Der magischer Moment und warum Berge der beste Ort dafür sind

Seit Langem schaue ich schon von hier unten rauf. Sehnsuchtsvoll. Verliebt. Besonders abends wenn die Sonne rotgolden hinter den Bergen versinkt und nur die Sunntratenspitze noch in hellem, lodernden Licht leuchtet, dann würde ich am liebsten da ob auf den kleinen Bankerl sitzen. Jetzt am Donnerstag war es endlich soweit: Ruhetag, Feierabend in der Alpencampingrezeption und ein Jetzt-oder-nie-Gedanke. Wer weiß wie lange der Sommer noch bei uns bleibt und die Sonntraten an einem lauen Sommerabend ist im wahrsten Sinne …einfach wundervoll! Die großen Kinder waren mit meinem Mann bei meinen Schwiegereltern und somit bestens versorgt, Baby Kati konnte bei Oma Betty unterschlupfen und somit habe ich in Windeseile meine Bergschuhe und unseren französischen Ferienjobbler Jaques eingepackt und bin los. Ich fühlte mich leicht, fast beschwingt und jeder Schritt nach oben fühlte sich an wie die ersten eiskalten Schlücke Wasser die man nach einer langen Zeit Durst aus einer glasklaren Quelle trinkt. Irgendwie fast lebenswichtig. Wir kraxelten querfeldein, sollte man nicht tun, ich weiß, aber der Weg ist so einfach noch schöner, als er ohnehin schon ist. Entlang dichtbewachsenen Brombeersträuchern, durch Zäune und Geäst hindurch, vorbei an graskauenden Geißböcken und glücklichen Kühen.

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Die Sonne war beinahe untergegangen und wir versuchten euphorisch noch schneller nach oben zu laufen, um pünktlich zum Sonnenuntergang noch auf dem Bankerl zu sitzen. Doch auf einmal war er da, der magische Moment. Wir haben es zwar nicht mehr bis zum Gipfel geschafft, aber das war ja dann auch egal. Vor uns färbte sich der Himmel in den allerschönsten Farben. Lila, Blau, Orange, Rot…Wir hielten an und staunten. Ein paar Minuten standen wir einfach nur so da. Man kann manches Mal so schwer beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn so ein Augenblick wie dieser daher kommt. Es ist ein Gefühl in dem sich ganz plötzlich ein unendlich tiefer Frieden überall um und in einem ausbreitet und sich wie ein sanfter Schleier über alles und jeden legt. Ich glaube, jeder der öfter und gerne auf die Berge geht, kennt es. Das Gipfelglück. Man ist dem Himmel so nah, körperlich und geistig.

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Kurze Zeit später sind wir dann tatsächlich oben angekommen. Das Bankerl is frei, Brotzeit und Getränke werden ausgepackt. Wir reden über all die Dinge in der die letzten drei Wochen wenig oder noch keine Zeit war. Dann schleicht sich kurz der Gedanke ein, was für ein idealer Rahmen das für diesen Blog wäre. So wie das Gipfeltreffen von Werner Schmidbauer, nur halt ohne Promis. Ich werde mir für’s nächste Mal, ein paar Fragen überlegen und für euch jemanden auswählen von dem ich finde, daß er wirklich Interessantes zu erzählen hat. Das hätte Jaques auch, da bin ich mir ganz sicher. Es kommt mir irgendwie so vor, daß man sich leichter öffnet während so einer Bergwanderung. Die Gespräche kommen aus der Tiefe, vielleicht weil man alleine schon optisch einen anderen Abstand und Blickwinkel zu den Dingen bekommt. Da sitzen wir nun schweigend auf unserem Bankerl, aber nicht weil es nichts zu sagen gibt, sondern weil gerade alles gesagt ist. Es ist alles gut.

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Als wir wieder ins Tal wandern leuchtet der Mond (fast Vollmond) und die Sterne für uns. Schon wieder ein magischer Moment. Heute läuft’s aber auch! Ich wünsche mir Jaques kann diese spontane Bergtour und seine Zeit bei uns im Arzbacher Hof mit nach Frankreich nehmen. Wenn es auch nicht einmal ein Monat war in der er bei uns war. Für uns war er eine Bereicherung in jeder Hinsicht und wir sind sehr dankbar, daß wir ihn und seine Familie ein bisserl kennen lernen durften.
Ich wünsche dir, Begegnungen die dein Herz berühren und Berge (und magische Orte) die das auch tun. Und wenn er dann kommt DER magische Moment, dann halt kurz inne und öffne dein Herz soweit es geht, bevor er wieder weg ist. Magische Momente ziehen schnell vorüber, das liegt in ihrer Natur. Wenn ich an dieser Stelle passend zu Frankreich den kleinen Prinzen sprechen lassen könnte, dann würde er sicher sagen, man sieht nur mit den Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Ich wünsche dir, dass du sehen kannst aus ganzem Herzen M.

Lese über die Suntraten (auch Sonntraten geschrieben) im Post „7 Geheimtipps für den Sommer im Isarwinkel“

www.auf-den-berg.de/wandern/bayern/wanderung-auf-die-sonntraten-bei-lenggries

www.hoehenrausch.de/berge/sonntraten/index.php


One thought on “Der magischer Moment und warum Berge der beste Ort dafür sind

  1. Tolle Idee. Ich schau doch immer den Schmidtbauer im Bayerischen Fernsehen. Jetzt lese ich dich 😉

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