Jeder von uns kann immer und überall da, wo er gerade ist, die Welt ein wenig besser machen/ das allererste Gipfeltreffen mit Dr.Ralph Bethke

Jetzt sind über fünf Monate vergangen seit meinem ersten Gipfeltreffen und endlich, endlich darf ich jetzt darüber schreiben. Normalerweise möchte ich beim Gipfeltreffen ausschließlich über die Person schreiben über die es tatsächlich geht, aber hier muß ich gleich eine Ausnahme machen, um die Geschichte zu erzählen die uns zueinander geführt hat. Auch wenn ich heute aus ganzem Herzen Wirtin vom Arzbacher Hof bin und das alles auch irgendwie als Berufung, Schicksal…empfinde, so war das nicht immer so klar wie heute. Manches Mal will das Leben, daß man erst einmal Abstand zu den Dingen bekommt und manches Mal muß man auch einen ganz anderen Weg einschlagen, um heraus zu finden was man wirklich will. Bei mir war das auf alle Fälle so.Und dieser Weg hat mich damals nach München zum Roten Kreuz verschlagen, um dort im biblischen Alter von 25 noch einmal eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester zu beginnen. Ich kann mich nur zu gut an damals erinnern, ich habe mich so auf die erste Psychologiestunden gefreut, einfach weil ich mich schon immer so dafür interessiert habe. Als dann Ralph (damals Herr Dr. Bethke) das Klassenzimmer betrat, erschien es mir mehr wie eine Bühne, als tatsächlich ein Klassenzimmer.

Die erste Stunde war als klassische Vorstellungsrunde gedacht gewesen, erinnerte aber mehr an einen Comedianauftritt im positvsten Sinne. Das Eis war sekundenschnell gebrochen und von da an, wurden von uns allen immer die Tage gezählt bis der“Bethke“ wieder als Dozent bei uns eingetragen war. Was mich damals so faszinierte war die Tatsache, daß Ralph uns Schülern alle im Lehrplan stehenden Themen auf eine so nachhaltige, größtenteils auch „unterhaltsame“ Art und Weise vermitteln konnte,  daß wir wirklich nichts mehr zusätzlich zu Hause lernen mussten. Manchmal hielten wir uns stundenlang mit einen Thema auf, ein anderes Mal waren wir wieder ganz schnell mit etwas durch, aber ausnahmslos immer hat uns der Unterricht auch persönlich etwas gebracht. Ralph ist meiner Meinung nach das leuchtende Beispiel was Schule sein kann. Ein Ort der Begegnung, des Austausches und des Wachstums. Und damit übertreibe ich auch gar nicht.  Jetzt kam alles anders und trotzdem ich mich am Rotkreuzplatz und auch im Haunerschen Kinderkrankenhaus so wohl gefühlt habe, hat nichts daran vorbei geführt, diese innere Stimme zu überhören wieder einen Schritt zurück nach Hause zu gehen. Im ersten Moment fühlte es sich wirklich  wie ein Rückschritt an, aber heute erst wird mir bewusst wie richtig und wichtig alles war und das wieder einmal alles auf wunderbare Weise zur richtigen Zeit passiert ist. Ein paar Monate später an einem Karfreitag ist Ralph und seine ganz zauberhafte Frau Angelika bei uns im Arzbacher Hof zum Essen vorbei gekommen. Was für eine Freude! Das war 2006 und seitdem ist daraus eine ganz persönliche Tradition entstanden und wir haben uns seither jeden einzelnen Karfreitag bei uns im Arzbacher Hof getroffen.  Zu stundenlangen Gesprächen bei denen die Zeit grundsätzlich viel zu schnell vergeht und was bleibt ist die Vorfreude auf den nächste Karfreitag.

Nun hat es sich so zugetragen, daß wir nächstes Jahr für eine „freie Trauung“ bei uns im Arzbacher Hof noch einen Redner gesucht haben und weil sich niemand besser eignet, ist und Ralph eingefallen. Zu diesem Anlaß ist Ralph dann außerkarfreitaglich zu uns in den Arzbacher Hof gekommen. Und wie hätte dieses 1. Gipfeltreffen besser gepasst, als für diesen Tag?

Ich hatte noch ein Hochzeitsvorbereitungsgespräch im Arzbacher Hof und wir sind viel später los als ich allerspätestens wollte. Jeder der uns kennt, weiß daß das im Grunde fast immer so ist. Pünktlich zu sein fällt schwer, einfach weil tausend kleine Dinge am Tag passieren, die man immer irgendwie noch unter bekommen will. Doch am Ende des Tages schafft man es dann doch noch irgendwie. So habe ich schnell ein paar Getränke und eine Brotzeit eingepackt.  Der Tank im VW-Bus war fast leer, also sind wir sicherheitshalber mit unserem Lieferauto, dem Ducato gefahren. Meine Nichte war längst schon da, um auf die Kinder aufzupassen. Baby Kati wollte mit, also habe ich sie auch noch eingepackt. Weil es jetzt wirklich eng würde mit der Zeit, habe ich für das erste Gipfeltreffen noch einmal die Sundraten ausgewählt. Das hat auch  einen symbolischen Hintergrund, weil die Idee dazu ist ja auch während einer Sundraten Tour entstanden. Eigentlich ja noch viel früher, weil es ist ja gar nicht meine Idee. Vielleicht kann ich das Werner Schmidbauer eines Tages einmal fragen was man sich da dabei gedacht hatte 😉

Den Weg zur Sundraten habe ich euch ja schon beim letzten Mal beschrieben, doch jede Wanderung ist immer einzigartig. Besonders auch diese hier. Ich habe kein Fernsehteam, daß mit mir mitgeht und auch keine Kamera’s die alles Gesagte aufzeichnen, ich versuche einfach mir alles zu merken. Heute nach vier Monaten, fällt es mir immer noch relativ leicht, den Tag abzurufen. Wie das immer so ist bei Erinnerungen an  ganz besondere Menschen und ich freue mich so, euch (endlich) mitzunehmen zum allerersten Gipfeltreffen mit Dr. Ralph Bethke.

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Ralph kannst du uns kurz von deinem beruflichem Lebensweg erzählen?profil

Sehr gerne. Ich bin 1962 in München  Sendling geboren. Dort lebe ich auch jetzt noch. Zwar bin ich immer wieder umgezogen, aber Sendling ist neben Landshut bis heute mein Lebensmittelpunkt geblieben. Ich bin ganz normal ins Gymnasium gegangen, bis die damalige Lehrerin meiner Mutter den Ratschlag gab, mich wegen meiner nicht ganz so guten Leistungen in Mathematik lieber einen „gescheidn Beruf“ erlernen zu lassen. Ich war mir damals selbst nicht sicher, was ich wirklich wollte. So bin nach der 10. Klasse mit der mittleren Reife vom Gymnasium gegangen um erst einmal eine Ausbildung als Verlagskaufmann zu beginnen. Ich machte die Ausbildung zwar zu Ende, aber dennoch fühlte ich, das es das nicht ist. Ich wußte zwar nicht was ich genau werden wollte, wußte dafür aber das ich gerne lehrte, es liebte Dinge weitergeben und auch kein Problem hatte vor Menschen frei zu sprechen.  Nach der Ausbildung habe ich das Abitur auf der Fachoberschule nachgeholt, habe Psychologie, Religionspädagogik und  Religionsphilosophie studiert. Letzteres weil ich mir durchaus vorstellen konnte evangelischer Pfarrer zu werden, was zu dieser Zeit auch mein Wunsch war.

Darum auch Religionspädagik und Religionsphilosophie im Nebenfach?

Ja genau.

Warum hast du dich dann letztendlich für einen anderen Weg entschieden?

Wäre ich diesen Weg zu Ende gegangen, so hätte ich den Menschen vor denen ich dann ja auch gepredigt hätte eine bestimmte Lehre gewissermaßen „aufdrängen“ müssen. Ich würde mich selbst als tiefgläubig beschreiben, doch genau deswegen konnte ich letztendlich diesen Weg nicht in aller Konsequenz gehen. Ich bin überzeugt, daß es nicht die eine Wahrheit gibt und daß Religion immer auch etwas ist, das jeder Mensch für sich selbst herausfinden muss. Meine Aufgabe sehe ich mehr darin, dem Menschen zu dienen und ihn auf seinen Weg zu begleiten. Mehr unterstützend, nicht aber missionierend.

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An dieser Stelle bleiben wir kurz stehen. Die Alpen vor uns färben sich rot-orangen und die Sonne ist gerade dabei langsam hinter den Bergen zu versinken.

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Du arbeitest mittlerweile schon über 25 Jahre als freier Dozent an mehreren Schule in und um München. Dabei unterrichtest du hauptsächlich junge Menschen. Gibt es eine Tendenz, eine Bewegung im Moment, worüber du sagen könntest, das ist typisch für die jetzige Generation?

Ich würde sagen, das viele der jungen Erwachsenen heute gar nicht wissen wer sie selbst sind. Damit meine ich nicht diese Art von Orientierungslosigkeit die fast alle Jugendliche umgibt, ja die sie sogar brauchen, denn schließlich muß jeder Mensch sich erst langsam vortasten wer er ist und was er werden will. Es ist viel mehr, dieses Gefühl sich selbst so wenig zu kennen. Wo sind meine Stärken, meine Schwächen, meine Talente, meine Begabungen…usw. Es ist wichtig sich selbst reflektieren zu können. Was kann ich besonders gut, was liegt mir nicht so sehr. Erst wenn ich diese Fragen für mich beantworten kann, dann kann ich mutig und selbstbewusst ins Leben gehen.IMG_8149

Um heraus zu finden, was ich im Leben wirklich will?

Ja, denn ich als Lehrer kann meine Schüler ja immer nur begleiten, ihnen evtl. eine Hilfestellung geben. Die Antwort auf die Frage, wer bin und wo will ich hin, muß jeder individuell selbst für sich beantworten.

Du hast Psychologie studiert. Wenn du zum Beispiel Menschen im Alltag begegnest, kommt es da öfters vor, daß du sie unbewusst analysierst? Also zum Beipiel, dieser Mensch könnte  dies oder das Problem haben?

Ganz ehrlich? Umso mehr Wissen ich mir auf diesem Gebiet aneignen durfte, umso demütiger wurde ich tatsächlich. Ich würde mir nie ein Urteil über jemanden erlauben, weil ich ihn ja gar nicht kenne, noch weniger die Gründe warum jener Menschen so geworden ist, wie er eben ist. Es wirken immer so viele Dinge gleichzeitig darauf ein und kein Mensch ist ja wie der andere.

Für dich spielt der Glaube ja eine sehr große Rolle und ich erinnere mich, als einmal im Unterricht die Frage aufkam, ob du persönlich an ein Leben nach dem Tod glaubst. Du hast damals gar nicht mit ja geantwortet,  sondern ganz selbstverständlich und ausführlich davon berichtet, so als ob sich die Frage gar nicht stellen würde. Hand aufs Herz hast du nie daran gezweifelt?

Im Grunde nicht. Es ist für mich nicht eine Frage des Glaubens, mehr des Wissens. Darum zweifele ich auch nicht daran.

Warum bist du dir da so sicher?

Das kann ich dir auch nicht sagen. Es ist einfach so. Ein Buch welches mir zufällig zur rechten Zeit in die Hände fiel und mich sehr beeinflusst hat war das Schicksal als Chance von Thorwald Dethlefsen. Plötzlich war alles niedergeschrieben, was ich tief im Inneren eh schon immer gefühlt habe. Für mich war dieses Buch wirklich wie eine Offenbahrung. Wie der Titel des Buches schon erahnen lässt, ist damit auch gemeint, daß wir immer auch die Aufgabe erhalten, die wir gerade brauchen und im Augenblick auch lösen können. Wir sind hier um zu wachsen. Mit jeder Aufgabe ein Stück mehr. Umso größer der Leidensdruck, umso dringender müssen wir unserem Leben eine Richtung geben. Und die geht möglicherweise ganz woanders hin, als wir uns das vorgestellt haben. Dabei wäre es doch so einfach. Achte auf deine Gefühle und du wirst deinen Weg wissen.

Gibt es dem noch was hinzuzufügen?

Nein, eigentlich nicht. Nur, das ich zugeben muß, daß das im Alltag nicht ganz so leicht ist. Ich selbst predige das ja auch immer regelrecht bei meinen Schülern, achte darauf ob es dir langfristig dabei gut geht, tut es das, dann bleibe dabei. Dann ertappe ich mich aber immer wieder selbst, wie ich mich bei verhältnissmäßig kleinen Dingen immer noch aufrege und dann auch anders verhalte, obwohl ich es doch wissen müsste.

Hattest du persönlich einmal eine Krise, von der du sagst, diese hat alles verändert?

Tatsächlich keine einschneidende, erdbebengleiche Krise, von der ich sagen könnte, das hat alles auf den Kopf gestellt und von heute auf morgen verändert. Mehr die kleine Krisen, die einen aber dann doch aufstehen lassen, um etwas zu ändern.

Wir näheren uns dem Gipfel und als wir am Sundratenbankerl angekommen sind, dämmert es bereits. Leider habe ich auch keine Brotzeit a la Werner Schmidbauer mit selbstgebackenen Fleischpflanzerl vorzuweisen. Meine Brotzeit ist sagen wir mal so: eher einfach. ( Beim nächsten Gipfeltreffen dann!) Und weil ich wirklich selbst überrascht bin, daß wir doch so spät erst weggekommen sind, habe ich nicht einmal eine Taschenlampe eingepackt. Schnelle Brotzeit, ein paar Schlücke Weißbier und wir machen uns auf den Rückweg. Das obere Waldstückerl hat es in sich, langsam gehen wir den dunkelnen Steig nach unten. Irgendwann erreichen wir dann wieder die Lichtung und man kann zumindest jetzt wieder den Weg erkennen.

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Ralph du hast schon an so vielen Schulen unterrichtet, unter anderem auch Schulen als Direktor geleitet, wirst du weiterhin unterrichten?

Wahrscheinlich werde ich irgendwie immer als „Lehrer“ ( im Sinne von lehren) tätig sein. In der nahe Zukunft ist jetzt aber geplant, daß ich mich zusammen mit Angelika (Ralphs große Liebe und langjähriger Lebensgefährtin) nach und nach mehr in ihrer Praxis mit einbringe. Wir planen gemeinsame Seminare und sehen uns als spirituelle Lebensbegleiter und Berater. Meine Zukunft wird also sicher mehr in Landshut sein.

Gibt es etwas das du unseren Bloglesern mit auf den Weg geben möchtest?

Jeder von uns kann immer und überall da, wo er gerade ist, die Welt ein wenig besser machen… Wir sind das Licht der Welt – lassen wir es leuchten!

Spontan dein Lieblingslied?

Spontan würde ich nennen: Whitney Houston, The Greatest Love Of All…

Als wir fast unten am Sundratenparkplatz ankommen sind, scheinen über uns die Sterne. Was für eine wundervolle Herbstnacht!

Lieber Ralph, ich bedanke mich bei dir für deine Zeit, deine ehrlichen Antworten und für das bewegende Gespräch. Ich habe dich für das erste Gipfeltreffen ausgesucht, weil ich es so wichtig finde was du machst und noch mehr wie. Jede Schule kann nicht genug gute Lehrer haben, die ihre Aufgabe so ernst nehmen und mit solchem Herzblut dabei sind wie du. Auf was für wunderbare Schulen könnten wir alle unsere Kinder schicken! Wo sie gesehen und gehört werden, wo Glück ein Unterrichtsfach ist und Liebe der Wegweiser. Und daß du und Angelika jetzt zusammen in der Praxis in Landshut arbeiten werdet, finde ich den besten Gedanken überhaupt! Ihr zwei zusammen könnt Berge versetzten, daß habe ich immer schon gewusst. Ich freue mich so auf euch und auf den nächsten Karfreitag. Danke am allermeisten dafür, daß ich euch kennen lernen durfte!

aus ganzem Herzen M.

drralphbethke.de  www.angelikarosinapopp.de


6 thoughts on “Jeder von uns kann immer und überall da, wo er gerade ist, die Welt ein wenig besser machen/ das allererste Gipfeltreffen mit Dr.Ralph Bethke

  1. Oh, das erste Gipfeltreffen! Und es war sehr interessant! Ich wünschte es gebe mehr solcher Lehrer wie Herr Dr. Bethke!

  2. Dann würde es auch immer mehr Schüler geben die richtig gerne zur Schule gehen! Danke sehr für deinen Kommentar!

  3. Superidee und tolles Interview 🙂 Wann kommt das nächste Gipfeltreffen, Michaela?

  4. Liebe Michaela,
    wirklich eine grossartige Idee mit dem Gipfeltreffen…Einblicke in die Lebensphilosophien anderer Menschen sind immer interessant. Und beim Wandern und Laufen fällt das Reden und „aus dem Nähkästchen plaudern“ jedem viel leichter…das ist auch meine Erfahrung. Bin gespannt auf die weiteren Geschichten vom Gipfel.

  5. …danke dir Petra! Und ich wünsche mir jetzt einfach einmal eins der nächsten Gipfeltreffen ist mir dir 😉 Das würde mich so sehr freuen!

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