Weißblaues Tränenmeer

Die Nachricht verbreitete sich gestern wie ein Lauffeuer. Jetzt hat es also auch München erwischt. Bis gestern war es viele Stunden unklar, ob es sich bei der Schießerei im OEZ, bei der 10 Menschen ums Leben kamen, um einen Terroranschlag, einen Amoklauf oder gar einen rechtsradikalen Übergriff handelte. Nun die Gewissheit, der Totesschütze war ein 18-jähriger Einzeltäter, der sich wenig später nach der Tat selbst das Leben nahm.  Die weltweite Anteilnahme ist groß, der Schock sitzt unfassbar tief und besonders die Münchner sind immer noch fassungslos. Was mich so erschüttert hat und mir irgendwie nicht aus dem Kopf gehen will, ist dieses Video und das heftige Wortgefecht mit einem Münchner Anwohner. Der Täter schien sich fast zu rechtfertigen, wie es denn überhaupt soweit kommen konnte.  Es drängt sich die Frage auf ob es irgendetwas gegeben hätte, das ihn von dieser schrecklichen Tat zurück halten hätte können? Aufrichtiger Zuspruch, ein gutes Wort zur richtigen Zeit oder haben sich diese dunkelnen Gedanken in dem jungen Menschen schon sehr lange unaufhaltsam festgesetzt, um sich wie ein Geschwürr langsam in jeder Körperzelle auszubreiten? War es das Gefühl das ihn zu dieser Tat drängte, sich wenigstens einmal im Leben mächtig zu fühlen, so war ihm das gelungen, wenn auch auf eine sehr erbärmliche und grausame Art und Weise. Die ganze Wahrheit wird nie jemand erfahren. Unsere Gedanken sind bei den unschuldigen Opfern, die doch alle noch ihr Leben vor sich hatten und einen so sinnlosen Tod sterben mussten. Es ist unvorstellbar welches Drama und Leid das bei den Familien und Angehörigen auslösen muss. Ihnen gilt unser ganzen Mitgefühl.  Was uns bei all der Trauer doch alle bewegt hat, war das Zusammenstehen der Münchner, die enorme Souveränität und Vorgehensweise der Polizei, die uns das Gefühl vermittelte hatte, wir sind für euch alle da und schützen euch.  Wie oft habe ich die letzten Stunden die Frage gehört, was ist nur los mit dieser Welt? Und ja, es stimmt, sie ist einfach global geworden. Probleme lassen sich nicht mehr in Rahmen pressen und durch Grenzübergängen voneinander trennen. Sie gehen uns alle etwas an. Ich glaube es ist nicht naiv, trotzdem und immer noch an das Gute zu glauben. Jeder Mensch wird unschuldig und frei von negativen Glaubensätzen geboren. Wer schon einmal ein neugeborenes Baby in den Armen gehalten hat, weiß wie zerbrechlich und rein dieser Anfang in Wirklichkeit ist. Ein Wunder! Wie groß ist das Gefühl der Verbundenheit welches in diesen ersten Atemzügen liegt, dass wir auch gestern wieder so sehr spüren durften. Bei all der Traurigkeit.

Das Einzige was wir tatsächlich tun können ist die Liebe und das Vertrauen wie bunte Blumensamen auf jedes Stück Erde zu säen das wir finden können. Ein gesunder Menschenverstand. Herzenswärme und ein wachsames Auge, das voraussehend in die Zukunft blickt und jede menschenerniedrigende Art nicht toleriert, sondern friedlich bekämpft. Ich weiß…es gibt ihn. Den Hass. Die Gewalt, die Unterdrückung, die Angst, den Schmerz, all die Ungerechtigkeiten dieser Erde und das was Menschen sich alles antun können. Aber ich bin überzeugt davon, das die Liebe am Ende stärker sein wird und alle die Blumensamen, die wir heute überall säen eines Tages aufgehen werden und zur Blüte kommen. Es liegt an uns. An vermeintlichen Kleinigkeiten. Auf einander zu schauen, ohne Vorurteile auf Neues zu zugehen, gerecht zu sein, ehrlich, offen, auch wenn man denken könnten, genau das Gegenteil wäre momentan der bessere Schutz gegen den Terror. Passt auf euch auf und verbreitet soviel Liebe wie es nur geht. Stell dir einen dunkelnen Raum ohne Licht vor, er wird augenblicklich hell, wenn du auch nur eine Kerze anzündest. Hör nicht auf an das Gute zu glauben und es zu leben. Damit sät jeder einzelne von uns die Blumen die wir später unseren Kindern in die Haare flechten werden, weil sie so viele geworden sind, dass sie an jeder Strassenecke blühen. Verzweifle jetzt nicht. Auch wenn dir danach zu Mute ist. Hör nicht auf zu lieben. Das ist unglaublich viel was du tun kannst. Und ich glaube, machmal hilft immer noch beten…Aus ganzem Herzen, M.

Bild M.Linke


8 thoughts on “Weißblaues Tränenmeer

  1. Liebe Michaela!

    Ja, was ist los mit dieser Welt? Du hast auf alle Fälle wieder einmal die richtigen Worte gefunden. Auch wenn mancher dies vielleicht als zu sehr ans Gute glaubend abtun wird. Aber Dein Satz gilt: Hör nicht auf, ans Gute zu glauben!
    Viele Grüße aus Berlin von
    Sebastian
    P.S.: Wir freuen uns schon auf den 31. Juli (Sonntag), wenn wir dann ja wieder eine Woche lang bei Euch sind (das Grillen mit dem Bier aus dem Holzfass am Freitag wird sicher der Höhepunkt)

  2. Liebe Michaela, vielen Dank für deine Zeilen! Ja, hören wir nicht auf, an das Gute zu glauben. Heute nicht, morgen nicht, gar nicht! Trotz schlimmer und schwerer Erlebnisse und Erfahrungen und trotz der Gewalt um uns rum. Nur so kann es gut werden!

  3. LIebe Heidi! Ich danke dir aus ganzem Herzen für deinen Kommentar! Ja, ich glaube wenn wir alle jetzt nicht der Liebe folgen, dann verlaufen wir uns…

  4. Lieber Sebastian! Ich danke dir für deinen Kommentar! Er freut mich sehr…ja, ich weiß, es mag manchmal ziemlich naiv erscheinen, aber letztendlich glaube ich, bedeutet das ja nicht, dass man die furchtbaren Dinge nicht sieht, die um uns herum pasieren. Es ist das Gegenteil. Aber ich glaube, es ist wichtig -auch wenn es manchens Mal schwierig ist- hier nicht selbst anfangen zu hassen, dieser Weg war auch in der Vergangenheit noch nie ein Ausweg. Eine gute Freundin von mir aus Amerika sagte mal, „you have to take the higher road“ und das triffts ganz gut finde ich. Ich freue mich auch schon sehr auf ein Wiedersehen mit dir und Ulrike auf dem Alpencampingplatz. Bis dahin beste Grüße in die Hauptstadt“

  5. Da hast du Recht. Ich glaube wir sollten alle genauer hinschauen und trotzdem passieren solchen unglaublichen Taten. Aber auf die „guten Sachen“ zu schauen hilft sicherlich immer. Ich glaube nämlich auch, am Ende sind diese mehr als die Tränen.

  6. Ich glaube das wünschen sich (Gott sei Dank) immer noch die meisten Menschen…

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