Tür Nummer 10: Wie die Zeit bei dir bleibt und über die wahre Freude am Schenken

Die Zeit. Zur Zeit höre und lese ich immer, das Wertvollste ist es sich gegenseitig Zeit zu schenken. Jeder hat alles und keiner braucht mehr wirklich etwas, also schenkt man sich eben gemeinsam verbrachte Zeit. Doch irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das genau ein Zeichen davon ist, dass wir viel zu wenig davon und für einander haben. Generell. Und warum empfinden so viele Menschen, dass die Zeit so schnell dahin rast?  Jung und alt gleichermaßen. Warum ist alles nur so furchtbar schnelllebig geworden?

Fangen wir einmal von vorne an. Meine Kindheit zum Beispiel. Rückblickend betrachte ich sie als unglaublich aufregend, magisch und wundervoll zugleich,  aber ich kann mich auch noch gut an die Tage erinnern, die vor Langeweile gerade zu Ewigkeiten dauerten. Das Fernsehen hatte noch drei Programme, auch bei Regenwetter und wir Kinder versuchten manches Mal sprichwörtlich die Zeit tot zu schlagen. Doch genau daraus sind uns dann die allerbesten Ideen entstanden! Wir haben wirklich noch stundenlang Baumhäuser gebaut oder unsere Zeit im Wald verbracht und die Tage bis zum nächsten Geburtstag oder Weihnachten waren grundsätzlich immer lang. Vielleicht hat meine Kindheit deswegen einen so hohen Stellenwert in meinem Leben, weil sie sich ewig anfühlte. Doch wo sind sie hin, die letzten 15 Jahre und warum geht jeder Tag so schnell vorbei?

Jeder hat viel zu tun, ob das die Arbeit oder auch der Freizeitstress ist. Ich nehme mich davon ja nicht aus. Aber wenn wir einmal wirklich genau hinschauen, wie viele Minuten am Tag schauen wir aufs Smartphone oder in den Fernseher. Ich bin mir sicher, wir könnten dieser Zeit jeden Tag mindestens eine Stunde abzwacken.  Minimum.  Wir würden das Schenken dann wahrscheinlich nicht mehr als zu viel Konsum bewerten und uns einfach die Zeit nehmen, etwas zu schenken, was für den geliebten Menschen wirklich passt. Ein gutes Buch oder vielleicht ein Möbelstück mit Seele, welches wir im letzten Urlaub zufällig auf den Markt  entdeckt haben und das uns sofort an jemand erinnert hatte, zu dem es gut passen würde. Wir würden uns wieder Briefe schreiben, Dinge für einander basteln die lange halten und all die Plastikweihnachtskugeln aus China würden  so viele Jahre im Baumarktregal liegen bleiben, bis sie letztendlich nicht mehr hergestellt werden würden. Es würden wieder Spielzeuggeschäfte aus dem Boden wachsen, mit handgefertigten Ritterburgen und Puppenhäusern aus Holz und die Kinder würden sie später ihren Kindern zum Spielen aus dem Dachboden holen. Wir würden wieder Freude am Schenken haben, in vor Rührung leuchtende Augen blicken und die Zeit würde nicht mehr kostbar sein. Sie würden einfach zu uns gehören, wie sie das schon immer tat und wir würden sie uns von nichts und niemanden mehr nehmen lassen.

Ich habe im Blog-Adventskalender ja auch Geschenke verlost. Die meisten Geschenke sind  handgemacht, doch zweimal waren es auch Geschenke von großen Firmen wie Märklin und Paulina, einfach deswegen weil ich die Sachen toll finde und auch von allen Seiten beleuchtet habe, ob sie auch wirklich „wertvoll“ sind. Ich sage auch nicht, nie mehr etwas anders zu kaufen als Holzspielzeug. Aber kauft nachhaltig und Dinge, die anderen wirklich Freude machen. Ich muss bei dieser Sache auch immer wieder bei mir selbst aufpassen und wir haben auch viel zu viele Plastikautos aus China irgendwo zwischen den Regalen. Aber….es gibt sie. Die handgemachten Dinge und ich finde sie strahlen einfach eine ganz andere Vergänglichkeit aus.

Und die gute, alte Zeit? Lasst sie euch nicht nehmen. Gerade dann wenn ihr glaubt viel zu wenig davon zu haben. Baut mit euren Kindern ein Puzzel oder einen meterhochen Legoturm im Kinderzimmer auf. Lest oder erzählt Geschichten, wenn es wieder einmal viel zu laut ist, geht wieder spazieren und ruft eure Freunde an, statt schnell noch eine Whats app zu schreiben. Nehmt euch Zeit für die Dinge die euch am Herzen liegen. Nehmt euch Zeit für die Menschen die ihr liebt. Die Welt wird sich dennoch weiter drehen, aber für euch dann vielleicht ein bisschen langsamer.

Nur weil wir versuchen die Zeit mit Uhren und Kalendern zu messen, bleibt sie trotzdem subjektiv. Eigentlich habe ich gerade jetzt in der Adventszeit überhaupt keine Zeit etwas im Blog zu schreiben, aber wie das immer ist mit Herzensangelegenheiten die man liebt, es passt immer irgendwie doch noch rein. Darum:  verschiebe deine Prioritäten wenn nötig und schenke den Menschen die du aufrichtig liebst den größten Teil deiner Aufmerksamkeit. Widme dich mit ganzer Hingabe den Dingen, die dir von Herzen Freude bereiten. Sei großzügig und gütig mit deiner kostbaren Zeit und du wirst so wie Sternthaler am Ende unsagbar dafür belohnt werden.

Einen wundervollen Tag und eine sternenreiche Nacht & morgen einen wundervollen, besinnlichen 3.Adventssonntag in bester Gesellschaft,

aus ganzem Herzen M.

momoblog


6 thoughts on “Tür Nummer 10: Wie die Zeit bei dir bleibt und über die wahre Freude am Schenken

  1. Wow, klare Worte und wirklich gute Gedanken. Ich habe deinen Blog bei „d’Isarwinkler“ entdeckt und dieses Magazin auch eher zufällig. Toller Blog, wirklich toller Blog.

  2. Lieber Guido, erst jetzt lese ich deinen Kommentar! Ich danke dir aus ganzem Herzen und freit mi sehr, dass du „zufällig“ zu mir gestolpert bist.

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