Tür Nummer 24: Du bist mein Engel

Als wir vor Kurzem gerade die Päckchen für die Hilfsorganisation „Weihnachten in Schuhkartons“ packten, sagte unsere Tochter, dass sie nicht verstehe, warum wir denn überhaupt Schuhkartons für die „armen Länder“ packen. „Warum bekommen  denn die Kinder dort an Weihnachten nicht so viele oder sogar gar keine Geschenke? Warum fliegt denn das Christkind nicht genau zu diesen Kindern?“ Da musste ich jetzt tatsächlich überlegen. Ich antwortete, in vielen dieser Länder sei Krieg und deswegen könne das Christkind nicht überall hin fliegen . Sie überlegte und gab sich nicht ganz mit meiner Antwort zufrieden: „Aber das Christkind ist doch ein Engel, ihm passiert doch nichts. Es kann doch einfach trotzdem zu den Kindern fliegen, um ihnen eine Freude zu machen!“ Da hat sie wohl Recht unsere kleine, weise Tochter. Ich sagte nichts und nickte. Wir schwiegen eine Zeitlang, dann meinte sie: „Vielleicht will es, dass wir ihnen helfen. Sonst würde wir nicht soviel an sie denken.“ Wahrscheinlich.

Und es geht mir tatsächlich auch so, dass es einem seltsam vorkommt Weihnachten zu feiern, wenn gerade 3500 km weit weg von uns Krieg herrscht und noch viele andere, traurige Dinge auf dieser Welt passieren. Wir haben beinahe ein schlechtes Gewissen Weihnachten zu feiern. Doch irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir genau das tun sollten. Weihnachten feiern und zwar aus ganzem Herzen und mit voller Liebe.

Jeder Hass, jeder Krieg hat seinen Ursprung in etwas Kleinem. Gestern waren mein Mann und ich auf dem Tölzer Christkindlmarkt, als eine Frau vorbei ging und sich neben uns an einem Bratwurststand eben genau so eine Bratwurst kaufen wollte. Sie erschrak sichtlich, als sie den schwarzen Mann hinter dem Fenster sah. Dann zeigte sie kurz auf ihre Armbanduhr, um zu signalisieren, dass sie dringend los müsse und wohl kurzfristig doch keine Bratwurstpause mehr für sie möglich sei. Sie drehte sich beinahe fluchtartig um und verschwand in der Menge. Kurze Zeit später sahen wir sie wieder. Natürlich! Mit einer Bratwurst in der Hand. Keine Ahnung was diese Frau erlebt hat und ich möchte sie auch gar nicht dafür verurteilen. Vielleicht hat sie einfach nur eine schlechte Erfahrung gemacht. Ich weiß nur, dass es immer damit anfängt. Mit Vorurteilen. Mit Angst vor dem Unbekannten. Mit sich „besser“ oder „wertvoller“ als seine Mitmenschen zu fühlen. Im schlimmsten Fall unbewusst. Jeder Krieg beginnt so. Im Stillen und im Kleinen. Bis es irgendetwas geworden ist, dass wir scheinbar nicht mehr unter Kontrolle haben.

Aber hier ist die gute Nachricht. Keine neue Botschaft, aber wohl wahr. Auch die Liebe fängt im Kleinen an. Wenn wir erst einmal jeden Menschen gleich und mit Respekt behandeln. Wenn wir nicht müde werden gut zu einander zu sein und auf uns aufpassen. Wenn dich auf der Strasse jemand anlächelt, dich jemand an der Kasse vorlässt oder einer älteren Dame die Türe aufhält. Tausend Beispiele. Darum passt genau auf, was du säst, denn es wird von alleine größer. Wir haben es in der Hand, ob unsere Welt ein kalter, grausamer Ort werden wird an dem kein Gras mehr wachsen will oder eine bunte, duftende Blumenwiese bei dessen Anblick einem das Herz aufgeht. Ich bin für die Blumen.  Habt ein wundervolles, friedliches und auch lustiges Weihnachtsfest 2016, sei genau der Engel, nach dem sich jemand anderes sehnt  aus ganzem Herzen eure M.


8 thoughts on “Tür Nummer 24: Du bist mein Engel

  1. Ich kann mich nur anschliessen, was für klare Worte! Einen lieben Gruß aus Österreich von einer neu dazu gekommenen, dafür umso mehr überzeugten Blogleserin von dir!

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