf. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber im Marstall (ehemals Hippodrom) oder Käfer findet man ihn grundsätzlich und eigentlich nie. Auch nicht im Hofbräuhauszelt. Too international, da ist der Isarwinkler konservativ. Unter Umständen triffst du ihn noch in der alten Wiesn oder in einem der kleinen Zelte. Der Isarwinkler muss sich heimisch fühlen, sonst wird er grantig. Hat er aber dann sei Platzerl g’fundn, sitzt er und  steht außer zum Bieseln nimma auf. Warum auch. Als Allererstes wird  gegessen, bevorzugt traditionell ein Wiesenhendl und somit eine gscheide Unterlage geschaffen. Es dauert ein paar Maß, aber spätestens nach „Fürstenfeld“ von STS oder Hubert von Goiserns „Brenna duat’s guat“ steht der sonst so gemächliche Isarwinkler auf der Bierbank und ist mittendrin im Wiesenfeeling. Und wisst’s ihr wer des eigentlich olles macht? Wisst’s ihr eigentlich wer genau für dieses Wiesenfeeling verantwortlich ist? Na? Ja dann passt’s moi auf, i erzähl eich jetzt a Gschicht.

Er wohnt ganz oben tief im Herzen der Bavaria und nur weil wir ihn nicht sehen können ist er trotzdem da. Wo er sich das ganze Jahr über aufhält weiß keiner so genau, aber spätestens wenn die ersten Schausteller ihre Fahrgeschäfte aufbauen und die Zelte langsam wieder die gewohnte Form annehmen, spürt man, dass er irgendwo da draußen sein muss. Er ist spricht alle Sprache die es auf dieser schönen Welt gibt, ist verständnisvoll, sanftmütig. urlustig und herzensgut. Seine Anwesenheit wird immer präsenter und ist spätestens bis zum Wiesnauftakt mit dem Einzug der Wirte nicht mehr zu leugnen. Er ist der heilige Geist des Münchner Oktoberfestes, die Rede ist vom Wiesnspirit. Wenn am Morgen die ersten rotgelben Strahlen der aufgehenden Sonne auf die Bavaria runter strahlen, dann schleicht er sich langsam unter die Leute. Er zaubert den Standlbetreibern, den Musikern, den Bedienungen, den Straßen- und Heimkehrern…ein Lächeln ins Gesicht. So dass sie tatkräftig und gutgelaunt wieder an die Arbeit gehen. Die noch übrigen Wiesnbesucher begleitet er sicher bis zur nächsten U-Bahnstation oder er ruft ihnen ein Taxi, wenn sie es selber nicht mehr können. Wenn du dich zum Beispiel fragst, wie du gestern Abend von der Wiesn heimgekommen bist, dann kann ich dir sagen, da war ganz sicher der Wiesnspirit am Werk. Mittag sitzt er am liebsten in einer gemütlichen Münchner Runde. Adrette Rentner die ausschauen wie James Dean es jetzt tun würde und  während der Mittagswiesn Schafkopfn, entspannte Damenrunden, die sich zum Ratschen dieses Mal ausnahmsweise im Bierzelt anstatt im Cafe Kugelhupf treffen oder auch der strahlende Japaner, der gerade genüsslich seine Weißwurst aussaugt und grinsend eine Brezen hinter herschiebt.

Der Wiesenspirt is einfach gern da, wo es zünftig ist. Wenn die Kinder nach der Schule oder dem Kindergarten vorbeikommen, dann freut er sich ganz besonders. Er fährt wilde Maus und Riesenrad, isst babige, rosa Zuckerwatte oder hilft ihnen, dass man beim Losestandl nicht nur Nieten hat oder auch dabei dass der Papa in der Schießbude besser trifft. Kinder sind für ihn sowieso das Höchste und wenn ihre Augen leuchten, dann geht ihm im wahrsten Sinne des Wortes das Herz auf. Er versucht, so gut es geht auf zu passen und wenn dann wirklich einmal ein Kind verloren geht, dann schaut er, dass es ganz schnell wieder zu seinen Eltern kommt. Aber trotzdem mahnt er, passt’s gut auf eure Kinder auf. Die Wiesn ist so groß und für ein Kind ist es eine mittlere Katastrophe, wenn es dort im Gewimmel verloren geht.

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Am späten Nachmittag füllen sich die Zelte mit Leuten aus nah und fern, ja aus der ganzen Welt. Der Wiesenspirit wartet geduldig am Eingang eines jeden Zeltes und passt auch da wieder auf, dass alle Gäste entspannt zu ihrem Sitzplatz kommen und ihre erste Maß in angenehmener Gesellschaft einnehmen können.

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Wenn die Musik zum Spielen anfängt, die Menschen singen und lachen, dann wartet der Wiesenspirit auf seinen großen Moment. Darauf das sich alle Herzen ganz weit für ihn öffnen!

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Genau in diesem Augenblick transformiert der Wiesnspirt dieses Gefühl der Einheit und der Heiterkeit in ein ganz universal, verbindendes Urgefühl, das seinem eigenen Wesen am allermeisten entspricht. Dem einzig und wahren Wiesnspirit! Fremde Menschen liegen sich in den Armen, jeglicher Groll den man vielleicht gerade noch gegen seinen Sitznachbaren hegte, hebt sich auf, man schwebt regelrecht auf der Woge der Glückseligkeit, vergisst Zeit und Raum und lässt sich einfach mit diesem Gefühl treiben. Jeder der es schon einmal erlebt hat, weiß, dass es eigentlich nicht zu beschreiben ist. Wenn das Gefühl sich über die ganze Theresienwiese ausgebreitet hat, dann hockt er ganz oben in seiner Bavaria und schaut runter. Überglücklich, dass er es wieder einmal geschafft hat Grenzen zu überwinden, Menschen zu verbinden, Herzen zu öffnen.  Manches Mal hat jemand gemeint, er hat ihn gesehen, den Wiesenspirt. War es auch nur ein flüchtiger Moment, ein glückliches Pärchen, dass sie gerade gefunden hat, ein lächelndes Kind, das einen Luftballon an der Hand hält, eine selige Oma, die ein Herzl mit „bester Oma“ umhängen hat. Schau genau hin, dann siehst du ihn den Wiesnspirt. Er ist da, überall und auch in dir, wenn du das möchtest.

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Spätestens wenn um 23 Uhr die letzten Gäste das Zelt verlassen, dann geht er auch langsam heim. Sorgt hier und da noch dafür, dass manche Raufereien gut ausgehen, dass Streitigkeiten doch noch ein gutes Wort am Ende finden und weil er weiß, dass er nicht alles ändern kann, kann er sich auch für ein paar kostbare Stunden zur Ruhe legen.

Auch der Isarwinkler geht langsam heim, vielleicht bleibt der ein oder andere noch im Weinzelt hängen. Im Grunde aber meidet der Isarwinkler die Wiesn nach Mitternacht, wie der New Yorker den Central Park um diese Zeit. Er ist froh, wenn er die letzte BOB schafft und wieder auf den Weg nach Hause ist. Schnell noch eine Fischsemmel oder einen Steckerlfisch gekauft oder gebrannte Mandeln und Magenbrot für die Daheimgebliebenen. Ein konserviertes Stückerl vom Wiesnspirit. Müde, aber erfüllt vom Selbigen und von dem Gefühl, dass er genau weiß, wo er hingehört. Und weil sich in der letzten BOB wieder alle treffen, vereint und glückselig, gibt es ihn ganz sicher auch, den Isarwinkler Spirit, da bin ich mir ganz sicher. Kleiner, nationaler, aber trotzdem allumfassend.

Ich wünsche dir, dass du bereit bist für den Wiesnspirit und das seine Kraft auch dieses Jahr wieder ausreicht für eine friedliche Wiesn. Ich wünsche dir, dass es dich berührt und so erfüllt, dass du dieses Gefühl das ganze Jahr über bei dir trägst und von ihm zerrst. Bis zur nächsten Wiesn. Aber noch sind wir mittendrin…

aus ganzem Herzen M.

 

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