Über unser Dorf Arzbach – ein Interview mit meinem Papa

Das ursprüngliche Haus in den 50ger Jarhen wurde aus „Bachkugel“ gebaucht

 Für das Magazin „d’Isarwinkler“ durfte ich über mein heißgeliebtes Dorf Arzbach-Wackersberg schreiben. Mein Papa lebt seit 76 Jahren in Arzbach und wer wäre da ein besserer Interview-Partner für mich als er. Ich war so überrascht, weil es da so viele Dinge von früher gibt, von denen ich tatsächlich überhaupt keine Ahnung hatte. Deswegen wollte ich euch das Interview auf dem Blog nicht vorenthalten. Während des Schreiben’s durfte ich so viel lernen und ich habe mein Dorf (und meinen Papa) wirklich von einer ganz anderen Seite sehen dürfen und alleine dafür bin ich schon total dankbar. Vielen Dank für die interessanten Einblick Papa und am allermeisten dafür, dass ich auch hier leben darf.  Aus ganzem Herzen, deine Michi

 

Aus der Sicht von anno dazu mal und heute

Es ist über 36 Jahre her, seit ich meine ersten Schritte im Arzbach gemacht habe.  Ein paar Jahre später dann die ersten mutigen Schwimmzüge im Alpenbad. Ich sammelte stundenlang die Bälle der Tennisspieler zusammen und konnte mich herzlich über das anschließend spendierte Eis freuen. Ich verbrachte meine Kindheit im Arzbacher Hof und auf dem Alpencampingplatz und besonders darüber hätte ich nicht glücklicher sein können.  Heute darf ich für euch im „d’Isarwinkler“ ein kleines bisserl aus dem Arzbacher Nähkästchen plaudern. Die Menschen, seine Geschichten und die tausend Winkel, die es so unverkennbar und einzigartig werden lassen und der Grund, warum mein Dorf für mich nach all den Jahren immer noch der Ort geblieben ist, an dem ich mich am allermeisten zu Hause fühle. Wer könnte mir da besser von meinem Heimatdorf erzählen als mein Papa Gottfried Willibald. Schließlich lebt er schon über 76 Jahre in Arzbach. Er ist der Senior-Wirt vom Arzbacher Hof und besser bekannt als der „Gottä.“

Der Arzbacher Hof und der Alpencampingplatz von oben

Ich habe letztes Mal gelesen, dass es das Alpenbad bereits seit 1934 gibt. Du bist 1942 geboren, was hat sich denn alles verändert seit damals?

Das Alpenbad gibt es tatsächlich schon so lange. Dein Opa (Michl Willibald) erzählte mir immer von der legendären Eröffnung. Das ganze Dorf war auf den Beinen, um dabei zu sein. Ein Schwimmbad war damals eine echte Sensation. Beim Eröffnungswettschwimmen wären „beinahe“ Schwimmer ertrunken, weil man aus der Gaudi heraus ein paar ihrer Rucksäcke, die sie währende des Wettbewerbs tragen sollten, mit Steinen befüllt hatte. Zum Glück ist das noch einmal gut ausgegangen.

Schwimmbaderöffnung in Arzbach

Die Dorfgrenze war früher die heutige „Kirchengrenze“. So gehörte ein Teil von Schlegldorf noch zu Arzbach und somit zur Gemeinde Wackersberg. Heute gilt das eben nur noch für die Kirche. Jemand der auf der anderen Seite vom Arzbach wohnt, gehört offiziell zu Lenggries, bei den kirchlichen Festen aber zu Arzbach-Wackersberg. Ja und im Grunde, wird er dann ja auch hier beerdigt. Also gehört er letztendlich dann doch zu uns.

Aus der Chronik der Gemeinde Wackersberg geht hervor, dass die Fialkirche Arzbach zu den jüngsten Gotteshäusern des Isarwinkels zählt. Sie wurde im September 1950 dem Unbeflecktem Herzen Marä geweiht. Der Bau der Kirche, geht auf ein Gelöbnis zurück, dass der damalige Wackersberger Pfarrer Johannes Schwertfirm und einige Arzbacher Bauern in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges abgelegt haben sollen. Der Wunsch nach einer eigenen Kirch allerdings bestand schon lange. Zu einen, weil die Maria-Hilf-Kapelle längst zu klein war. Auch der Wackersberger Friedhof der Pfarrgemeinde reichte bei weitem nicht mehr. Eine Grundstücksstiftung der Moarbäuerin Anna Bauer schuf die Voraussetzung für die von Pfarrer Schwertfirm vorangetriebenen Neubau-Pläne. Der gestiftete Grund wurden gegen eine Fläche oberhalb der Kapelle getauscht, wo dann die Fialkirche errichtet wurde. Schon 1948 war mit dem Bau des Friedhofes begonnen worden. Insbesondere dem Einsatz des damaligen Kirchenpflegers Balthasar Kohlauf (Wenibauer) war es zu verdanken, dass am Kirchweihmontag 1949 die Grundsteinlegung für die neue Kirche erfolgen konnte. Nach nur einjähriger Bauzeit nach den Plänen des Architekten Oskar Haßlauer konnte mit viel Eigenleistung und großzügigen Holzspenden die neue Kirche in einem feierlichen Festakt durch Bischof Anton Scharnagel eröffnet werden. Die Innenausstattung war in den kargen Nachkriegszeiten noch sehr bescheiden. Die Bestuhlung fehlte gänzlich. Erst nach und nach wurden die von den Gläubigen selbst bezahlten Kirchenbänke eingebaut. Die mächtig, geschnitzte Kreuzigungsgruppe über dem Hauptaltar entstand erst in den 1950er Jahren. Das markante Ensemble mit dem gekreuzigten Christus, sowie Maria Magdalena und Johannes stammt aus der Werkstatt des Wegscheider Holzschnitzers Kasper Gerg (Draxl) und wurde nachträglich anstelle eines Notaltars aufgestellt. Bemerkenswert ist ein über dem linken Seitenaltar angebrachtes Gemälde der Heiligen Familie aus der Maria-Hilf-Kapelle.  An beiden Kirchenwänden hängt ein Kreuzweg aus der Zeit um 1730, der das Leiden uns Sterben Jesus in nur vier Gemälden zusammenfasst. Seit Pfingsten 1991 hat Arzbach auch eine Orgel. Das einmanualige Instrument mit sieben Registern löste ein altersschwaches Harmonium ab, dass über 40 Jahre lange gute Dienste geleistet hat. Die Arzbacher Kirche wurde vor zwei Jahren renoviert und erhielt einen neuen Altar. Im Januar 2017 wurde dieser in einer feierlichen Altarweihe durch Kardinal Marx und von Pfarrer Leo Sobik gesegnet.

Wie es oft in oberbayerischen Gemeinden der Fall ist, war der Platz an dem die Kirche steht, auch früher schon der Dorfplatz. Neben der Kapelle befand sich einst die Gastwirtschaft „beim Auer“ und in unmittelbarer Nachbarschaft der kleine Kramerladen „zum Koia“. Dort gab es im Grunde alles was man brauchte. Ich erinnere mich noch sehr gut an den kleinen Laden und an die Zeit als ich als Kind dort ziemlich oft meine Butterbrezen und das obligatorische Sunkis für die Pause gekauft habe. Aber hast du mir nicht immer erzählt es hätte noch mehr Läden in Arzbach gegeben?

In Arzbach bekam man wirklich alles was man brauchte. Beim Auer gab es nicht nur eine Gaststätte, sondern auch einen Lebensmittelladen. Den Kramerladen „zum Koia“ gaben es ja damals auch schon. Dann gab es noch „den Bäck“, am Ortsausgang. Dort gab es neben frischen Backwaren, ebenfalls Lebensmittel. In Wackerberg gab es ebenfalls einen Lebensmittelladen, den der damalige Bürgermeister Kellner betrieb. Wie du siehst, hat es uns an nichts gefehlt.

Ich bemerke, dass es heute gar keinen Kramerladen mehr gibt, weder in Arzbach noch in Wackersberg.

Wir hatten früher sogar noch eine Metzgerei, die sich im heutigen Kramerwirt befand, der zu dieser Zeit auch schon eine Gastwirtschaft war. Sogar eine Tankstelle hatten wir.

Sagenhaft. Das habe ich alles gar nicht gewusst. Deine ersten Lehre hast du ja als Hufschmied beim Schaflitzl in Arzbach absolviert. Ich kann mir vorstellen, dass auch da vieles anders war, als wir es heute kennen.

Mit Sicherheit. Du musst dir vorstellen es gab in dieser Zeit allein in Arzbach schon über 100 Pferde, die alle bei uns beschlagen wurden. Oft hatten wir 6-8 Pferde pro Tag. In Wackersberg gab es noch einmal einen eigenen Hufschmied. Jeder Bauer war im Besitz von mehren Pferden, die in der täglichen Arbeit im Hof und besonders auf dem Berg nicht weg zu denken waren. Die Pferdekraft wurde später von PS in Form von Traktoren ersetzt. Ich erinnere mich daran, dass in den Jahren 1963-1965 die meisten Pferde in der Gemeinde aus diesem Grund verkauft wurden. Der Betrieb der die offizielle Bezeichnung „Huf- und Wagenschmiederei“ trug, musste sich nun auf die Mechanik von Landmaschinen spezialisieren.

Das finde ich wirklich sehr interessant. Was habt ihr denn damals zum Bespiel gemacht, wenn ihr einen Doktor gebraucht hattet?

Das war wirklich nicht sehr oft. Meistens hat man alten Hausmittel vertraut oder ist irgendwie von alleine wieder gesund geworden. Wenn es aber wirklich mal was Ernstes war, dann hat man uns Buben zum Dr. Scholz in Steinbach geschickt. Das nächste Krankenhaus war dann in Lenggries oder das Versorgungskrankenhaus in Bad Tölz.

Heute wurden ja die letzten Jahre immer wieder Geburtsstationen geschlossen. Ich frage mich gerade wo die Frauen früher ihre Kinder zur Welt gebracht haben?

Zu meiner Zeit war das Lenggries. Aber viele Kinder sind auch einfach zu Hause geboren worden. So genau weiß ich das gar nicht mehr. Ich kann mich nur sehr gut an eine Geschichte erinnern, als unser Bruder Lois geboren wurde. „D’Mam“( Kathi Willibald) hat mich um Mitternacht aufgeweckt und zum „Bab“ (Michl Willibald) geschickt, der damals am Stammtisch beim Schweizer Wirt gesessen ist. Sie meinte, ich sollte ihm mitteilen, dass sie wegen ihres Blinddarms ganz dringend ins Krankenhaus musste. Man hatte noch schnell ein Auto organisiert (die meisten hatten ja gar keins) oder ist sogar noch mit dem Radl losgefahren. Das war damals halt so.

Meine Oma Kathi Willibald

Woher habt ihr denn eigentlich eure Kleidung bekommen? Früher ging man ja nicht einfach zum Shoppen?

Na, ganz gewiss nicht. (lacht) Wir haben unsere Sachen einfach aufgetragen und sie wurden solange geflickt, bis man sie wirklich gar nicht mehr anziehen konnte. Wir hatten aber auch Schneidereien im Dorf. (Bsp. beim Dosch) Weil man nicht viel hatte, war es einfach wichtig, alles zu verwerten und nichts wegzuschmeißen. Das war bei Lebensmitteln so wie beim Essen. Zu den Bauernhöfen kamen regelmäßig Schneider/innen, die oft nur für Kost und Logis im Haus blieben und die Kleidung nähten und flickten. Im Dorf gab es noch einen Schuster, der heutige Schusterpeter. Daran erinnere ich mich noch so gut und an seinen Ausstellungskasten aus Glas, den er vor seiner Werkstatt aufgestellt hatte.

von rechts Oma Kathi, Rudi, Lois, meine Opa Michl, mein Papa, oben links Michä und oben rechts Sepp

Das heutige Arzbach ist aus zwei Siedlungen zusammengewachsen, einer älteren bäuerlichen Siedlung auf der Hochterasse und einer am Isargies gelegenen Flößersiedlung. Die Flößerei war in Arzbach wie in vielen Isarwinkler Nachbargemeinde, seit jeher eine wichtige Einnahme-Quelle. Die Arzbacher Flößer sollen sogar dafür verantwortlich sein, dass es früher schon Kaffee im Isarwinkel gab. Aus Passau wurden die ersten Kaffeebohnen mitgebracht und damit die Bauern nicht merkten, dass ihnen die Flößer einen Genuss voraushatten, legten sie beim Kaffeekochen Weideruten auf den Herd, damit der Gestank den Kaffeeduft nicht überdeckte. Die Flöße dienten zum Transport von Waren aus dem Isarwinkel bis weit die Donau hinab. Schließlich waren die Flöße selbst Holzlieferanten. Das Floß wurde dann z.B. in München komplett auseinander gebaut und verwertet. Überhaupt war die Lieferung von Bau- und Brennholz, wie auch von Kalk, insgesamt gesehen der bedeutendste Gewerbezweig innerhalb der Flößerei. In Arzbach gab es im gleichnamigen Kalkofenweg auch einen Kalkofen. An der Ganterstatt brannte der „Kager“ bis 1946 in seinem Kalkofen Kalk. Mein Papa weiß noch wie voll der Platz im Frühjahr mit Holzstämmen und Scheitholz war, das er zum Anschüren benötigte. Es war im Winter mit Gespannen aus den Bergen gefahren worden. Nebenan brannte der „Kohler“ Burchholz und Meilern zur Kohle.

Der Opa Michl Willibald war ja auch ein Flößer, wie war, dass denn mit der Flößerei zu dieser Zeit?

Die Flößer haben hauptsächlich Holz nach München transportiert. Das Floß wurde dann komplett abgebaut, verwertet und die Flößer sind dann wieder heimgefahren. (Kutsche, Zug) Ich weiß sogar noch, dass die Riß vom Abholzen, weil die Nachfrage nach Holz so groß war, ganz kahl war. Es wurden dann eine „Abholz-Verbot“ ausgesprochen und die Stellen wurden neu angepflanzt. In der Flösserhochzeit (um 1950) fuhren rund 11 000 Flosse aus dem Isarwinkel nach München. Sechs Stunden dauerte die Fahrt in der Regel. In drei Tagen war man beispielsweise in Wien. Der Dachstuhl des Stephansdoms bestehe zum Teil aus Isarwinkler Holz. Der Seil Glas, hat seinen Floßbetrieb an die Familie Angermaier verkauft, die ihn ja heute noch betreibt. Nach und nach gab es auch andere Weg, um Güter nach München zu transportieren. Der Floßbetrieb wandelte sich von einem reinen Transport-Betrieb zum Passagier-Floß. Der Angermaier Wastl, alias Überführer, der war ein Unikum. Für ein paar Pfennig transportierte er die Arzbacher über die Isar nach Gaißach und umgekehrt.

Der Überführer „Sebastian Angermeier“

1980 wurde die Fähre vom Überführer eingestellt. Die Bügermeister beiderseits der Isar, Kaspar Wohlmuth und Josef Bauer bemühten sich um eine Brücke als Ersatz. Sie verbindet bis heute Gaißach und Wackersberg und eröffnet den Arzbachern den Bahnanschluss nach Obergries.

Die Schule vom Dorf war ja immer schon in Höfen. Wie hast du denn damals die Schulzeit dort erlebt?

Das war auf jeden Fall ganz anders wie heute. Wir wurden nicht mit dem Bus gefahren, sondern mussten alle zu Fuß gehen. Das waren besonders im Winter manches Mal ganz schöne Strecken. Aber uns hat das nie etwas ausgemacht. Es gab noch richtige „Dadzn“(Schläge) früher, heute Gott sei Dank nicht mehr vorstellbar.

Ich erinnere mich immer an den Lehrer Breit, an die Lehrerin Ibelher. Da hast du mir schon oft so manchen Geschichten erzählt. Der Lehrer Dörfler war noch ein Jahr an der Schule, als ich 1987 eingeschult wurde. Heute gehen unsere Kinder auf die gleiche Schule, es ist schon wirklich lustig wie sich jetzt alles wiederholt.

Bis 1969 konnten die Wackersberger Schulkinder ihre gesamte Schullaufbahn bis zum Hauptschulabschluss absolvieren. In diesem Jahr wurde im Rahmen einer Schulreform die Haupt- auf eine Teilhauptschule reduziert. 1973 kam dann das endgültige Aus für die Hauptschule, die Schule wurde aus reine Grundschule weitergeführt, welche sie bis heute noch ist. Bei einer Christbaumversteigerung im Arzbacher Hof hatte mein Papa einmal den Meßstab von Herrn Dörfler ersteigert, der unter anderem auch als „Dadzstab“ verwendet wurde. Das Schulhaus war damals gleichzeitig das Rathaus vom Dorf. Es gab ein kleines Zimmer, bei dem auch die standesamtlichen Trauugen abgehalten wurden. Meine Eltern haben 1965 dort geheiratet. Heute ist das Rathaus in Oberfischbach.  Wackersberg und Oberfischbach waren eigene Gemeinden, bis sie bei der Gemeindegebietsreform 1978 zu einer Gemeinde zusammengefasst wurden.

Wackersberg wurde urkundlich erstmals 1195 als Berg „Waccerberch“ erwähnt, wie es aus der Dorfchronik hervorgeht. Der Freisinger Bischof Otto der II. bestätigte so die unter Otto I. zwischen 1150 und 1158 getätigte Schenkung an das von ihm gegründete Kloster Schäftlarn. Das Kloster ließ daraufhin den Wackersberg roden und besiedeln. Um 1255/56 griff Gebhard von Tölz, ein Enkel Gebhards von Hohenburg, in die Rechte des Klosters ein, indem er Wackersberg besetzte. Auf die Vermittlung seines Bruders, des Freisinger Bischofs Konrad I., verpflichtete sich Gebhard in einer Urkunde, alles von ihm gewaltsam Besetzte am Wackersberg an Schäftlarn zurück zu geben. Besonders die Kriegszeit und das Ende des zweiten Weltkrieges brachte viele gefährliche Situationen in die Gemeinde. In den Ortschaften verschanzten sich Angehörige der SS und andere halbaufgelöste Truppen, um Widerstand gegen die herannahenden Amerikaner zu leisten.

Du warst ja zum Ende des Krieges noch ein kleiner Bub, kannst du dich überhaupt noch daran erinnern?
Sehr gut sogar. Ich glaube das sind einfach prägende Erinnerungen, die bleiben. Ich weiß noch, dass den ganzen Arzbach entlang die Munition der SS lag. Wir Buben haben gedacht das wäre irgendwie so ähnlich wie Platzpatronen und haben sie ins Feuer geworfen. Es hat gekracht und geknallt. Gerade noch konnten wir in Deckung gehen. Als die Amys einmarschierten, haben sich überall bei uns einquartiert. Auch bei uns haben welche im Haus gewohnt. An den Häusern brachten die Bewohner, weiße Bettücher oder Laken an, als Zeichen damit man sicher ergeben hatte und keine SS-Leute im Haus anwesend waren. Die Amys waren immer human zu uns. Sicher gab es auch da Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen denke ich in erster Linie an die ersten Kaugummis erinnern, die freundliche und lachende Soldaten aus Amerika an uns verteilten. 

Sehenswert ist die spätgotische katholische Pfarrkirche St. Nikolaus im Wackersberger Dorfkern, die im 15. Jahrhundert errichtet und ab 1688 umgestaltet wurde und weitgehend ihr heutiges Aussehen erhielt. 1759 erhielt sie den neuen Hochaltar, 1768 wurde das Chorgewölbe ausgemalt und 1829 wurde das Langhaus ausgebaut und die Chormauern erhöht. Der Satteldachturm entstand im 1872 neu, ebenso wie ein neuer Hochaltar. Die Ausstattung der Kirche stammt zum Großteil aus dem späten 17. Jahrhundert. Am nördlichen Rand des Dorfes findet man zudem die Auferstehungskapelle, die 1706 erbaut und 1712 erweitert wurde. Reizvoll sind im Dorf die, vor allem in der Dorfstraße und in der Kirchstraße, liegenden alten Bauernhäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert und das Pfarrhaus von 1904. Am Fuße der Kirche liegt außerdem das Denkmal an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Die nicht weitentfernte Pestkapelle im Ortsteil Lehen, wurde 1634 von den nur sieben Überlebenden der Epidemie erbaut.

die Sennerein Berta und Hirtabua Gottä (2 von links) auf der Alm

 

Mir fällt noch so viel ein, was ich über Wackersberg erzählen könnte. Die Gebirgsschützen, die Wackerberger Musikanten, ihre Traditionen und Bräuche. Über den Sportverein, über den Tourismus, über die Einheimischen oder ihre prominenten Bürger.  Über die Berge im Wackersberger Voralpenland. Über die Zeit als mein Papa noch Hirtabua im Lägental war und dass man damals einen ganzen Sommer auf die Alm ging und ein paar Woche länger schulfrei hatte, als die die anderen Kinder. Es gäbe noch so viel was ich euch von Wackersberg und von Arzbach erzählen könnte.  Ich denke mir was es doch für ein Glück ist, in so einem Ort leben zu dürfen. Die Zeit steht manches Mal ein bisserl länger still. Die Luft ist manches Mal ein bisserl klarer, die Vögel pfeifen ein bisserl lauter am Morgen und die Sonne scheint oft ein bisserl heller für mich. Mein Herz jedenfalls schlägt jedes Mal schneller, wenn ich einmal länger von daheim weg war und wieder ich nach Hause komme.  Und das nicht bloß a bisserl. Ich gebe es gerne offen zu: ich bin aufrichtig verliebt in mein kleines Dorf, seine griabigen Bewohner, seine wunderschönen Fleckerl und hoffe du allerspätestens jetzt auch. Ein bisserl zumindest.

Papa dir geht’s doch da genauso?

Ganz genauso. Für mich ist Arzbach der Himmel auf Erden. Anders konn ich’s ned sagen.

Ja, dann is ja guad.

 

 

 


2 thoughts on “Über unser Dorf Arzbach – ein Interview mit meinem Papa

  1. Kenne den Kramerladen Oswald noch! Und dein Papa natürlich der uns immer die Gasflaschen an Wohnwagen gebracht hat! Warum ist das alles vorbei! Es war so schön!

  2. LIeber Michi, vielen Dank für deinen Kommentar! Das freut mich wirklich total, wenn du so viele gute Erinnerungen an den Alpencampingplatz hast.Wann seid ihr den bei uns auf dem Platz gewesen? Beste Grüße zu dir!

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