Heile Welt und Kaiserschmarrn ohne Rosinen

Es ist noch immer so, dass wenn mir jemand gesteht meinen Blog zu lesen, ich es noch gar nicht richtig fassen kann. Wenn mir mein Gegenüber dann auch noch die Inhalte einiger Beiträge inklusive Überschrift zitiert, dann bin ich meistens restlos sprachlos. Ich weiß, der Blog ist online und das bedeutet eben auch, dass er rein theoretisch gelesen werden kann. Sollte ja auch der Sinn sein. Über die Wirkung nach außen habe ich mir offen gesagt wenig Gedanken gemacht. Auch wenn sich das jetzt vielleicht zu idealistisch anhört, ist es doch wahr: es geht mir am allermeisten um die Botschaft  und das was ich zu sagen habe, weil es immer erst dann still in mir wird, wenn es ausgesprochen bzw. aufgeschrieben ist.  Genau diese Botschaft würde ich am allerliebsten so wie das olympische Feuer durchs Internet reichen, freundlich darum bittend sie ehrfürchtig weiter zu tragen, um am Ende für etwas Großes zu leuchten. Denn die Sache ist die, dass das letztes Mal eine meiner Leserinnen etwas ausgesprochen hatte, worüber ich mir schon seit geraumer Zeit einmal Gedanken gemacht hatte. Sie sagte im Originalton: „Ich lese deinen Blog so gerne. Für mich ist das immer ein Stück heile Welt, das ist wirklich selten geworden heutzutage.“ Versteht mich bitte nicht falsch, ich habe mich aufrichtig darüber gefreut. Doch gleichzeitig hinterließ diese Feststellung einen faden, undefinierbaren Beigeschmack, so wie etwas das eigentlich doch ursprünglich gut gemeint, aber doch nicht das war was ich mir eigentlich gewünscht hatte. Wie wenn man auf einer Berghütte einen Kaiserschmarrn bestellt und selbstverständlich davon ausgeht, er sei ohne die Rosinen. Weil man eben Rosinen noch nie gemocht hatte. Der Kaiserschmarrn kommt dann…genau….mit Rosinen und weil sie so großzügig (so gut gemeint eben) überall verteilt sind, wird’s schwer drum herum zu essen und auf Berghütten gehört es nicht zu den guten Manieren etwas auf dem Teller übrig zu lassen. Hättest du das halt mal gesagt mit den Rosinen, denkst du dann. Und darum sage ich es JETZT. Ich war nämlich zu überrascht, zu perplex und vielleicht auch ein bisschen zu geschmeichelt von deinem Geständnis liebe Leserin. In Wahrheit ist das mit der heilen Welt alles nämlich nicht so, überhaupt gar nicht. Auch wenn es sich manches Mal anhört wie aus König Ludwigs weiß-blauen Märchenbuch.  Wir leben hier in einer kleinen, bayerischen Idylle und ich weiß wie kostbar und wertvoll es ist, sich zu Hause und sicher zu fühlen. Anfangs wollte ich diesen Blog nur über den Arzbacher Hof schreiben, also über Themen aus der Gastronomie, alles drum herum und was das alltäglich so bedeutet. Doch dann fand ich, dass es so viel mehr gibt was zu meinem Leben und  somit auch auf wundersame Art und Weise zusammen gehört.  Die vielen Menschen und die Geschichten die uns so bereichern, der Arzbacher Hof, der Alpencampingplatz, die Sehnsucht nach der Ferne und gleichzeitig die Liebe zu Bayern und natürlich die zu unserer Familie. Doch schreibe ich in der Tat sehr wenig über den Stapel Buchführung und die ungeöffnete Post, die sich neben mir auf dem Schreibtisch rekordverdächtig ansammelt und auch nicht über den Wäscheberg im Keller. Ich habe dir auch noch nie von den stundenlangen, nervtötenden Gesprächen mit Versicherungen, mittlerweile ehemaligen Lieferanten und all den zwischenmenschlichen  Herausforderungen der letzten Tage erzählt, weil ich lieber auf das Gute schaue und weil ich bei Fotos grundsätzlich dann auf den Auslöser drücke, wenn alle lachen. Das bedeutet nicht, dass ich das Andere nicht sehe.  Ich hadere genauso mit Erziehungsfragen und lasse letztendlich das Gefühl entscheiden. Ich schmeiße Spielzeugautos (ja wirklich) durchs Kinderzimmer wenn ich sauer bin und bin mir sicher auch italienisches Porzellan (hätte wir eins im Schrank). Ich kann wie eine wilde Löwin Ansagen megaphonemässig durch den Raum brüllen und auf den Tisch hauen, auch wenn man mir das eigentlich gar nicht zutraut. Frag doch mal unsere Kinder! Doch dann wenn es abends wieder leise und ruhig wird, dann höre ich ihn wieder: Den Puls der uns antreibt und zusammen hält und das Herz das laut und warm in mir schlägt. Für unsere Kinder, meinen Mann und meine Familie. Wegen dem ich mich jetzt schon entschieden habe zu bleiben, was auch immer noch kommen mag.  Weil es das alles wert ist und weil es eben keine heile Welt ist, sondern das Leben. Unser Leben. Und wenn du jetzt immer noch hier bist, dann freue ich mich. Ehrlich und aus ganzem Herzen, so wie über einen Kaiserschmarrn ohne Rosinen, denn die mag übrigens keiner von uns.

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Ich wünsche dir, daß du dein persönliches Kaiserschmarrn-Lieblingsrezept kennst. Mit oder ohne Rosinien. Denn ein guter Kaiserschmarrn kann manches Mal alles sein. Aus ganzem Herzen, Deine M.

Mein persönlich liebstes und weltbestes Kaiserschmarrnrezept 😉

Zutaten für 2 Personen

75g glattes Mehl
200ml Milch
1 kräftige Prise Salz
2-3 Eier
15g Butter
Puderzucker zum Bestreuen
1 Glas Apfelmus

  1. Das Mehl in eine Schüssel geben und mit Milch und Salz glatt rühren.
  2. Die Eier kräftig unterschlagen, bis eine luftige, cremige Konsistenz erreicht ist.
  3. In einer passenden Pfanne die Butter schmelzen, den Teig eingießen und einen Deckel aufsetzen. Den Schmarrn auf kleiner Flamme solange backen, bis die Unterseite goldbraun ist und der Teig schön aufgegangen ist. Umdrehen nicht vergessen 😉
  4. Den Teig in mundgerechte Stücke reissen(z.B. Teigschaber) und auf einen vorgewärmten Teller geben. Mit reichlich Puderzucker bestreuen und mit Apfelmus servieren.

 

 


20 thoughts on “Heile Welt und Kaiserschmarrn ohne Rosinen

  1. Sehr schöner und wirklich wichtiger Beitrag in der heutigen Social Media-Zeit!!

  2. Dankeschön, aus ganzem Herzen und ganzer Seele ❤ Deine Beiträge machen die Tage ein bisschen heller & glitzernder und stellen schöne Bilder vor die Seele. Wie schön, dass ich diesen Blog über meine Seelenheimat gefunden habe, er hilft mir über die Zeiten wo ich nicht vor Ort bin.

  3. Liebe Verena und liebe Heidi, vielen Dank für euere Kommentare. Das bedeutet mir unsagbar viel, danke aus ganzem Herzen und einen wundervollen Tag euch zwei und den Menschen um euch rum!

  4. Ob du es glaubst oder nicht. Ich lese deinen Blog seit längerer Zeit regelmässig (meine Schwester auch;-) und seitdem den Adventskalender. Weil ich deine Weisheiten so gerne mag. Oft habe ich mich gefragt, ob du das kannst? Auf den Tisch hauen, Autos schmeißen? Super! Macht den Blog nur noch lesenwerter. Grüße aus München zu euch

  5. Sagenhaft! Des freit mi sehr Mona. Tausend liebe Grüße in die Landeshauptstadt!

  6. Liebe Michi,
    wieder einmal spüre ich die tiefe Verbundenheit…denn so ist das Leben…einmal Kaiserschmarrn, aber bitte ohne Rosinen!
    Bei uns ist das übrigens genauso.
    Ein ECHTER, EMPATHISCHER Artikel der „aus-ganzem-Herzen“ noch ein großes Stück LIEBENWERTER macht.
    Und wieder einmal zeigt was für ein wunderbarer Mensch du bist, welch ein großes Herz du besitzt und das du die Liebe&den Glanz in jedem so kleinen kostbaren Moment siehst.
    Und vielleicht findest du irgendwann die Zeit für einen Monatsspruch, den „aus-ganzem-HERZEN-Monatsspruch“, dann müssen wir einfach nicht so lange bis zum nächsten Adventskalender warten.
    Sei herzlichst gedrückt
    VLVF

  7. Liebe VLVF-Bande, was schreibt ihr nur für Sachen! Ich bin total berührt, fast sprachlos und danke euch aus ganzem Herzen! Das mit dem Monatsspruch ist eine sehr gute Idee. Ich überlege mir, was für den Mai passt…allerliebste Grüße und bis bald

  8. Des freit mi, danke dir! Das Arzbacher Hof Rezept ist ein bisserl anders. Mehr Eier, mehr nach Gefühl 😉 Nach dem Rezept mach ich den Kaiserschmarrn für unsere Kinder, weil sie ihn so am liebsten mögen.

  9. Super geschrieben und als Eltern von mittlerweile drei Teenager bestens nachvollziehbar!

  10. Lieber Sepp und liebe Marianne! Danke sehr für den Kommentar. Ich denke in einem gewissen Punkt geht es allen Eltern gleich 😉

  11. Liebe Michaela, ich habe dich beim Ernstings Family Award das erste Mal gesehen und gelesen und ich finde genau deinen Beitrag so lesenswert. Wenn ich deinen Blog durch lese, dann enthält er ganz berührende, tolle Texte und jede Menge „perfekter“ Bilder. Aber wenn man genau liest, dann sieht man, dass du uns nie die perfekte, heile Welt vorgauckelst, dass das einfach ein Teil deiner Persönlichkeit ist. Du bist ein Optimist! Genau deswegen war dein Beitrag so wichtig. Eine heile Welt bedeutet nicht, dass immer alles „rund“ läuft, sondern das man liebt. Wie du so schön schreibst. Viel Glück mit deinem Blog!

  12. Liebe Agnes, danke dir aus ganzem Herzen für deinen Kommentar! Ganz genau so war es gemeint.♥ Dein Kommentar freut mich wirklich sehr!

  13. Zwischen den Zeilen gelesen und wenn ich ihn noch einmal lese und noch einmal, dann verstehe ich nach und nach immer (noch) mehr. Danke!

  14. Tausend Dank Liebe Mama im Spagat und ich habe dich bei unserem Treffen im Kinderkunsthaus doch auch gleich ins Herz geschlossen ♥

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