Hannah’s Geschenk

Hannah’s Geschenk

„…und nun lauf langsam, kleine Seele, hin zum Ufer. Mit Sorgfalt wähle aus, was du verlieren wirst. Wie du dich auch entscheidest, du hast Recht.“

Jane Hirshfield

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Hannah’s Geschenk ist auch mir „zufällig“  wie ein Geschenk vor die Füße gefallen. Die kleine Hannah ist gerade drei Jahre alt, als bei ihr Krebs festgestellt wurde. Ab diesem Zeitpunkt beginnt für Hannah ein kräfteraubender Kampf um ihr Leben. Die Prognosen stehen nicht gut, doch zwischendrin wird die Familie immer wieder von Zuversicht und Hoffnung getragen. Neben all der Traurigkeit ist dieses Buch bis zur letzten Seite mit unendlich viel Liebe, Lebensfreude und Wahrheit gefüllt. Maria Housden erzählt die Geschichte von ihrer Tochter Hannah so herzerwärmend liebevoll und beschreibt ihre Persönlichkeit treffend detailgetreu, dass man am Ende tatsächlich glaubt Hannah wirklich gekannt zu haben. Zum Beispiel der Tag im Schuhladen, als sie „ihre roten Schuhe“ fand und darin zu tanzen begann bis die Passanten um sie herum stehen blieben, um Applaus zu klatschten.  Im Krankenhaus nannte man sie das Mädchen mit den roten Schuhen und selbst im OP-Saal bestand sie darauf sie anlassen zu dürfen und zeigt uns dafür, wie wichtig es ist, für das was man ist ein zu stehen. Das ist nur eins der tausend Dinge, die Hannah uns liebevoll lehrt. Und obwohl Hannahs Geschenk eins der Bücher ist, die man erst wieder weglegen kann, wenn man es ausgelesen hat, musste ich öfters innehalten bevor ich mit einem dicken Kloß im Hals weiterlesen konnte. Das Buch berührt zutiefst. Nicht zuletzt wegen der Geschichte an sich, sondern auch, wegen der Ehrlichkeit und Klarheit mit der Hannah mit ihrer Krankheit umgeht und mit der Art und Weise wie sie ihrer Familie behutsam bei bringt, das selbe zu tun. Gerade dann, wenn es manches Mal unmöglich erscheint. Besonders bewegt hat mich auch wie Hannah’s Bruder Will um sie trauert und wie sich die Kinder langsam auf ihre Art voneinander verabschieden. Noch während Hannah im Sterben liegt, kommt ihre Schwester Margaret zu Welt. Hannah ist hin und weg und stolz endlich eine große Schwester zu sein und es scheint, sie ist ein kleines bisschen länger auf der Welt geblieben, um Margaret noch kennen lernen zu dürfen..

Kathrin von Sei Pippi statt Annika  hat zu einer äußerst interessanten Bloggerrunde eingeladen und nach dem Lieblingsbuch gefragt. Ich habe unzählige Lieblingsbücher, aber dieses hier hat mich auf ganz besondere Weise berührt. Vielleicht weil wir selber drei Kinder haben, vielleicht auch weil unsere jüngste Tochter mich an Hannah erinnert und ich mir nur ansatzweise vorstellen kann, wie schwer es ist sein Kind gehen zu lassen.

hannahDieses Buch ist eine Liebeserklärung an das Leben und die Liebe, ein bunt gewebter Teppich aus allen Farben, die dunkelnen, wie die hellen. Denn letztendlich gehören sie alle zusammen. Maria schreibt von der ersten Schockstarre nach der Diagnose, aus der sich alle befreien mussten um eben Hannah zu befreien und ganz für sie da sein zu können. Sie beschreibt das Gefühl, das sich langsam in ihr gemeinsames Leben schlich und bald der Gewissheit wich, dass von nun an alle großen Tage für Hannah ihre letzten großen Tage sein würden. Ihr Geburtstag, Weihnachten, die ausgelassene Cabriofahrt mit einer Freundin, der Besuch bei Cinderella im Disneyland, bis hin zu Hannah’s allerletztem Atemzug. Maria Housdens Wunsch wirkt in jeder Zeile nach:  die Erinnerungen an Hannah und die damit verbundenen wertvollen Einsichten zu teilen, um den Umgang mit Verlust und Tod und über das worauf es im Leben wirklich ankommt weiterzugeben. Hannahs Geschenk ist ein Buch, dass die Verzweiflung und Trauer überwindet und in unendliche Liebe verwandelt und so Trost spendet. Hannahs Geschenk eben.

Hannah’s Botschaft war so klar, wie sie selbst: Liebe das Leben, sei wer immer du bist und vertraue darauf.: Das Leben alleine sorgt für dich und schickt von Zeit zu Zeit Wunder, gerade dann wenn du am wenigsten daran glaubst. Es scheint, dass gerade Hannah, die im Sterben liegt, alle Gefühle um sich herum noch intensiver wahrnimmt. Stimmungen, Ängste, Zweifel, aber auch die Freude im Augenblick zu leben.

Maria Housden lebt mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Roger Housden, in San Francisco. Seit dem Tod ihrer Tochter Hannah leitet sie Selbsthilfegruppen für Eltern die ein Kind verloren haben. Hannah’s Geschenk ist ihr erstes Buch und ihr wunderbar flüssiger und poetischer Schreibstil wurde aus dem Englischen „Hannah’s Gift: Lessons from a Life Fully Lived“ von Christiane Burkhard auffallend gut übersetzt.

Bloggerrunde Mein Lieblingsbuch

1.10. Kathrin von Sei Pippi, nicht Annika (www.pippistattannika.de) : Jonas Jonasson: Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind

2.10. Kira von Bibliophilie Hermine (www.bibliophiliehermine.blogspot.de) : Evy Winter: Coming Home – Alles oder Nichts

3.10. Nine von Nine im Wahn (www.nine-im-wahn.blogspot.de) : Anna McPartlin: Irgendwo im Glück

4.10. Vanessa von Bookalicious (www.bookalicious8.blogspot.de) : Penelope Ward: Stepbrother Dearest

5.10. Manuela von Lesenswertes aus dem Bücherhaus (www.lesenswertesausdembuecherhaus.blogspot.de) : Andreas Izquierdo: Apocalypsia

6.10. Sebastian von Stuffed Shelves (www.stuffed-shelves.de) : Richard Bachman: Amok

7.10. Marie-Anne von Fantasie und Träumerei (www.fantasie-und-traeumerei.blogspot.de) : Kristin Hannah: Die Nachtigall

8.10. Svenja von Buntes Tintenfässchen (www.svenjasbookchallenge.blogspot.de) : Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte

12.10. Nadine von Nadines Bücherwelt (www.everyones-a-book.blogspot.de) : Amy Ewing: Das Juwel

13.10. Meiky von Magnificent Meiky (www.magnificent-meiky.blogspot.de) : Anna McPartlin: Die letzten Tage von Rabbit Hayes

14.10. Alex von Harakiris Leseecke (www.harakirisleseecke.jimdo.com) : Nina Blazon: Silfur – Die Nacht der silbernen Augen

15.10. Caro von Bücherwanderin (www.buecherwanderin.de) : Jojo Moyes: Ein ganz neues Leben

16.10. Michaela von Aus ganzem Herzen (www.aus-ganzem-herzen.de) : Maria Housden: Hannahs Geschenk

 

 

Lauras Herzklopfmoment

Da gibt es einen ganz zauberhaften Reise-Blog da draußen, der gerade dabei ist zu wachsen und seine ersten eigenständigen Schritte zu gehen. Ich habe Laura von www.fundorte.com nach ihrem allerliebsten Reisemoment gefragt. Ein Augenblick nur, der sich ewig anfühlte und das Herz so weit geöffnet hat, dass die ganze Welt darin Platz gehabt hätte.

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Dein schönster Augenblick auf Reisen, sagt sie. Der schönste Augenblick, von all den
tausenden die ich erlebt habe?
Ich muss gestehen, dass ich sehr lange darüber nachdachte.
Der Wind fährt mir durch die Haare, während ich auf meinem Weg zur Arbeit mit dem
Fahrrad meine Lieblingsstelle passiere. Ein gut ausgebauter Fahrradweg unter Bäumen.
Die Temperaturen sind Anfang Oktober auch hier in Spanien endlich ein bisschen zurück
gegangen und so begrüßen mich der Morgen nur noch mit 22 Grad anstatt 30. Mein
glücklichster Moment auf Reisen, denke ich erneut, während der Fahrtwind meine Haut
liebkost bevor die Temperaturen mit späterer Uhrzeit doch noch auf 37 hinaufklettern und
die Luft wieder unerträglich schwül wird.
Wer hätte gedacht, dass mir jemand mit so einer einfachen Frage eine solche Aufgabe in
meinen Alltag mitgibt. Und ich frage mich selbst, ob es nicht traurig ist, dass mir nicht
gleich etwas dazu einfällt.
Ist der schönste Moment, wenn man endlich in dem Land ankommt, von welchem man
von Zuhause aus nur geträumt hat? Nein. Für mich jedenfalls nicht. Zu viel neue
Eindrücke, zu viel Ungewisses, zu viel, was in dem Moment der Ankunft noch erledigt
werden muss.
Ist der schönste Moment vielleicht währenddessen, wenn man mitten im Wald oder am
Strand steht, während am Horizont langsam die Sonne untergeht und man weiß, man hat
etwas geschafft, sich einen Traum ermöglicht auf welchen man so lange hingearbeitet
hat? Vielleicht kommt es dem schon sehr Nahe, aber beschreibt dies nicht eher ein Gefühl
als eine Momentaufnahme? Wahrscheinlich kommt es hier auch auf die Definition von
„Augenblick“ an.
Oder ist der schönste Augenblick, wenn man das Gefühl hat, irgendwo angekommen zu
sein? Wenn man an einem Ort eine Weile verweilt und sich dieses wohlige Gefühl nach
Heimat langsam einschleicht, ohne das man es wirklich bemerkt hat. Man kennt seinen
Weg nach Hause, kann sich auf sein Bett freuen, man weiß vielleicht in welchem
Restaurant man einen ganz einzigartigen Ausblick auf die Stadt haben wird.
In Gedanken gehe ich meine Fernreise nach Thailand durch, die unzähligen
Wochenenden mit meiner Mama nach Wien, London, Prag, Budapest. Das Eintauchen in
1001 Nacht letztes Jahr in Marrakesch.
„Ich wurde von einer Bloggerin gefragt, was mein schönster Moment auf Reisen sei“,
schreibe ich einer Freundin. Meiner besten Freundin, die mich durch Thailand begleitet
hat. Die mich wie ihre linke Westentasche kennt. „Fällt dir was dazu ein? Oder was wäre
das bei dir? Ich bin ein bisschen ratlos.“
„Elefanten.“
Sie schreib nur das eine Wort. Elefanten. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht und mein
Herz beginnt zu klopfen. Aber natürlich. Wieso bin ich da nicht von alleine drauf
gekommen?
Als ich ihr einen Abend später die selbe Frage stelle, sagt sie nur, dass man manchmal
einfach nicht selbst auf die naheliegensten Sachen kommt. Das manchmal andere mehr
beobachten, als man von sich selbst mitbekäme. Aber meine Augen hätten geleuchtet wie
die eines Kindes an seinem ersten Weihnachten.
Mein schönster Augenblick auf Reisen, ist also meine Begegnung mit Elefanten in
Thailand.

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Diese Tiere sind nicht einfach nur schön, intelligent und anmutig, sie üben auch eine
absolute Faszination auf mich aus. Wir haben uns lange informiert und recherchiert bevor
wir uns für einen Tag mit diesen einzigartigen Dickhäutern entschieden.
Ein Bus brachte uns vom Hotel gute fünf Stunden weit hinein ins innere des Landes,
hinein in die unberührte Natur von Thailand. In einer kleinen Gruppe von acht Leuten
saßen wir an einem Tisch, aufmerksam dem Thai lauschend, welcher versucht uns einige
Begriffe für den Umgang mit Elefanten beizubringen. Elefanten, gehören, wenn sie nicht in
der freien Wildnis leben, ihr ganzes Leben lang zu einem einzigen Menschen. Ihr Mahut ist
für ihre Verpflegung und die Pflege verantwortlich. Über die Jahre hinweg bauen die
beiden eine enge Beziehung zueinander auf und vertrauen sich. Ein Mahut ist in der Lage
seinen Elefanten nur durch Worte zu lenken, ohne Tritte, Haken oder Peitschen.
Und während wir das alles erfuhren, staunend dem Erzähler lauschten und uns der
der Schweiß den Rücken entlang lief, nahm ich nur ganz zufällig plötzlich eine Bewegung
aus den Augenwinkeln wahr.
Ein Elefantenjunges, halb so groß wie ein ausgewachsener aber durchaus schon kräftig
genug, um jeden einzelnen von uns umschmeißen zu können, lief geradewegs auf uns zu.
Sein Rüssel schnellt nach vorne und ehe wir uns versahen hatte er drei der auf dem Tisch
liegenden Bananen genüsslich schmatzend in den Mund gesteckt. Ich schwöre, dass er
dabei gegrinst hat.
Dieses wunderschöne Tier vor mir zu sehen, so ganz ohne Zaun, Gitter und zwischen
grauen Betonwänden eingesperrt war bis jetzt das schönste, was ich auf Reisen je erlebt
habe. Dieses Glücksgefühlt in diesem Moment.
Mir reichte es, den Elefanten einfach nur anzuschauen und ihn bei weitern Stibitzaktionen
zu beobachten.

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Sein Mahut lag mit einem Strohhut, welcher schrägt auf seinem Gesicht gegen die Sonne
lag unter einem Baum und beobachtete ihn aus halb geschlossenen Augen. Auf ein, zwei
halb genuschelt Worte von ihm drehe sich der Elefant ein bisschen widerwillig um, lugte
noch ein letztes Mal auf die Bananen und stiefelte dann zu dem Baum an welchem er
augenblicklich in das Dösen mit seinem Mahut miteinstieg. Die Augen geschlossen
bewegte er seinen Kopf leicht hin und her.
Mein schönster Augenblick auf Reisen, war dieser Tag mit den Tieren.
Vielleicht, wäre auch das Ankommen auf Mallorca hierfür treffend gewesen. Wenn ich auf
Mallorca ankomme, an meinen Lieblingsplätzen stehend und aufs Meer hinaus oder in die
Berge schaue, schlägt mein Herz einen anderen Rhythmus und ich bin zuhause.

Aber das, ist eine andere Geschichte.

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Liebe Laura, da ich Elefanten auch so sehr liebe wie du, klopft mein Herz bei deinem Herzklopfmoment auch ganz, ganz laut. Ich finde den Gedanken, dass jedes Tier einen Mahut hat auf den es vertraut, sehr faszinierend und stell mir gerade vor, was unsere Kinder wohl dazu sagen würden, wenn ich eine Mahut(in) werden würden und demnächst bald ein kleiner Elefant in unserem Biergarten umher läuft…Ich danke dir aus ganzem Herzen für deinen ganz persönlichen und besonders einzigartigen „glücklichsten Reisemoment.“ Und wenn ihr mehr von Lauras Geschichten hören wollt, dann müsst ihr im Moment nach Sevilla reisen oder ihren Blog besuchen unter Fundorte Beides kann ich euch aus ganzem Herzen nur ans Herz legen.

Titelbild Nena Lüdemann Momentsfoto

Bilder Thailand Fundorte.com