Der Arzbach – eine Liebeserklärung

Der Arzbach – eine Liebeserklärung

Mein liebster Arzbach,
jetzt kennen wir uns schon 34 Jahre und noch nie habe ich dir gesagt, was du mir tatsächlich bedeutest. Wie verliebt ich doch von Anfang an in dich war, damals als ich einen meiner ersten Schritte in dir gemacht habe. Was für ein Segen dich zu haben und neben dir aufwachsen zu dürfen! Über alle die Jahre bist du wie ein fester Anker für mich geworden. Weißt du noch die Indianerspiele und die Baumhäuser die wir immer in deiner Nähe gebaut haben? Ich fühlte mich grenzenlos frei neben dir und unendlich stark. Ich habe immer gedacht der Arzbach ist das Tor zur Welt und wenn wir unser Floß nur groß genug bauen würden, dann würden wir es eines Tages bis in Schwarze Meer schaffen.

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Weißt du noch, diesen wunderbaren Sommer, als wir unser Strandcafe eröffnet haben? Wir haben Sonnenschirme, Liegen und alles was wir sonst noch finden konnten nach hinten zu dir geschleppt und Sandkuchen aus Brombeeren und Grashalmen gebacken. Und Staudämme haben wir gebaut, meterhoch! Denn so kam es uns wirklich vor und wenn nach einem Gewitter alles wegschwemmt wurde, haben wir alles wieder aufgebaut, so als wäre es die normalste Sache der Welt. Unser Strandcafe war dann aber doch zu versteckt, als das daraus wirklich etwas werden hätte können. Damals waren deine Wege wild, verwachsen und verschlungen, wie die Arme eines Riesenkraken und dennoch fühlte ich mich in dir geborgen und gut aufgehoben. Denn das hast du immer getan: gut auf mich aufgepaßt. Mein Platz war in deiner Nähe, daß wußte ich ganz genau. Einmal im Sommer 1990, ich war 9 Jahre alt, da konnte ich deine ganze Kraft sehen und spüren. Das erste und hoffentlich letzte Hochwasser, das ich mit dir erlebt habe. Für uns Kinder war das alles ein großes Abenteuer, weil wir die Tragweite noch nicht fassen konnten. Aber Gott sei Dank ist außer den Dingen Niemanden etwas passiert. Die Geschichten von deinem großen Ausbruch, hallen bis heute in meinen Ohren nach. Man versuchte dich zu bändigen und aus den verwunschenen Riesenkrakenarmen ist heute tatsächlich ein ganz zahmes, großes Bächlein geworden. Aber wenn man genau hinschaut und das tue ich immer noch, dann kann man dein raues, leidenschaftlich und wildes Naturell immer noch erkennen.

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Was ich alles mit dir erlebt habe: meine ersten Schwimmversuche im Alpenbad, unsere stundenlangen Wanderungen und sogar meinen ersten Kuß. Wie könnte ich das alles vergessen? Jetzt habe ich auch noch das große Glück, daß auch unsere Kinder mit dir aufwachsen. Ich wünsche mir so sehr, daß sie ihre eigenen Geschichten mit dir erleben dürfen. Geschichten, die sich in ihr Herz einbrennen und zentimetertiefe Furchen hinterlassen, so wie in meinem. Vielleicht eröffnen sie irgendwann einmal ihr Strandcafe zudem echte Gäste kommen und nach Brombeergras-Sandkuchen fragen.

Die Wahrheit ist, ich habe dich immer geliebt, vom ersten Augenblick an und wahrscheinlich noch mein ganzes Leben lang. Ich kann mir gar nicht vorstellen, daß es je anders gewesen sein konnte. Ich kenne so viele Stellen in dir, die nur ich sehen kann, so viele versteckte Orte und Winkel, die nur uns gehören. Und manches Mal, wenn uns die Luft zum Einatmen fehlt, weil gerade ganz viel um uns herum los ist, dann nehme ich meinen Mann und unsere Kinder an die Hand. Es sind nur ein paar Minuten dann sind wir da, bei dir, mittendrin und dann atmen wir tief ein und ganz langsam aus. Weil es hat schon John Lennon gesagt, don’t forget to breath in, unless you breath out.

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Abendspaziergang

Seitdem ich denken kann, trinken wir unser Wasser aus deiner Quelle, die so rein und klar ist, wie du für mich. Du warst meine erste große Liebe und sind dir auch noch viele große Lieben nachgefolgt, so kann ich dir gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, daß du immer noch an meiner Seite verweilst. Du bist meine Sicherheit, meine Heimat,  mein Urvertrauen und ein Stück von meinem Herz wird dir auf ewig gehören. Weil ich dich aus ganzem Herzen liebe. In tiefer Verbundenheit, deine M.

Und dir wünsche ich, daß du einen Ort (oder mehrere Orte) findest, der dich mit Liebe überschüttet. Einen geschützten Raum nur für dich, an dem du immer zurückkehren kannst, wenn auch nur in Gedanken und egal wie laut es auf dieser Welt gerade ist. Einen Ort an dem du zu Hause bist.

Das wünsche ich dir aus ganzem Herzen. M.

Wenn du willst lies gerne auch meinen post 7 Geheimtipps für den Isarwinkel

 

Alpenbad/Arzbacher Wasserfall;-)

Titelbild und Bilder M.Linke

Das Alpamare – eine Ära geht zu Ende

Das Alpamare – eine Ära geht zu Ende

Nach und nach ist es ruhig geworden im einst so belebten Tölzer Kurviertel. Zahlreiche namenhafte Häuser, wie das Haus Otto, die Villa Fiori und seit Dezember letzten Jahres auch der Jodquellenhof, mußten ihre Pforten für immer schließen. Das Heilwasser aus den Quellen der 1860 gegründeten Jodquellen AG (kurz Jod AG) war Voraussetzung für den Aufstieg von Bad Tölz zu einem international bekannten Kurort. 1930 wurde vom damaligen Jodquellen-Chef Anton Hoefter in Bad Tölz die größte Wandelhalle Europas mit 120m Länge errichtet. Wandelhalle BTAm 1. Januar 1965 übernahm Max Hoefter die Leitung der Jod AG. Die Kur florierte – ein regelrechter Boom überrollte die Stadt Bad Tölz. Hoefter jedoch war zunehmend unzufrieden mit dem vom klassischen Kurgast dominierten Bild von Bad Tölz und suchte nach neuen Konzepten für junge Touristen und gründete als Folge daraus 1970 das Alpamare. 1977 wurde in Pfäffikon in der Schweiz ein gleichnamiges Bad eröffnet, welches 1999 an eine spanische Unternehmensgruppe verkauft wurde. Seit 2004 ist Anton Hoefter, der Enkel des Gründers, Vorstandsvorsitzender der Jodquellen AG. Das Alpamare war in den 80ger Jahren eins der Aushängeschilder von Bad Tölz. Es war das einzige „Spaßbad“ in der nächsten Münchner Umgebung und deswegen ein äußerst gutbesuchtes und beliebtes Ausflugziel für alle Altersklassen, besonders für Familien und Kurgäste. (es wurden dort auch Anwendungen, Massagen etc…angeboten) Das Alpamare war ein sehr gepflegtes Bad, obwohl die letzten Jahre nichts mehr renoviert wurde, was sich dann auch negativ auf die Besucherzahlen auswirkte. Zeitgleich eröffnete 1999 die Therme in Erding, andere Schwimmbäder rüsteten auf und das Alpamare verlor langsam aber sicher an Attraktivität. 2009 gab es einen letzten Rettungsversuch, um mehr Publikum anzuziehen: Ein Konzept der „Tölzer Quellen“ die größere Umbauten vorsahen, welches aber letztendlich nie umgesetzt wurde. Eine erhoffte finanzielle Unterstützung des Projekts durch die Stadt wurde Ende 2009 abgelehnt. Mitte 2013 beschloß der Stadtrat die Möglichkeiten einer Finanzierung und ein neues Konzept, das den Umbau zum reinen Wellnessbad (ohne Rutschen) vorsah, erneut zu prüfen. Während der Verhandlungen zwischen Stadt und Jod AG gab es Gerüchte über eine mögliche Schließung des Bads. Die Verhandlungen scheiterten, woraufhin im März 2014 ein Bürgerbegehren initiiert wurde, mit dem Ziel die Stadt zu Investitionen in das Alpamare zu bewegen. Das nötige Quorum für einen Bürgerentscheid wurde zwar erreicht, ein solcher wurde aber vom Stadtrat aus rechtlichen Gründen nicht zugelassen

Alpamare Abschied

Wir waren gestern ein letztes Mal da um Abschied zu nehmen. Wir sind mit unseren Kindern oft Donnerstag abends für ein paar Stunden ins Alpamare gefahren. Meistens waren wir und ein paar wenige anderen Badegäste die einzigen Besucher dort. Wenn es auch für das Alpamare wenig lukrativ war, für uns war es jedes Mal wie eine Auszeit, ein im wahrsten Sinne des Wortes Abtauchen in eine andere Welt. Wir sind stundenlang gerutscht und hatten einen unglaublichen Spaß im Wellenbad, in den Thermalbecken oder im Hallenbad, wo im Viertelstunden-Takt ein angenehmer Sprühregen von der Decke nieselt. Gestern rutschten wir die Rutschen immer wieder und beim letzen Mal mit der Thriller schreien unsere Kinder aus einem spontanen Gefühlsausbruch heraus ganz laut durch den blinkend-schwarzen Tunnel, „Danke Alpamare für die scheene Zeit mit dir! Mach’s guad!“ Sie berühren mit ihren kleinen Händen die funkelnden Wände beim Vorbeirutschen und da war ich doch tatsächlich ein bisserl gerührt. Sie haben einfach eine echte Verbindung zum Alpamare! So wie man das immer zu Orten hat, an denen man einfach eine gute Zeit hatte. Zum Abschluß rutschte Tommy zum ersten Mal den Corba Tunnel alleine und Leni die Alpa-Canyon! Die rote Rutsche, die ja eigentlich erst für Große ist! Kurze Überlegung, kleine Einweisung und weg war sie. Was man nicht alles macht, wenn man weiß, es ist die letzte Chance es zu tun. Beim Ausgang kauften wir hamstermässig Souvenirs. Baseballcapi’s, Pinn’s, Trinkbecher… als könnten wir so das Alpamare noch etwas länger am Leben halten. Wie bei einer künstlichen Beatmung, die keinen Sinn mehr ergibt, aber man einfach noch Zeit braucht die Geräte abzuschalten. (Weit her geholt? Keineswegs!) Und ich schließe mich unseren Kindern an: Pfiardi Alpamare, mach’s guad und danke für die schöne Zeit mit dir. Ein Stückerl Alpamare wird immer in unserem Herzen bleiben…was wünsche ich dir heute? Ich wünsche dir viel Platz für viele schöne Orte und Erinnerungen in deinem Herzen und das wünsche ich dir aus ganzem Herzen M.
P.S. Das Alpamare schließt am 30.August.2015. Über die weitere Nutzung des Areals sind sich die Stadt Bad Tölz und der Eigentümer noch nicht einig. Im Jodquellenhof sind derzeit politische Flüchtlinge untergebracht.

 

Was ist Tradition und was bedeutet Glaube für dich?

Was ist Tradition und was bedeutet Glaube für dich?

An Maria Himmelfahrt (15.08) gibt es in Oberbayern eine alte Tradition. Die Mädchen (die Buben sind an Ostern dran mit Palmbüscherl und Osterfeuer) sammeln Kräuter und Blumen, um daraus die Frauenbüscherl zu binden, welche anschließend an Freunde und Familie verteilt werden. An Maria Himmelfahrt werden die Kräuterbüscherl geweiht und laut einer alten Tradition werden sie getrocknet und im Haus aufbewahrt. Im Herbst werden sie dann mit dem ersten Kaminfeuer verbrannt.(früher auch zum Schutz bei einem starken Gewitter) Sie sollen das Haus segnen und reinigen.

Ich habe als Kind auch schon immer mit meiner Mama die Frauenbüscherl gesammelt und gebunden. Idealerweise aus 16 verschiedene Kräuter, wie Brombeer- und Haselnußsträucher, Sonnenblumen, Königskerzen, Schafgarbe, Kamille, Pfefferminze, Vogelbeere, Wohlmuth, Johanneskraut, Sonnenhut, eine Rose, Melisse, Enzian, Getreide und ein Mooskolben. Aber ganz so eng muß man es dann nicht sehen, zumal es auch immer schwieriger wird tatsächlich alle Kräuter zu finden. Es ist wie beim Schwammerlsuchen von Vorteil, wenn man die richtigen Plätze kennt. Man kann die Büscherl dann auch mit Geranien und anderen Wiesenblumen aufhübschen, Hauptsache schön bunt. Trotz des saisonbedingten Zeitmangels wollte ich dieses Jahr unbedingt mit Leni die Frauenbüscherl austragen. Binden, Sammeln und zur Kirche gehen hat die Oma übernommen, aber irgendwann schaffe ich hoffentlich mal das ganze Programm. Zumindest habe ich beim Sammeln mitgeholfen und das Austragen alleine hat bei uns dieses Jahr gleich zwei Tage in Anspruch genommen.

Was ist Tradition? In Oberbayern gibt es ja immer noch zahlreiche Traditionen & Rituale und ich frage mich, was sie in der immer schneller werdenden Zeit für eine Bedeutung für uns haben. Für mich war es als Kind immer unwahrscheinlich wichtig am Abend vor dem Einschlafen zu beten. Das Beten war und ist für mich die Bestandsaufnahme des Tages, was ist gut gelaufen, was weniger und für was bin ich dankbar, was wünsche ich mir? Über diesen kindlichen, naiven Glauben, habe ich eine – das traue ich mich hier einfach einmal zu behaupten – intensive und tiefe Beziehung zu Gott aufgebaut. Ich glaube an eine Kraft, eine höhere, universale Energie die alles zusammen hält, die uns führt und aus der wir alle kommen. Alles ist eins. Ich glaube an Bestimmung, das alles seinen Grund hat, aber das wir es letztendlich selbst in der Hand haben uns für eine Richtung zu entscheiden. So ist es auch mit der Tradition. Sie kann gut oder schlecht sein, je nach dem auf welchen Weg sie dich führt. Nur weil etwas schon sehr lange auf eine bestimmte Art und Weise gemacht wird, heißt das noch lange nicht, daß es richtig ist. Schau doch auf die vielen Traditionen hin, die Menschen nicht vereinen, sondern sie trennen. Wie zum Beispiel die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Es ist Zeit all die auferlegten Dogmas loszulassen und zu hinterfragen. Dürfen dann Frauenbüscherl nicht nur Mädchen austragen und müßten sie dann korrekterweise Kräuterbüscherl heißen? Ich finde, es jedenfalls schön mit meinen Töchtern ein Ritual zu haben, das uns gehört. Frauensachen eben. Und weil ich weiß, daß wir alle Menschen sind, die sich nach Gemeinschaft und Nähe sehnen. Wie wertvoll doch jede Tradition ist die uns aufeinander zu gehen und ein Stückerl enger zusammen rücken läßt! Und wie war das noch mit dem Glauben? Es gibt so viele Dinge die können wir uns nicht erklären. Soviel das wir nicht einmal sehen können, wie die Luft die du gerade einatmest und doch ist sie da. Ich wünsche dir, daß du glauben und vertrauen kannst. Das das Leben für dich ein großes Wunder ist und du darüber staunen und dich freuen kannst, wie ein kleines Kind. Aus ganzem Herzen M.

Bild M.Linke 2015

Neue Wege und die Kuchenmarie

Neue Wege und die Kuchenmarie

Der Sommer hat uns ganz. Es ist gerade Hochsaison im Arzbacher Hof und auf dem Alpencampingplatz. Soviel zu tun! Du kennst es sicher auch das Gefühl, wenn du garnicht mehr weißt wo man am besten und als erstes anfängt. Und gerade dann ist es manchmal eine unbedingte Notwendigkeit einfach einmal etwas ganz anderes zu tun. Etwas das völlig kontrovers zum normalen Alltagsgeschehen läuft. Etwas das dich für ein paar Stunden genau da rausholt, damit du kurz Luft holen kannst und du dich wieder atmen hörst in deiner lauten Welt. So ging es mir gestern bei einem extrem chilligen, gemütlichen Tortenmodellierworkshop der Kuchenmarie in München. Allein schon der Name Kuchenmarie ist wie eine Zenmeditation. So wie auch die äußerst liebenswürdige, tiefenentspannte Dame die sich hinter der Kuchenmarie versteckt und im wahren Leben Sandra heißt. Ich würde ja so gerne gut backen können, kann es aber nicht. Aber ich bin überzeugt, daß ich es könnte, es sich nur noch kein Moment ergeben hat, an dem meine in mir schlummernde Begabung so wie heiße Lava aus dem inneren der Erdkruste langsam nach oben fließt konnte. (hohoho) So als ob man immer wußte, daß sie da ist, es nur nicht sehen konnte. Mit dem Tanzen geht es mir zum Beispiel auch so, nur mag ich es nicht besonders gerne, weil ich es eben nicht kann. Im Grunde aber glaube ich, wenn ich nur wollte…zurück zur Marie. Ich habe den Kurs meiner Patenkindnichte zu ihrem 16. Geburtstag geschenkt. Im Gegensatz zu mir macht sie nämlich ganz unglaubliche Torten und Kuchen! Wenn man 16 ist und solche Torten backen kann, dann sehe ich mich als Tante in der Pflicht dieses Talent in jeglicher Art und Weise zu unterstützen. Nicht nur aus eigennützigem Interesse was die Kaffeerunde an Familienfesten angeht, nein, wirklich um dieses Begeisterungsfeuer für so etwas Tolles wie das Backen, am brennen zu halten. Ich habe mich für diesen Workshoptag nur als Begleitung eingeteilt. Jemand der in der ersten Reihe dabei ist, um zu bezeugen, dass meine kleine Nichte wirklich unschlagbar ist und sollte sie wirklich doch noch Konditorin werden, ich es immer schon gewußt habe. Kuchenmarie erzählt von Fondant & Cakelace und ich höre alles was sie sonst noch sagt zum ersten Mal. Sie macht jeden der Schritte vom perfekten Eindecken einer Torte bis zum feinen Verzieren mit Zuckerblumen ganz genau vor und langsam tauche ich ein in diese neue Welt. Es ist im Grunde wie ein Bastelnachmittag mit unseren Kindern. Nach einiger Zeit vergißt man Raum und Zeit, es ist so herrlich kreativ zu sein! Mit uns sind noch weitere acht Workshopteilnehmer in dem kleinen, schnuckeligen Lädchen der Kuchenmarie eifrig am an ihrer Torte rumbasteln und am Ende ist jede davon für sich ein kleines Kunstwerke geworden.

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Ich staune und stelle fest, ich hatte nicht nur eine ganz wunderbare Zeit mit meiner Nichte, weil gemeinsam verbrachte Zeit immer noch das Beste bleibt. Sondern ich habe auch etwas Neues dazu gelernt, etwas was ich zuvor nicht kannte und etwas was ich jetzt ein bißchen kann. Es fühlt sich gut an. Mal sehen, ob ich das mit dem Tanzen auch noch einmal versuchen werden…ich wünsche dir, daß du immer neugierig bleibst und neue Dinge ausprobierst, die du noch nie gemacht hast. Das du neue Wege gehst, auf denen du noch nie zuvor gegangen bist und von denen du vielleicht noch gar nicht gewußt hast, daß es sie überhaupt gibt. Nur so findest du heraus was alles in dir steckt und mit jedem Mal auch ein kleines bißchen mehr, wer du wirklich bist. Das wünsche ich dir aus ganzem Herzen, M.

www.kuchenmarie.de
Bild M.Linke

 

Sommerkinder

Sommerkinder

Unsere Kinder sind eingeschlafen. In unserem großen Bett unter dem Sternenhimmel dieser lauen Sommernacht, der durch das weit geöffnete Dachfenster blinzelt. Sommer, Sterne und schlafende Kinder, eine zauberhaft anrührende Kombination. Wer hat sich so etwas Schönes nur ausgedacht? Ich denke an meine Kindheit und an den Sommer, an diese grenzenlose Freiheit. Als würde sich alles um einen herum ein kleines Stückchen ausdehnen und weiter werden. Dieses universale Gefühl mit jedem und allem verbunden zu sein hat sich als unerschütterliches Urvertrauen in mir festgesetzt. Alles ist gut, alles wird gut. Die Sommer bei uns bestanden in meiner Erinnerung immer aus blauen Himmel und Sonnenschein. Das es höchstwahrscheinlich auch mindestens genauso viel Regentage gab, habe ich ausgeblendet. Die paar wenigen an die ich mich erinnere, waren im Grunde nur eine Vorbereitung zur nächsten Hitzewelle. Der Arzbacher Hof und der Alpencampingplatz waren ein internationaler Treffpunkt und Austauschplatz für uns Kinder. Das wir verschiedene Sprachen gesprochen haben hat uns nicht gestört, weil wir auf einer ganz anderen Ebene kommunizierten. Wir sind morgens mit den ersten Sonnenstrahlen aufgewacht und zum Spielen nach draußen. Kurz vorm Dunkelwerden sind wir dann alle wieder nach Hause, um in unsere Betten zu fallen, todmüde, aber glücklich. Im Grunde eine Art Wanderzirkus, mit festem Standpunkt. Wir waren wie Reisende, die doch immer am selben Ort blieben. Die Geschichten und Abenteuer die wir mit unseren „Weggefährten“ teilen durften waren kostbare Souvenirs aus den unterschiedlichsten Ländern, die wir sorgfältig in unserem imaginären Schrein stellten, um sie immer mit uns zu tragen. Jetzt beinahe fünfundzwanzig Jahre später, lebe ich immer noch an diesem kleinen Ort, der mir soviel bedeutet. Ich bin unendlich dankbar, daß unsere Kinder nun das Gleiche erleben dürfen. Ich sehe ihre Augen funkeln, wild, lebendig und so hungrig auf das Leben wie wir damals. Ich bin überzeugt, alles was wir im Moment für sie tun können ist ihnen diese Freiheit zu gewähren, die ich damals erfahren habe. Sie möglichst lange auf zu lassen, um jede Sekunde zu genießen. Um Glühwürmchen zu suchen, Walderdbeeren zu sammeln, Wassermelonen und Eis zu essen bis man Bauchweh bekommt.

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Das Bewußtsein, daß wir nicht alleine auf dieser Welt sind und das es noch so viele andere Menschen gibt. Vor Kurzem ist mir zufällig das beeindruckende Buch von Catharina Rust „Das Mädchen vom Amazonas“ in die Hände gefallen. Eines der Bücher die man in einem Zug ausliest. Als Kind lebte sie in Mashipurimo, einem Urwalddorf am Amazonas. Während ihre Eltern, beide Deutsche, die Lebensweise der Aparai-Wajana-Indianer erforschten, wuchs sie wie eine Indianerin auf – fernab westlichen Komforts, doch aufgehoben in der Gemeinschaft eines Stammes. Vielleicht ist der Vergleich weit her geholt, aber ein bißchen erinnert mich ihre Geschichte auch an meine Kindheit in Arzbach. Das Indinanerspielen im Arzbach, die Lianen und Hütten die wir uns aus Seilen und Holz gebaut haben und das Empfinden, daß wir wertvoll sind und uns genügen. Wenn es notwendig wäre, hätten wir aber auch die Kraft die Welt zu retten. Ich wünsche dir, daß du darauf vertrauen kannst, daß unsere Erde ein guter Ort ist. Und du dich überall zu Hause fühlst, weil Heimat ein Gefühl ist, das in dir ist. Ich wünsche dir, daß das Kind von damals immer ein Teil von dir bleibt. Mögen alle Kinder ihren Platz im Leben finden, an dem sie sich zu Hause fühlen und den Raum & die Nähe die sie brauchen, um Flügel und Wurzeln zur selben Zeit wachsen zu lassen.
Aus ganzem Herzen, M.

Titelbild und Bilder M.Linke/Juli2015

 

 

 

Der Tag am See

Der Tag am See

Das Wetter in Bayern ist sensationell schön. Obendrein sind die Prognosen auch noch sensationell gut. Blauer Himmel und Sonne überall. Es ist erst dann richtig Sommer, wenn wieder über die Hitze gejammert wird. Das traut man sich nämlich nicht, wenn das Wetter zuvor wochenlang grottenschlecht war. Als könnte man durch „nur übers mieses Wetter reden“ die Regenwolken wieder zurück locken. Schönes Wetter und Sommer bedeutet bei uns viele Menschen im Biergarten und auf dem Alpencampingplatz. Könnt ihr denn den Sommer auch genießen? Ihr bekommt ja gar nichts mit. Findet ihr denn auch ein bißchen Zeit für einander? So oder so ähnliche Fragen werden uns manchmal gestellt. Die Antwort ist immer leicht. Wir genießen den Sommer. Und wenn viele Gäste auch viel Arbeit bedeuten, wir lieben das. Frag doch mal Mick Jagger, wie ihm das so im Sommer geht, wenn er mit seinen Jungs auf Tour ist. Die sagen ja auch nicht, Mist, das Stadion voll, Sommer und heiß, wir würden dann jetzt mal lieber am See beim Grillen sitzen. So geht’s uns auch, wir wollen bei euch sein und ein verdammt „gutes Konzert“ spielen, damit ihr am Ende alle gut gelaunt wieder nach Hause geht. Auf die Frage, ob wir denn Zeit für uns finden ist die Antwort nicht ganz so leicht. Vor 10 Jahren hätte ich mir das nur schwer vorstellen können, daß es jemanden gibt mit dem ich freiwillig beinahe immer zusammen bin. Ohne jeglichen Fluchtgedanken. Jetzt ist es genauso gekommen und wir sind sogar noch mehr geworden. Unsere Familie. Manchmal passiert dann etwas Seltsames. Obwohl wir uns ständig sehen, haben wir eine solche Sehnsucht nach uns. Ich weiß, schwer zu erklären. Heute war dieses Gefühl wieder besonders ausgeprägt vorhanden und wir haben dann spontan unser Boot auf unseren Bus gepackt, haben unsere Köchin und die Kellnerin angerufen, ob sie vielleicht eher kommen könnten und sind für ein paar Stunden verschwunden. Ich glaube wenn man seinem Gefühl folgt, besonders wenn es einheitlich stark ist, wird man belohnt. In unserem Fall mit einem magischem Tag an einem unbeschreiblich schönen See, gerade mal 30 Km von uns. Baby Kati ist im Wasser auf meinem Arm eingeschlafen, Tommy und Leni sind mit Papa Tom Bootgefahren, easy living für ein paar Stunden und das Bewußtsein, daß es so ein großes Glück ist, daß wir uns gefunden haben! Das größte Geschenk überhaupt – auf die Gefahr hin das sich das jetzt so kitschig wie eine Blumentapete aus den 70gern anhört. Ich wünsche dir, daß du immer deinem Herzen folgst, die Gefühle sind die Sprache in der es zu dir spricht. Du wirst sehen, du wirst belohnt werden. Ausnahmelos. Das wünsche ich dir aus ganzem Herzen und eine Gute Nacht, M.
www.walchensee.de
Bild M.Linke / Juli 2015