Unser kostbares Leben

Unser kostbares Leben

Es ist war im Frühling vor 2,5 Jahren, als sich unser Leben von einer Sekunde auf die andere beinahe auf den Kopf gestellt hätte. Dieser Tag ist bis heute immer noch der Grund, warum ich dich nachts vor dem Einschlafen sicherheitshalber ein bisschen fester halte. Nur um zu spüren, dass du tatsächlich noch da bist. Heute bist du, kleine Prinzessin, vier und ich kann dir selbst erzählen was damals passiert ist.

Deine Geschwister spielten in ihrem Zimmer, du alleine für dich nebenan. Der Hase, fiel mir ein. Keiner hatte ihn heute schon gefüttert. Ich schloss die Balkontüre, so meinte ich und gab Leni und Tommy Bescheid bevor ich den Raum verließ. Nicht ohne mich noch einmal nach dir umzudrehen. Doch du warst viel zu vertieft, um mich zu bemerken. Ich nahm die Wasserkanne, klemmte die Karotten und den Salat für den Hasen unter den Arm. Als ich dann vor dem Hasenstall stand, überkam mich urplötzlich ein ungutes Gefühl. Bis heute kann ich mir nicht erklären woher es kam. Statt den Stall zu öffnen und unseren Hasen zu füttern ging ich die 10 Meter zurück, von wo aus ich auf unseren Balkon sehen konnte. Mein Herz blieb augenblicklich stehen! Da standest du, mit wackeligen Beinen und gleichzeitig seelenruhig auf dem Balkonsims. „Kati!“ entfuhr mir reflexartig ein schriller Schrei, den du Gott sei Dank nicht gehört hattest. Der Balken ist gerade mal 15cm breit und mir war sofort klar, dass nur eine kleine Bewegung reichte und du wurdest das Gleichgewicht verlieren und 7 Meter auf den Betonboden unter dir in die Tiefe stürzen.  Ich hörte augenblicklich auf zu denken, schleuderte alles was ich in der Hand hatte vor mir auf den Boden und lief so schnell ich konnte. Für den Weg den ich vorher in einer Minuten gegangen bin, brauchte ich jetzt schätzungsweise nur ein paar Sekunden. Ich lief nicht nur sprichwörtlich um dein Leben. Als ich endlich bei dir war, warst du immer noch da am selben Fleck. Ich habe dich mit beiden Armen umschlungen und mich mit dir auf den Boden geworfen. Beide weinten wir. Du, weil du durcheinander warst und ich aus reiner Erleichterung. Deine Geschwister spielten noch im Zimmer und hatten dich gar nicht bemerkt, auch nicht die beiden Männer der Ferienwohnung direkt gegenüber. Was im Nachhinein das Beste war, was hätten sie schon machen können. Schreien, um Hilfe rufen? Ich bin mir bis heute noch sicher, es hätte nur eine kleine Bewegung gereicht.

Es war einfach nachzukonstruieren. Die Balkontüre war nicht richtig geschlossen und ist von alleine wieder aufgegangen. Du hast den Stuhl von deinem Zimmer auf den Balkon geschoben und bist über die Lehne auf den Balkon gestiegen. (Wie hast du das mit deinen 1,5 Jahren nur gemacht?) Noch heute träume ich davon.  Es ist nicht so, dass uns das nicht schon in irgendeiner Form mit allen unseren Kindern passiert ist. Als ich einen Moment nicht aufgepasst hatte und Leni den ein Kilometer langen Weg mit dem Laufrad alleine zum Kindergarten gefahren ist. Sie ist irgendwie angekommen. Das Hauptstraße überqueren und in der Kurve rechts fahren, haben wir nur ansatzweise geübt. Tommy, der sich an der Ostsee minutenlang in der prahlen Sonne unter der Strandmuschel versteckt hatte. Er hatte nur kurz die Schwimmflügel ausgezogen und wir konnten ihn nirgendswo mehr finden.  Ich glaube fast jede Familie hat diese Geschichten auf Lager und in der Regel gehen sie gut aus. Auch uns sind sie mehrmals passiert. Aber keine Situation war so wie die mit Kati. In der ich so konkret solche Angst um unser Kind hatte und nicht wusste, ob sie noch oben auf dem Balkon steht, wenn ich endlich bei ihr bin. Doch wir hatten Glück und Kati einen sehr guten Schutzengel.

 

Und dann denke ich:  Kinder zu haben ist immer tiefes Glück und ein Segen. Wir sollten jeden Augenblick zusammen auskosten. Wir sollten ihnen so viel Liebe und Wertschätzung mitgeben wie nur irgendwie möglich. Kinder sind ein Geschenk. Eine Familie zu haben ist ein Geschenk. Freunde zu haben ist ein Geschenk. Wir leben dieses Leben nur einmal. Selbst wenn wir wiedergeboren werden und noch tausend Leben vor uns haben, wir sind nur einmal Mama oder Papa genau dieser wunderbaren Kinder. Wie besonders jedes Kind doch ist. Wie einzigartig.

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Wir können sie einmal nur so nah begleiten. Irgendwann, so sehr wir uns auch lieben, werden wir alle wieder unseren eigenen Weg gehen. Das letzte Stück auf der Reise müssen wir ganz alleine antreten, auch wenn wir bis zum Schluss von unseren Lieben begleitet werden. Doch ich bin überzeugt davon, dass die Liebe die wir hinter uns lassen, die Welt verändert. Generationen nach uns. Je reiner und tiefer sie war, desto mehr. Und ich glaube auch, dass wir genau diese Liebe mit dahin nehmen, wohin wir einmal gehen werden. Ich glaube auch, dass wir uns wiedersehen. Ihr werdet es schon sehen. Aber bis dahin, halte ich euch fest, wenn ihr Halt braucht. Lass euch ziehen, wenn euch eure Leben ruft und bin da, wenn ihr davon hin und wieder eine Pause braucht. Ich bestehe im Gegenzug weiterhin auf warme Umarmungen und tiefe Gespräche.  Aber jetzt…lass uns unser Leben leben. Ich bin so froh, dass wir uns gefunden haben.

Aus ganzem Herzen, M. ♥

 

 

Über unser Dorf Arzbach – ein Interview mit meinem Papa

Über unser Dorf Arzbach – ein Interview mit meinem Papa
Das ursprüngliche Haus in den 50ger Jarhen wurde aus „Bachkugel“ gebaucht

 Für das Magazin „d’Isarwinkler“ durfte ich über mein heißgeliebtes Dorf Arzbach-Wackersberg schreiben. Mein Papa lebt seit 76 Jahren in Arzbach und wer wäre da ein besserer Interview-Partner für mich als er. Ich war so überrascht, weil es da so viele Dinge von früher gibt, von denen ich tatsächlich überhaupt keine Ahnung hatte. Deswegen wollte ich euch das Interview auf dem Blog nicht vorenthalten. Während des Schreiben’s durfte ich so viel lernen und ich habe mein Dorf (und meinen Papa) wirklich von einer ganz anderen Seite sehen dürfen und alleine dafür bin ich schon total dankbar. Vielen Dank für die interessanten Einblick Papa und am allermeisten dafür, dass ich auch hier leben darf.  Aus ganzem Herzen, deine Michi

 

Aus der Sicht von anno dazu mal und heute

Es ist über 36 Jahre her, seit ich meine ersten Schritte im Arzbach gemacht habe.  Ein paar Jahre später dann die ersten mutigen Schwimmzüge im Alpenbad. Ich sammelte stundenlang die Bälle der Tennisspieler zusammen und konnte mich herzlich über das anschließend spendierte Eis freuen. Ich verbrachte meine Kindheit im Arzbacher Hof und auf dem Alpencampingplatz und besonders darüber hätte ich nicht glücklicher sein können.  Heute darf ich für euch im „d’Isarwinkler“ ein kleines bisserl aus dem Arzbacher Nähkästchen plaudern. Die Menschen, seine Geschichten und die tausend Winkel, die es so unverkennbar und einzigartig werden lassen und der Grund, warum mein Dorf für mich nach all den Jahren immer noch der Ort geblieben ist, an dem ich mich am allermeisten zu Hause fühle. Wer könnte mir da besser von meinem Heimatdorf erzählen als mein Papa Gottfried Willibald. Schließlich lebt er schon über 76 Jahre in Arzbach. Er ist der Senior-Wirt vom Arzbacher Hof und besser bekannt als der „Gottä.“

Der Arzbacher Hof und der Alpencampingplatz von oben

Ich habe letztes Mal gelesen, dass es das Alpenbad bereits seit 1934 gibt. Du bist 1942 geboren, was hat sich denn alles verändert seit damals?

Das Alpenbad gibt es tatsächlich schon so lange. Dein Opa (Michl Willibald) erzählte mir immer von der legendären Eröffnung. Das ganze Dorf war auf den Beinen, um dabei zu sein. Ein Schwimmbad war damals eine echte Sensation. Beim Eröffnungswettschwimmen wären „beinahe“ Schwimmer ertrunken, weil man aus der Gaudi heraus ein paar ihrer Rucksäcke, die sie währende des Wettbewerbs tragen sollten, mit Steinen befüllt hatte. Zum Glück ist das noch einmal gut ausgegangen.

Schwimmbaderöffnung in Arzbach

Die Dorfgrenze war früher die heutige „Kirchengrenze“. So gehörte ein Teil von Schlegldorf noch zu Arzbach und somit zur Gemeinde Wackersberg. Heute gilt das eben nur noch für die Kirche. Jemand der auf der anderen Seite vom Arzbach wohnt, gehört offiziell zu Lenggries, bei den kirchlichen Festen aber zu Arzbach-Wackersberg. Ja und im Grunde, wird er dann ja auch hier beerdigt. Also gehört er letztendlich dann doch zu uns.

Aus der Chronik der Gemeinde Wackersberg geht hervor, dass die Fialkirche Arzbach zu den jüngsten Gotteshäusern des Isarwinkels zählt. Sie wurde im September 1950 dem Unbeflecktem Herzen Marä geweiht. Der Bau der Kirche, geht auf ein Gelöbnis zurück, dass der damalige Wackersberger Pfarrer Johannes Schwertfirm und einige Arzbacher Bauern in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges abgelegt haben sollen. Der Wunsch nach einer eigenen Kirch allerdings bestand schon lange. Zu einen, weil die Maria-Hilf-Kapelle längst zu klein war. Auch der Wackersberger Friedhof der Pfarrgemeinde reichte bei weitem nicht mehr. Eine Grundstücksstiftung der Moarbäuerin Anna Bauer schuf die Voraussetzung für die von Pfarrer Schwertfirm vorangetriebenen Neubau-Pläne. Der gestiftete Grund wurden gegen eine Fläche oberhalb der Kapelle getauscht, wo dann die Fialkirche errichtet wurde. Schon 1948 war mit dem Bau des Friedhofes begonnen worden. Insbesondere dem Einsatz des damaligen Kirchenpflegers Balthasar Kohlauf (Wenibauer) war es zu verdanken, dass am Kirchweihmontag 1949 die Grundsteinlegung für die neue Kirche erfolgen konnte. Nach nur einjähriger Bauzeit nach den Plänen des Architekten Oskar Haßlauer konnte mit viel Eigenleistung und großzügigen Holzspenden die neue Kirche in einem feierlichen Festakt durch Bischof Anton Scharnagel eröffnet werden. Die Innenausstattung war in den kargen Nachkriegszeiten noch sehr bescheiden. Die Bestuhlung fehlte gänzlich. Erst nach und nach wurden die von den Gläubigen selbst bezahlten Kirchenbänke eingebaut. Die mächtig, geschnitzte Kreuzigungsgruppe über dem Hauptaltar entstand erst in den 1950er Jahren. Das markante Ensemble mit dem gekreuzigten Christus, sowie Maria Magdalena und Johannes stammt aus der Werkstatt des Wegscheider Holzschnitzers Kasper Gerg (Draxl) und wurde nachträglich anstelle eines Notaltars aufgestellt. Bemerkenswert ist ein über dem linken Seitenaltar angebrachtes Gemälde der Heiligen Familie aus der Maria-Hilf-Kapelle.  An beiden Kirchenwänden hängt ein Kreuzweg aus der Zeit um 1730, der das Leiden uns Sterben Jesus in nur vier Gemälden zusammenfasst. Seit Pfingsten 1991 hat Arzbach auch eine Orgel. Das einmanualige Instrument mit sieben Registern löste ein altersschwaches Harmonium ab, dass über 40 Jahre lange gute Dienste geleistet hat. Die Arzbacher Kirche wurde vor zwei Jahren renoviert und erhielt einen neuen Altar. Im Januar 2017 wurde dieser in einer feierlichen Altarweihe durch Kardinal Marx und von Pfarrer Leo Sobik gesegnet.

Wie es oft in oberbayerischen Gemeinden der Fall ist, war der Platz an dem die Kirche steht, auch früher schon der Dorfplatz. Neben der Kapelle befand sich einst die Gastwirtschaft „beim Auer“ und in unmittelbarer Nachbarschaft der kleine Kramerladen „zum Koia“. Dort gab es im Grunde alles was man brauchte. Ich erinnere mich noch sehr gut an den kleinen Laden und an die Zeit als ich als Kind dort ziemlich oft meine Butterbrezen und das obligatorische Sunkis für die Pause gekauft habe. Aber hast du mir nicht immer erzählt es hätte noch mehr Läden in Arzbach gegeben?

In Arzbach bekam man wirklich alles was man brauchte. Beim Auer gab es nicht nur eine Gaststätte, sondern auch einen Lebensmittelladen. Den Kramerladen „zum Koia“ gaben es ja damals auch schon. Dann gab es noch „den Bäck“, am Ortsausgang. Dort gab es neben frischen Backwaren, ebenfalls Lebensmittel. In Wackerberg gab es ebenfalls einen Lebensmittelladen, den der damalige Bürgermeister Kellner betrieb. Wie du siehst, hat es uns an nichts gefehlt.

Ich bemerke, dass es heute gar keinen Kramerladen mehr gibt, weder in Arzbach noch in Wackersberg.

Wir hatten früher sogar noch eine Metzgerei, die sich im heutigen Kramerwirt befand, der zu dieser Zeit auch schon eine Gastwirtschaft war. Sogar eine Tankstelle hatten wir.

Sagenhaft. Das habe ich alles gar nicht gewusst. Deine ersten Lehre hast du ja als Hufschmied beim Schaflitzl in Arzbach absolviert. Ich kann mir vorstellen, dass auch da vieles anders war, als wir es heute kennen.

Mit Sicherheit. Du musst dir vorstellen es gab in dieser Zeit allein in Arzbach schon über 100 Pferde, die alle bei uns beschlagen wurden. Oft hatten wir 6-8 Pferde pro Tag. In Wackersberg gab es noch einmal einen eigenen Hufschmied. Jeder Bauer war im Besitz von mehren Pferden, die in der täglichen Arbeit im Hof und besonders auf dem Berg nicht weg zu denken waren. Die Pferdekraft wurde später von PS in Form von Traktoren ersetzt. Ich erinnere mich daran, dass in den Jahren 1963-1965 die meisten Pferde in der Gemeinde aus diesem Grund verkauft wurden. Der Betrieb der die offizielle Bezeichnung „Huf- und Wagenschmiederei“ trug, musste sich nun auf die Mechanik von Landmaschinen spezialisieren.

Das finde ich wirklich sehr interessant. Was habt ihr denn damals zum Bespiel gemacht, wenn ihr einen Doktor gebraucht hattet?

Das war wirklich nicht sehr oft. Meistens hat man alten Hausmittel vertraut oder ist irgendwie von alleine wieder gesund geworden. Wenn es aber wirklich mal was Ernstes war, dann hat man uns Buben zum Dr. Scholz in Steinbach geschickt. Das nächste Krankenhaus war dann in Lenggries oder das Versorgungskrankenhaus in Bad Tölz.

Heute wurden ja die letzten Jahre immer wieder Geburtsstationen geschlossen. Ich frage mich gerade wo die Frauen früher ihre Kinder zur Welt gebracht haben?

Zu meiner Zeit war das Lenggries. Aber viele Kinder sind auch einfach zu Hause geboren worden. So genau weiß ich das gar nicht mehr. Ich kann mich nur sehr gut an eine Geschichte erinnern, als unser Bruder Lois geboren wurde. „D’Mam“( Kathi Willibald) hat mich um Mitternacht aufgeweckt und zum „Bab“ (Michl Willibald) geschickt, der damals am Stammtisch beim Schweizer Wirt gesessen ist. Sie meinte, ich sollte ihm mitteilen, dass sie wegen ihres Blinddarms ganz dringend ins Krankenhaus musste. Man hatte noch schnell ein Auto organisiert (die meisten hatten ja gar keins) oder ist sogar noch mit dem Radl losgefahren. Das war damals halt so.

Meine Oma Kathi Willibald

Woher habt ihr denn eigentlich eure Kleidung bekommen? Früher ging man ja nicht einfach zum Shoppen?

Na, ganz gewiss nicht. (lacht) Wir haben unsere Sachen einfach aufgetragen und sie wurden solange geflickt, bis man sie wirklich gar nicht mehr anziehen konnte. Wir hatten aber auch Schneidereien im Dorf. (Bsp. beim Dosch) Weil man nicht viel hatte, war es einfach wichtig, alles zu verwerten und nichts wegzuschmeißen. Das war bei Lebensmitteln so wie beim Essen. Zu den Bauernhöfen kamen regelmäßig Schneider/innen, die oft nur für Kost und Logis im Haus blieben und die Kleidung nähten und flickten. Im Dorf gab es noch einen Schuster, der heutige Schusterpeter. Daran erinnere ich mich noch so gut und an seinen Ausstellungskasten aus Glas, den er vor seiner Werkstatt aufgestellt hatte.

von rechts Oma Kathi, Rudi, Lois, meine Opa Michl, mein Papa, oben links Michä und oben rechts Sepp

Das heutige Arzbach ist aus zwei Siedlungen zusammengewachsen, einer älteren bäuerlichen Siedlung auf der Hochterasse und einer am Isargies gelegenen Flößersiedlung. Die Flößerei war in Arzbach wie in vielen Isarwinkler Nachbargemeinde, seit jeher eine wichtige Einnahme-Quelle. Die Arzbacher Flößer sollen sogar dafür verantwortlich sein, dass es früher schon Kaffee im Isarwinkel gab. Aus Passau wurden die ersten Kaffeebohnen mitgebracht und damit die Bauern nicht merkten, dass ihnen die Flößer einen Genuss voraushatten, legten sie beim Kaffeekochen Weideruten auf den Herd, damit der Gestank den Kaffeeduft nicht überdeckte. Die Flöße dienten zum Transport von Waren aus dem Isarwinkel bis weit die Donau hinab. Schließlich waren die Flöße selbst Holzlieferanten. Das Floß wurde dann z.B. in München komplett auseinander gebaut und verwertet. Überhaupt war die Lieferung von Bau- und Brennholz, wie auch von Kalk, insgesamt gesehen der bedeutendste Gewerbezweig innerhalb der Flößerei. In Arzbach gab es im gleichnamigen Kalkofenweg auch einen Kalkofen. An der Ganterstatt brannte der „Kager“ bis 1946 in seinem Kalkofen Kalk. Mein Papa weiß noch wie voll der Platz im Frühjahr mit Holzstämmen und Scheitholz war, das er zum Anschüren benötigte. Es war im Winter mit Gespannen aus den Bergen gefahren worden. Nebenan brannte der „Kohler“ Burchholz und Meilern zur Kohle.

Der Opa Michl Willibald war ja auch ein Flößer, wie war, dass denn mit der Flößerei zu dieser Zeit?

Die Flößer haben hauptsächlich Holz nach München transportiert. Das Floß wurde dann komplett abgebaut, verwertet und die Flößer sind dann wieder heimgefahren. (Kutsche, Zug) Ich weiß sogar noch, dass die Riß vom Abholzen, weil die Nachfrage nach Holz so groß war, ganz kahl war. Es wurden dann eine „Abholz-Verbot“ ausgesprochen und die Stellen wurden neu angepflanzt. In der Flösserhochzeit (um 1950) fuhren rund 11 000 Flosse aus dem Isarwinkel nach München. Sechs Stunden dauerte die Fahrt in der Regel. In drei Tagen war man beispielsweise in Wien. Der Dachstuhl des Stephansdoms bestehe zum Teil aus Isarwinkler Holz. Der Seil Glas, hat seinen Floßbetrieb an die Familie Angermaier verkauft, die ihn ja heute noch betreibt. Nach und nach gab es auch andere Weg, um Güter nach München zu transportieren. Der Floßbetrieb wandelte sich von einem reinen Transport-Betrieb zum Passagier-Floß. Der Angermaier Wastl, alias Überführer, der war ein Unikum. Für ein paar Pfennig transportierte er die Arzbacher über die Isar nach Gaißach und umgekehrt.

Der Überführer „Sebastian Angermeier“

1980 wurde die Fähre vom Überführer eingestellt. Die Bügermeister beiderseits der Isar, Kaspar Wohlmuth und Josef Bauer bemühten sich um eine Brücke als Ersatz. Sie verbindet bis heute Gaißach und Wackersberg und eröffnet den Arzbachern den Bahnanschluss nach Obergries.

Die Schule vom Dorf war ja immer schon in Höfen. Wie hast du denn damals die Schulzeit dort erlebt?

Das war auf jeden Fall ganz anders wie heute. Wir wurden nicht mit dem Bus gefahren, sondern mussten alle zu Fuß gehen. Das waren besonders im Winter manches Mal ganz schöne Strecken. Aber uns hat das nie etwas ausgemacht. Es gab noch richtige „Dadzn“(Schläge) früher, heute Gott sei Dank nicht mehr vorstellbar.

Ich erinnere mich immer an den Lehrer Breit, an die Lehrerin Ibelher. Da hast du mir schon oft so manchen Geschichten erzählt. Der Lehrer Dörfler war noch ein Jahr an der Schule, als ich 1987 eingeschult wurde. Heute gehen unsere Kinder auf die gleiche Schule, es ist schon wirklich lustig wie sich jetzt alles wiederholt.

Bis 1969 konnten die Wackersberger Schulkinder ihre gesamte Schullaufbahn bis zum Hauptschulabschluss absolvieren. In diesem Jahr wurde im Rahmen einer Schulreform die Haupt- auf eine Teilhauptschule reduziert. 1973 kam dann das endgültige Aus für die Hauptschule, die Schule wurde aus reine Grundschule weitergeführt, welche sie bis heute noch ist. Bei einer Christbaumversteigerung im Arzbacher Hof hatte mein Papa einmal den Meßstab von Herrn Dörfler ersteigert, der unter anderem auch als „Dadzstab“ verwendet wurde. Das Schulhaus war damals gleichzeitig das Rathaus vom Dorf. Es gab ein kleines Zimmer, bei dem auch die standesamtlichen Trauugen abgehalten wurden. Meine Eltern haben 1965 dort geheiratet. Heute ist das Rathaus in Oberfischbach.  Wackersberg und Oberfischbach waren eigene Gemeinden, bis sie bei der Gemeindegebietsreform 1978 zu einer Gemeinde zusammengefasst wurden.

Wackersberg wurde urkundlich erstmals 1195 als Berg „Waccerberch“ erwähnt, wie es aus der Dorfchronik hervorgeht. Der Freisinger Bischof Otto der II. bestätigte so die unter Otto I. zwischen 1150 und 1158 getätigte Schenkung an das von ihm gegründete Kloster Schäftlarn. Das Kloster ließ daraufhin den Wackersberg roden und besiedeln. Um 1255/56 griff Gebhard von Tölz, ein Enkel Gebhards von Hohenburg, in die Rechte des Klosters ein, indem er Wackersberg besetzte. Auf die Vermittlung seines Bruders, des Freisinger Bischofs Konrad I., verpflichtete sich Gebhard in einer Urkunde, alles von ihm gewaltsam Besetzte am Wackersberg an Schäftlarn zurück zu geben. Besonders die Kriegszeit und das Ende des zweiten Weltkrieges brachte viele gefährliche Situationen in die Gemeinde. In den Ortschaften verschanzten sich Angehörige der SS und andere halbaufgelöste Truppen, um Widerstand gegen die herannahenden Amerikaner zu leisten.

Du warst ja zum Ende des Krieges noch ein kleiner Bub, kannst du dich überhaupt noch daran erinnern?
Sehr gut sogar. Ich glaube das sind einfach prägende Erinnerungen, die bleiben. Ich weiß noch, dass den ganzen Arzbach entlang die Munition der SS lag. Wir Buben haben gedacht das wäre irgendwie so ähnlich wie Platzpatronen und haben sie ins Feuer geworfen. Es hat gekracht und geknallt. Gerade noch konnten wir in Deckung gehen. Als die Amys einmarschierten, haben sich überall bei uns einquartiert. Auch bei uns haben welche im Haus gewohnt. An den Häusern brachten die Bewohner, weiße Bettücher oder Laken an, als Zeichen damit man sicher ergeben hatte und keine SS-Leute im Haus anwesend waren. Die Amys waren immer human zu uns. Sicher gab es auch da Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen denke ich in erster Linie an die ersten Kaugummis erinnern, die freundliche und lachende Soldaten aus Amerika an uns verteilten. 

Sehenswert ist die spätgotische katholische Pfarrkirche St. Nikolaus im Wackersberger Dorfkern, die im 15. Jahrhundert errichtet und ab 1688 umgestaltet wurde und weitgehend ihr heutiges Aussehen erhielt. 1759 erhielt sie den neuen Hochaltar, 1768 wurde das Chorgewölbe ausgemalt und 1829 wurde das Langhaus ausgebaut und die Chormauern erhöht. Der Satteldachturm entstand im 1872 neu, ebenso wie ein neuer Hochaltar. Die Ausstattung der Kirche stammt zum Großteil aus dem späten 17. Jahrhundert. Am nördlichen Rand des Dorfes findet man zudem die Auferstehungskapelle, die 1706 erbaut und 1712 erweitert wurde. Reizvoll sind im Dorf die, vor allem in der Dorfstraße und in der Kirchstraße, liegenden alten Bauernhäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert und das Pfarrhaus von 1904. Am Fuße der Kirche liegt außerdem das Denkmal an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Die nicht weitentfernte Pestkapelle im Ortsteil Lehen, wurde 1634 von den nur sieben Überlebenden der Epidemie erbaut.

die Sennerein Berta und Hirtabua Gottä (2 von links) auf der Alm

 

Mir fällt noch so viel ein, was ich über Wackersberg erzählen könnte. Die Gebirgsschützen, die Wackerberger Musikanten, ihre Traditionen und Bräuche. Über den Sportverein, über den Tourismus, über die Einheimischen oder ihre prominenten Bürger.  Über die Berge im Wackersberger Voralpenland. Über die Zeit als mein Papa noch Hirtabua im Lägental war und dass man damals einen ganzen Sommer auf die Alm ging und ein paar Woche länger schulfrei hatte, als die die anderen Kinder. Es gäbe noch so viel was ich euch von Wackersberg und von Arzbach erzählen könnte.  Ich denke mir was es doch für ein Glück ist, in so einem Ort leben zu dürfen. Die Zeit steht manches Mal ein bisserl länger still. Die Luft ist manches Mal ein bisserl klarer, die Vögel pfeifen ein bisserl lauter am Morgen und die Sonne scheint oft ein bisserl heller für mich. Mein Herz jedenfalls schlägt jedes Mal schneller, wenn ich einmal länger von daheim weg war und wieder ich nach Hause komme.  Und das nicht bloß a bisserl. Ich gebe es gerne offen zu: ich bin aufrichtig verliebt in mein kleines Dorf, seine griabigen Bewohner, seine wunderschönen Fleckerl und hoffe du allerspätestens jetzt auch. Ein bisserl zumindest.

Papa dir geht’s doch da genauso?

Ganz genauso. Für mich ist Arzbach der Himmel auf Erden. Anders konn ich’s ned sagen.

Ja, dann is ja guad.

 

 

 

Ein erfülltes Leben, vier Eckfahnen und ein Fußballspiel

Ein erfülltes Leben, vier Eckfahnen und ein Fußballspiel

Ich glaube so ziemlich jeder wünscht sich ein wirklich, wirklich erfülltes Leben. Aber ab wann ist es das, was kann man selbst dazu beitragen oder ist es am Ende nur das Glück das hierfür in der Verantwortung steht? Und weil es unsagbar viele Menschen auf dieser Welt gibt, ist diese Frage auch so individuell und gar nicht so leicht zu beantworten. Doch, da bin ich mir sicher, gibt es ein paar Eckpfeiler die wie Fahnen auf einem Fußballfeld die Grenzen für dich abstecken. Das Spiel das dazwischen gespielt wird, das nennt sich Leben und ist genauso wenig vorhersehbar wie beim Fußball das Endergebnis, aber genau das macht es eben auch so spannend.

Eckfahne 1 Vertrauen und Glauben

Du brauchst erst einmal Vertrauen. Vertrauen in dich. Dann erst kann dein Vertrauen in andere wachsen. Glaube daran, dass es das Leben grundsätzlich gut mit dir meint. Es gibt natürlich auch Menschen die völlig erschüttert sind in ihrem Urvertrauen. Krieg, Misshandlungen, aber auch das vermittelte Gefühl nichts wert zu sein, sind leider nur wenige Bespiele die dazu führen. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass die Basis, der Kern auf echtem Vertrauen basiert. Wie kannst du denn dann dein Vertrauen stärken, wenn du glaubst ein gutes Stück davon auf dem Weg verloren zu haben? Schaue auf das was gut in deinem Leben ist und wenn es noch so klein ist. Es wird dadurch größer werden. Ganz natürlich. Denn Vertrauen ist natürlich, nicht anders rum. Vertraue wieder wie ein Kind und sei grenzenlos darin.

Eckfahne 2  Deine Träume

Was wäre ein Leben ohne Träume? Achte auf deine Träume, denn sie zeigen dir wer du in Wirklichkeit bist. Nicht alle deine Träume sind dir bewusst. Wenn du zum Beispiel ein unglaubliches Talent zum Wellenreiten hättest, lebst aber weit weg vom Meer, wirst du mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nie in den Genuss kommen es tatsächlich zu tun. Aber…wenn du deinen Träumen folgst, dann werden sie dich immer wieder einholen und ans Meer führen. Einfach weil deine Sehnsucht intuitiv weiß, wo du hin musst.  Und umso öfter du dann dort bist, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass du tatsächlich einmal einen in dir schlummernden Traum zum Leben erweckst.  Dann sind da noch die offensichtlichen Träume, denen du dir oft schon dein ganzes Leben lang bewusst bist. Der Pilot, der sich an Karneval immer schon als Kapitän verkleidet hat oder die Designerin, die sich als kleines Mädchen zum Geburtstag nichts sehnlicher wünschte, als eine Nähmaschine. Das alles sind Zeichen dafür, was in dir ist und gelebt werden will. Nicht alles kannst du dann tatsächlich sein, wichtig ist deine Träume in der Priorität zu leben, dass es sich für dich gut anfühlt. Als ob du vor einem riesigem Buffet stehst. Angerichtet mit deinen Lieblingsspeisen. Auch wenn du am liebsten alles auf einmal essen würdest, wirst du irgendwann satt sein und nicht alles aus der großen Auswahl kosten können. Darum iss das, was dir aus allen deinen Leibspeisen am allerbesten schmeckt und lass ein bisschen Platz für das Dessert. Das kann ein Hobby wie Briefmarkensammeln oder Postkarten schreiben sein. Weissdergeierwas. Etwas ganz Persönliches,  dass zu dir passt, weil du eben du bist. Aber das Wichtigste zum Schluss: Nimm deine Träume ernst. Sie sind dein Kompass, dein Wegweiser und werden dich mit jedem Schritt näher zu dir führen.

Eckfahne 3 Die Wahrheit

Versuche so viel Wahrheit wie es geht in dein Leben zu lassen. Sei ehrlich zu dir und zu gegenüber anderen. Leugne nie wer du bist!  Die Wahrheit mag dir manches Mal nicht als das Beste erscheinen, auch wenn sie das immer ist. Ausnahmelos. Denn erst wenn du die Dinge als das sehen kannst, was sie sind, dann kannst du sie ziehen lassen oder dich dafür entscheiden.  Die Wahrheit ist wunderschön. So wie ein blauer Himmel nach sieben Tagen Regenwetter, der nach klarer Luft schmeckt. Die Wahrheit spiegelt deine Seele. Umso mehr du du selbst bist, umso wahrhaftiger bist du auch. Deine Versuche anderen gerecht zu werden oder sie gar zu imitieren, gleicht einem verschmutztem Spiegel auf dem du dich selbst nicht mehr erkennen kannst.

Eckfahne 4 Die Liebe

Die Liebe ist das warum es sich am Ende immer dreht. Es geht immer um Gefühle und um die Liebe. Liebe ehrlich, bedingungslos und ihrer selbst wegen. Du kannst dir nicht aussuchen wen du liebst, aber ob du deiner Liebe folgst. Kein Weg ist jemals zu weit, wenn es die Liebe ist, kein Berg zu hoch, keine Meer zu tief. Lebe deine Liebe auf die reinste Art und Weise. Es wird sich anfühlen wie ein warmer Strom der dich mit sich nimmt an unbekannte, wunderschöne Orte. Er wird dich fordern, gewaltig und sanft, aber nichts wird ansatzweise damit zu vergleichen sein, wie es sich anfühlt, zu lieben und geliebt zu werden. Alles. was. am. Ende. zählt.

(Video zur EM 2016)

Ein erfülltes Leben ist für mich so ziemlich alles was jetzt gerade bei mir sein darf. Darum würde ich am allerliebsten die Zeit anhalten oder sie zumindest dazu überreden ein kleines bisschen langsamer zu vergehen. Doch ich weiß ja alles ist ständig in Bewegung. Um wachsen zu können, müssen wir aber weitergehen, auch dann wenn wir am liebsten stehen bleiben würden wo wir sind. Weitergehen bedeutet voran zu kommen, loslassen und neu beginnen. Würden wir immer dort bleiben, wo es uns so gut gefällt, würden wir die anderen zauberhaften Plätze gar nicht mehr sehen und vermutlich niemals Wellenreiten. Aber Träumer, Wahrheitssuchende, in die Liebe vertrauende Wesen, das sind wir im Innersten alle. Und neben all den Eckfahnen die dein Leben umkreisen, vergiss nicht das Leben ist ein Spiel. Nimm dich und alles um dich herum nicht ganz so ernst. Du wirst gewinnen und verlieren, daraus lernen und immer weiterspielen. Weil das Leben Freude ist. Mach DEIN Spiel und schieb deine Fehler nicht auf den Schiedsrichter, der den Elfmeter nicht gepfiffen hat, sondern nimm es selbst in die Hand. Such dir die besten Mitspieler aus, den gewinnen wirst du nur, wenn dein Team gut aufgestellt ist. Und das Feiern mit echten Freunden ist sowieso das Größte.

Ich wünsche dir ein erfülltes, glückliches, und lustiges Leben. Und allen Fußballfans eine friedliche und unvergeßliche WM 2018!

Aus ganzem Herzen, M.

Heute am 14.06.2018 um 17 Uhr  beginnt die Fußballweltmeisterschaft mit dem Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi Arabien. Deutschland spielt in der Vorrunde am Sonntag, 17.6 ab 17 Uhr, Samstag 23.6.2018 ab 20 Uhr und Mittwich 27.6.2018 ab 16 Uhr,

Alle Spiele werden selbstverständlich auf Großbildleinwand im Arzbacher Hof übertragen!

Foto M. Linke/ Pixabay

Wenn der Gast König und das Leben ein Fest ist

Wenn der Gast König und das Leben ein Fest ist

„Der Gast ist König.“ Dieser Satz wurde so oft zitiert und wenn ich auch weiß, was er in seinem Kern bedeutet, konnte ich ihn nie ganz unterschreiben. Ich glaube, wer in der Gastronomie arbeitet, dem sollte es wahre Freude bereiten Gastgeber zu sein und Menschen zu dienen. Genau in dieser Tätigkeit liegt eine tiefe Hingabe, so finde ich.


Ich hatte mal ein sehr langes und intensives Gespräch mit zwei Kinderkrankenschwestern, die beide in der Münchner Kinderonkologie arbeiten und darüber was im Gegensatz zu ihnen schon passiert, wenn uns ein Fehler unterläuft. Vielleicht sind die Kartoffeln versalzen oder ich kippe versehentlich ein Glas Rotwein auf das neue, fliederfarbene Sommerkleid eines Hochzeitgastes, was alles schon vorgekommen ist und was ich heute noch am liebsten ungeschehen machen würde. Aber im Vergleich zu dem sensiblen Umfeld in der Kinderonkologie, in der es sprichwörtlich um Leben oder Tod geht, ist das nicht im Ansatz zu vergleichen. Und da haben mir beide etwas sehr weises geantwortet, dass ich seitdem im Herzen trage und an das ich mich hin und wieder erinnere. Im Leben geht es darum sich gegenseitig „zu dienen“, sein Bestes zu geben, jeder das was er kann. Im Leichten, wie im Schweren und alles gehört irgendwie zusammen. „Was ist denn mehr Leben und Leichtigkeit als Essen, Trinken und zusammen feiern?“ hat mir einer der beiden Kinderkrankenpflegerinnen von damals geantwortet. Ich fand sie hat Recht und seitdem habe ich augenblicklich aufgehört, das eine wertvoller, als das andere zu betrachten.

Wenn wir neue Mitarbeiter bei uns einstellen, dann ist uns eine Sache besonders wichtig. Dieses Gefühl für den Gast. Ganz ehrlich, am liebsten würde ich jeden Gast umarmen, einfach dafür, dass er zu uns kommt. Nur deswegen gibt es ja den Arzbacher Hof und deswegen sind wir alle hier. Das Ziel ist, dem Gast eine wundervolle Zeit zu schenken. Am allerbesten in rauen Mengen, damit er eine große Extra-Portion davon mit zu sich nach Hause nehmen kann. Für den Service bedeutet das, authentisch und echt zu sein. Ich behaupte ja, dass Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Offenheit Grundvoraussetzungen sind. Wie Service funktioniert und das ganze Know-How drum herum, das ist erlernbar. Umso mehr Freude und Leidenschaft mit im Spiel ist, umso besser und umso schneller kommt man voran.

Die letzten Jahre haben wir im Arzbacher Hof dafür immer wieder Serviceschulungen angeboten. Für alle die richtig Lust hatten in der Gastronomie zu arbeiten, aber keine Ahnung davon, wie man zum Beispiel vier Teller trägt, ein Tablett richtig hält oder wie Weinservice funktioniert. That’s it! Es kommt vielmehr darauf an, ob jemand grundsätzlich in die Gastronomie passt. Die Sache mit der Freundlichkeit, wie man mit Gästen umgeht, deine Teamfähigkeit und deine Einstellung ganz allgemein. Gastronomie, das ist manches Mal anstrengend und oft harte Arbeit, aber macht mindestens genauso viel Spaß. Vorausgesetzt es ist deins. Authentisch kann man eben nur sein, wenn man sich in wohl fühlt, mit dem was man tut. (das trifft übrigens auf jede Art von Arbeit zu)

Ich persönlich finde, die mürrische Kellnerin genauso fehl am Platz, wie das aufgesetzte Lächeln von geschultem Fachpersonal, welches zu oft nur in auswendig gelernten Standardsätzen antworten kann. Ich muss den Mensch dahinter spüren und schon das Gefühl haben, dass jemand seine Arbeit gern macht, noch besser aufrichtig liebt. Aber was ist denn nun mit dem Gast? Ist er denn nun König oder nicht? Im Grunde würde ich sagen schon. Doch auch hier gibt es eine goldene Regel. König sein bedeutet nämlich auch dem Servicepersonal, den Köchen und Köchinnen, einfach allen die dazu beitragen, dass es dem Gast gut geht, auf Augenhöhe und mit echter Wertschätzung zu begegnen. Ich erinnere mich an eine Situation aus meiner Ausbildung, an dem mich ein Gast so respektlos behandelt hatte, dass mir aus reiner Hilflosigkeit die Tränen in die Augen stiegen. Ich machte damals einfach nur einen Fehler, weil ich eben gerade angefangen hatte zu lernen und weil ich es nicht besser wusste. Situationen wie diese waren Gott sei Dank die Ausnahme, aber sie haben mich geprägt. Ich glaube, Fehler zu machen ist unumgänglich und wichtig, besonders wenn man lernt. Ich würde sagen, man muss dabei unbedingt mutig und freundlich bleiben und genau das, macht wie so oft den Unterschied. Es immer jedem Recht zu machen, geht schlichtweg nicht. Das habe ich auch lernen müssen und es geht am allerwenigsten, wenn das Problem ganz woanders liegt. Du kannst versuchen einen Gast mit schlechter Laune zu überzeugen, dass es das Leben gut meint. Wenn du es schaffst, ist das ganz wunderbar! Wenn nicht, koche einfach weiter mit Liebe, dann schmeckt auch das Essen. Sei ganz einfach weiter freundlich & mutig und wenn du der Gast bist, dann genieße königlich. Sei manches Mal nachsichtig, wenn kleine Fehler passieren, wir sind alle Menschen, die nur ihr Bestes geben. Und das werden wir einfach weiterhin tun: unser Bestes geben und jeden Augenblick davon auskosten. Das Leben ist ein Fest und wir feiern es gerne zusammen mit dir. Jeden einzelnen Tag,  Und das Allerbeste ist es, wenn aus all den Königen einmal echte Freunde geworden sind.

Du glaubst nicht wie glücklich wir sind, dass du da bist. Danke dafür aus ganzem Herzen.


 

Für Leni Tamika

Für Leni Tamika

Ich habe unsere Tochter vorher gefragt, ob ich das schreiben und ob ich das Foto von ihr auf den Blog stellen darf. Es ist schon irgendwie so, dass wenn du in einem Wirtshaus wohnst, du ja eh schon sehr öffentlich bist. Für uns ist das normal und trotzdem gibt es die vielen Dinge, die bei uns bleiben. Die uns heilig sind und die wir schützen, weil sie so persönlich sind, dass sie an Kraft verlieren würden, wenn ich nicht auf sie aufpasse. Das ist ein ganz feines Gefühl und es flüstert mir verlässlich zu, wenn ich bei uns bleiben soll. Ich konnte mich bisher immer darauf verlassen.
Doch ich glaube auch, man sollte offen sein. Umso offener wir Menschen sind, um so weniger Schatten kann sich zwischen uns verstecken. Offenheit bedeutet einfach keine Angst zu haben und zu vertrauen. Und ich war immer schon davon überzeugt, dass den Mutigen die Welt gehört, Liebe eben aus Mut gemacht wird und am Ende Träume wahr werden lässt.
Am Sonntag hatte unsere älteste Tochter ihre Erste Heilige Kommunion. Der Tag war ein Geschenk in jeder Hinsicht. Die Kirche, das wunderschöne Kleid, das meine Tante vor 28 Jahre für meine Kommunion genäht hatte, der Chor, der uns zu Tränen rührte, der herrliche Sommertag zusammen mit unserer Familie mittem im April bei uns im Arzbacher Hof Biergarten und unsere Tochter die noch heller strahlte. „Hast du das gespürt?“ hat sie mich gefragt. Ich wusste was sie meinte und das irgendetwas Magisches in diesem Tag lag. Uns fehlten beide die Worte und dann dachte ich im Stillen bei mir, wenn wir etwas fühlen, dass wir nicht beschreiben können, das aber dennoch da ist, ist es dann nicht ein Zeichen dafür, dass es etwas Höheres als uns gibt, von dem wir keine Ahnung haben? Ich bin mir immer sicherer, dass es genau so sein muss.
Und diesen Augenblick von dir, am Abend an deinem Tag, den behalte ich für immer in mir. Weil ich ihn nicht beschreiben kann, sowie dich nicht, meine mutige Tochter mit dem großem Herz und der unendlich weiten Seele. Keine Worte dieser Erde könnten dir davon erzählen, wie viel du mir bedeutest.

 Aus ganzem Herzen, deine Mama

Die Bedeutung von Ostern

Die Bedeutung von Ostern

Ich glaube, Glaube ist immer eng verbunden mit deiner Herkunft. Ich bin 1980 im südlichsten Oberbayern geboren und aufgewachsen, was in der Regel bedeutete, dass man automatisch auch katholisch ist. (wäre ich z.B. in Indien geboren, wäre das schätzungsweise anders)
Ich musste nie zur Kirche gehen, meine Eltern konnte es ja allein schon wegen der Arbeitszeiten im Arzbacher Hof selbst nicht. Aber ich wollte, weil ich immer eine sehr ausgeprägte Sehnsucht nach Spiritualität verspürte. Ich saugte alles auf, was mit diesem Thema zu tun hatte. Doch ich habe sehr schnell verstanden, dass Gott nicht ausschließlich in der Kirche zu finden ist, viel mehr in unseren eigenen Herzen. Dass der frommeste Mensch, nicht unbedingt der ist, der jeden Sonntag zum Gottesdienst geht, sondern der, der am meisten Liebe in sich trägt und nicht müde wird, sie bei jeder Gelegenheit in die Welt zu schicken.

Manches Mal kann Religion sogar gefährlich werden. Immer dann wenn sie in dem selben Namen missbraucht wird. Immer dann wenn sie nicht allumfassend ist, sondern ausschließend. Immer dann wenn sie verurteilt, statt zu verzeihen. Immer dann, wenn sie einen daran hindert die eigene Wahrheit in ganzer Kraft zu leben.
Heute war ich wie jedes Jahr mit unseren Kindern und Freunden auf dem Tölzer Kalvarienberg. Die Geschichte von Jesus faszinierte mich immer schon sehr. Das letzte Abendmahl. Judas Kuss. Die Kreuzigung. Die Auferstehung. Unabhängig was man glaubt, finde ich kann man sehr viel an Bedeutung draus ziehen.
Jesus hat das Kreuz für uns getragen. Vielleicht erinnern wir uns daran, wenn wir selber einmal schwer zu tragen haben.
Auch wenn die Mehrheit seine Botschaft nicht verstehen konnte, sie sogar mit Füßen getreten hatte, hielt er an ihr fest. Auch wenn die Mehrheit sich gegen ihn stellte, gab es doch eine kleine, treue Gemeinde, die hinter ihm stand. Die half das schwere Kreuz mitzutragen.
Die Auferstehung bedeutet nichts anderes als Hoffnung. Am Ende wird alles gut. Und dass die Liebe immer stärker ist als der Hass. Davon bin ich überzeugt!
Ich wünsche dir aus ganzem Herzen frohe Ostern. Glaube an was und wen du willst, aber unbedingt an die Liebe. Und höre nicht auf vor dir herzuleuchten und dir zu vertrauen.
Mehr kannst du nicht tun, aber das ist mehr als genug.

Weil du so besonders bist für mich

Weil du so besonders bist für mich

Manches Mal hält mich ein Gedanke wach und lässt mich erst dann wieder einschlafen, wenn ich ihm genügend Beachtung geschenkt habe.

Und ich erinnere mich, als ich noch ein Kind war. Glücklich das fünfte oder sechste, heimlich aus unserem Kühlraum geklaute Eis schleckend. Die Füße im Arzbach baumelnd und mit halbgeschlossenen Augen der Sonne entgegen blinzelnd. Ich habe euch ja schon oft erzählt, wie herrlich es ist in einem bayrischen Wirtshaus neben dem Alpencampingplatz aufwachsen zu dürfen. Ich glaube wirklich heute würde jeder Hirnforscher die Hände über den Kopf zusammenschlagen, über so viel idealen Nährboten für Serotonin, Dopamin und Oxytocin oder für sonstige Glücksbotenstoffe! Es ist nämlich das optimale Wechselspiel zwischen dem, dass die Eltern viel arbeiten, (und deswegen nicht alles immer genau beobachten, was die Kinder den ganzen Tag so tun) trotzdem für einen da sind und jeden Tag Menschen in deinem Haus ein- und ausgehen, die dir dann Geschichten aus der großen, weiten Welt erzählen. Ich fühlte mich verbunden und frei gleichzeitig. Heimweh und Sehnsucht auf einmal. Aber mit einem festen Platz im Herzen.

Und ich hatte viele Anlaufstellen. Die Münchner Camper die mit ihren Kindern am Wochenende zu ihren Wohnwägen zu uns auf’s Land kamen, die Urlauber, die Stammgäste, die Kinder auf dem Spielplatz… Ganz besonders erinnere ich mich an ein Rentnerehepaar, die ich irgendwie schon immer kannte. Sie waren schon so viele Jahre auf unserem Campingplatz und ihre Enkelkinder sind meine Freunde. Immer wenn sie bei uns waren, dann konnte ich zu jeder Tag- und Nachtzeit an ihren Wohnwagen klopfen. Sie machten immer auf. Mit einem breitem Lächeln in ihren Gesichtern. Ich spürte jedesmal genau, dass sie sich einfach nur freuten, wenn ich sie besuchen kam. Egal wie oft. Und ich glaube, das war das erste Mal außerhalb meiner Familie, dass mir jemand das Gefühl gab, dass ich etwas ganz Besonderes bin. Ohne dass sie sich dessen bewusst waren, haben sie mich damit reich beschenkt. Denn ich glaube, für ein Kind ist es eins der wertvollsten Geschenke überhaupt, zu wissen, es ist einzigartig und dass es genau deswegen geliebt wird. So wie es ist. Weil es einfach eine Freude ist, dass es da ist.

Auch später, als sich mein Radius über mein Eckerl hinten am Arzbach ausdehnte, traf ich immer wieder auf Menschen, die oft gerade in schwierigen Momenten, da waren. Einfach weil sie gar nicht anders konnten und weil uns etwas verband, was daraus entstand, dass wir uns so sehen konnten wie wir waren. Wir sehen uns nämlich immer ein Stück weit mit den Augen unserer Umgebung. Ich glaube viel mehr, als uns das bewusst ist. Und wenn du Glück hattest, bestand deine Umgebung hauptsächlich aus liebenden, wohlwollenden Menschen. Denn deine Wahrnehmung als Kind wird gerade darüber geprägt. Natürlich kann auch ein Kind eine gute Wahrnehmung über sich selbst entwickeln, wenn es anders aufwächst, aber ich glaube sehr viel leichter ist es, wenn jemand da ist, der es nicht nur liebt, sondern ihm vertraut. Wir sollten uns nicht so große Sorgen um die Zukunft unserer Kinder machen, sondern satt dessen einfach an sie glauben. Sie lassen wie sie sind und ihnen helfen ihren Weg zu finden. Gehen müssen sie ihn selber. Und das Beste ist es, wenn sie zusätzlich noch irgendwo eine Wohnwagentüre (oder so ähnlich) haben, bei der sie anklopfen können, weil ein Zuhause mit mehreren Anlaufstellen immer gut ist.

Mehr als alles andere, behüte dein Herz.

Mehr als alles andere, behüte dein Herz.

Den aus ganzem Herzen Blog gibt es jetzt seit 32 Monaten und (ganz genau genommen) 18 Tagen und jetzt sind doch tatsächlich über zwei Monate vergangen, seitdem ich das letzte Mal einen Beitrag geschrieben habe. Das ist mir noch nie passiert. Auch vor dem Blog nicht. Ich konnte einfach keine einzige Zeile schreiben. Zwischendrin ein paar kurze Facebook-Posts,  ein paar knappe Emails, aber mehr ging einfach nicht. Nicht einmal Geburtstagskarten oder annähernd irgendwas in die Richtung.  Die letzten Wochen waren so fundamental wichtig für mich und sie sind es gerade immer noch. Vielleicht kann ich irgendwann einmal darüber schreiben.  Ich weiß es nicht. Aber das Gefühl der Leichtigkeit ist zu mir zurückgekommen. So wie ein treuer Weggefährte, von dem ich immer wusste, dass er, was immer auch sein wird, ein Leben lang an meiner Seite verweilen wird.

Und ich schreibe von dem was ist. Was ich selbst so schwer verstehe und trotzdem unendlich klar vor mir sehe. Über das was es heißt, aus ganzem Herzen zu leben. Auch wenn damit einher geht leicht verletzbar zu sein, ich würde es nie anders wollen. Natalia vom wunderbaren Blog sei-dir-gut, hat mir in einem Kommentar einen Satz geschrieben, der mich mitten ins Mark getroffen hat. Ein paar Tage später hat sie ihn mir als Wandtattoo geschenkt (dafür werde ich auf ewig dankbar sein) und seitdem schweben diese Worte, die mir so viel bedeuten, direkt über unserem Bett. Jeden neuen Morgen, wenn ich aufwache, erinnern sie mich wieder daran…

“ Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.  Halte dich nicht fest an falschen Worten und verdrehte Reden seien fern von dir! Lass deine Augen geradeaus schauen und deine Augenlider stracks vor dich blicken. Erwäge wohl deine Schritte, und alle deine Wege seien bestimmt. (Hebräer 12.13) „

Ich habe nachgelesen. Der Spruch stammt aus der Bibel und ich habe ihn vorher tatsächlich noch nie irgendwo gehört, doch ich finde den Sinn darin so unfassbar wichtig. Mit einem offenen Herzen und wachem Verstand durch das Leben zu gehen. Bei jeder Entscheidung zu überlegen, was entsteht draus im Jetzt und wie verändere ich damit auch die Zukunft. Denn es ist schon so. Das was wir säen, das ernten wir irgendwann. Und wenn auch nicht wir, dann unsere Kinder oder die Generationen nach uns. Am Ende, da bin ich mir absolut sicher, ist alles was zählt, dein reines Herz. Darum bleib in jeder Lebenslage unbedingt deinem Herzen und der Liebe treu. Drehe um, wenn du merkst, du bist vom Kurs abgekommen. Bereue nichts! Es war nur eine falsche Abzweigung, der du irrtümlich gefolgt bist. Du hast es einfach nicht besser gewusst. Nimm den Umweg, wie lang er auch sein mag, in Kauf und gehe weiter zurück zu deinem Weg, der dich mit jeden Schritt näher zu dir führt. Aber gerade jetzt und mehr denn je, behüte dein Herz. Pass gut darauf auf, es ist das Kostbarste was du besitzt.

Ein offenes Herz

Ein offenes Herz trägst du vor dir, wie eine kleine Blüte, die in all deinen Farben gleichzeitig leuchtet.  Grün, Blau, Türkis, Braun, Gelb, Rot…alles was du bist. Umso weiter du dich öffnest, um so größer und heller scheint deine kleine Blume.  Bei Regen wird sie sich intuitiv verschließen, um beim nächsten Sonnenschein noch heller zu blühen. Aber um richtig wachsen zu können, braucht es beides. Durch ein offenes Herz erkennst du alle Wunder um dich herum. Die kleinen wie die großen. Du siehst die Menschen nicht durch den Schleicher einer verzehrten Wahrnehmung, sondern so wie sie wirklich sind. Ein offenes Herz ist neugierig, wild und frei. Es ist verletzlich, zweifelsohne, aber genau daran liegt der Schlüssel zum Glück. Davon bin ich überzeugt.

Ein mutiges Herz

Mutig zu sein bedeutet nicht keine Angst zu haben. Im Gegenteil. Manches Mal wirst du vor Angst wie gelähmt sein, deine Knie werden schlottern und du wirst das Gefühl haben, dass dir die Luft zum Atmen fehlt. Es wird dir buchstäblich die Kehle abschnüren und es scheint, als würdest du auf der Stelle treten.  Bleib ruhig, doch beharrlich. Finde deine Wahrheit, denn das kann keiner besser als du. Doch dann wenn du sie gefunden hast,  schreie sie so laut wie möglich in die Welt hinaus und halte nichts davon zurück. Es mag sein, dass deine Stimme am Anfang zittrig und zaghaft ist.  Aber vertraue darauf, sie wird mit jedem Mal kräftiger und stärker werden. So wie du. Sei unbedingt mutig!

Ein ehrliches Herz

Versuche in allen Dingen die Wahrheit zu finden und aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Dinge und Menschen zu schauen.  Denke daran, die Wahrheit ist immer eine Summe aus vielen Wahrheiten. Nur sei auf der Hut, dass es sich dabei um Wahrheiten handelt die aus einem reinem Herzen entspringen. Alles andere entfernt dich nur davon. Umso reiner und klarer du denkst und fühlst, umso leichter wirst du unterscheiden können.

Ein mitfühlendes Herz

Du musst fühlen, was die Menschen (und Tiere) bewegt.  Ein mitfühlendes Herz bleibt in Verbindung. Die Verbindung zueinander ist wie der Puls, der uns antreibt, der alles ausmacht. Er sorgt dafür, dass dein Herz immer warm bleibt, auch wenn um dich alles zu Eis erfrieren scheint.  Sorge für dich und für die Menschen in deiner Nähe, aber auch für die, die du nie kennenlernen wirst, weil die Welt viel zu groß dafür ist. Sei dir sicher, auf eine Art und Weise kennt ihr euch doch. Höre zu! Sieh hin! Fühle mit!

Ein großzügiges Herz

Gebe! Gebe wirklich und aufrichtig so oft du kannst. Es wird zu dir zurückkommen so und so. Gib am besten ohne Grund, sondern weil du nicht anders kannst. Wann immer du in der Lage bist jemanden zu helfen, sei da. Wann immer du mehr tun kannst als gewöhnlich, handle,  ohne lange darüber nachzudenken. Du wirst mehr Gelegenheiten als genug dafür bekommen.  Steh bindungslos füreinander ein!

Ein vergebendes Herz

Nicht vergeben zu können, bedeutet an alten Wunden und Mustern festzuhalten. Wir alle sind Menschen, wir alle machen Fehler. Lerne daraus. Versuche die gleichen Fehler nicht immer wieder zu machen. Vergib dir. Vergib anderen. Vergeben bedeutet nicht vergessen. Vergeben bedeutet wirklich frei zu sein.

Ein freies Herz

Sei immer und jederzeit bereit die Richtung zu ändern. Schlage einen neuen Kurs ein, um weiterzuziehen, wenn es an der Zeit ist. Manches Mal kann die Art wie du gedacht und gefühlt hast sich plötzlich über Nacht ändern. Sei grundsätzlich immer bereit alles Gewohnte hinter dir zulassen, wenn es nötig ist. Ein Herz kann jedoch nur richtig frei sein, wenn es sehen kann, wie verbunden wir alle in Wahrheit sind. Wie viel wir uns bedeuten und wie sehr wir uns wirklich gegenseitig tragen.  Ein freies Herz träumt groß und vertraut sich ohne wenn und aber dem Leben an.

Ein liebendes Herz

Ein liebendes Herz enthält alles. Es ist offen, mutig, ehrlich, mitfühlend, großzügig, vergebend und frei. So wie die Farben eines bunten Regenbogens fließt alles zusammen, um in seiner ganzen Kraft zu leuchten. Ein liebendes Herz urteilt nicht. Es schlägt laut und gleichzeitig leise. Ein liebendes Herz bringt immer neue Wunder hervor, obwohl es selbst das größte Wunder überhaupt ist. Versuche zu lieben so sehr du kannst. In jeden Winkel, mit jeder Faser, mit allem was du hast. Mit deiner ganzen Seele. Am Ende ist das alles was zählt. Wie sehr wir geliebt haben.

Aus ganzem Herzen,

Michaela

P.S. Dieser Beitrag ist für dich, liebe Natalia. Weil du mir einen Satz mit auf den Weg gegeben hast, den ich nie wieder vergessen werde und weil du bist, wie du bist. Ich weiß jetzt um dich und irgendwann, da bin ich mir sicher, da werden wir uns begegnen. Bis dahin, behüte dein gutes Herz. Mehr als alles andere.

Kurz bevor wir uns in den Armen liegen, um uns ein gutes Neues Jahr zu wünschen. Ein paar Augenblicke bevor aus der Ferne die ersten Raketen in den Himmel geschossen werden und uns wissen lassen, dass es bald soweit ist. Genau dann, denke bitte einen Augenblick an mich. Nicht speziell an mich, es ist nur, weil ich dir etwas sagen möchte. Wenn du willst, dann halte es fest, pack es bitte behutsam ein und nimm es wie wertvolles Porzellan mit in dein Neues Jahr. Ich danke dir aus ganzem Herzen dafür.

Mitgefühl. Verschwende es. Halte dein Herz offen. Und bilde dir dein Urteil über eine Situation immer aus der Sicht vieler Zusammenhänge, den tausend Sichtweisen der anderen und nicht allein aus deiner eigenen Meinung. Werde nicht müde die Wahrheit so gut es geht zu finden. Es mag nicht immer die naheliegenste sein, aber ganz sicher immer die, die unter vielen Schichten in der Tiefe verborgen ist. Wahrheit mag subjektiv sein. Nicht aber die deines eigenen Herzens. Finde sie unbedingt und vertraue ihr. Sie ist der Schlüssel zu allem und öffnet für dich wichtigen Türen. ( du hast keine Ahnung, dass sie überhaupt da sind und wieviel dieser Türen es für dich gibt)
Glaube. Glaube an das Gute. Bedingungslos. Glaube so vertrauensvoll wie ein Kind und auf die Art und Weise, dass du nichts verdrängst, sondern wirklich hinschaust, wenn es wirklich wichtig ist. Es gibt Dinge, die sind schrecklich angsteinflößend. Lauf nicht weg. Bleib da, solange bis du verstehst was du daraus lernen konntest und dann gehe unbeirrt weiter deinen Weg. Glaube nicht an eine heile Welt, wohl aber an die Wahrheit. Vielleicht wird sie einen Tages dazu.
Liebe. So sehr wie du kannst. Immer wieder. Jeden Tag auf’s Neue. Liebe Menschen grundsätzlich. Werde nie überdrüssig davon. Irgendwann wirst du Meister darin sein und es wird dir so leicht fallen wie das Atmen. Liebe ohne Erwarten. Liebe mit deiner ganzen Hingabe, wohlwissend dass du all das was du so sehr liebst über Nacht auch verlieren kannst. Nicht aber in der Tiefe. Weil die Liebe bleibt. Weil wir lieben ohne Grund und das gleichzeitig einfach der beste Grund ist.
Freunde und Familie sind Geschenke. Lass keinen Tag vergehen ohne dafür dankbar zu sein und vergiss nicht ihnen hin und wieder auch zu sagen, wie sehr du sie liebst. Gesundheit. Wie wertvoll sie ist. Wie oft wir das erst bemerken, wenn sie uns fehlt. Sei überzeugt davon, dass du alles andere selbst in der Hand hast. Sei demütig und gleichzeitig hungrig auf’s Leben. Sei unbedingt mutig.

Habt ein lustiges und wundervolles Neues Jahr! Ich hab so viel Bilder im Kopf, was den Blog betrifft und so viel Herzklopfen bei all dem. Und ich nehme euch so gerne mit.

Aber jetzt geht raus und feiert. Als ob es kein Morgen gäbe. Passt gut auf euch auf! (und denkt mir ans Porzellan)

Ein glückliches, gesundes, lustiges und wundervolles Neues Jahr 2018!