Liebe ist Leben

Aus der Erde sind wir genommen, zur Erde sollen wir wieder werden, Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub

Heute am Aschermittwoch sind unsere Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen des Zugunglücks in Bad Aibling. Wenn so viele Menschen auf einmal in den Tod gerissen werden, dann macht uns das im ersten Moment fassungslos. Wir erahnen und fühlen das Trauma für die betroffenen Familien, welches sich dahinter verbirgt. Auch bei uns im Arzbacher Hof war heute wieder einmal eine Trauerfeier. Ich wollte schon so oft darüber schreiben, aber irgendwie scheint es mir besonders heute an diesem Aschermittwoch der richtige Moment dafür. Früher als Kind habe ich es nicht verstehen können, warum man nach einer Beerdigung sich noch einmal im Wirtshaus trifft. Vor Kummer würde man doch bestimmt nicht einen Bissen herunter bekommen. Das Wort „Leichenschmaus“ habe ich nie gemocht, auch heute nicht. Ich würde mir einen neuen Namen aussuchen „Lebensfest“ oder so.

Aber ich habe jetzt Jahre später den Sinn dahinter erkannt und auch die Wichtigkeit dieser alten Tradition. Ich habe Trauerfeiern erlebt, bei denen uns und dem gesamten Personal ganz seltsam zumute war. Einfach weil es sich um einen besonders traurigen Fall gehandelt hat. Das Schulkind, das gerade einmal ein halbes Jahr später zu ihrem Papa in den Himmel nachgefolgt ist. Der junge Familienvater der ganz plötzlich und unerwartet verstorben ist. Doch besonders da, mußte ich feststellen wie wertvoll es ist, wenn man nach der Beerdigung im engsten Kreis und auf einem neutralen Boden noch einmal zusammen kommt. Man redet über die verstorbene Person, weint und lacht, trinkt zusammen den Lieblingslikör oder wählt ein Gericht aus, das der Mensch um den man trauert zu Lebzeiten gerne mochte. Oft habe ich es als kurzes Durchatmen, als Kräftesammeln vor dem Weg nach Hause empfunden. Besonders bei ältern Menschen, wenn der Ehepartner mit dem man fast sein ganzes Leben lang verheiratet war gestorben ist, dann ist da oft diese Leere die in den ersten Tag zu Hause wartet, eine der größten Ängste. Wie gut es dann tut, noch einmal alle seine Lieben, Verwandten, Freunde um sich zu wissen. Das stärkt, keine Frage. Zusammen essen bedeutet, auch wenn es noch so sehr weh tut: Das Leben geht weiter. Das Wichtigste für uns ist immer, daß neben all dem gastronomischen  Aspekten genügend Raum für die Persönlichkeit des Verstorbenen ist.  Genau so als würde man ihm/ihr zu Ehren ein Fest ausrichten. Kerzen, persönliche Meükarten, Steine oder Tafeln mit den Namen oder Wünschen…es ist im Endeffekt egal. Aber es gibt nichts Schlimmeres bei einer Trauerfeier, als einen unpersönlichen und gefühlsarmen Rahmen.  Das ist unter normalen Umständen schon schrecklich, für Trauerende ist es kaum auszuhalten. Es ist dann beinahe so, als würde man den Menschen, um den man trauert, gar nicht sehen oder würdigen. Denn Trauern ist Lieben. Umso mehr man in Verbindung ist, umso tiefer ist die Trauer. Trauer ist etwas dynamisches, das man nicht kontrollieren kann. Man kann sich nur öffnen und die Dankbarkeit zulassen die neben all den tausend Gefühlen ganz zum Schluß kommt. Die Dankbarkeit darüber daß man diesen geliebten Menschen getroffen hat und Zeit zusammen geschenkt bekommen hat. Ich bin oft berührt, so wie heute. Weil wieder eine ganz besondere Familie ihre liebe Oma mit soviel Gefühl und Herzlichkeit auf ihren letzten Weg begleitet hat und ich wünsche aus ganzem Herzen alles Gute. Trauerfeiern können traurig und schön zur gleichen Zeit sein.  Versuche in jeder Situation aus der Liebe heraus zu handeln, halte dein Herz weit offen, das Leben ist endlich. Oft vergessen wir das. Ich habe einmal mit meinem Papa gewettet, daß wir uns alle einmal wiedersehen. 50 Euro für den der Recht hat. Eine gute Wette, weil ich ja sowieso nicht verlieren kann. Denoch bin ich überzeugt davon, das war immer schon so. Ich habe keine Ahnung woher das kommt, es ist mehr ein Urvertrauen in mir, daß es nur so sein kann. Und trotzdem, macht es mir Angst, wenn ich daran denke. Weil man alle Menschen die man liebt am liebsten nie loslassen möchte. Doch Leben ist Lieben. Trauern ist lieben. Es ist die Sehnsucht nach einander, die so sehr weh tut, aber die uns auch über uns hinaus wachsen lässt.

Und du? Richte dir ein Leben ein, in dem du von Liebe umgeben bist. Liebe muss fliessen, so wie ein wilder, klarer Gebirgsbach aus einer reinen, kraftvollen Quelle. Möge die Liebe immer in dir sein, denn sie wird dich durch und über alles tragen.

Aus ganzem Herzen M.

Bild M.Linke

Und ich möchte dir eine Frage stellen. Vielleicht musstest du schon einmal einen großen Verlust in deinem Leben erleben. Wie denkst du über Trauer? Was hat dir geholfen?


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