Dein Winterwunder und ein Winter-Vlog

Dein Winterwunder und ein Winter-Vlog

Kennst du das? Das man etwas vermisst, von dem man gar nicht gewusst hatte wie sehr. Einfach deswegen, weil die Erinnerung daran zu lange her ist und man vergessen hatte, wie es sich wirklich anfühlte.

So wie mit diesem Winter. Hätte mich im Herbst jemand nach ihm gefragt, dann hätte ich mit den Achseln gezuckt und ziemlich wahrscheinlich geantwortet, er würde mir nicht so sehr fehlen und ich sei ja eher ein Sommertyp. Von wegen, stelle ich fest, als auf einmal so ein Winter wie dieser um die Ecke schleicht! Und er geht uns allen unter die Haut! Und das nicht nur wegen seiner klirrenden Kälte, sondern viel mehr wegen seiner schlichten, stillen Schönheit, die uns alle einhüllt und glücklich vereint, wie in einer bunten Märchenwelt einer überdimensionalen Schneekugel.

Ein Tag ist schöner wie der andere. Die Sonnenstrahlen reflektieren sich in kilometerlangen Schneefeldern, glitzernden Eiszapfen an den Baumwipfeln oder in zugefrorenen Seen, auf denen man endlich wieder Schlittschuhlaufen kann. Die Menschen so scheint es, haben sich beinahe ausnahmslos und kollektiv in diesen Winter verliebt! Kein Jammern über die Kälte, die besonders nachts in den zweistelligen Minutenbereich sinkt, Schneeräumen oder Scheibenfreikratzen am frühen Morgen. Es ist eben so, wenn man aufrichtig liebt, irgendwie gehört dann alles zusammen. Man möchte nichts mehr davon missen.

Da gibt es noch etwas, so scheint es, was dieses Winterwunder für uns so besonders macht und wenn man ganz genau hin schaut, erkennt man was seine Essenz dieses Jahr ausmacht.

WIR HABEN ZEIT. Zeit für uns, Zeit für einander. Zeit zum Skifahren, Langlaufen, Rodeln, Schneeschuhwandern…weil wenn nicht jetzt, wann dann? Wir lassen alles liegen und stehen für Schneeballschlachten oder um einen Schneemann zu bauen oder einfach nur um raus zu gehen und zu staunen, wie schön es doch auf dieser wunderbaren Welt ist.

Unsere Kinder haben rote Backen von der vielen frischen Luft und leuchtenden Augen vor Freude! Wir sind uns nah und halten uns an den Händen, wenn wir abends durchgefroren nach Hause gehen und uns mit den Gedanken an heißen Kakao wärmen.  Der Schnee knirscht unter unseren Stiefeln und wir fühlen uns so…unsagbar lebendig.

Nimm dir Zeit für diesen Winter! Er ist einzigartig.

Aus ganzem Herzen,

Eure M.

Regenbogensommeranfang im Isarwinkel

Regenbogensommeranfang im Isarwinkel

Ich kann mich nicht an einen Monat hier im Isarwinkel erinnern, an dem ich jemals so viele Regenbögen auf einmal gesehen habe wie in diesem Juni. Er erinnert mich an meine Reise durch Südamerika. Jeden Tag ein Regenbogen und einer schöner & bunter als der andere.  Und an dieser Stelle dieses Mal nichts Geschriebenes, sondern einen Vlog auf dem Blog 😉 Über den fantastischen Regenbogensommeranfang in Bayern…einen wundervollen Tag wünscht euch aus ganzem Herzen,  M.

Heile Welt und Kaiserschmarrn ohne Rosinen

Heile Welt und Kaiserschmarrn ohne Rosinen

Es ist noch immer so, dass wenn mir jemand gesteht meinen Blog zu lesen, ich es noch gar nicht richtig fassen kann. Wenn mir mein Gegenüber dann auch noch die Inhalte einiger Beiträge inklusive Überschrift zitiert, dann bin ich meistens restlos sprachlos. Ich weiß, der Blog ist online und das bedeutet eben auch, dass er rein theoretisch gelesen werden kann. Sollte ja auch der Sinn sein. Über die Wirkung nach außen habe ich mir offen gesagt wenig Gedanken gemacht. Auch wenn sich das jetzt vielleicht zu idealistisch anhört, ist es doch wahr: es geht mir am allermeisten um die Botschaft  und das was ich zu sagen habe, weil es immer erst dann still in mir wird, wenn es ausgesprochen bzw. aufgeschrieben ist.  Genau diese Botschaft würde ich am allerliebsten so wie das olympische Feuer durchs Internet reichen, freundlich darum bittend sie ehrfürchtig weiter zu tragen, um am Ende für etwas Großes zu leuchten. Denn die Sache ist die, dass das letztes Mal eine meiner Leserinnen etwas ausgesprochen hatte, worüber ich mir schon seit geraumer Zeit einmal Gedanken gemacht hatte. Sie sagte im Originalton: „Ich lese deinen Blog so gerne. Für mich ist das immer ein Stück heile Welt, das ist wirklich selten geworden heutzutage.“ Versteht mich bitte nicht falsch, ich habe mich aufrichtig darüber gefreut. Doch gleichzeitig hinterließ diese Feststellung einen faden, undefinierbaren Beigeschmack, so wie etwas das eigentlich doch ursprünglich gut gemeint, aber doch nicht das war was ich mir eigentlich gewünscht hatte. Wie wenn man auf einer Berghütte einen Kaiserschmarrn bestellt und selbstverständlich davon ausgeht, er sei ohne die Rosinen. Weil man eben Rosinen noch nie gemocht hatte. Der Kaiserschmarrn kommt dann…genau….mit Rosinen und weil sie so großzügig (so gut gemeint eben) überall verteilt sind, wird’s schwer drum herum zu essen und auf Berghütten gehört es nicht zu den guten Manieren etwas auf dem Teller übrig zu lassen. Hättest du das halt mal gesagt mit den Rosinen, denkst du dann. Und darum sage ich es JETZT. Ich war nämlich zu überrascht, zu perplex und vielleicht auch ein bisschen zu geschmeichelt von deinem Geständnis liebe Leserin. In Wahrheit ist das mit der heilen Welt alles nämlich nicht so, überhaupt gar nicht. Auch wenn es sich manches Mal anhört wie aus König Ludwigs weiß-blauen Märchenbuch.  Wir leben hier in einer kleinen, bayerischen Idylle und ich weiß wie kostbar und wertvoll es ist, sich zu Hause und sicher zu fühlen. Anfangs wollte ich diesen Blog nur über den Arzbacher Hof schreiben, also über Themen aus der Gastronomie, alles drum herum und was das alltäglich so bedeutet. Doch dann fand ich, dass es so viel mehr gibt was zu meinem Leben und  somit auch auf wundersame Art und Weise zusammen gehört.  Die vielen Menschen und die Geschichten die uns so bereichern, der Arzbacher Hof, der Alpencampingplatz, die Sehnsucht nach der Ferne und gleichzeitig die Liebe zu Bayern und natürlich die zu unserer Familie. Doch schreibe ich in der Tat sehr wenig über den Stapel Buchführung und die ungeöffnete Post, die sich neben mir auf dem Schreibtisch rekordverdächtig ansammelt und auch nicht über den Wäscheberg im Keller. Ich habe dir auch noch nie von den stundenlangen, nervtötenden Gesprächen mit Versicherungen, mittlerweile ehemaligen Lieferanten und all den zwischenmenschlichen  Herausforderungen der letzten Tage erzählt, weil ich lieber auf das Gute schaue und weil ich bei Fotos grundsätzlich dann auf den Auslöser drücke, wenn alle lachen. Das bedeutet nicht, dass ich das Andere nicht sehe.  Ich hadere genauso mit Erziehungsfragen und lasse letztendlich das Gefühl entscheiden. Ich schmeiße Spielzeugautos (ja wirklich) durchs Kinderzimmer wenn ich sauer bin und bin mir sicher auch italienisches Porzellan (hätte wir eins im Schrank). Ich kann wie eine wilde Löwin Ansagen megaphonemässig durch den Raum brüllen und auf den Tisch hauen, auch wenn man mir das eigentlich gar nicht zutraut. Frag doch mal unsere Kinder! Doch dann wenn es abends wieder leise und ruhig wird, dann höre ich ihn wieder: Den Puls der uns antreibt und zusammen hält und das Herz das laut und warm in mir schlägt. Für unsere Kinder, meinen Mann und meine Familie. Wegen dem ich mich jetzt schon entschieden habe zu bleiben, was auch immer noch kommen mag.  Weil es das alles wert ist und weil es eben keine heile Welt ist, sondern das Leben. Unser Leben. Und wenn du jetzt immer noch hier bist, dann freue ich mich. Ehrlich und aus ganzem Herzen, so wie über einen Kaiserschmarrn ohne Rosinen, denn die mag übrigens keiner von uns.

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Ich wünsche dir, daß du dein persönliches Kaiserschmarrn-Lieblingsrezept kennst. Mit oder ohne Rosinien. Denn ein guter Kaiserschmarrn kann manches Mal alles sein. Aus ganzem Herzen, Deine M.

Mein persönlich liebstes und weltbestes Kaiserschmarrnrezept 😉

Zutaten für 2 Personen

75g glattes Mehl
200ml Milch
1 kräftige Prise Salz
2-3 Eier
15g Butter
Puderzucker zum Bestreuen
1 Glas Apfelmus

  1. Das Mehl in eine Schüssel geben und mit Milch und Salz glatt rühren.
  2. Die Eier kräftig unterschlagen, bis eine luftige, cremige Konsistenz erreicht ist.
  3. In einer passenden Pfanne die Butter schmelzen, den Teig eingießen und einen Deckel aufsetzen. Den Schmarrn auf kleiner Flamme solange backen, bis die Unterseite goldbraun ist und der Teig schön aufgegangen ist. Umdrehen nicht vergessen 😉
  4. Den Teig in mundgerechte Stücke reissen(z.B. Teigschaber) und auf einen vorgewärmten Teller geben. Mit reichlich Puderzucker bestreuen und mit Apfelmus servieren.

 

 

Für immer Kinder

Für immer Kinder

Es gibt Freunde, die wir schon so lange kennen, daß wir uns nicht mehr richtig erinnern können, wann wir uns überhaupt zum ersten Mal begegnet sind. Sie waren einfach immer schon da. Gemeinsam sind wir im Kindergarten durch Matschpfützen  gesprungen, sind von viel zu hohen Bäumen gefallen und hatten Glück, daß uns nichts passiert ist und  daß wir uns hatten. Denn dadurch blieben wir mutig und versuchten es hinterher gleich noch einmal. Die Bäume und wir wuchsen so einfach immer weiter dem Himmel entgegen. Kannst du dich erinnern, wie wir Hand in Hand durch die Dämmerung gelaufen sind, wenn wir beim Spielen wieder einmal die Zeit vergessen hatten? Unsere Knie zitterten vor Angst, weil uns irgendwer einmal die Geschichte von den  streunenden Wölfen erzählt hatte, die nachts aus ihren Verstecken hervor krochen, um kleine Kinder zu fressen. (früher erzählte man Kindern so was). Später als wir dann zur Schule gingen, telefonierten wir stundenlang, nur um uns später doch noch zu treffen. Wir bauten Stinkbomben aus Tinte und blauer Kreide und stellten fest, daß sie gar nicht funktionierten. Eier langsam unterm Tageslichtprojektor verfaulen lassen klappte da wesentlich besser. Hausaufgaben waren Nebensachen, wir lebten ein Leben wie Ronja Räubertöchter und Pippi Langstrumpf (nur mit Eltern) das nicht glücklicher und aufregender hätte sein können. Wir waren wirklich frei und mein Gott, die Welt lag uns buchstäblich zu Füßen.

"Lucky Luke - Sein grš§ter Trick". SENDUNG: ORF1, SO, 04.05.2003, 11:25 UHR. - Veroeffentlichung fuer Pressezwecke honorarfrei ausschliesslich im Zusammenhang mit oben genannter Sendung des ORF bei Urhebernennung. Foto:ORF/-. Andere Verwendung honorarpflichtig und nur nach schriftlicher Genehmigung der Abteilung ORF/GOEK-Photographie. Copyright:ORF-PHOTOGRAPHIE, Wuerzburggasse 30, A-1136 Wien, Tel. +43-(0)1-87878-14383.

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Wir mußten nur unsere Hände ausstrecken und nach ihr greifen, so wie nach den süßen Walderdbeeren, die überall am Wegesrand in großer Fülle an Sträucher hingen. Wir züchteten Urzeitkrebse aus den YPS-Heften, sammelten Fußballbilder von Hanuta und tauschten in der Pause Sticker statt Handynummern. Wir durften langsam herausfinden wer wir sind, denn wir hatten ja noch ewig Zeit. Wir mußten nichts entscheiden, höchstens zwischen den drei Fernsehprogrammen, die eh nur wirklich interessant waren, wenn Bud Spencer seine Fäuste schwang oder Lucky Luke zusammen mit Jolly Jumper in den Sonnenuntergang ritt. Ob früher alles besser war? Ich weiß es nicht. Kennst du noch diese schrecklich langweiligen Phasen, wenn einen einfach nichts einfiel was man hätte tun können? Wenn es in den Sommerferien wie aus Eimern schüttete oder das BMX-Rad wieder einmal einen Platten hatte. Aber genau aus der puren Langweile heraus sind uns dann die allerbesten Ideen in den Sinn gekommen. Und das Wichtigste: Wir hatten echte Freunde. Keine virtuellen, nein welche aus Fleisch und Blut. Welche denen oft genauso wie uns die Decke auf den Kopf fiel und die sich auch so sehr nach ein bißchen Abwechslung und der großen, weiten Welt sehnten. Nicht selten waren wir auch noch Blutsbrüder, mit Nadel und richtigem Schwur und so. Das verbindet unfassbar. Und dann…wurden wir alle erwachsen und merkten auf einmal ganz schnell, daß wir uns nicht wie in der Werbung versprochen (wohl gemerkt drei Programme)in Rockstars verwandelten, nur weil man den Strohhalm der Caprisonne verkehrt einsteckte. Das Gefühl, wir könnten die Welt erobern, wurde mit jedem neuen Tag ein kleines bißchen leiser, bis es kurz davor war ganz zu verstummen. Irgendwann wurde uns beigebracht, wir sollten nicht mehr so kindisch sei. Der Ernst des Lebens wartete jetzt vor der Haustüre auf uns, an der kurz vorher noch der wilde Westen anfing und mahnte wie Witwe Bolte in Struwwelpeter mit erhobenen Zeigefinger zur Ernsthaftigkeit. Somit verdarb er uns auch noch das letzten Quentchen Spaß. Erwachsen werden bedeutete auf einmal auch, daß wir anfingen nur noch dann zu lachen, wenn wir dachten das es passte und nicht, weil es eine natürliche Reaktion war auf die reine Freude am Leben. Wir versuchten uns selbst zu finden und merkten doch gar nicht, daß wir gerade dabei waren uns aus den Augen zu verlieren. So wie Tim Thaler mit jedem verschenktem Lachen ein Stückchen mehr. Wir lernten alle echte Berufe und man konnte von uns sagen, es ist etwas aus uns geworden. Nicht Pirat, Indianer oder Astronaut, aber immerhin. Beinahe hätten wir unsere Helden vergessen, würde unser inneres Kind nicht manches Mal so laut in uns schreien, daß es  unmöglich zu überhören ist. Das sind die kostbaren Augenblicke in denen sich große Männer beim Autoscooter zurück in die  kleinen Jungs von damals verwandeln oder die gestandene Business-Lady aus reiner Euphorie & Rührung für ihre Nichte versehentlich die ganze Barbie Traumhaus Kollektion inklusive Sportswagen kauft.

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Unsere Träume sollten wir bei uns behalten, sie stolz und leuchtend vor uns hertragen wie die selbstgebastelte Laterne vom St. Martins-Umzug. Laßt uns stolz darauf sein, auf das was und wer wir sind! Wir alle sind einzigartig. Jeder für sich. Laßt uns stolz auf unsere Kinder sein! Nicht nur auf die Talente und erworbenen Fähigkeiten die uns in unserer Gesellschaft vermeintlich von Nutzen sind. Wer sagt denn, daß es kein Talent ist am längsten unter Wasser die Luft anzuhalten oder Weltmeister im Kaugummiblasen machen zu sein?

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Wir sollten viel öfters einfach nur Zeit miteinander verbringen, ohne Ziel, ohne das was dabei herauskommen muß, einfach nur so.  Komm laßt uns spinnen, träumen, tanzen, uns wertschätzen…laß uns die sein, die wir immer sein wollten und die, die wir seit jeher schon immer waren. 

Aus ganzem Herzen, M.

Und wer war der Held in deiner Kindheit? Was war dein Traum vom guten Leben?

Foto’s Lucky Luke  Foto:ORF/ Linke M.

Titlebild Linke M.

 

 

Brief ans Christkind

Brief ans Christkind

Liebes Christkind,
kannst du dich noch an mich erinnern? Ich bin das Kind von damals, daß sich nichts sehnlicher als ein Teleskop gewünscht hatte. Ich dachte, damit könnte ich bis zum Himmel, also bis zu dir rauf schauen. Mit viel Glück, so habe ich es mir überlegt, könnte ich die beiden Himmelstore erkennen und vielleicht stehen sie zu Weihnachten einen Spalt weit offen und ich könnte einen kurzen Blick in dein Zuhause, das Paradies werfen. Entweder ich habe mich auf dem Wunschzettel verschrieben oder irgendwer hat sich in der Himmelswerkstatt gravierend vertan, denn statt dem Teleskop wurde letztendlich ein Mikroskop geliefert. Ich habe daraus geschlossen, daß man das wahrscheinlich gar nicht darf, einfach so in den Himmel zu schauen. Durchs Schlüsselloch ist es ja auch nicht erlaubt, zumindest solange das Christkind da ist. Ich dachte mir, wenn du mir ein Mikroskop schenkst, dann hat das schon seinen Grund. Ich hatte einfach grenzenloses Vertrauen in dich. Und es war ja dann auch gut, ich konnte mir ganz wunderbare Eiskristalle und Tannenspitzen anschauen. Vielleicht liegt ein kleines Stück vom Paradies in den kleinen Dingen und dein Zuhause zeigst du mir dann irgendwann später einmal.

Wenn ich mich an Weihnachten als ich noch ein Kind war zurück erinnere, dann sehe ich immer meterhohe Schneeberge und dicke Schneeflocken, die auf die Erde fallen. Die Adventszeit hat ewig gedauert und die Vorfreude auf dich stieg jeden Tag merklich an. Bis die Spannung am Heiligen Abend so groß war, daß wir Kinder es fast gar nicht mehr ausgehalten haben. Wir sind jedes Jahr zur Kirchsteinhütte zum Schlitten fahren gegangen und beim Nachhauseweg im Wald habe ich dich ausnahmslos immer gesehen. Ganz schnell, ganz flüchtig hast du irgendwo Schnee von den Bäumen geschüttelt oder irgendwas anderes gemacht, daß ich mir jedes Mal ganz sicher war, das bist du. Die aufgeregte Stimmung bevor du geklingelt hast und uns somit ein Zeichen gabst, daß Bescherung war, das fühlte sich an wie echtes Lampenfieber. Wie wenn man kurz vor einem ganz großen Auftritt stehen würde. Herzklopfen, schwitzende Hände und so. Und die Geschenke! Es war wirklich magisch!  Aber ganz ehrlich es war mehr das Gefühl, daß alle Tore nach oben offen stehen und ich die Möglichkeit hatte dir ganz nah zu sein, das mich damals so berührt hat. Der Glauben daran, daß es jemanden da oben gibt, der auf uns aufpaßt und sich jedes Mal aufs Neue die Mühe macht, den weiten Weg zu uns zu fliegen, nur um uns Gutes zu tun. Als ich es nach und nach verstanden habe, daß es dich nicht gibt, liebes Christkind (und das hat wirklich seeehr lange gedauert) da hatte ich das Gefühl von dir bereits so tief in mir verankert, daß du für mich einfach weiter existiert hast. Du bist mehr so ein Bewußtsein geworden, ein Inbegriff für das Gute und ich fühle immer noch die Geborgenheit wie wenn du mich abends wenn ich mal nicht schlafen konnte, mit deinen weißen Flügel zu gedeckt hast. Für mich warst du die Heldin meiner Kindheit, nicht etwa Barbie oder Cinderella. Höchstens Pipi Langstrumpf, aber ich glaube du und Pipi habt euch sowieso immer gut verstanden.
Jetzt über 25 Jahre später darf ich dir noch einmal ganz nah sein, indem ich deine Geschichte an unsere Kinder weiter gebe. Du glaubst nicht was das für eine große Freude ist! Ich hoffe es ist in Ordnung, daß ich die Weihnachtsgeschichte mit jedem Jahr noch ein bißchen mehr ausschmücke. Deine Engel sind wild und manchmal frech, aber wie sonst könnten sie unserem Sohn sonst ein Vorbild sein? Deine Lieblingstiere sind auf alle Fälle Elefanten und Delfine, was dich so sympathisch für unsere Tochter macht und Babies liebst du sowieso heiß und innig. Ich möchte nämlich unbedingt, daß unsere Kinder dich so sehr lieben wie ich es getan habe und zugegeben immer noch tue. Ich möchte, daß du ihnen dieses Urvertrauen ins Herz legst und daß sie solange an dich glauben, bis sie wissen, daß es dich trotzdem gibt. Ich bitte dich liebes Christkind laß dich nicht verunsichern, von der Zeit die sich schneller und schneller zu drehen scheint. Bitte nimm alle Kinder an die Hand. Zeige ihnen, daß der Himmel in Wahrheit in ihnen ist und daß sie gar kein Teleskop brauchen um ihn zu sehen. Wolltest du mir das vielleicht sagen, als du mir das Mikroskop geschenkt hast? Alle großen Wunder sind einfach? Es braucht nur staunende Augen, ein mutiges, offenes und weites Herz. Liebstes Christkind, danke, daß du da bist. Aus ganzem Herzen, deine M.

Mein liebster Blogleser, ich bitte dich heute ganz leise zu sein, in dieser Vollmondnacht am Heiligenabend. Vielleicht hörst du das Christkind wie es zu dir spricht. Ich bitte dich ganz genau hinzuschauen, vielleicht siehst du es. Kannst du es fühlen? Weihnachten ist überall auf dieser Welt. Und der Himmel, der ist in dir.
Aus ganzem Herzen ein ganz wundervolles Weihnachtsfest mit deinem Christkind und deiner Familie, wünscht dir M.

Bild M.Linke

Das Lied zum Text

Dein Weihnachtsort

Dein Weihnachtsort

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, die ja für uns eigentlich die „staade Zeit“ sein sollte, ist uns manchmal alles zu viel. Mir kommt es so vor, als hätte ich in den letzten Tagen auffallend viele Gespräche darüber geführt wie anstrengend Weihnachten doch eigentlich ist. Der Arzbacher Hof hat seit gestern wieder geöffnet. Betriebsurlaub vorbei. Seit Wochen wird schon wieder alles vorbereitet und dekoriert. Ich weiß auch nicht, aber irgendwie gehört das für uns so zu Weihnachten dazu, daß man ohne dieses ganze Drumherum gar nicht in die richtige Stimmung kommen würde. (Denke ich mal) Wenn alles zu viel, zu hektisch und zu laut wird, dann packen wir unsere Kinder ein und fahren nicht wie vielleicht angenommen auf den Christkindlmarkt, sondern an einen unserer magischen Orte. Dort wo es ganz leise ist und wir meistens die einzigen Menschen sind, die wir auf weiter Ebene sehen können.

Am Sonntag waren wir an einem dieser „unserer Lieblingsplätze“ an der Isar, die Vorderriss. (hinterem Sylvenstein für alle die es nicht kennen, Sylvenstein hinter Lenggries, für alle die den Sylvenstein nicht kennen;-) Dieses ganz besondere Platzl strahlt soviel Anmut und Kraft aus, daß man automatisch ganz davon eingenommen und verzaubert wird. Ehrlich wahr! Unsere Kinder können stundenlang dort spielen. So frei, so grenzenlos.  Abends sind sie dann vor allem müde, aber auch erfüllt, glücklich mit rotglühenden Backen und dampfenden Köpfen unter den dicken Wintermützen. Und so denke ich mir, daß was da alles um uns herum passiert an Weihnachten, das was uns allen manchmal zu viel wird, weil es sich oft so sehr von dem eigentlichen Weihnachtsgedanken entfernt, das ist gar nicht wirklich Weihnachten. Weihnachten ist mehr ein Gefühl von Wärme, Familie, Zusammenkommen, Ruhe, am Kamin Geschichten erzählen oder Bratäpfelpunsch trinken. Ich wünsche dir, daß du ganz viele Orte kennst an denen du dieses Gefühl für dich findest. Das kann durchaus auch ein Weihnachtsmarkt sein. Was zählt ist was du fühlst. Weihnachten ist das Fest der Liebe, es wäre so schade, wenn es vorrüber zieht, nur weil man es nicht gehört oder gesehen hat. Atme tief ein und aus, schau in die Welt mit neugierigen Kinderaugen…und finde dein Weihnachten. Es ist überall, wo du es sehen kannst.

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Lieber Gott, danke für alles. Amen.

Lieber Gott, danke für alles. Amen.

Lieber Gott,

jetzt bin ich stolze 35 Jahre auf dieser Welt und heute möchte ich mich einmal ganz besonders bei dir bedanken. Nicht das ich das noch nie getan hätte, nein, ich tue das soweit ich mich erinnern kann genau genommen jeden einzelnen Tag in den letzten 35 Jahren.  Darum ist das Gute Nacht Gebet unserer Kinder ein sehr kurzes, aber dafür eines das alles aussagt was wirklich wichtig ist: Lieber Gott danke für alles. Amen. Seit ich mich erinnern kann, gab es keine Nacht an dem ich vergessen habe es zu beten. Ein einfacher Satz der uns begleitet und uns doch soviel bedeutet.

Als erstes, lieber Gott möchte ich dir für meine Kindheit danken, die so bunt war wie ein Strauß duftender Wiesenblumen im Sommer oder Blätter im Herbst, die fröhlich und unbeschwert durch die Luft fliegen. Ich habe mich so geborgen gefühlt, wie eine glückliche Raupe eingewebt in ihrem schützenden Kokon. Naiv und doch instinktiv wissend, daß da draußen noch etwas Großes auf mich wartet. Ich danke dir, daß dieses Kind von damals immer noch bei mir ist, weil wir sind über die Jahre die allerbesten Freunde geworden und ich wage mir nicht auszumalen wie es sein könnte, wurde man uns zwei trennen. Ich danke dir für die vielen wundervollen Menschen, die du in mein Leben geschickt hast. Danke für jede dieser Begegnungen die mich so sehr berührt und inspiriert haben. Für die, mit denen ich in Liebe verbunden bin. Und darauf kommt es an: daß wir in Verbindung bleiben und die Liebe zwischen uns hin und her fließen kann. Mühelos, so wie die Luft die uns umgibt und die wir einatmen ohne es zu merken. Ich danke dir auch für die Menschen bei denen es mir nicht leicht gefallen ist, diese Verbindung aufrecht zu erhalten und sie zu lieben. An dieser Stelle danke ich dir genau dafür, daß ich nicht aufgegeben und es geschafft habe, daß ich über den Dingen im Grunde auch hier nur Liebe empfinden kann. Ich danke dir, für die Erfahrungen die ich machen durfte, die guten und die weniger guten, daß ich daraus lernen durfte und daran wachsen konnte. Das Leben kann nur rückwirkend verstanden werden, daß hat schon Steve Jobs gesagt und der muß es doch nun wirklich wissen. Doch so war es doch auch. Wie vieles konnte ich erst im Nachhinein begreifen? Jahre später und hinterher hat es alles immer irgendwie einen Sinn ergeben, so als hätte sich jemand das ganz genau ausgedacht. Aber das warst ja du. Ich danke dir dafür, daß es mir leicht fällt mein Herz zu öffnen und zu verzeihen. Auch wenn es manchmal weh tut, ich würde es nie anders wollen. Ich danke dir, daß ich mich ausdrücken darf, daß ich gesund bin und genug zum Essen und Trinken habe. Das ist nicht selbstverständlich und der Mehrheit der Weltbevölkerung versagt. Wir sind alle gleich und eins, darum laß uns diese Welt als die unsere ansehen. Wenn sie überhaupt jemanden gehört, dann uns. Danke dir, daß ich lachen, tanzen, das Gute sehen und ich sein kann, wann immer ich das möchte. Danke für die vielen wunderbaren Reisen, die schönen Orte an die du mich geführt hast und für das Gefühl, daß du immer genau hinter mir gestanden hast um mich zu beschützen. Es hat mich innerlich weit und demütig werden lassen. Ich danke dir für die vielen Zufälle und glücklichen Fügungen, die ich bis heute noch nicht ganz ergründet habe, geschweige denn das ich sie erklären könnte. Zum Schluß bedanke ich mich für meine Familie, weil sie meine Familie ist und für mich damit die allerbeste Familie die es überhaupt gibt. Mein größtes Geschenk. Für immer. Für meine Freunde, meinen Mann und meine Kinder. Für mein Leben und dafür, daß ich so unglaublich gerne auf dieser Welt bin. Wie sehr würde ich mich freuen, wenn ich noch ein bisschen hier bleiben darf, weil ich einfach so sehr an allen und diesem Leben hänge. Nun ich bin mir sicher, auch das hast du dir besser ausgedacht als ich es je könnte und der Zeitpunkt wenn ich zu dir zurück gehen werde, ist längst bestimmt.  Egal was auch passiert – ich weiß ja, daß wir uns alle wieder sehen- aber dieses Leben wie wir es jetzt haben, leben wir in genau dieser Form nur einmal. Darum ist es auch so wertvoll und so unantastbar. Weißt du noch diese stillen Begegnungen und heiligen Augenblicke in denen du mir gezeigt hast das es dich wirklich gibt? Meine ganz persönlichen Erlebnisse mit dir und die Wunder die du zur richtigen Zeit geschehen lassen hast und damit jeden Zweifel einfach so und mit Leichtigkeit weggefegt hast. Danke für das unerschütterliche Urvertrauen zu dir. Und lieber Gott, weil es noch so vieles gibt, wofür ich dir danken will, mach ich es kurz. Danke aus ganzem Herzen. Für alles. Amen.

Und DIR wünsche ich ein langes, glückliches und lustiges Leben auf dieser wunderbaren Erde! Geniesse dein Leben, es wird nie mehr so sein wie es jetzt ist…und vergiß nicht, nie war der Himmel blauer als jetzt. Aus ganzem Herzen M.

Der Ernst des Lebens ist in Wahrheit lustig

Der Ernst des Lebens ist in Wahrheit lustig

Als im August der letzte Tag im Kindergarten nahte, hatte es angefangen. Dieses Gefühl, das besonders alle Eltern und auch sonst die meisten von uns irgendwann einmal kennen lernen.  Das Lebensabschnittsgefühl. Ich sah Leni vor mir, erinnerte mich genau an den allerersten Kindergartentag in der Biberbande. An die Tränen, ohne die es nie ganz geht. An diese Aufregung und die Neugier auf das Unbekannte die auch immer mit dabei ist, wenn etwas Altes geht und etwas Neues kommt. Die Erinnerungen stiegen ganz langsam vor mir auf, so wie Seifenblasen, die sich kurz in den schillernsten Farben vor meinen Augen präsentieren, langsam Richtung Himmel fliegen, um erst dann leise zu zerplatzen, wenn ich es nicht mehr sehen kann.  Leni beim Kinder-Yoga, das Kuh Zeichen an der Garderobe das jetzt zu Leonhard gehört und meine Hand die sie bei unseren ersten Malen auf dem Weg zum Kindergarten so fest gehalten hatte, daß ich sie am liebsten gar nicht mehr loslassen hätte. Und nicht zu vergessen der Tag an dem Leni sechs wurde,  sich für einen Tag plötzlich in Elsa verwandelte und drauf bestanden hatte im Eiskönigin Kleid zum Kindergarten zu gehen schreiten.

Doch auf einmal war er dann da, der letzte Kindergartentag. Mein Herz war bis zum Rand gefüllt mit Wehmut und tiefer Dankbarkeit für diese wunderbaren Jahre. Wäre meiner Tochter auch nur ein Wort der Rührung über die Lippen gekommen, dann wäre dieses Herz definitiv übergelaufen. Doch Leni verabschiedet sich, souverän. Ist traurig und ist froh, aber eigentlich schon nicht mehr da. Zitternd hielt ich die Kamera in der Hand, aber keiner bemerkt es. So schickte ich in Gedanken nur noch einen stillen Gruß zu den heiligen Räumen in dieses kleine, behütete Nest der Isarbiber und zu unseren Erzieherinnen, weil sie so sind wie sie sind.

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Die Sommerferien vergehen. Wie erwartet unsagbar schnell und wir schweben weiterhin in diesem Vakuum des Lebensabschnittsgefühls, solange bis die Vorfreude alles übersteigt und der erste Schultag näher rückt.

15.September.2015/ 9 Uhr Wir stehen in der Aula der Wackersberger Grundschule und die Erinnerung an meinen ersten Schultag vor ungefähr 28 Jahren sind so klar und präsent, als wäre es gerade erst passiert. Ich sehe mich mit meinem pinken Pferdeschulranzen und damals noch selbstgekaufter Schultüte, genau an diesem Ort stehend. Deja vu. Als wir nach oben in die Klassenzimmer geführt werden, stehen die älteren Kinder der Schule den ganzen Weg von der Aula bis dorthin Spalier und die Schulhymne singend „I moag mei Wackersberg, i moag mei Fischbach, i moag die hohen Berg…“ Herzschluchz. Gänsehaut. Der Schulchor halt noch lange durch das ganze Schulhaus, als wir schon lange in den Klassenzimmern angekommen sind. Meine Blicke wandern durch die Räume die so anders sind als damals und doch erkenne ich alles wieder. Meine Gedanken fliegen zu dir…

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Meine allerliebste große Tochter,

jetzt bist du also ein Schulkind. Es ist an der Zeit, das spüre ich, aber trotzdem kann ich es fast nicht glauben. Du hast mich schon so oft überrascht, daß ich eigentlich gar nicht mehr überrascht sein müßte, wenn du das tust, aber heute hast du es wieder geschafft. Wie selbstverständlich und stolz du doch deinen Schulranzen trägst, so als hättest du genau das schon immer getan. Irgendwann bald, wirst du diese Zeilen selbst lesen können. Wie sehr ich mich doch für dich freue und auf alles was vor dir liegt. Ich wünsche dir, daß du eine ganz wundervolle Schulzeit hast! Das du viele gute Freunde findest, tolle Lehrer und dort einfach eine gute Zeit hast. Ich  wünsche dir all die großen, wichtigen Dinge: das du gesund, glücklich, mutig und stark bleibst.  Und wenn ich mir jetzt Fächer aussuchen könnte in denen du lauter Einser schreiben sollst, dann wären das keine Fächer wie du sie aus der Schule kennst:  Ich möchte, daß du träumen kannst. So gut, daß du manches Mal nicht mehr in der Lage bist zu unterscheiden, ob es nur ein Traum oder ob es die Wirklichkeit ist, die du siehst und glaube mir, genau das ist der beste Weg, damit deine Träume tatsächlich wahr werden können. Träume ausschließlich groß  und verteidige deine Träume wie eine Löwin, denn es wird dir sicher jemand begegnen der dir sagen wird, es wäre nur Zeitverschwendung. Sei geduldig und lerne zu warten und es wird zu dir kommen, das verspreche ich dir. Alles fängt mit einem klitzekleinen Gedanken an, einem Wunsch, einem Gefühl…warte bis es stark genug ist und dann gehe los, dahin wo dich dein Herz trägt. Und ich wünsche dir du bist gut im Verzeihen. Fehler machen gehört einfach dazu. So mache viele Fehler, aber lerne daraus. Es ist der schnellste und beste Weg um zu wachsen. Halte an nichts fest. Nicht an den Dingen und nicht an dem was gehen will. Es ist immer ein Zeichen, daß etwas Besseres nach kommt. Vertraue. Glaube – an dich und daran, daß es eine Kraft gibt die uns führt und zusammen hält. Es wird Zeiten geben in denen du diesen Anker in dir brauchen wirst. Und zu guter Letzt, wünsche ich dir, daß du immer so lieben kannst, wie du es jetzt tust. Bedingungslos, so ehrlich, so rein, so daß es mich jedes Mal wieder in Mark und Bein erschüttert, wie es das jetzt tut, wenn ich in dein großes, gutes Herz sehen darf.  Alles andere sind nur Nebenfächer, Rechnen sowieso;-). Ich wünsche dir, daß du immer offen dafür bist zu lernen. Das du in Menschen lesen kannst wie in einem Buch, weil sie erzählen die großartigsten Geschichten. Ich wünsche dir und mir, daß wir ein Leben lang in Verbindung bleiben. Weißt du noch, als du mir die Frage gestellt hast, was ich glaube, was mit uns passiert, wenn wir sterben? Ich habe dir gesagt, daß ich glaube, daß wir alle einmal wieder in den Himmel zurück gehen und uns überlegen, welche Rollen wir beim nächsten Mal auf dieser Erde spielen möchten. Da hast du gefragt: “ Aber Mama wie erkennst du mich dann?“ Dann hast du lange überlegt und meintest: „Jetzt weiß ich’s, ich bin die mit dem Erdbeer-Bikini.“ Ja, Leni das bist du. Die mit dem Erdbeer-Bikini und der Delfinschultüte. Und ja kein rosa. Ich werde dich immer wieder erkennen, da kannst du dir sicher sein…

In unendlicher Liebe deine Mama

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P.S. Der Ernst des Lebens ist in Wahrheit, das was du draus machst und ich bin mir sicher, er ist ziemlich lustig in deinem Fall!

Und was wünsche ich dir? Ich wünsche dir, daß du wachsam bist. Das du bereit bist ein Leben lang zu lernen. Das du neugierig bleibst wie ein Kind und hungrig auf das Leben, weil das Alter keine Rolle spielt, sondern nur ein „Nebenfach“ ist. Und das du nie aufhörst zu träumen. Träume groß und bunt! Aus ganzem Herzen M.

Im Fluß sein und der ganz besondere Sonntagsausflug

Im Fluß sein und der ganz besondere Sonntagsausflug

Warst du heute schon beim Canyoning oder kommst du gerade vom Gleitschirmfliegen? Vielleicht geht’s ja später noch zum Surfen in den Walchensee oder du paddelst gemütlich auf dem Sup (für alle die’s noch nicht gehört haben: Stand Up Paddeling, also wenn man stehend auf dem Surfbrett paddelt) die Isar runter? Es gibt so viele „Funsportarten“ im Isarwinkel und der Alpencampingplatz wimmelt gerade zu von bewegungssüchtigen Abenteurern, kreativen Freigeistern und lebenshungrigen Sportlern aus aller Welt. Einer davon ist Ted Gertin aus Chile. In regelmäßigen Abständen taucht Ted immer einmal wieder bei uns auf. Er baut sein kleines Zelt am liebsten bei dem Bergerl auf der Wiese irgendwo zwischen den Dauercampern auf und ist uns jedes Mal ein äußerst gern gesehener Gast. Am Wochenende erzählte er mir und Tom an der Alpencampingrezeption, daß er morgen mit seinen Kindern eine Rafting Tour von Lenggries nach Bad Tölz macht und fragt uns, ob wir mit wollen. Wir lachen. „Ja, ja und dann fällt noch einer rein…Nein, im Ernst? Echt? Ja, klar wir kommen sofort mit!“ Und am Sonntag war es dann soweit. Wir treffen uns um 10.30 Uhr bei Montevia, der Eventagentur in Lenggries bei der Ted arbeitet. Eine Gruppe wird gerade in Neoprenanzüge mit gelben Helmen verpackt, eine andere bekommt zeitgleich auf bequemen, in kreisform angeordneten Liegestühlen eine Einweisung über den anschließenden Raftingverlauf. Ted stellt uns seine bezaubernde Frau Timcsi und seine ebenso zuckersüßen Kinder Marisol und Eliel vor. Marisol ist 6 und bald ein Schulkind, so wie Leni. Und Eliel ist 5, Kindergartenkind, so wie Tommy. Paßt doppelt und perfekt. So wie das Wetter heute. Warm, aber nicht heiß. Wolken und Sonne. Ted verteilt Schwimmwesten und Paddel für alle und wir tragen das Boot einmal quer über die Straße zur Isar, wo es Ted und Timcsi noch einmal aufpumpen und wir alle „wichtigen“ Sachen in wasserdichte Riesensäcke verteilen.

IMG_8258Wir sehen uns um. Was hier alles los ist am Sonntag. Der alljährliche Isarlauf, Floßerfest in Lenggries, Seifenkistenrennen und Tölzer Tollhausfestival…wir für unseren Teil sind das nicht gewohnt. Sonntagsausflüge sind selten und wenn dann meistens in zwei Gruppen aufgeteilt so wie heute. Papa ist in Gruppe 1, den haben wir nämlich zu Hause am Herd gelassen. Gruppe 2 ist startklar.

Wir heben das Boot langsam in die Isar und wenig später sind wir auch schon mittendrin und treiben gemächlich vor uns hin. Ted gibt kurze, kindgerechte Paddelinstruktionen und erklärt wie wir uns beim Durchqueren der gleich folgenden „Isarburg-Stromschnellen“ verhalten sollen. Bei „alle ins Boot“ müssen alle in die Mitte des Bootes (dacht ich’s mir) und ein paar Tricks beachten z.B. wie man das Paddel richtig hält. Ein paar Mal geübt, alles verstanden. Die Kinder sind hellauf begeistert und wir alle fühlen uns wie echte Piraten auf hoher See! Was irgendwie noch authentischer wirkt, wenn Marisol und Eliel mit Mama und Papa spanisch reden. Für mich reden Piraten sowieso immer schon spanisch. Vamous pirata! Da Timcsi zur Hälfte aus Ungarn kommt, sind unsere Piraten dreisprachig unterwegs. Sagenhaft!

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Was mich immer wieder fasziniert ist, das sich die Isar nach jedem Hochwasser wieder komplett verändert. Das Ufer ist auf einmal auf der entgegengesetzten Seite, die Isar fließt links statt ursprünglich rechts und umgekehrt. Der Tag fließt überhaupt so herrlich dahin. Ich kenne ihn ja in und auswendig den Isarweg von Lenggries nach Bad Tölz. Ich frage mich wie viele Kilometer ich auf dieser Strecke schon geradelt und gelaufen bin? Jetzt ist auf einmal alles neu, eine ganz andere Perspektive. Irgendwie ruhiger, entschleunigter, so entspannt.

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Fast wie wenn man in einem Freiluft-Zug (ohne Dach) sitzt und die Landschaft an einem ganz laaangsam vorbei zieht. Immer wieder entdecke ich Dinge die ich so noch nie gesehen habe. Als wir in Arzbach angekommen sind meinen unsere Kinder, daß es hier ausschaut wie daheim, ja wir sind ja auch daheim. Sie erkennen ihren Kindergartenradlweg und sind erstaunt. Also er funktioniert auch hier, der Perspektivenwechsel.

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Wenig später machen wir eine kurze, herzhafte Brotzeitpause in Klein-Kairo. Ich frage Ted was aus Karl Heinz Fett geworden ist. Eine äußert interessanten Geschichte die ich vielleicht ein andermal hier erzählen darf. Karl Heinz Fett war ein ehemaliger Obdachloser, der einfach nur so angefangen hat an diesem Teil der Isar aus Steinen meterhohe Pyramiden zu bauen. Er hat sich selbst auch ein kleines Haus aus Steinen gebaut und dort in Arzbach in Klein-Kario wie er die kleine fiktive Stadt benannt hat, gelebt.

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Später wurde daraus eine Sehenswürdigkeit und die Stadt  Tölz hat Karl Heinz eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Derzeit lebt er in der Lebenshilfe in Bad Tölz. Er ist zu alt geworden, um die schweren Steine zu heben und von Klein-Kario stehen nur noch die vom Hochwasser verschonten Ausmauern. Eine von vielen unglaublichen Geschichten die uns die Isar erzählt.

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Die Ruinen der ehemaligen Wohnung des Pyramidenbauers

 

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Während wir essen, versteckt Ted den Piratenschatz für die Kinder. Fazit: Durch Stromschnellen fahren und Schatzsuchen macht Kinder glücklich.

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Und weil das so ist, geht’s auch schon bald weiter nach Bad Tölz. Ted macht Piratenmusik auf dem Handy an, wir spielen lustige Spiele bei dem sich das Boot dreht, wackelt und schauckelt.

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Um 14 Uhr sind wir am Moraltpark angekommen. Muy felix.

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Die Zeit verging so schnell, unglaublich. Unsere Kinder tauschen Telefonnummer aus, ob’s das bei den Piraten damals auch schon gab? Lieber Ted, liebe Timcsi, liebe Marisol und lieber Eliel, danke aus ganzem Herzen, daß ihr uns auf diese ganz wundervolle, kleine Reise mitgenommen habt. Besser hätte ein Sonntagsausflug nicht sein können.

Ich wünsche dir, daß du immer einmal wieder die Gelegenheit bekommst die Perspektive zu wechseln und die Dinge anders sehen kannst. Und daß das Gefühl „im Fluß zu sein“ dich begleitet. Du musst nur los lassen und vertrauen. Am Ende kommst du immer an. Ganz von selbst.  Aus ganzem Herzen M.

IMG_8525Montevia

Der Arzbach – eine Liebeserklärung

Der Arzbach – eine Liebeserklärung

Mein liebster Arzbach,
jetzt kennen wir uns schon 34 Jahre und noch nie habe ich dir gesagt, was du mir tatsächlich bedeutest. Wie verliebt ich doch von Anfang an in dich war, damals als ich einen meiner ersten Schritte in dir gemacht habe. Was für ein Segen dich zu haben und neben dir aufwachsen zu dürfen! Über alle die Jahre bist du wie ein fester Anker für mich geworden. Weißt du noch die Indianerspiele und die Baumhäuser die wir immer in deiner Nähe gebaut haben? Ich fühlte mich grenzenlos frei neben dir und unendlich stark. Ich habe immer gedacht der Arzbach ist das Tor zur Welt und wenn wir unser Floß nur groß genug bauen würden, dann würden wir es eines Tages bis in Schwarze Meer schaffen.

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Weißt du noch, diesen wunderbaren Sommer, als wir unser Strandcafe eröffnet haben? Wir haben Sonnenschirme, Liegen und alles was wir sonst noch finden konnten nach hinten zu dir geschleppt und Sandkuchen aus Brombeeren und Grashalmen gebacken. Und Staudämme haben wir gebaut, meterhoch! Denn so kam es uns wirklich vor und wenn nach einem Gewitter alles wegschwemmt wurde, haben wir alles wieder aufgebaut, so als wäre es die normalste Sache der Welt. Unser Strandcafe war dann aber doch zu versteckt, als das daraus wirklich etwas werden hätte können. Damals waren deine Wege wild, verwachsen und verschlungen, wie die Arme eines Riesenkraken und dennoch fühlte ich mich in dir geborgen und gut aufgehoben. Denn das hast du immer getan: gut auf mich aufgepaßt. Mein Platz war in deiner Nähe, daß wußte ich ganz genau. Einmal im Sommer 1990, ich war 9 Jahre alt, da konnte ich deine ganze Kraft sehen und spüren. Das erste und hoffentlich letzte Hochwasser, das ich mit dir erlebt habe. Für uns Kinder war das alles ein großes Abenteuer, weil wir die Tragweite noch nicht fassen konnten. Aber Gott sei Dank ist außer den Dingen Niemanden etwas passiert. Die Geschichten von deinem großen Ausbruch, hallen bis heute in meinen Ohren nach. Man versuchte dich zu bändigen und aus den verwunschenen Riesenkrakenarmen ist heute tatsächlich ein ganz zahmes, großes Bächlein geworden. Aber wenn man genau hinschaut und das tue ich immer noch, dann kann man dein raues, leidenschaftlich und wildes Naturell immer noch erkennen.

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Was ich alles mit dir erlebt habe: meine ersten Schwimmversuche im Alpenbad, unsere stundenlangen Wanderungen und sogar meinen ersten Kuß. Wie könnte ich das alles vergessen? Jetzt habe ich auch noch das große Glück, daß auch unsere Kinder mit dir aufwachsen. Ich wünsche mir so sehr, daß sie ihre eigenen Geschichten mit dir erleben dürfen. Geschichten, die sich in ihr Herz einbrennen und zentimetertiefe Furchen hinterlassen, so wie in meinem. Vielleicht eröffnen sie irgendwann einmal ihr Strandcafe zudem echte Gäste kommen und nach Brombeergras-Sandkuchen fragen.

Die Wahrheit ist, ich habe dich immer geliebt, vom ersten Augenblick an und wahrscheinlich noch mein ganzes Leben lang. Ich kann mir gar nicht vorstellen, daß es je anders gewesen sein konnte. Ich kenne so viele Stellen in dir, die nur ich sehen kann, so viele versteckte Orte und Winkel, die nur uns gehören. Und manches Mal, wenn uns die Luft zum Einatmen fehlt, weil gerade ganz viel um uns herum los ist, dann nehme ich meinen Mann und unsere Kinder an die Hand. Es sind nur ein paar Minuten dann sind wir da, bei dir, mittendrin und dann atmen wir tief ein und ganz langsam aus. Weil es hat schon John Lennon gesagt, don’t forget to breath in, unless you breath out.

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Abendspaziergang

Seitdem ich denken kann, trinken wir unser Wasser aus deiner Quelle, die so rein und klar ist, wie du für mich. Du warst meine erste große Liebe und sind dir auch noch viele große Lieben nachgefolgt, so kann ich dir gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, daß du immer noch an meiner Seite verweilst. Du bist meine Sicherheit, meine Heimat,  mein Urvertrauen und ein Stück von meinem Herz wird dir auf ewig gehören. Weil ich dich aus ganzem Herzen liebe. In tiefer Verbundenheit, deine M.

Und dir wünsche ich, daß du einen Ort (oder mehrere Orte) findest, der dich mit Liebe überschüttet. Einen geschützten Raum nur für dich, an dem du immer zurückkehren kannst, wenn auch nur in Gedanken und egal wie laut es auf dieser Welt gerade ist. Einen Ort an dem du zu Hause bist.

Das wünsche ich dir aus ganzem Herzen. M.

Wenn du willst lies gerne auch meinen post 7 Geheimtipps für den Isarwinkel

 

Alpenbad/Arzbacher Wasserfall;-)

Titelbild und Bilder M.Linke